Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Funding-Rate bei Perpetual Futures: So berechnest du, was deine Position wirklich kostet

Ein Satz von 0,01 Prozent je Intervall klingt nach nichts und ist auf das Jahr gerechnet fast elf Prozent des Positionsvolumens. Dieser Ratgeber zeigt dir die Rechnung, den Zeitstempel-Effekt und die Wirkung des Hebels.

Aufrecht stehende Metallmünze mit eingeprägtem Bitcoin-Zeichen, an der zwei gespannte Stahlketten von links und rechts in entgegengesetzte Richtungen ziehen
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Die Funding-Rate ist die laufende Zahlung zwischen Long- und Short-Seite eines Perpetual-Kontrakts, und sie ist bei den meisten Handelsplätzen der größte Kostenblock einer gehaltenen Position. Bei einem positiven Satz zahlen die Longs an die Shorts, bei einem negativen Satz läuft es umgekehrt. Abgerechnet wird üblicherweise alle acht Stunden, und die Rechnung ist einfach: Positionsgröße multipliziert mit dem Satz des Intervalls. Wer einen Hebel benutzt, zahlt diese Gebühr auf das gesamte Positionsvolumen, obwohl nur ein Bruchteil davon sein eigenes Geld ist.

Genau dort entsteht der Irrtum, der diesen Text nötig macht. Ein Satz von 0,01 Prozent je Intervall klingt nach nichts. Auf ein Jahr gerechnet sind es fast elf Prozent des Positionsvolumens, und bei zehnfachem Hebel entspricht das deinem gesamten Einsatz. Ein Trade, der am Kurs von Bitcoin richtig liegt, kann über diese Gebühr trotzdem ins Minus laufen.

Dieser Ratgeber zeigt dir, wie die Funding-Rate zustande kommt, wie du deine Zahlung ausrechnest, was der Satz über die Marktstimmung aussagt und mit welchen Mitteln du die Kosten senkst.

Was die Funding-Rate ist und warum es sie überhaupt gibt

Ein Perpetual Future, kurz Perp, ist ein Derivat auf einen Kurs ohne Verfallstag. Genau daraus entsteht ein Problem: Ein klassischer Terminkontrakt läuft aus und wird zum Schlusskurs abgerechnet, was seinen Preis zwangsläufig an den Spot-Markt zurückholt. Einem Kontrakt ohne Verfall fehlt dieser Anker. Ohne Gegenmaßnahme könnte er beliebig über oder unter dem Kassakurs notieren.

Die Funding-Rate ist dieser Anker. Der Satz ist keine Gebühr, die der Handelsplatz einbehält, sondern eine Zahlung zwischen den Marktteilnehmern: Die teurere Seite zahlt an die günstigere. Notiert der Perp über dem Spot-Kurs, wird das Halten einer Long-Position laufend teurer und das Halten einer Short-Position laufend einträglicher. Dieser wirtschaftliche Anreiz drückt den Kontraktpreis zurück in Richtung Kassakurs. Bybit beschreibt den Mechanismus in seiner Dokumentation zur Funding-Rate in genau dieser Funktion.

Zwei Begriffe brauchst du dafür. Der Mark-Preis ist der Referenzpreis, mit dem ein Handelsplatz deine Position bewertet und Liquidationen auslöst; er wird aus dem Kassamarkt mehrerer Börsen abgeleitet und ist gegen kurze Ausschläge im eigenen Orderbuch abgesichert. Der Kontraktpreis ist der Preis, zu dem der Perp gerade gehandelt wird. Die Differenz zwischen beiden ist der Rohstoff der Funding-Rate.

Wie oft abgerechnet wird und warum der Zeitstempel entscheidet

Die großen Handelsplätze rechnen überwiegend in Achtstundenschritten ab, häufig um 00:00, 08:00 und 16:00 Uhr UTC. Einzelne Plattformen und einzelne Kontrakte rechnen stündlich, was den einzelnen Betrag verkleinert und die Gesamtsumme nicht. Welches Intervall für deinen Kontrakt gilt, steht in der Kontraktspezifikation des Handelsplatzes, und es ist der erste Wert, den du vor einer längeren Position nachsiehst.

Wichtig ist die Abrechnungslogik: Bezahlt oder vereinnahmt wird nur, wer im Moment des Zeitstempels eine offene Position hält. Es gibt keine anteilige Berechnung für die Zeit zwischen zwei Terminen. Wer eine Position zwei Minuten vor dem Termin eröffnet, zahlt den vollen Satz. Wer sie zwei Minuten davor schließt, zahlt nichts, obwohl er die Position fast acht Stunden gehalten hat.

Was das für kurzfristige Trades bedeutet

Für Positionen, die innerhalb eines Intervalls geschlossen werden, ist Funding kein Kostenfaktor; dort entscheiden Handelsgebühr und Spread. Für alles, was über Nacht oder über Tage liegt, ist Funding oft der dominierende Posten. Die Kennzahl gehört deshalb in dieselbe Vorbereitung wie die Liquidationsschwelle, und wie du sie zusammen mit dem Open Interest als Marktsignal liest, haben wir an einem konkreten Bitcoin-Beispiel gezeigt.

Große Messing-Bahnhofsuhr ohne Zahlen auf dem Zifferblatt im dunklen Raum, davor balanciert eine Münze mit Bitcoin-Zeichen auf einer Kante
Abgerechnet wird punktgenau zum Zeitstempel: Zwei Minuten vorher geschlossen, und die Zahlung entfällt vollständig.

Woraus sich die Funding-Rate zusammensetzt: Premium-Index und Zinskomponente

Die Formel, die die großen Handelsplätze verwenden, hat zwei Bestandteile. Der Premium-Index misst, wie weit der Kontraktpreis über oder unter dem Mark-Preis liegt, und zwar gewichtet über die Tiefe des Orderbuchs statt über einen einzelnen Kurs. Die Zinskomponente steht für die theoretischen Kosten, Kapital in einer Währung zu halten statt in der anderen; Binance nennt in seiner Einführung zu den Funding-Rates dafür einen Standardwert von 0,03 Prozent pro Tag, also 0,01 Prozent je Achtstundenintervall.

Zusammengesetzt wird beides über eine begrenzte Differenz: Zum Premium-Index kommt die Abweichung zwischen Zinskomponente und Premium-Index, wobei diese Abweichung auf einen engen Korridor von typischerweise plus oder minus 0,05 Prozent begrenzt wird. In ruhigen Märkten pendelt der Satz deshalb um den Zinswert. In stark einseitigen Märkten dominiert der Premium-Index, und der Satz kann bis an die Obergrenze des jeweiligen Kontrakts laufen.

Diese Obergrenzen unterscheiden sich je Handelsplatz und je Kontrakt erheblich. Für dich heißt das: Der Satz, den du in einer Börsen-App siehst, ist ein Wert für ein Intervall auf genau diesem Handelsplatz für genau diesen Kontrakt. Er lässt sich nicht auf andere Plattformen übertragen, und er gilt auch nicht für das nächste Intervall, denn er wird laufend neu ermittelt. Der angezeigte Wert ist bis zur Abrechnung eine Schätzung.

So berechnest du deine Funding-Zahlung in drei Schritten

Die Rechnung braucht drei Größen: das Positionsvolumen, den Satz des Intervalls und die Zahl der Intervalle, die du die Position hältst. Die Formel lautet: Zahlung gleich Positionsvolumen multipliziert mit der Funding-Rate. Entscheidend ist, dass das Positionsvolumen gemeint ist, also der Nominalwert der Position, nicht die von dir gestellte Sicherheitsleistung.

Rechenbeispiel: Du hältst eine Long-Position über 10.000 US-Dollar Volumen. Die Funding-Rate liegt bei plus 0,01 Prozent je Achtstundenintervall.

  1. Zahlung je Intervall: 10.000 multipliziert mit 0,0001 ergibt 1,00 US-Dollar.
  2. Zahlung je Tag: Bei drei Intervallen sind es 3,00 US-Dollar, also 0,03 Prozent des Volumens.
  3. Auf das Jahr gerechnet: 0,03 Prozent multipliziert mit 365 ergibt 10,95 Prozent des Positionsvolumens.

Steht die Rate bei plus 0,05 Prozent je Intervall, was in stark bullischen Phasen vorkommt, zahlst du bei denselben 10.000 US-Dollar 5,00 US-Dollar je Intervall, 15,00 US-Dollar am Tag und auf das Jahr gerechnet gut 54 Prozent des Volumens. Ein negativer Satz dreht die Richtung: Als Long-Halter bekommst du dann eine Zahlung gutgeschrieben.

Für die eigene Vorbereitung lohnt es sich, den Satz in einen Tagessatz umzurechnen und ihn neben die erwartete Haltedauer zu legen. Eine Position, die du zwei Wochen halten willst, trägt bei 0,03 Prozent am Tag rund 0,42 Prozent Kosten auf das Volumen, bevor der Kurs sich überhaupt bewegt hat. Diese Zahl gehört in deine Zielsetzung, damit dein Kursziel die Kosten überhaupt deckt.

Was eine hohe Funding-Rate über die Marktstimmung aussagt

Weil der Satz aus der Differenz zwischen Kontrakt- und Kassapreis entsteht, ist er ein Maß für die Einseitigkeit der Positionierung. Ein dauerhaft deutlich positiver Satz zeigt, dass die Long-Seite bereit ist, für ihre Hebelposition zu zahlen. Ein negativer Satz zeigt das Gegenteil. Analysten lesen darin ein Stimmungsbild, und einige leiten daraus Risikohinweise ab: Eine stark einseitige Positionierung kann bei einem Kursrutsch Liquidationen auslösen, die den Rutsch verstärken.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist der Satz ein Zustandswert und keine Vorhersage; hohe Sätze haben in der Vergangenheit sowohl Kursrückgänge als auch weiter steigende Kurse begleitet. Zweitens ist er ein Wert je Handelsplatz. Aussagekräftig wird das Bild erst, wenn mehrere große Plattformen in dieselbe Richtung zeigen und der Open Interest gleichzeitig steigt. Als Einzelwert taugt die Funding-Rate für die Kostenrechnung, nicht für eine Kursaussage.

Umgekippter Messingbecher auf Steinplatte, aus dem kleine Metallmünzen in einem Rinnsal herausrieseln, daneben eine größere Münze mit Bitcoin-Zeichen
Je Intervall ein kleiner Betrag, über Wochen ein erheblicher: Funding wirkt über die Zeit, nicht über die einzelne Zahlung.

Warum Hebel die Funding-Kosten vervielfacht

Die Funding-Zahlung bemisst sich am Positionsvolumen, deine Rendite dagegen an deinem eingesetzten Kapital. Dieser Unterschied ist der wichtigste Satz dieses Textes. Bei den 10.000 US-Dollar Volumen aus dem Beispiel und zehnfachem Hebel stellst du 1.000 US-Dollar Sicherheitsleistung. Die 3,00 US-Dollar Funding am Tag sind dann 0,3 Prozent deines eigenen Kapitals, jeden Tag, unabhängig davon, wohin der Kurs läuft.

Über einen Monat gehalten sind das etwa neun Prozent deines Einsatzes, über ein Quartal mehr als ein Viertel. Bei einem Satz von 0,05 Prozent je Intervall und demselben Hebel liegt die Belastung bei rund 1,5 Prozent des Eigenkapitals pro Tag. Eine solche Position muss sich im Kurs deutlich bewegen, nur um die Kosten auszugleichen, und sie tut das unter einem Hebel, der die Liquidationsschwelle nah heranrückt.

Daraus folgt eine schlichte Regel für die Praxis: Je höher der Hebel und je länger die geplante Haltedauer, desto wichtiger ist der Blick auf die Funding-Rate vor dem Einstieg. Für eine Position, die Wochen liegen soll, ist ein unbefristeter Hebelkontrakt oft das teuerste Mittel. Welche Handelsplätze welche Kontrakte mit welchen Konditionen anbieten, zeigt unser Vergleich der Perp-DEX-Plattformen; was eine solche Plattform von einer klassischen Börse unterscheidet, erklärt unser Beitrag dazu, was ein Perp DEX ist.

Wie du Funding-Kosten senkst

Mehrere Ansätze wirken, und sie schließen einander nicht aus:

  • Vor dem Zeitstempel schließen. Wer ohnehin kurzfristig handelt, vermeidet die Zahlung vollständig, indem er die Position vor dem Abrechnungstermin auflöst.
  • Die Richtung des Satzes nutzen. Bei negativem Satz wird die Long-Seite bezahlt. Das ist kein Grund, eine Position gegen die eigene Einschätzung zu eröffnen, aber ein Argument bei der Wahl des Zeitpunkts.
  • Handelsplätze vergleichen. Derselbe Kontrakt trägt auf verschiedenen Plattformen unterschiedliche Sätze und unterschiedliche Obergrenzen.
  • Hebel senken. Weniger Hebel bedeutet bei gleichem Eigenkapital ein kleineres Positionsvolumen und damit eine kleinere Funding-Zahlung.
  • Auf den Kassamarkt wechseln. Wer auf einen längeren Zeitraum setzt und keinen Hebel braucht, zahlt beim direkten Kauf gar kein Funding.

Der letzte Punkt ist der wirksamste und wird am häufigsten übersehen. Ein Perp ist ein Werkzeug für kurze Zeiträume und für Absicherung. Für eine Halteposition über Monate trägt er Kosten, die ein Kauf am Kassamarkt nicht hat, und er trägt ein Liquidationsrisiko, das der Kassakauf ebenfalls nicht hat.

Wo Perpetual Futures für deutsche Anleger handelbar sind

Der Zugang ist der Punkt, an dem deutsche Privatanleger zuerst hängen. Handelsplätze, die Kryptowerte-Dienstleistungen an Kunden in der EU erbringen, brauchen seit dem Inkrafttreten der MiCA-Verordnung eine Zulassung, und unbefristete Hebelkontrakte in der Form, wie sie außerhalb der EU üblich sind, gehören bei zugelassenen Anbietern für Privatkunden meist nicht zum Angebot. Wer in Deutschland gehebelt auf Kurse setzen will, findet das Angebot deshalb überwiegend bei beaufsichtigten Brokern mit eigenen Produkten, deren Konditionen sich von einem Perp unterscheiden; eine Übersicht führt unser Vergleich der Krypto-Broker.

Von Angeboten ohne erkennbare Zulassung, die trotzdem deutschsprachig um Privatkunden werben, hältst du besser Abstand: Im Streitfall fehlt die Aufsicht, an die du dich wenden könntest, und Einlagen liegen außerhalb des europäischen Rechtsrahmens. Ob ein Anbieter eine Erlaubnis besitzt, lässt sich in den öffentlichen Registern der Aufsichtsbehörden nachsehen, und diese Prüfung gehört vor die erste Einzahlung.

Was steuerlich anders läuft als beim Kauf am Kassamarkt

Perpetual Futures sind steuerlich keine Coins im Privatvermögen. Gewinne aus Termingeschäften zählen nach dem Einkommensteuerrecht zu den Kapitalerträgen und fallen damit nicht unter die privaten Veräußerungsgeschäfte des § 23 EStG. Die einjährige Haltefrist, die einen Gewinn aus einem direkt gekauften Coin nach Ablauf steuerfrei stellt, gibt es bei diesen Kontrakten nicht.

Weil die Regeln zur Verlustverrechnung bei Termingeschäften in den vergangenen Jahren mehrfach geändert wurden und die Einordnung einzelner Produkte davon abhängt, wie der Kontrakt ausgestaltet ist, ist das der Punkt, den du vor dem ersten Trade mit einem Steuerberater klären lässt. Ausländische Handelsplätze stellen dafür in der Regel keinen deutschen Steuerreport aus, weshalb du deine Abrechnungen samt Funding-Zahlungen selbst archivieren solltest.

Drei Missverständnisse, die Geld kosten

  1. Funding ist keine Gebühr des Handelsplatzes. Die Zahlung geht an die Gegenseite. Handelsgebühr, Spread und mögliche Abwicklungskosten kommen zusätzlich hinzu.
  2. Der angezeigte Satz ist nicht festgeschrieben. Bis zum Zeitstempel ist er eine laufend aktualisierte Schätzung, und in bewegten Märkten kann er sich innerhalb eines Intervalls deutlich verschieben.
  3. Ein hoher Satz ist kein Verkaufssignal. Er beschreibt die Positionierung des Marktes und sagt über den nächsten Kursschritt nichts aus.

Funding-Rate berechnen: Was du daraus mitnimmst

  1. Rechne vor dem Einstieg den Tagessatz aus. Multipliziere den Satz je Intervall mit der Zahl der Intervalle je Tag und lege das Ergebnis neben deine geplante Haltedauer. Erst wenn dein Kursziel diese Kosten übersteigt, trägt der Trade. Welche Plattform welche Sätze und Obergrenzen führt, zeigt der Vergleich der Perp-DEX-Plattformen.
  2. Rechne die Belastung auf dein Eigenkapital um, nicht auf das Volumen. Bei zehnfachem Hebel ist ein Tagessatz von 0,03 Prozent des Volumens eine Belastung von 0,3 Prozent deines Einsatzes pro Tag. Wenn dir das zu teuer wird, senke den Hebel oder wähle einen beaufsichtigten Anbieter aus dem Vergleich der Krypto-Broker.
  3. Prüfe, ob du den Kontrakt überhaupt brauchst. Für eine Halteposition über Monate ohne Hebel zahlt der Kassakauf kein Funding und kennt keine Liquidation. Wo du direkt kaufen kannst und was es kostet, steht im Vergleich der Krypto-Börsen.

(Stand: 25. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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