Robinhood kündigt Perp-Futures mit 10x Hebel für US-Kunden an: „Märkte funktionieren nicht ohne Trader“
Robinhood will berechtigten US-Kunden Perpetual Futures auf acht Kryptowährungen anbieten, mit bis zu 10x Hebel auf Bitcoin und Ethereum. Handelbar ist noch nichts, und in Europa gilt eine andere Hebelgrenze.

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Robinhood will berechtigten Kunden in den USA Perpetual Futures auf acht Kryptowährungen anbieten, mit bis zu zehnfachem Hebel auf Bitcoin und Ethereum. Angekündigt hat der Broker das am Abend des 29. September 2026 auf seiner Hausmesse HOOD Summit in Houston, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer Handelsprodukte. Handelbar ist davon noch nichts: Die Mitteilung nennt keinen Starttermin, sondern spricht von den kommenden Monaten.
Für dich als Anleger in Deutschland ist die Nachricht trotzdem mehr als eine Meldung über einen amerikanischen Broker. Denn Robinhood betreibt sein Perpetual-Geschäft in Europa über dieselbe technische Kette, und die Hebel, die dort freigeschaltet sind, unterscheiden sich von den amerikanischen deutlich. Dazu kommt ein Punkt, den die meisten Meldungen auslassen: Steuerlich ist ein gehebelter Kontrakt auf Bitcoin etwas völlig anderes als ein Bitcoin im eigenen Depot.
Was Robinhood angekündigt hat: acht Perpetual Futures, 10x Hebel auf BTC und ETH
Nach der Mitteilung des Unternehmens sollen berechtigte US-Kunden künftig Long- und Short-Positionen auf Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP, Dogecoin, Cardano, Chainlink und HYPE eingehen können, ohne Verfallsdatum. Der Hebel liegt bei bis zu 10x auf den Bitcoin- und Ethereum-Kontrakten und bei 3x auf den übrigen sechs. Bis zum Jahresende verlangt Robinhood nach eigenen Angaben einen Basispunkt pro Handel, also 0,01 Prozent des Kontraktwerts. Angeboten werden die Kontrakte von Robinhood Derivatives, einem bei der US-Aufsicht registrierten Futures Commission Merchant, technisch über die Handelsplattform Bitstamp.
Die Ankündigung stand nicht allein. Robinhood stellte im selben Aufschlag eine in die App eingebaute KI-Handelsfunktion vor, Wochenendhandel für ausgewählte US-Aktien, der noch unter aufsichtsrechtlichem Vorbehalt steht, und sogenannte Earnings Contracts auf Kennzahlen einzelner Unternehmen. Firmenchef Vlad Tenev ordnete das Paket in der Mitteilung so ein: Ownership doesn't work without markets, and markets don't work without traders.
Man liefere Werkzeuge, die einmal Hedgefonds, Großbanken und Quant-Firmen vorbehalten gewesen seien. Die Richtung ist damit ausgesprochen: mehr Hebel, mehr Automatisierung, längere Handelszeiten, und das für ein Publikum von rund 29 Millionen Kunden.
Der Kursrahmen dazu ist ruhig. Bitcoin notiert am 30. September gegen 17:50 Uhr deutscher Zeit bei rund 84.100 Dollar und damit gut ein Prozent über dem Vortag, Ethereum bei etwa 2.680 Dollar (Daten: CoinGecko). Eine Kursreaktion auf die Ankündigung ist in diesen Zahlen nicht zu erkennen, und das ist bei einem Produktstart, der erst in Monaten kommt, auch nicht zu erwarten.
Perpetual Futures ohne Verfallsdatum: So funktioniert die Funding-Rate
Ein Perpetual Future ist ein Terminkontrakt auf einen Basiswert, der keinen Liefertermin und kein Verfallsdatum hat. Du kannst eine Position also theoretisch unbegrenzt offen halten. Damit der Kontraktpreis trotzdem am Kassakurs klebt, gibt es die Funding-Rate: eine Ausgleichszahlung, die in festen Abständen zwischen den Long- und den Short-Seiten fließt. Notiert der Kontrakt über dem Kassakurs, zahlen die Longs an die Shorts; notiert er darunter, läuft die Zahlung umgekehrt.
Ein Basispunkt klingt klein, die Funding-Rate ist der größere Posten
Die 0,01 Prozent Handelsgebühr sind für eine gehebelte Position selten der entscheidende Kostenblock. Wer eine Long-Position über Wochen hält, zahlt in einem Markt mit positiver Funding-Rate laufend an die Gegenseite, und diese Zahlungen summieren sich unabhängig davon, ob der Kurs sich in die gewünschte Richtung bewegt. Wie sich dieser Posten rechnet, ist in unserem Erklärstück zu Perp-DEX aufgeschlüsselt. Vor der ersten Position lohnt es sich, die Funding-Historie des Kontrakts anzusehen, den du handeln willst, statt nur die Gebührenzeile zu vergleichen.
Robinhood Derivatives und Bitstamp: Die Kette aus Broker, Clearer und Börse
Hinter der einen App stecken mehrere Gesellschaften, und das ist bei Derivaten keine Formalie. Der Kunde hat sein Konto bei Robinhood Derivatives, einer eigenständigen, bei der Aufsicht registrierten Gesellschaft für Terminhandel. Ausgeführt und abgewickelt werden die Perpetual-Kontrakte über Bitstamp, die Handelsplattform, die Robinhood 2025 übernommen hat. Für dich bedeutet das: Der Vertragspartner deiner Position ist nicht der Broker, dessen Oberfläche du bedienst.
Wer wissen will, wie gut eine solche Kette im Ernstfall hält, schaut auf zwei Dinge. Erstens darauf, welche Gesellschaft in welchem Land beaufsichtigt wird, denn davon hängt ab, welcher Anlegerschutz überhaupt gilt. Zweitens darauf, was mit einer offenen Position passiert, wenn ein Kontrakt eingestellt wird. Coinbase hat Ende August zehn Perpetual-Futures gestrichen und offene Positionen dabei zwangsweise abgerechnet; dass ein Anbieter ein Derivat wieder vom Markt nimmt, ist kein theoretischer Fall. Eine Übersicht über die Plätze, die Perpetual-Kontrakte anbieten, und über deren Bedingungen findest du in unserem Vergleich der Perp-Handelsplätze.

Liquidationspreis und Stop-Loss: Wo der Hebel die Position beendet
Robinhood nennt in der Mitteilung ausdrücklich, dass Kunden Stop-Loss- und Take-Profit-Aufträge setzen, ihren Liquidationspreis in Echtzeit sehen und eine Warnung erhalten, wenn eine Position in Gefahr gerät. Das ist Standard bei gehebelten Produkten und sollte nicht mit Sicherheit verwechselt werden. Der Liquidationspreis ist der Kurs, an dem die hinterlegte Sicherheitsleistung aufgebraucht ist und die Handelsplattform die Position schließt, ohne zu fragen.
Die Rechnung dahinter ist unangenehm einfach. Bei zehnfachem Hebel genügt grob gerechnet eine Kursbewegung von zehn Prozent gegen die Position, um den Einsatz aufzuzehren; bei dreifachem Hebel sind es rund 33 Prozent. Bitcoin hat solche Tagesbewegungen in den vergangenen Jahren wiederholt gezeigt. Wer den Hebel als Renditeverstärker betrachtet, unterschlägt, dass er die Haltedauer verkürzt, die man rein rechnerisch durchstehen kann. Ein Stop-Loss hilft dabei nur, wenn er weit genug vom Liquidationspreis entfernt liegt, damit er vorher greift.
Perp-Futures in Deutschland: 3x Hebel über Bitstamp, nicht 10x
Die zehnfachen Hebel der Ankündigung gelten für US-Kunden. Robinhood bietet Krypto-Perpetuals in Europa schon seit 2025 an, geleitet über die Perpetual-Futures-Börse von Bitstamp, und dort war der Hebel auf das Dreifache begrenzt. Zehnfach wird es in Europa bisher nur bei einer anderen Produktgruppe: Seit Juli 2026 gibt es dort Perpetual-Kontrakte auf Rohstoffe, ETFs und Währungen, etwa auf Gold, Silber, Rohöl und das Euro-Dollar-Paar, und für diese nennt der Anbieter bis zu 10x.
Ob du das Angebot überhaupt bekommst, ist eine zweite Frage. Robinhood hat seine Plattform nach eigenen Angaben auf 30 europäische Länder ausgeweitet, veröffentlicht aber keine öffentliche Liste, welche Kontrakte in welchem Land freigeschaltet sind. Was für dich gilt, steht in den Angebotsbedingungen, die dir bei der Kontoeröffnung angezeigt werden, und nicht in einer Pressemitteilung aus Houston. Diesen Abgleich machst du vor der Einzahlung, nicht danach.
MiCA gilt für Spot, MiFID II für Derivate: Der Rechtsrahmen für deutsche Anleger
Hier liegt der Unterschied, der in den meisten Meldungen fehlt. Die europäische Kryptoverordnung MiCA regelt den Handel mit Kryptowerten selbst, also den Kauf eines Coins gegen Euro und dessen Verwahrung. Ein Perpetual Future auf Bitcoin ist kein Kryptowert in diesem Sinne, sondern ein Finanzinstrument: Er fällt unter die Finanzmarktrichtlinie MiFID II und das deutsche Wertpapierhandelsgesetz. Robinhood selbst beschreibt seine europäische Plattform als nach MiCA und MiFID II reguliert, was genau diese Zweiteilung abbildet.
Die Einordnung als Termingeschäft und der Anlegerschutz
Praktisch heißt das: Für den Derivatehandel greifen die Pflichten aus MiFID II, vom Angemessenheitstest über die Kostentransparenz bis zu den Produktinformationsblättern. Umgekehrt helfen dir die MiCA-Regeln zur Verwahrung von Kundenguthaben bei einer offenen Terminposition wenig, weil du dort keinen Coin besitzt, sondern eine Forderung aus einem Kontrakt. Welche Pflichten die Verordnung den Anbietern im Kryptogeschäft auferlegt und wo ihre Grenzen liegen, haben wir in der Übersicht zu den MiCA-Lizenzpflichten aufgeschrieben.

Rund um die Uhr offen: Das Wochenende ohne Handelsschluss
Perpetual Futures auf Kryptowährungen handeln durchgehend, auch nachts und am Wochenende. Das ist bequem und es ist ein Risiko, das viele erst beim zweiten Mal bemerken: Eine gehebelte Position kann am Sonntagmorgen liquidiert werden, während der Kontoinhaber schläft. Genau deshalb hat Robinhood die Echtzeitanzeige des Liquidationspreises und die Warnmeldung im Paket. Beides ersetzt keine Positionsgröße, die eine Nacht ohne Aufsicht verträgt.
Der geplante Wochenendhandel für US-Aktien geht in dieselbe Richtung, steht aber noch unter Vorbehalt der Aufsicht und betrifft zunächst eine ausgewählte Liste von Titeln. Für deutsche Anleger ist das vorerst eine Nachricht über den amerikanischen Markt. Der Trend dahinter, das Verschwinden von Handelsschluss und Wochenende, erreicht den Kryptomarkt allerdings nicht erst jetzt, sondern prägt ihn seit seinen Anfängen.
Steuer: Haltefrist gilt für Spot, nicht für Perpetual Futures
Dieser Punkt kostet in der Praxis das meiste Geld, und er wird beim Blick auf Hebel und Gebühren regelmäßig übersehen. Kaufst du Bitcoin und hältst ihn privat, greift Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes: Nach einer Haltefrist von einem Jahr bleibt der Veräußerungsgewinn steuerfrei. Ein Perpetual Future ist dagegen ein Termingeschäft. Gewinne daraus zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen nach Paragraf 20 des Einkommensteuergesetzes und werden mit 25 Prozent Abgeltungsteuer belegt, dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Eine Haltefrist, nach der etwas steuerfrei wird, existiert dort nicht.
Wer eine Kursidee also über einen gehebelten Kontrakt statt über den Coin selbst umsetzt, tauscht eine mögliche Steuerfreiheit nach zwölf Monaten gegen eine feste Belastung auf jeden Gewinn. Bei einer kurzfristigen Position ist das ohne Belang, denn innerhalb des ersten Jahres ist auch der Spot-Gewinn steuerpflichtig. Bei einer Position, die man ohnehin lange halten wollte, ist es ein teurer Umweg.
Verluste aus Termingeschäften seit dem Jahressteuergesetz 2024
Ein Detail hat sich zugunsten der Anleger verschoben. Jahrelang durften Verluste aus Termingeschäften nur bis 20.000 Euro pro Jahr und nur mit Gewinnen aus ähnlichen Geschäften verrechnet werden, ein eigener Verlustverrechnungskreis nach Paragraf 20 Absatz 6 des Einkommensteuergesetzes. Diese Beschränkung hat der Gesetzgeber mit dem Jahressteuergesetz 2024 ersatzlos gestrichen, verkündet im Bundesgesetzblatt am 5. Dezember 2024, rückwirkend für 2024 und für alle offenen Fälle. Verluste aus Perpetual Futures sind seither mit den übrigen Einkünften aus Kapitalvermögen verrechenbar. Wie du die Positionen dafür überhaupt dokumentierst, ist eine eigene Aufgabe, und ein Konto bei einem ausländischen Broker liefert dir keine deutsche Steuerbescheinigung.
Was von der Ankündigung schon steht und was noch aussteht
Belegt ist der Inhalt der Ankündigung: die acht Basiswerte, die Hebelstufen 10x und 3x, der Basispunkt Gebühr bis Jahresende, die Gesellschaften Robinhood Derivatives und Bitstamp, die genannten Schutzfunktionen. Nachzulesen ist das in der Mitteilung vom 29. September 2026.
Offen ist dagegen mehr, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Einen Starttermin nennt Robinhood nicht, nur die kommenden Monate. Wer die berechtigten Kunden sind, steht nicht in der Mitteilung. Ob und wann die amerikanischen Hebelstufen ein europäisches Gegenstück bekommen, ist ebenfalls offen, und das wäre eine aufsichtsrechtliche Frage, keine technische. Mehrere Nachrichtenseiten haben die Ankündigung am 30. September als vollzogenen Start gemeldet; die Primärquelle gibt das nicht her. Wenn du den Kontrakt handeln willst, ist die Freischaltung in deinem eigenen Konto der einzige verlässliche Nachweis.
Robinhood Perp-Futures: Deine nächsten drei Schritte
- Prüfe, was dein Konto tatsächlich freigibt. Hebelstufe, verfügbare Basiswerte und Gebührenmodell stehen in den Bedingungen deines Anbieters, nicht in der Pressemitteilung. Welche Häuser Krypto-Derivate für Kunden in Deutschland anbieten und unter welcher Aufsicht sie stehen, zeigt unser Broker-Vergleich.
- Kläre die Steuerseite, bevor die erste Position offen ist. Termingeschäft oder Spot entscheidet über Haltefrist und Abgeltungsteuer, und die Dokumentation musst du selbst führen. Werkzeuge dafür findest du in der Übersicht zu Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Trackern.
- Rechne den Liquidationspreis aus, nicht das Kursziel. Setze die Positionsgröße so, dass eine Nacht ohne Aufsicht sie nicht beendet, und vergleiche Funding-Raten statt nur Handelsgebühren. Die Bedingungen der einzelnen Plätze stehen im Vergleich der Perp-Handelsplätze.
(Stand: 30. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Häufige Fragen zu Robinhood Perpetual Futures
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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