Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Open Interest klettert nach dem Short-Squeeze: Warum jetzt die Longs zahlen

Der Short-Squeeze vom 21. September hat 648 Millionen Dollar an bärischen Wetten ausgelöscht, doch das Open Interest ist dabei gestiegen statt gefallen. Eine eigene Erhebung über vier Börsen zeigt, dass die Funding-Rate bei 24 der 25 größten Bitcoin-Perpetuals positiv ist.

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Am 21. September 2026 hat ein Short-Squeeze den Kryptomarkt auf den höchsten Stand seit acht Monaten getragen. Die entscheidende Zahl steht aber nicht im Kurszettel: Während die Börsen bärische Wetten zwangsweise schlossen, ist das Open Interest am Terminmarkt nicht gefallen, sondern gestiegen. Der Markt hat also nicht Risiko abgebaut, er hat es umgeschichtet. Wer mit Hebel unterwegs ist, sollte heute Abend drei Dinge nachrechnen: die Funding-Kosten, den eigenen Liquidationspreis und die Frage, auf welcher Rechtsgrundlage die eigene Position überhaupt läuft.

Short-Squeeze und 648 Millionen Dollar Liquidationen: Was am Terminmarkt passiert ist

Ein Short-Squeeze ist eine Kettenreaktion: Steigt der Kurs über die Schmerzgrenze gehebelter Verkäufer, schließen die Börsen deren Positionen automatisch. Dieses Schließen ist selbst ein Kauf, der den Kurs weiter nach oben drückt und die nächste Gruppe erwischt.

Genau das lief an diesem Montag ab. CoinDesk beziffert die erzwungen geschlossenen Short-Positionen auf 648 Millionen Dollar und berichtet zugleich, dass das Open Interest über den Gesamtmarkt um 7,59 Prozent auf rund 156 Milliarden Dollar geklettert ist.

Zum Kursbild: Bitcoin notierte am 21. September 2026 um 21:47 UTC laut CoinGecko bei 86.749 Dollar, ein Plus von 7,30 Prozent binnen 24 Stunden. Ether legte 5,82 Prozent zu, XRP 10,33 Prozent, Solana 8,84 Prozent. Das Allzeithoch von 126.080 Dollar stammt weiterhin vom 6. Oktober 2025, der Abstand dorthin beträgt also rund 31 Prozent.

Open Interest erklärt: Warum eine steigende Zahl kein Kaufsignal ist

Das Open Interest ist die Summe aller Terminkontrakte, die gerade offen sind und noch nicht glattgestellt wurden. Es zählt Kontrakte, nicht Menschen und nicht Geld, das in den Markt geflossen ist.

Daraus folgt eine Eigenschaft, die oft falsch gelesen wird. Zu jedem offenen Kontrakt gehören immer zwei Seiten, ein Käufer und ein Verkäufer. Das Open Interest sagt deshalb nie, ob der Markt bullisch oder bärisch positioniert ist. Es misst ausschließlich, wie viel Hebel insgesamt im System steckt.

Was die Kombination aus Kurs und Open Interest aussagt

Aussagekräftig wird die Zahl erst zusammen mit der Kursbewegung. Steigt der Kurs und fällt das Open Interest, dann hat vor allem Eindeckung stattgefunden: Alte Positionen wurden geschlossen, die Bewegung läuft aus. Steigt der Kurs und steigt das Open Interest gleichzeitig, kommen neue gehebelte Positionen dazu.

Der zweite Fall ist der von heute. Er ist nicht automatisch schlecht, denn frisches Kapital trägt Bewegungen. Er bedeutet aber, dass die Zahl der Positionen, die bei einer Gegenbewegung zwangsweise geschlossen werden können, nach dem Squeeze größer ist als davor.

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Ein wachsendes Open Interest bedeutet mehr Spannung im System: Es stehen mehr offene Kontrakte im Markt, nicht weniger.

Funding-Rate im Eigentest: 24 von 25 großen Bitcoin-Perpetuals sind positiv

Um nicht auf fremde Momentaufnahmen angewiesen zu sein, haben wir die Lage am Terminmarkt selbst abgefragt. Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 21. September 2026 selbst erhoben.

Methode und Umfang

Am 21. September 2026 um 21:56 UTC haben wir vier öffentliche Schnittstellen abgerufen, die keinen Zugang erfordern: die Derivate-Übersicht von CoinGecko, den Funding-Endpunkt von OKX, die Futures-Übersicht von Deribit und die Marktdaten von Hyperliquid. Alle vier antworteten mit HTTP 200. Aus der CoinGecko-Antwort mit 27.029 gelisteten Derivaten haben wir die 133 Bitcoin-Perpetuals herausgefiltert, für die ein Open Interest ausgewiesen ist.

Das Ergebnis in Zahlen. Die 133 Kontrakte tragen zusammen ein Open Interest von rund 81,1 Milliarden Dollar. Betrachtet man die 25 größten davon, ist die Funding-Rate bei 24 positiv, der Median liegt bei 0,00594 Prozent je Abrechnungsperiode. Positiv heißt in dieser Mechanik: Die Long-Seite zahlt an die Short-Seite.

Die Einzelwerte stützen das. OKX wies für den Kontrakt BTC-USDT-SWAP 0,0096 Prozent je acht Stunden aus, Hyperliquid 0,00125 Prozent je Stunde bei einem Open Interest von 44.002 Bitcoin, Deribit für seinen Bitcoin-Perpetual 0,0186 Prozent je acht Stunden bei 927,9 Millionen Dollar Open Interest. Über alle zwölf Bitcoin-Futures auf Deribit summiert sich das Open Interest auf 1,87 Milliarden Dollar.

Was wir nicht prüfen konnten

Die Schnittstellen von Binance und Bybit haben unseren Abruf mit HTTP 451 beziehungsweise HTTP 403 abgewiesen, weil sie Anfragen aus bestimmten Regionen sperren. Die Werte dieser beiden Börsen stecken deshalb nur in der CoinGecko-Aggregation und stammen nicht aus einem eigenen Direktabruf. Als Gegenprobe haben wir den CoinGecko-Wert für OKX mit unserem direkten OKX-Abruf verglichen; beide lagen im selben Bereich, was für die Belastbarkeit der Aggregation spricht. Ebenfalls nicht geprüft haben wir, wie sich das Open Interest auf einzelne Marktteilnehmer verteilt. Diese Daten sind öffentlich nicht verfügbar.

Ein Hinweis zur Einordnung der Größenordnungen: Unsere 81,1 Milliarden Dollar beziehen sich allein auf Bitcoin-Perpetuals. Die von CoinDesk genannten 156 Milliarden Dollar umfassen den gesamten Terminmarkt über alle Kryptowerte hinweg. Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen unterschiedliche Ausschnitte.

Was die Funding-Rate dich im Jahr kostet: rund zehn Prozent auf den Positionswert

Ein Perpetual Future hat kein Verfallsdatum. Damit sein Preis trotzdem am Spotmarkt klebt, zahlt in festen Abständen eine Seite an die andere. Diese Zahlung ist die Funding-Rate, und sie ist der Preis dafür, eine gehebelte Position offen zu halten.

Die Prozentzahlen wirken winzig, doch sie fallen mehrfach täglich an. Aus den 0,0096 Prozent je acht Stunden bei OKX werden über ein Jahr gerechnet rund 10,5 Prozent. Die 0,00125 Prozent je Stunde bei Hyperliquid ergeben etwa 10,9 Prozent im Jahr, der Deribit-Wert läge sogar bei gut 20 Prozent, falls er auf diesem Stand bliebe.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, du hältst eine Long-Position im Gegenwert von 10.000 Dollar bei einem Funding von 0,0096 Prozent je acht Stunden. Dann fließen pro Abrechnung rund 96 Cent ab, knapp drei Dollar am Tag, gut 20 Dollar in der Woche. Bei einem fünffachen Hebel hast du dafür nur 2.000 Dollar eigenes Kapital eingesetzt, gezahlt wird aber auf den vollen Positionswert. Bezogen auf dein eingesetztes Kapital sind die 10,5 Prozent im Jahr damit eher 52 Prozent.

Wichtig ist der zweite Teil dieses Satzes: Die Funding-Rate ist keine feste Größe. Sie wird laufend neu bestimmt und kippt ins Negative, sobald die Short-Seite überwiegt. Die heutigen Werte sind eine Momentaufnahme von 21:56 UTC und keine Prognose.

Liquidationspreis nach dem Anstieg neu rechnen: Der Puffer ist geschrumpft

Nach einer Bewegung von sieben Prozent an einem Tag stimmt die Rechnung von gestern nicht mehr. Wer eine Long-Position während des Anstiegs aufgestockt oder neu eröffnet hat, hat seinen durchschnittlichen Einstieg nach oben verschoben und damit den Abstand zur Liquidation verkürzt.

Drei Größen bestimmen diesen Abstand: der Einstiegskurs, die hinterlegte Margin und der gewählte Hebel. Wie sich daraus der konkrete Preis ergibt, ab dem die Börse schließt, haben wir in einer eigenen Anleitung Schritt für Schritt durchgerechnet: Liquidationspreis berechnen.

Der heutige Tag liefert das Argument, warum diese Rechnung kein Formalismus ist. Die 648 Millionen Dollar, die auf der Short-Seite verloren gingen, gehörten Marktteilnehmern, die dieselbe Rechnung entweder nicht gemacht oder zu knapp kalkuliert hatten. Die Mechanik kennt keine Richtung: Sie funktioniert nach unten genauso zuverlässig.

Messing-Sanduhr, durch die goldene Münzen rieseln, daneben eine gekippte Bitcoin-Münze
Die Funding-Rate wird in festen Abständen abgerechnet und läuft unabhängig davon weiter, ob der Kurs sich bewegt.

Perpetual Futures, CFD oder Coin: Was in Deutschland unter MiCA und MiFID II gilt

Hier liegt der Punkt, an dem deutsche Anleger regelmäßig etwas verwechseln. Die europäische Verordnung MiCA regelt Kryptowerte und die Dienstleistungen darauf, also Handel, Tausch und Verwahrung. Ein Derivat auf einen Kryptowert ist dagegen ein Finanzinstrument und fällt unter MiFID II. Eine MiCA-Zulassung deiner Börse deckt Perpetual Futures also nicht ab.

Der Weg über einen regulierten Broker

Wer als Privatkunde in Deutschland gehebelt auf Kryptokurse setzen will, bekommt das bei einem MiFID-regulierten Broker in Form von CFDs. Dort gelten enge Grenzen: Die BaFin hat Differenzgeschäfte mit Nachschusspflicht für Privatkunden bereits 2017 untersagt und diese Allgemeinverfügung 2019 neu gefasst, der Negativsaldoschutz ist verpflichtend, und der Hebel ist bei Kryptowerten auf 2:1 gedeckelt. Mehr als dein eingezahltes Kapital kannst du damit nicht verlieren. Welche Anbieter unter welcher Aufsicht arbeiten, zeigt unser Überblick zu Perp-DEX-Plattformen.

Der Weg über eine Plattform ohne EU-Zulassung

Die 2:1-Grenze ist der Grund, warum viele auf Plattformen ausweichen, die keine EU-Zulassung haben. Was dabei wegfällt, sollte man beim Namen nennen: kein Negativsaldoschutz nach deutschem Aufsichtsrecht, keine Einlagensicherung, keine deutsche Beschwerdestelle und im Streitfall ein Gerichtsstand außerhalb der EU. Der Fall BitMEX zeigt, was am Ende einer solchen Geschichte stehen kann: Die Börse stellt ihren Betrieb zum 23. September 2026 ein, und Guthaben müssen die Nutzer selbst rechtzeitig abziehen.

Steuer bei Krypto-Derivaten: Warum die einjährige Haltefrist hier nicht greift

Viele deutsche Anleger rechnen bei Krypto automatisch mit der Einjahresfrist. Für Derivate ist das falsch, und der Unterschied steht im Gesetz.

Die bekannte Frist steht in § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 EStG und gilt für Veräußerungsgeschäfte bei anderen Wirtschaftsgütern, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Darunter fällt der Coin selbst. Ein Termingeschäft, bei dem du einen Differenzausgleich erlangst, ist dagegen in § 20 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 EStG geregelt und gehört damit zu den Einkünften aus Kapitalvermögen.

Praktisch heißt das: Auf Gewinne aus Krypto-Derivaten greift die Abgeltungsteuer, und es gibt keine Haltedauer, nach der sie steuerfrei würden. Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nach § 20 Absatz 6 Satz 1 EStG außerdem nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden, sondern mindern nur künftige Einkünfte aus Kapitalvermögen. Ein Derivateverlust lässt sich also nicht gegen einen Gewinn aus dem Verkauf deiner Coins stellen.

Eine Einschränkung gehört dazu, weil sie viele betrifft: Wie ein Perpetual Future auf einer Plattform ohne EU-Zulassung steuerlich genau einzuordnen ist, ist unter Fachleuten strittig und im BMF-Schreiben zu Kryptowerten nicht abschließend geklärt. Wer dort handelt, klärt die Einordnung mit einem Steuerberater und führt vom ersten Tag an eigene Aufzeichnungen.

Verwahrung auf der Terminbörse: Was ein Guthaben auf dem Margin-Konto wirklich ist

Solange eine gehebelte Position läuft, liegt die hinterlegte Margin bei der Börse. Du hältst damit keinen Coin, sondern eine Forderung gegen ein Unternehmen. Bei einer Plattform ohne EU-Zulassung ist diese Forderung so viel wert wie die Zahlungsfähigkeit und die Redlichkeit des Betreibers.

Daraus folgt eine schlichte Trennung, die sich im Alltag bewährt. Das Kapital, das du langfristig hältst, gehört in die eigene Verwahrung. Auf der Terminbörse liegt nur so viel, wie für die offenen Positionen und einen Puffer nötig ist. Wer nach einem starken Tag Gewinne stehen lässt, weil der Abzug lästig ist, erhöht genau die Summe, die im Ernstfall betroffen wäre.

Marken nach oben und unten: Woran du siehst, ob die Hebel abgebaut werden

Für die nächsten Tage lohnt der Blick auf zwei Größen zugleich, den Kurs und die Positionierung.

Nach oben

Das Acht-Monats-Hoch aus dem heutigen Handel ist die erste Marke. Bleibt der Kurs darüber und geht das Open Interest gleichzeitig zurück, spricht das für eine Bewegung, die von Spotkäufen getragen wird statt von Hebel. Steigt dagegen beides weiter, bleibt der Markt anfällig, und die Funding-Kosten für die Long-Seite steigen tendenziell mit.

Nach unten

Interessanter ist die Gegenrichtung, weil dort die heute aufgebauten Positionen liegen. Fällt der Kurs zurück in die Zone, aus der der Squeeze gestartet ist, treffen die Zwangsschließungen diesmal die Long-Seite. Ein Rückgang des Open Interest bei fallendem Kurs wäre das Anzeichen dafür, dass genau das gerade abläuft.

Eine Prognose ist das ausdrücklich nicht. Die Funding-Rate von 21:56 UTC beschreibt, wie der Markt in diesem Moment positioniert war, und sie kann innerhalb weniger Stunden kippen.

Open Interest und Funding-Rate prüfen: Was du daraus mitnimmst

  1. Rechne deine laufenden Kosten aus, bevor du die Position verlängerst. Nimm die aktuelle Funding-Rate deiner Börse, multipliziere sie mit der Zahl der Abrechnungen pro Jahr und beziehe das Ergebnis auf dein eingesetztes Eigenkapital, nicht auf den Positionswert. Bei welchen Anbietern du unter deutscher und europäischer Aufsicht handelst, findest du im Vergleich der Krypto-Broker.
  2. Setze deinen Liquidationspreis neu und schriftlich. Nach einem Tag mit sieben Prozent Bewegung ist der Wert von gestern überholt. Halte fest, ab welchem Kurs geschlossen wird und wie viel Margin du nachlegen müsstest. Für die Dokumentation deiner Trades über das Jahr helfen die Werkzeuge aus unserem Überblick zu Krypto-Steuer-Tools, denn bei Derivaten gilt die Abgeltungsteuer ohne Haltefrist.
  3. Trenne Handelskapital von Bestand. Zieh ab, was du für die offenen Positionen nicht brauchst, und lagere den langfristigen Bestand dort, wo du die Schlüssel hältst. Wenn du dafür die Plattform wechseln willst, hilft unser Vergleich der Krypto-Börsen bei der Auswahl einer regulierten Adresse.

(Stand: 21. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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