Revolut streicht USDT: Zwangsumtausch zum 31. August 2026 wird zum steuerpflichtigen Verkauf
Revolut nimmt USDT zum 31. August 2026 vom Tisch: Kaeufe sind bereits gestoppt, Einzahlungen gesperrt, und wer bis zur Frist nicht handelt, erlebt einen automatischen Umtausch, der steuerlich als Verkauf zaehlt. Der Beitrag erklaert die Fristen, die steuerliche Einordnung nach Paragraf 23 EStG und was du jetzt tun kannst.

Revolut streicht USDT von der Handelsliste für Kundinnen und Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz. Käufe sind bereits seit dem 6. Juli 2026 nicht mehr möglich, Einzahlungen seit dem 30. Juli 2026 gesperrt. Am 31. August 2026 endet die Frist endgültig: Wer bis dahin nicht verkauft oder überträgt, bekommt seinen verbleibenden USDT-Bestand automatisch zum Tageskurs in die Kontowährung umgetauscht.
Das betrifft nicht nur die Frage, wo du deine Stablecoins hältst. Der Zwangsumtausch selbst ist nach deutschem Steuerrecht ein Veräußerungsvorgang, ausgelöst von der Plattform und nicht von dir selbst. Wer die Frist verstreichen lässt, verliert also nicht nur eine Handelsoption, sondern erlebt auch einen steuerpflichtigen Vorgang zu einem Zeitpunkt und Kurs, den er sich nicht ausgesucht hat.
Revolut streicht USDT: Kaufstopp, Einzahlungssperre und der 31. August als harte Frist
Die Abschaltung erfolgt in drei Stufen. Seit dem 6. Juli 2026 lässt sich USDT über Revolut nicht mehr kaufen. Seit dem 30. Juli 2026 nimmt die App zusätzlich keine Einzahlungen mehr an; wer USDT von einer externen Wallet an Revolut überweist, bekommt die Überweisung seither zurückgewiesen. Die dritte und letzte Stufe folgt am 31. August 2026: Ab diesem Datum lässt sich im Konto kein USDT mehr halten, wie mehrere Fachmedien unter Berufung auf die Revolut-Mitteilung übereinstimmend berichten, darunter The Paypers.
Für alle drei Termine gilt derselbe räumliche Geltungsbereich: Betroffen sind Kundinnen und Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz. Außerhalb dieser Region bietet Revolut USDT den Berichten zufolge unverändert an.
Bis zum 31. August bleiben dir zwei aktive Optionen: USDT verkaufen oder auf eine Wallet beziehungsweise Börse übertragen, die den Stablecoin weiterhin listet. Reagierst du nicht, greift automatisch eine dritte Option, die eigentlich keine ist, weil du weder Zeitpunkt noch Kurs bestimmst. Von heute aus gerechnet bleiben dafür noch gut drei Wochen Zeit, genug für einen Verkauf oder eine Übertragung, aber nicht mehr für langes Zögern.
Warum Revolut USDT von der Plattform nimmt: Tethers fehlende MiCA-Lizenz
Auslöser ist die EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets, kurz MiCA, deren Übergangsfrist für Stablecoin-Emittenten am 1. Juli 2026 endete. Seither dürfen MiCA-regulierte Plattformen nur noch Stablecoins anbieten, deren Emittent als E-Geld-Institut zugelassen ist und Mindestreserven bei Banken in der EU hält. Tether hat diese Zulassung für USDT bislang nicht beantragt.
Tether-Chef Paolo Ardoino hat die Reserveanforderungen öffentlich kritisiert und laut Berichterstattung argumentiert, die Vorgabe erhöhe das Liquiditätsrisiko eher, als es zu senken. An der rechtlichen Ausgangslage ändert diese Kritik nichts: Ohne Zulassung bleibt USDT für MiCA-konforme Plattformen in der EU ein Auslistungskandidat, unabhängig davon, wie das Unternehmen die Regulierung bewertet.
Was mit deinem USDT-Bestand passiert, wenn du bis zum 31. August nichts tust
Bleibt nach dem 31. August 2026 noch USDT auf deinem Revolut-Konto, wandelt die App den Bestand automatisch in deine Kontowährung um, zum dann geltenden Marktkurs. Du triffst an diesem Punkt keine Entscheidung mehr, weder über den Zeitpunkt noch über den Kurs noch darüber, ob der Umtausch für dich steuerlich günstig oder ungünstig ausfällt.
Das unterscheidet den Fall von einer gewöhnlichen Umschichtung. Normalerweise entscheidest du selbst, wann du eine Position auflöst, und kannst den Zeitpunkt an deiner persönlichen Haltedauer oder an deiner steuerlichen Situation ausrichten. Beim Zwangsumtausch entfällt dieser Spielraum. Wer seinen Bestand kennt und rechtzeitig handelt, behält zumindest die Kontrolle über den Zeitpunkt der Transaktion.
Regulierte Krypto-Boersen, die USDT und USDC weiterhin listenDer Zwangsumtausch ist ein Veräußerungsvorgang nach § 23 EStG, keine technische Formalität
Nach unserer Berichterstattung vom 3. Juli 2026 zu Stablecoins und Steuern stellt das Bundesfinanzministerium klar: Der Tausch von Kryptowerten in staatliche Währungen, Waren, Dienstleistungen oder andere Kryptowerte kann eine Veräußerung darstellen. Diese Einordnung gilt unabhängig davon, ob du selbst die Transaktion auslöst oder ob eine Plattform sie automatisch für dich vornimmt.
Maßgeblich ist § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 EStG. Erfasst sind Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, zu denen Kryptowerte nach Auffassung der Finanzverwaltung zählen, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Der Gesetzestext regelt ausdrücklich auch den Fall mehrerer gleichartiger Fremdwährungsbeträge: Bei mehreren Käufen ist zu unterstellen, dass die zuerst angeschafften Beträge zuerst veräußert werden.
Der Vorgang fällt zusätzlich in eine neue Meldewelt. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die EU-Richtlinie DAC8, nach der MiCA-regulierte Kryptoplattformen wie Revolut Transaktionsdaten ihrer Kundinnen und Kunden automatisch an die Steuerbehörden melden müssen. Der erste Meldezeitraum betrifft das Jahr 2026 und wird den Finanzämtern voraussichtlich ab 2027 vorliegen. Der Zwangsumtausch verschwindet damit nicht unbemerkt in einer App, er landet früher oder später auch beim Finanzamt.
Die einjährige Haltefrist beginnt beim USDT neu, unabhängig von deiner ursprünglichen Kryptowährung
Für die Fristberechnung zählt der Zeitpunkt, zu dem du dein USDT erworben hast, nicht der Zeitpunkt, zu dem du erstmals in Kryptowerte investiert hast. Hast du beispielsweise Bitcoin nach zwei Jahren steuerfrei in USDT getauscht, beginnt für das USDT eine neue einjährige Frist. Liegt der Zwangsumtausch innerhalb dieser Frist, ist ein daraus entstehender Gewinn grundsätzlich einkommensteuerpflichtig.
Eine Erleichterung bleibt bestehen: Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften bleiben steuerfrei, wenn der Gesamtgewinn aus allen solchen Geschäften im Kalenderjahr unter 1.000 Euro liegt. Diese Freigrenze gilt für sämtliche private Veräußerungsgeschäfte des Jahres zusammengerechnet, nicht gesondert für den Revolut-Umtausch. Wer bereits andere Kryptogewinne im laufenden Jahr realisiert hat, sollte den Zwangsumtausch bei der Berechnung mitzählen, denn schon ein kleiner zusätzlicher Gewinn kann die Grenze überschreiten.
Drei Wege, wie du vor dem 31. August reagieren kannst
Untätig bleiben ist die einzige Option, die du nicht aktiv wählen musst und die trotzdem Folgen hat. Drei Alternativen stehen dir offen, mit unterschiedlichen praktischen und steuerlichen Konsequenzen.
- USDT verkaufen und in Euro oder eine andere Währung wechseln. Damit bestimmst du selbst Zeitpunkt und Kurs. Steuerlich bleibt der Vorgang derselbe: eine Veräußerung, deren Ergebnis von deiner Haltedauer und deinem Anschaffungskurs abhängt.
- USDT auf eine externe Wallet oder eine Börse außerhalb von Revolut übertragen. Eine reine Übertragung an eine eigene Adresse ist für sich genommen kein steuerpflichtiger Vorgang. Welche Handelsplätze USDT nach dem Ende der MiCA-Übergangsfrist weiterhin listen, zeigt der Vergleich der regulierten Krypto-Börsen.
- In eine bei Revolut gelistete Stablecoin wie USDC wechseln. Dieser Weg vermeidet zwar den Zwangsumtausch am 31. August, ist aber selbst ein Tausch und unterliegt denselben Veräußerungsregeln wie ein Verkauf in Euro.
Steuer-Tools, die Zwangsumtausch und Verkauf sauber erfassenKraken, Coinbase und Co.: Revolut ist beim USDT-Ausstieg der Nachzügler
Revolut ist nicht die erste Plattform, die USDT für ihre EU-Kundschaft streicht. Coinbase hatte den Stablecoin bereits im Dezember 2024 delistet, Kraken folgte im März 2025; auch Crypto.com und OKX haben ihr USDT-Angebot für EU-Nutzer vor Revolut eingeschränkt. Nach Marktdaten, auf die das Fachmedium cryptopolitan.com in seiner Berichterstattung verweist, lag die globale Marktkapitalisierung von USDT zuletzt bei rund 184 Milliarden Dollar, die von USDC bei rund 73 Milliarden Dollar. Global bleibt USDT damit die deutlich größere Stablecoin, in der EU verschiebt sich das Bild durch die Delistings der großen Plattformen zugunsten von USDC, dessen Emittent Circle die MiCA-Zulassung erhalten hat.
Ein ähnliches Muster von Rückzug und Übergangsfrist zeigte sich zuletzt bei der Handelsplattform Luno, die ihr Geschäft für Kundinnen und Kunden in der EU einstellt; unsere Berichterstattung zur Kontoschließungsfrist bei Luno beschreibt, wie unterschiedlich Anbieter mit solchen Fristen umgehen. Der Unterschied bei Revolut: Nur ein einzelnes Produkt fällt weg, das Konto selbst bleibt bestehen und nutzbar.
Der MiCA-Test: Worauf du bei der nächsten Krypto-Börse achtest
Bevor du USDT auf eine neue Plattform überträgst, lohnt ein Blick auf deren MiCA-Status. Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA führt seit Ende 2024 ein zentrales Register aller zugelassenen Kryptowerte-Dienstleister, das regelmäßig aktualisiert wird und auf Meldungen der nationalen Aufsichtsbehörden beruht; für Deutschland ist das die BaFin.
Prüfe, ob der Anbieter dort mit einer aktuellen MiCA-Zulassung geführt wird und nicht nur mit einer nationalen Übergangsregistrierung, die zum 1. Juli 2026 ausgelaufen ist. Prüfe außerdem, ob die konkrete Stablecoin, die du halten willst, auf der neuen Plattform als zugelassenes E-Geld-Token geführt wird und nicht nur geduldet, solange niemand genauer hinsieht. Und prüfe, ob der Anbieter eine nachvollziehbare Jahresübersicht deiner Transaktionen bereitstellt, die du für die Steuererklärung brauchst.
Was du daraus mitnimmst
- Prüfe jetzt deinen Revolut-Bestand. Bis zum 31. August 2026 entscheidest noch du, was mit deinem USDT passiert, danach entscheidet die App. Welche Börsen den Stablecoin weiterhin listen, zeigt der Vergleich der regulierten Krypto-Börsen.
- Dokumentiere Kurs und Zeitpunkt deiner Transaktion. Egal ob du verkaufst, überträgst oder den Zwangsumtausch abwartest: Halte den Umtauschkurs fest, den du für die Steuererklärung brauchst. Software aus dem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker kann das automatisieren.
- Sichere deine Transaktionshistorie bei Revolut. Lade eine Jahresübersicht herunter, solange dein Zugang zum USDT-Handelsverlauf besteht. Welche Plattformen eine vollständige, exportierbare Übersicht liefern, zeigt der Vergleich der besten Krypto-Börsen.
(Stand: 10. August 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
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