Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Hyperliquid aus Deutschland nutzen: Was ohne MiCA-Zulassung für dein Guthaben gilt

Hyperliquid ist in keinem EU-Register als zugelassener Kryptowerte-Dienstleister eingetragen — und für Perpetual Futures wäre eine MiCA-Zulassung ohnehin das falsche Papier. Was das konkret für dein Guthaben, deine Schlüssel und deine Steuererklärung bedeutet.

Antike Messingwaage auf Steinplatte, links ein rotes Wachssiegel, rechts eine Goldmünze mit Bitcoin-Zeichen
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Die kurze Antwort vorweg: Wenn du als Privatperson in Deutschland auf Hyperliquid handelst, machst du dich nicht strafbar. Die Zulassungspflicht der EU richtet sich an Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten, nicht an Nutzer, die sie in Anspruch nehmen. Der Preis liegt trotzdem bei dir: Wo keine Zulassung besteht, gilt für dein Guthaben auch keine der Schutzvorschriften, die das europäische Kryptorecht an eine Zulassung knüpft. Dieser Artikel zeigt dir, was du selbst nachschlagen kannst, was rechtlich tatsächlich gilt und was das Finanzamt von dir erwartet.

Ist Hyperliquid in Deutschland erlaubt? Die Antwort trennt Nutzer und Anbieter

Die Frage wird fast immer falsch gestellt. Entscheidend ist nicht, ob du eine Handelsplattform benutzen darfst, sondern ob ein Unternehmen sie dir in der EU anbieten darf. Diese beiden Seiten regelt das Gesetz getrennt.

Maßgeblich ist die Verordnung (EU) 2023/1114, kurz MiCA. Artikel 59 Absatz 1 lautet im Wortlaut: „Eine Person, darf in der Union Kryptowerte-Dienstleistungen nicht anbieten, sofern diese Person nicht […] als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen zugelassen wurde" oder zu den ausdrücklich genannten Finanzunternehmen wie Kreditinstituten und Wertpapierfirmen gehört. Absatz 2 verlangt zusätzlich einen Sitz in einem Mitgliedstaat, den Ort der tatsächlichen Geschäftsführung in der Union und mindestens einen in der Union ansässigen Geschäftsführer.

Das ist eine Pflicht des Anbieters. Für dich als Anleger enthält MiCA keine Verbotsnorm, die das Handeln auf einer nicht zugelassenen Plattform unter Strafe stellt. Was fehlt, ist etwas anderes: der gesamte Schutzapparat, den eine Zulassung erst auslöst. Genau darum geht es in den folgenden Abschnitten.

Kryptowerte-Dienstleistung ist dabei ein definierter Rechtsbegriff. MiCA zählt darunter unter anderem die Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten für Kunden, den Betrieb einer Handelsplattform für Kryptowerte und den Tausch von Kryptowerten gegen Geld. Wer eine dieser Tätigkeiten gewerblich für Kunden in der Union erbringt, braucht die Zulassung nach Artikel 59.

Was eine MiCA-Zulassung abdeckt — und warum Perpetual Futures nicht darunterfallen

Hier kommt der Punkt, den kaum ein deutschsprachiger Text sauber trennt. Hyperliquid ist in erster Linie keine Spot-Börse, sondern ein Marktplatz für Perpetual Futures. Das sind Derivate ohne Fälligkeitstag: Du kaufst nicht den Coin, sondern schließt einen Vertrag ab, dessen Wert sich aus dem Kurs eines Basiswerts ableitet und der in bar ausgeglichen wird. Damit ein solcher Kontrakt nicht dauerhaft vom Kassakurs abdriftet, zahlen Long- und Short-Positionen einander in festen Abständen die Funding Rate, eine Ausgleichszahlung zwischen den beiden Seiten des Marktes.

Und genau solche Verträge nimmt MiCA von sich aus heraus. Artikel 2 Absatz 4 Buchstabe a stellt klar: „Diese Verordnung gilt nicht für Kryptowerte, die einer oder mehreren der folgenden Kategorien angehören: a) Finanzinstrumente". Derivate auf einen Basiswert sind Finanzinstrumente im Sinne der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Die BaFin beschreibt in ihrem Merkblatt zu Finanzinstrumenten Derivate als Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte, die zeitlich verzögert zu erfüllen sind und deren Wert sich unmittelbar oder mittelbar vom Preis eines Basiswerts ableitet; die Definition gilt gleichermaßen für Kreditwesengesetz und Wertpapierinstitutsgesetz.

Die praktische Folge ist unbequem: Eine MiCA-Zulassung wäre für den Perpetual-Futures-Handel gar nicht das passende Papier. Wer in Deutschland gewerbsmäßig Derivate an Kunden vermittelt oder damit handelt, bewegt sich im Erlaubnisregime für Wertpapierinstitute, nicht im Kryptowerte-Regime. Die Suche nach einem MiCA-Eintrag führt deshalb selbst dann ins Leere, wenn man sie korrekt durchführt. Diese Einordnung ist juristische Bewertung, keine Anlageberatung und keine Rechtsberatung; welche Erlaubnis ein konkretes Angebot braucht, entscheidet die Aufsicht anhand der vollständigen Vertragsunterlagen im Einzelfall.

Was du daraus mitnehmen kannst: Zwei verschiedene Regelwerke, zwei verschiedene Register, zwei verschiedene Antworten. Wenn du nur den Spot-Kauf des HYPE-Token im Sinn hast, ist MiCA das richtige Regelwerk. Sobald Hebel im Spiel ist, ist es das falsche.

Geöffneter hölzerner Karteikasten mit leeren Karteikarten, darauf eine Lupe, daneben eine Silbermünze mit Bitcoin-Zeichen
Beide europäischen Register sind öffentlich — die Prüfung, ob ein Anbieter darin steht, dauert keine fünf Minuten.

Das ESMA-Register selbst nachschlagen: 346 zugelassene Kryptowerte-Dienstleister, 89 aus Deutschland

Du musst dich auf niemandes Zusammenfassung verlassen, auch nicht auf diese. Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA führt ein öffentliches Register aller zugelassenen Kryptowerte-Dienstleister und stellt es als frei abrufbare CSV-Datei bereit. Wir haben es für diesen Artikel am 15. September 2026 selbst abgerufen und ausgezählt.

Der Stand an diesem Tag: 346 zugelassene Anbieter in der gesamten EU. Die Zulassungen reichen bis zum 31. August 2026, die Liste ist also aktuell gepflegt. Nach Herkunftsland verteilen sie sich so:

  • Deutschland: 89 Anbieter — mit Abstand der größte Sitzstaat, darunter Institute wie die Trade Republic Bank, flatexDEGIRO oder Börse Stuttgart Digital Custody.
  • Frankreich: 35, Niederlande: 29, Zypern: 25, Malta: 22, Spanien: 15.

Ein Eintrag, der die Zeichenfolge „Hyperliquid" enthält, findet sich in dieser Liste nicht. Ebenso wenig steht die Plattform auf der zweiten Liste, die ESMA daneben führt: dem Verzeichnis nicht konformer Unternehmen, das an diesem Tag 167 Einträge zählte. Beide Befunde sind Registerstände, nicht mehr und nicht weniger — und angesichts des vorigen Abschnitts sind sie auch wenig überraschend, denn ein Derivatemarkt gehört nicht in ein Kryptowerte-Register. Als wir das Register im Sommer zuletzt ausgewertet haben, standen darin erst 21 Handelsplattformen mit dieser Erlaubnis; die Zahlen wachsen also schnell.

So gehst du selbst vor, wenn du eine beliebige Plattform prüfen willst: Auf der ESMA-Seite zur Kryptoregulierung liegen die Registerdateien offen; für in Deutschland zugelassene Häuser führt die BaFin zusätzlich ihre Unternehmensdatenbank mit der Kategorie „Kryptowerte-Dienstleister". Prüfe dabei immer den Namen des Rechtsträgers, nicht den Markennamen der App — beides fällt regelmäßig auseinander.

Artikel 61 MiCA: Warum die Ausnahme der eigenen Initiative dir keinen Schutz verschafft

An dieser Stelle taucht in Foren regelmäßig ein Begriff auf, der beruhigend klingt: die umgekehrte Kundenakquise, im Englischen reverse solicitation. Gemeint ist die Ausnahme in Artikel 61 MiCA, und diese besagt, dass die Zulassungspflicht nach Artikel 59 nicht greift, wenn ein in der Union ansässiger Kunde „auf ausschließlich eigenes Betreiben" ein Drittlandunternehmen mit einer Kryptowerte-Dienstleistung beginnt.

Wer daraus eine Generalerlaubnis liest, liest die Vorschrift nicht zu Ende. Der zweite Unterabsatz zieht die Ausnahme sofort wieder eng: Eine Dienstleistung gilt nicht als auf eigenes Betreiben erbracht, wenn das Drittlandunternehmen Kunden oder potenzielle Kunden in der Union akquiriert — und zwar „unabhängig von den für die Akquise, die Absatzförderung oder die Werbung in der Union verwendeten Kommunikationsmitteln" und auch dann, wenn ein anderer Rechtsträger in seinem Namen handelt. Werbung, Partnerprogramme und Ansprache über soziale Netzwerke zählen dazu.

Noch deutlicher wird der dritte Unterabsatz. Er erklärt ausdrücklich, dass Vertrags- und Ausschlussklauseln daran nichts ändern, auch nicht solche, die festschreiben, die Leistung gelte als auf eigenes Betreiben des Kunden erbracht. Ein Häkchen in den Nutzungsbedingungen macht aus einer akquirierten Kundenbeziehung also keine selbst gesuchte. Und Absatz 2 stellt klar, dass ein einmaliges Ersuchen das Unternehmen nicht berechtigt, dir neue Arten von Kryptowerten oder Dienstleistungen zu vermarkten.

Für dich als Anleger ist die entscheidende Einsicht, dass Artikel 61 überhaupt keine Kundenschutzvorschrift ist. Die Norm entlastet im Einzelfall das Unternehmen von der Zulassungspflicht und verschafft dir dabei keinen einzigen Anspruch, keine Entschädigung und keine Aufsicht. Den vollständigen Wortlaut kannst du im Amtsblatt nachlesen: Verordnung (EU) 2023/1114 bei EUR-Lex.

Ohne Zulassung fehlt dir der Beschwerdeweg: Was für dein Guthaben praktisch gilt

Was du beim Handel auf einer nicht in der EU zugelassenen Plattform tatsächlich aufgibst, lässt sich konkret benennen. Keiner dieser Punkte ist eine Vermutung über ein bestimmtes Unternehmen; es sind die Rechtsfolgen, die eine fehlende Zulassung allgemein mit sich bringt.

  • Keine Einlagensicherung. Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro gilt für Bankguthaben, nicht für Kryptowerte und nicht für Margin-Guthaben auf einer Handelsplattform. Auch bei zugelassenen Anbietern greift sie nicht — der Unterschied liegt in den Pflichten, die stattdessen gelten.
  • Keine aufsichtsrechtliche Trennung deiner Vermögenswerte. Zugelassene Anbieter müssen Kundengelder und Kundenkryptowerte getrennt vom eigenen Bestand halten und darüber Rechenschaft ablegen. Ohne Zulassung gibt es keine Behörde, die das prüft.
  • Kein Beschwerdeverfahren und keine Aufsicht. Bei einem zugelassenen Anbieter kannst du dich an die zuständige Aufsicht wenden, in Deutschland an die BaFin. Gegenüber einem Unternehmen ohne Zulassung in der EU gibt es diesen Weg nicht.
  • Schwierige Rechtsdurchsetzung. Ohne Sitz und ohne Geschäftsführung in der Union ist die Frage, welches Gericht zuständig ist und wie ein Urteil vollstreckt würde, in der Praxis kaum zu beantworten.
  • Kein Steuerabzug an der Quelle. Eine ausländische Plattform führt keine Kapitalertragsteuer ab. Die Erklärung liegt vollständig bei dir — mehr dazu weiter unten.

Wenn dir dieser Katalog zu abstrakt ist, hilft ein Vergleich: Unsere Übersicht der regulierten Kryptobörsen mit EU-Zulassung zeigt, welche Anbieter die genannten Pflichten tatsächlich erfüllen.

Wer die Schlüssel hält: Selbstverwahrung, Brücke und das On-Chain-Orderbuch

Ein Einwand kommt an dieser Stelle regelmäßig, und er ist berechtigt: Wenn alles vollständig on chain läuft, wozu dann überhaupt eine Verwahrstelle? Die Antwort ist differenzierter, als beide Lager es gern hätten.

Hyperliquid betreibt eine eigene Layer-1-Blockchain mit einem On-Chain-Orderbuch. Das ist ein technischer Unterschied zu den meisten dezentralen Börsen der ersten Generation: Dort bestimmt ein Automated Market Maker den Preis rechnerisch aus Liquiditätspools, hier führt eine Matching Engine ein klassisches Limit-Orderbuch, dessen Orders und Ausführungen als Transaktionen im Netzwerk stehen. Was genau ein solcher Marktplatz ist und wie er sich von einer zentralen Börse unterscheidet, erklärt unser Grundlagentext Was ist ein Perp DEX?.

Du verbindest dafür eine Krypto-Wallet und behältst deine privaten Schlüssel selbst; ein klassisches KYC-Verfahren mit Ausweisprüfung durchläufst du nicht. Das ist der ehrliche Vorteil dieser Bauweise. Der Haken: Um überhaupt handeln zu können, musst du Guthaben über eine Brücke in das Netzwerk einzahlen, und deine Margin liegt anschließend im Protokoll. Selbstverwahrung schützt dich vor dem Ausfall eines Verwahrers, aber nicht vor einem Fehler im Protokoll, nicht vor einer Lücke in der Brücke und nicht davor, dass eine offene Position mit Hebel liquidiert wird, während du schläfst.

Technische Transparenz und aufsichtsrechtliche Sicherheit sind zwei verschiedene Dinge. Jede Order öffentlich einsehbar zu haben, ersetzt keine Eigenkapitalanforderung und keine Beschwerdestelle. Wer diese beiden Ebenen verwechselt, zieht aus einem echten Vorzug den falschen Schluss.

Dunkler Schreibtisch bei Lampenlicht mit leerem Formular, Metallstempel, Tischrechner und Goldmünze mit Bitcoin-Zeichen
Auf dem Steuerformular entscheidet die Vertragsart darüber, in welche Zeile dein Gewinn gehört.

Hebel, Funding Rate und Liquidation: Was die Handelsplattform heute tatsächlich anbietet

Statt Marktberichte weiterzureichen, haben wir die öffentliche Programmierschnittstelle der Plattform am 15. September 2026 selbst abgefragt. Das sind die Zahlen dieses Abrufs, und sie beschreiben eine Momentaufnahme, keine Prognose zum Hyperliquid-Kurs.

  • 234 Perpetual-Märkte waren handelbar.
  • Das gesamte offene Interesse, also die Summe aller offenen Positionen, lag bei rund 10,4 Milliarden US-Dollar.
  • Das Handelsvolumen der vorangegangenen 24 Stunden summierte sich auf etwa 6,5 Milliarden US-Dollar.
  • Der größte Einzelmarkt war der Kontrakt auf BTC mit rund 2,8 Milliarden US-Dollar offenem Interesse, gefolgt vom ETH-Kontrakt mit 2,6 Milliarden und dem HYPE-Kontrakt mit 1,7 Milliarden.

Aufschlussreicher als die Größe ist die Hebelwirkung, die das Protokoll je Markt zulässt. Auch das steht in derselben Schnittstelle: Der BTC-Kontrakt erlaubte bis zum 40-fachen Hebel, der ETH-Kontrakt bis zum 25-fachen. Vier weitere Märkte kamen auf das 20-fache, 35 Märkte auf das Zehnfache, 63 Märkte auf das Fünffache — und bei 130 der 234 Märkte, also der Mehrheit, war bei dreifachem Hebel Schluss.

Diese Staffelung ist kein Zufall, sondern Risikosteuerung des Protokolls: Je dünner ein Markt, desto niedriger der zugelassene Hebel. Für dich heißt das umgekehrt, dass die spektakulären Hebelzahlen aus der Werbung für Nischenmärkte gar nicht verfügbar sind. Und bei jedem Hebel gilt dieselbe Mechanik: Schon eine Bewegung von wenigen Prozent gegen eine 20-fach gehebelte Position räumt den Einsatz ab. Ordertypen wie ein Stop-Loss begrenzen das der Idee nach, greifen bei einem Kurssprung aber möglicherweise erst unterhalb deiner Marke. Zum Vergleich der Anbieter in diesem Segment führen wir eine eigene Übersicht der Perp-DEX-Plattformen mit ihren Gebühren und Hebelstufen.

Steuer in Deutschland: Perpetual Futures sind Termingeschäfte nach Paragraf 20 EStG

Hier liegt der Teil, der in der Praxis das meiste Geld kostet, und er hat mit der Zulassungsfrage nichts zu tun. Das Finanzamt interessiert sich nicht dafür, wo eine Plattform sitzt, sondern welche Art von Vertrag du geschlossen hast.

Ein Termingeschäft ist ein Geschäft, bei dem du einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße bestimmten Geldbetrag erlangst. Genau diese Formulierung steht in § 20 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 Buchstabe a des Einkommensteuergesetzes. Perpetual Futures werden nach dieser Definition von der Finanzverwaltung und der steuerberatenden Praxis regelmäßig als Termingeschäfte eingeordnet, weil sie in bar ausgeglichen werden und nie zur Lieferung eines Coins führen.

Der Unterschied zum Spot-Kauf ist gravierend, und er geht meistens zu deinen Lasten:

  • Beim Spot-Kauf eines Coins greift § 23 EStG. Nach einem Jahr Haltedauer ist der Gewinn steuerfrei.
  • Beim Termingeschäft greift § 20 EStG. Es gibt keine Haltefrist und keine Steuerfreiheit nach einem Jahr, sondern den Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer — unabhängig davon, ob du die Position eine Minute oder zwei Jahre gehalten hast.

Weil eine ausländische Plattform keine Kapitalertragsteuer einbehält, musst du diese Einkünfte selbst in der Anlage KAP deiner Steuererklärung angeben. Das ist keine Formalie: Wer Gewinne aus Termingeschäften nicht erklärt, riskiert ein Steuerstrafverfahren. Wie die Funding-Zahlungen im Einzelnen einzuordnen sind, ist dabei nicht abschließend geklärt; bei nennenswerten Beträgen ist das ein Fall für eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater. Bei der Belegsammlung helfen die Werkzeuge aus unserem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker.

Verlustverrechnung: Der Deckel von 20.000 Euro für Termingeschäfte ist gestrichen

Eine Regel, die noch in vielen älteren Ratgebern steht, gilt nicht mehr — und das zu deinen Gunsten. Bis zum Jahressteuergesetz 2024 bildeten Verluste aus Termingeschäften einen eigenen Verrechnungskreis: Verrechnen ließen sie sich nur mit Gewinnen aus gleichartigen Geschäften, und das auch nur bis zu 20.000 Euro im Jahr. Wer im selben Jahr 100.000 Euro gewann und 90.000 Euro verlor, konnte auf einem Steuerbescheid über einen Gewinn sitzen, den er wirtschaftlich nie gemacht hatte.

Der Gesetzgeber hat diese Sätze gestrichen, nachdem der Bundesfinanzhof ernstliche verfassungsrechtliche Zweifel geäußert hatte. Im aktuellen Wortlaut von § 20 EStG findet sich in Absatz 6 kein gesonderter Verrechnungskreis für Termingeschäfte mehr; die verbliebene Beschränkung in Satz 4 betrifft ausschließlich Verluste aus der Veräußerung von Aktien. Verluste aus Termingeschäften sind damit wieder mit allen Einkünften aus Kapitalvermögen verrechenbar.

Für dich heißt das zweierlei. Erstens: Alte Verlustvorträge aus Termingeschäften sind mehr wert, als du vielleicht denkst. Zweitens: Verrechenbar heißt nicht ungefährlich — die Verluste bleiben im Topf der Einkünfte aus Kapitalvermögen gefangen und mindern weiterhin keine Einkünfte aus anderen Einkunftsarten.

Was regulierte Alternativen leisten — und wo ihre Grenze liegt

Wenn du die aufgezählten Nachteile nicht tragen willst, ist die Frage, was ein zugelassener Anbieter in Deutschland stattdessen bietet. Ehrlich beantwortet: Schutz, aber weniger Auswahl.

Zugelassene Häuser unterliegen der laufenden Aufsicht, müssen Kundenvermögen trennen, Beschwerden bearbeiten und Informationspflichten erfüllen. Beim Spot-Handel und beim Sparplan bekommst du dort dasselbe Produkt wie anderswo, nur mit Aufsicht dahinter. Beim Spot-Trading gehandelte Coins fallen zudem unter die Jahresfrist des § 23 EStG.

Wo die Grenze liegt: Hoch gehebelte Perpetual Futures wirst du bei einem deutschen Anbieter für Privatkunden in dieser Form nicht finden. Das ist kein Versehen, sondern Absicht des europäischen Anlegerschutzes, der die Hebel für Privatkunden bei Differenzkontrakten seit Jahren deutlich begrenzt. Wer diese Produkte sucht, verlässt den geschützten Bereich — das ist eine bewusste Entscheidung und sollte als solche getroffen werden, nicht aus Unkenntnis. Wie schnell sich die Bedingungen in diesem Segment ändern können, hat zuletzt unsere Auswertung zur Verwässerung durch die HYPE-Freischaltungen gezeigt.

Hyperliquid aus Deutschland nutzen: Was du daraus mitnimmst

  1. Prüfe den Rechtsträger, bevor du Geld einzahlst. Schlage den Namen im ESMA-Register und in der BaFin-Unternehmensdatenbank nach und akzeptiere keinen Markennamen als Beleg. Welche Anbieter die Prüfung bestehen, steht in unserer Übersicht der regulierten Kryptobörsen.
  2. Entscheide bewusst zwischen Schutz und Produktauswahl. Wenn es dir um Spot und Sparplan geht, gibt es keinen Grund, den geschützten Bereich zu verlassen. Wenn es dir um Derivate geht, vergleiche die Bedingungen nüchtern anhand unserer Übersicht der Perp-DEX-Plattformen und setze nur Kapital ein, dessen Totalverlust du verkraftest.
  3. Sammle deine Belege ab der ersten Position. Termingeschäfte gehören in die Anlage KAP, und eine ausländische Plattform meldet nichts an das Finanzamt. Richte dir vom ersten Trade an eine lückenlose Aufzeichnung ein, etwa mit einem Werkzeug aus unserem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools.

(Stand: 15. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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