Verlustbescheinigung für Krypto-ETN: „muss bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres der auszahlenden Stelle zugehen“
Wer Krypto-ETN im Depot einer deutschen Bank hält und dort im Minus steht, hat bis zum 15. Dezember Zeit, die Verlustbescheinigung zu beantragen. Danach bleibt der Verlust in genau diesem Depot liegen, auch wenn bei einer zweiten Bank Gewinne darauf warten.

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Die Verlustbescheinigung ist ein Papier, das deine Bank nur auf Antrag ausstellt, und dieser Antrag hat ein hartes Verfallsdatum. Paragraf 43a Absatz 3 Satz 5 des Einkommensteuergesetzes widmet ihm einen einzigen Satz: Der unwiderrufliche Antrag „muss bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres der auszahlenden Stelle zugehen“. Zugehen heißt ankommen, nicht abschicken. Wer Krypto-ETN oder Krypto-ETP im Depot einer deutschen Bank hält und dort im Minus steht, entscheidet also in den kommenden acht Wochen darüber, ob dieser Verlust jemals eine Steuerzahlung mindert.
Wichtig ist die Unterscheidung gleich am Anfang: Dieser Text handelt von Krypto-Papieren im Wertpapierdepot, nicht von Coins auf einer Handelsplattform oder in der eigenen Wallet. Für direkt gehaltene Coins gilt Paragraf 23 Einkommensteuergesetz mit der einjährigen Haltefrist, und dort gibt es weder einen Verlusttopf bei der Bank noch eine Verlustbescheinigung. Welcher der beiden Wege für dich zählt, hängt am Produkt in deinem Depot, und genau daran scheitern viele Steuererklärungen.
Verlustbescheinigung: Was Paragraf 43a Absatz 3 EStG von der auszahlenden Stelle verlangt
Eine Verlustbescheinigung ist die amtlich vorgeschriebene Mitteilung deiner Bank darüber, wie hoch der nicht ausgeglichene Verlust in deinem Depot am Jahresende war. Das Gesetz nennt die Bank „auszahlende Stelle“, weil sie die Kapitalertragsteuer für dich abführt. Von jedem steuerpflichtigen Gewinn behält das Institut 25 Prozent ein, dazu den Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent, bei Kirchensteuerpflicht etwas mehr.
Der Ablauf steht in drei aufeinander aufbauenden Sätzen des Gesetzes. Satz 2 verpflichtet die Bank, im laufenden Kalenderjahr negative Kapitalerträge bis zur Höhe der positiven auszugleichen. Bleibt am Jahresende ein Minus übrig, überträgt sie es nach Satz 3 automatisch ins nächste Kalenderjahr. Satz 4 eröffnet die Alternative: Auf Verlangen stellt sie über diesen Betrag eine Bescheinigung aus, und „der Verlustübertrag entfällt in diesem Fall“. Du bekommst den Verlust also entweder als Guthaben bei dieser einen Bank oder als Papier für deine Steuererklärung, niemals beides.
Der Antrag ist formlos möglich, bei den meisten Brokern über das Nachrichtenpostfach oder eine Schaltfläche in den Steuereinstellungen. Unwiderruflich bedeutet, dass du ihn nach dem Absenden nicht zurücknehmen kannst, auch nicht am 16. Dezember, wenn der Markt sich dreht.
Der Verlustverrechnungstopf liegt bei der Bank, nicht beim Finanzamt
Ein Verlustverrechnungstopf ist ein laufendes Konto, das jede depotführende Bank getrennt für ihre eigenen Kunden führt. Er sammelt deine realisierten Verluste und zieht sie von künftigen Gewinnen im selben Haus ab, bevor Steuer einbehalten wird. Banken führen in der Praxis mehrere solcher Töpfe, mindestens einen für Aktienveräußerungen und einen für alle übrigen Kapitalerträge, weil Paragraf 20 Absatz 6 Satz 4 Einkommensteuergesetz Aktienverluste ausschließlich gegen Aktiengewinne zulässt.
Die Kapitalertragsteuer ist eine Quellensteuer: Das Institut zieht sie beim Entstehen des Gewinns ab und führt sie ab, bevor das Geld dein Konto erreicht. Deshalb entscheidet der Stand des Topfes genau in dem Moment über deine Steuerlast, in dem du verkaufst. Kursverluste, die nur auf dem Papier stehen, ändern daran nichts: In den Topf kommt ausschließlich, was du realisiert hast.
Die Töpfe reden nicht miteinander. Ein Minus von 4.000 Euro aus einem Krypto-ETN bei Bank A trifft niemals auf ein Plus von 4.000 Euro aus einem Krypto-ETN bei Bank B, solange keine Bescheinigung vorliegt. Bank B behält auf ihr Plus Kapitalertragsteuer ein und führt sie ab, Bank A schreibt das Minus ins nächste Jahr fort. Unterm Strich zahlst du Steuer auf einen Gewinn, dem ein gleich großer Verlust gegenübersteht.
Zwei Depots sind längst der Normalfall. Wer Krypto-ETN über das Depot seiner Hausbank hält und daneben ein Konto bei einem Neobroker führt, hat zwei getrennte Töpfe. Dasselbe gilt für Ehepaare ohne gemeinsamen Freistellungsauftrag: Das Gesetz sieht den gemeinsamen Ausgleich nur dort vor, wo ein gemeinsamer Freistellungsauftrag vorliegt.
Krypto-ETN, ETP und Coin: Drei Wege, zwei Einkunftsarten
Ein Krypto-ETN ist eine Inhaberschuldverschreibung, die an einer Börse gehandelt wird und den Kurs eines Coins abbildet. Wer ihn kauft, erwirbt eine Forderung gegen den Emittenten, keinen Coin. Welche Einkunftsart daraus wird, entscheidet die Ausgestaltung des einzelnen Papiers, und darin unterscheiden sich die Produkte deutlich. Die drei Wege ins Depot haben wir in einem eigenen Vergleich von Zertifikat, ETN und Coin nebeneinandergestellt.
Für die Frage nach dem 15. Dezember zählt nur eines: Behält deine Bank beim Verkauf Kapitalertragsteuer ein? Dann läuft dein Papier über den Topf, und die Frist betrifft dich. Steht in der Jahressteuerbescheinigung dagegen kein Eintrag zu diesem Verkauf, liegt der Vorgang außerhalb des Bankensystems, und du erklärst ihn selbst. Die Übersicht, welche Krypto-Fondsprodukte in Deutschland überhaupt handelbar sind, zeigt, wie unterschiedlich die Konstruktionen ausfallen.
Zwei Begriffe trennen die Fälle. Kapitalforderungen sind Ansprüche auf Geld, und Veräußerungsgewinne daraus gehören ins Kapitalvermögen. Ein Sachleistungsanspruch ist dagegen der Anspruch auf Herausgabe einer Sache und fällt nicht darunter. Von dieser Einordnung unabhängig bleibt bei jedem ETN das Emittentenrisiko: Bei einer Insolvenz des Herausgebers stehst du als Gläubiger da, auch wenn das Papier physisch besichert ist.
Auch die Bank selbst ist kein Orakel. Dass ein Haus mehrere Dutzend Krypto-ETNs zum Kauf anbietet, sagt nichts darüber, wie jedes einzelne dieser Papiere steuerlich behandelt wird. Maßgeblich ist der Basisprospekt des Emittenten und am Ende das Finanzamt.

Xetra-Gold und der Lieferanspruch: Das Urteil hinter der Einordnung
Warum manche börsengehandelte Schuldverschreibung nicht unter die Kapitalerträge fällt, hat der Bundesfinanzhof an Gold entschieden, lange bevor es Krypto-Papiere gab. Im Urteil vom 12. Mai 2015 zum Aktenzeichen VIII R 19/14, inhaltsgleich mit VIII R 35/14, ging es um Xetra-Gold. Die Klägerin hatte 2008 gekauft und 2011 mit 18.936,76 Euro Gewinn verkauft.
Der Leitsatz ist knapp: Der Gewinn aus der Veräußerung einer börsengehandelten Inhaberschuldverschreibung, „die einen Anspruch gegen die Emittentin auf Lieferung physischen Goldes verbrieft und den aktuellen Goldpreis abbildet“, ist jedenfalls dann nicht nach Paragraf 20 steuerpflichtig, wenn die Emittentin das Kapital so gut wie vollumfänglich zum Erwerb von Gold einsetzen muss. Erwerb und Verkauf des Papiers seien wie ein unmittelbarer Erwerb und Verkauf von physischem Gold zu beurteilen.
Der Mechanismus dahinter lohnt zwei Sätze, weil er sich auf Krypto übertragen lässt. Eine Geldforderung gehört ins Kapitalvermögen, ein Sachleistungsanspruch nicht. Verbrieft ein Papier den Anspruch auf Herausgabe einer Sache und ist es vollständig mit dieser Sache hinterlegt, behandelt das Steuerrecht es wie die Sache selbst.
Genau diese Konstruktion bauen mehrere europäische Emittenten physisch besicherter Krypto-ETP nach, und sie werben damit. Ob die Übertragung trägt, ist damit allerdings nicht entschieden: Es gibt zu physisch besicherten Krypto-Papieren bislang kein Urteil des Bundesfinanzhofs, die Finanzverwaltung hat sich dazu nicht allgemein geäußert, und einzelne Banken behalten trotz Lieferanspruch Kapitalertragsteuer ein. Wer sich auf die Gold-Linie beruft, trägt im Zweifel die Begründungslast gegenüber dem Finanzamt.
Zwei Depots, ein Verlust: Die Rechnung, die den 15. Dezember teuer macht
Ein Beispiel mit runden Zahlen zeigt den Betrag, um den es geht. Angenommen, du hast im Frühjahr Krypto-ETN bei Bank A mit 4.000 Euro Verlust verkauft und im Herbst bei Bank B andere Krypto-ETN mit 4.000 Euro Gewinn. Beide Vorgänge liegen im selben Kalenderjahr, beide laufen über die Kapitalertragsteuer.
Ohne Bescheinigung behält Bank B auf die 4.000 Euro Gewinn 26,375 Prozent ein, also 1.055 Euro. Bank A trägt die 4.000 Euro Verlust ins Folgejahr vor. Deine Steuerlast für dieses Jahr beträgt 1.055 Euro, obwohl du wirtschaftlich bei null stehst.
Mit Bescheinigung von Bank A, beantragt bis zum 15. Dezember, trägst du beide Beträge in deine Steuererklärung ein. Das Finanzamt verrechnet sie, und die 1.055 Euro kommen zurück. Der Verlustvortrag bei Bank A entfällt dafür, denn das Gesetz lässt beides nicht nebeneinander zu.
Die Summe hängt an deinen Zahlen, der Mechanismus ist immer derselbe. Weil die Bank den Vortrag erst im Folgejahr gegenrechnen kann und auch nur dann, wenn dort überhaupt Gewinne anfallen, ist die Bescheinigung vor allem dann sinnvoll, wenn das Guthaben bei einer Bank liegt, bei der du künftig wenig handelst. Für die Gegenrichtung gilt dasselbe in Ruhe: Wer sein ganzes Depot ohnehin bei einem Haus führt, braucht nichts zu tun, die Bank rechnet von selbst.
Ohne Antrag überträgt die Bank den Verlust ins nächste Jahr
Die häufigste Sorge ist die falsche. Ein versäumter 15. Dezember vernichtet den Verlust nicht, er sperrt ihn. Nach Satz 3 wandert der nicht ausgeglichene Betrag automatisch ins nächste Kalenderjahr und steht dort weiter bereit, zeitlich unbegrenzt, aber eben nur bei dieser einen Bank.
Eine zweite Regel verschärft das. Paragraf 20 Absatz 6 Satz 5 Einkommensteuergesetz bestimmt, dass Verluste aus Kapitalvermögen, die der Kapitalertragsteuer unterliegen, „nur verrechnet werden“ dürfen oder künftige Einkünfte mindern, „wenn eine Bescheinigung im Sinne des Paragrafen 43a Absatz 3 Satz 4 vorliegt“. Ohne dieses Papier kann das Finanzamt einen solchen Verlust in der Veranlagung gar nicht berücksichtigen. Der Weg über die Steuererklärung steht also nicht als Reserve offen.
Nachreichen ist nicht vorgesehen. Das Gesetz nennt einen Stichtag und keine Härtefallregel, und die Bank hat keinen Spielraum, den Antrag später anzunehmen. Wer am 20. Dezember merkt, dass er die Bescheinigung gebraucht hätte, wartet auf das nächste Jahr.
Depotübertrag: Warum Satz 6 die Bescheinigung ausschließt
Für einen Fall sieht das Gesetz einen eleganteren Weg vor. Überträgst du deine Depotwerte vollständig auf ein anderes Depot, teilt die abgebende Bank der übernehmenden auf dein Verlangen die Höhe des nicht ausgeglichenen Verlusts mit. Der Topf zieht mit um. Satz 6 stellt im selben Atemzug klar: „eine Bescheinigung nach Satz 4 darf in diesem Fall nicht erteilt werden“.
Daraus folgt eine schlichte Reihenfolge für alle, die ihren Broker wechseln wollen. Entweder du überträgst das Depot vollständig und nimmst den Topf mit, oder du lässt dir den Verlust bescheinigen und erklärst ihn selbst. Ein Teilübertrag löst die Mitteilung nicht aus, dort bleibt nur die Bescheinigung.
Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro: Die Reihenfolge im Topf
Der Sparerpauschbetrag ist der Freibetrag, bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei bleiben. Paragraf 20 Absatz 9 Einkommensteuergesetz setzt ihn auf 1.000 Euro, für zusammen veranlagte Ehegatten auf 2.000 Euro. Wirksam wird er bei der Bank nur mit einem Freistellungsauftrag.
Die Reihenfolge entscheidet über bares Geld. Die Bank verrechnet zuerst Verluste mit Gewinnen und wendet den Freistellungsauftrag erst auf das danach verbleibende Plus an. Wer in einem Jahr 1.000 Euro Gewinn und 1.000 Euro Verlust im selben Depot hat, verbraucht seinen Pauschbetrag nicht, weil nach der Verrechnung nichts übrig bleibt. Das ist kein Nachteil, aber es erklärt, warum ein unbenutzter Freistellungsauftrag am Jahresende kein Zeichen für ein schlechtes Jahr sein muss.
Ein Freistellungsauftrag an der falschen Stelle kostet dagegen Liquidität. Liegt dein voller Auftrag bei der Bank, bei der nur Verluste entstanden sind, zahlst du bei der anderen Steuer ab dem ersten Euro. Das holt die Steuererklärung zurück, aber erst Monate später.

Krypto-Verluste nach Paragraf 23 EStG bleiben außen vor
Wer neben ETN auch Coins direkt hält, stößt an eine Wand, die der 15. Dezember nicht öffnet. Gewinne und Verluste aus direkt gehaltenen Kryptowerten zählen als privates Veräußerungsgeschäft nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz. Für diese Gewinne gilt eine eigene Haltefrist von einem Jahr, dazu eine eigene Freigrenze von 1.000 Euro und ein eigener Verlustkreis.
Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften dürfen nur mit Gewinnen derselben Art verrechnet werden. Ein Minus aus dem Verkauf von Bitcoin innerhalb der Jahresfrist trifft also niemals auf ein Plus aus einem Krypto-ETN, in keinem Jahr und mit keiner Bescheinigung. Welche Verrechnungen innerhalb von Paragraf 23 möglich sind, haben wir am Beispiel von Krypto-Verlusten und Aktiengewinnen durchgerechnet, und was mit Altverlusten aus Vorjahren geschieht, steht in unserer Darstellung zum Krypto-Verlustvortrag.
Ein Unterschied fällt dabei zugunsten der Coins aus. Verluste aus privaten Veräußerungsgeschäften mindern nach Paragraf 23 Absatz 3 Satz 8 auch die Gewinne des unmittelbar vorangegangenen Jahres. Diesen Verlustrücktrag gibt es im Kapitalvermögen nicht, dort bleibt allein der Verlustvortrag. Wer Kryptowährungen im Privatvermögen innerhalb der Spekulationsfrist mit Verlust verkauft hat, prüft deshalb auch das Vorjahr auf Gewinne derselben Art. Erträge aus Staking und Lending liegen wieder woanders, nämlich bei den sonstigen Einkünften nach Paragraf 22 Nummer 3 Einkommensteuergesetz, und bilden einen dritten Kreis.
Praktisch heißt das: Zwei Rechnungen, zwei Formulare. Die Bankseite läuft über die Anlage KAP und die Jahressteuerbescheinigung, die Coin-Seite über die Anlage SO und deine eigenen Aufzeichnungen. Wer beides vermischt, bekommt eine Rückfrage vom Finanzamt. Ein Steuer-Tool für das Krypto-Portfolio hilft vor allem auf der zweiten Seite, denn die erste liefert die Bank fertig.
Lohnt sich die Verlustbescheinigung in deinem Fall?
Drei Konstellationen decken fast alles ab. Erstens: ein einziges Depot, Verluste und Gewinne im selben Haus. Dann rechnet die Bank von allein, und ein Antrag würde den bequemen Weg gegen einen umständlichen tauschen.
Zweitens: mehrere Depots, bei einem ein nennenswerter Verlust, bei einem anderen ein Gewinn im selben Jahr. Das ist der Fall, für den die Vorschrift gemacht wurde, und hier bringt der Antrag das Geld mit der nächsten Steuererklärung zurück.
Drittens: mehrere Depots, Verlust bei einem, nirgends Gewinne. Dann ist die Rechnung offen. Der Vortrag bei der Bank wirkt automatisch, sobald dort wieder Gewinne anfallen, und kostet keine Mühe. Die Bescheinigung dagegen bringt den Verlust in die Verlustfeststellung des Finanzamts, wo er unabhängig von deiner Bankverbindung bereitsteht, auch wenn du das Depot später schließt. Wer plant, den Anbieter zu wechseln, fährt mit der Bescheinigung meist besser, sofern kein vollständiger Depotübertrag ansteht.
Abgeltungsteuer ab 2027: Was der Referentenentwurf an der Trennung ändern würde
Die Trennung zwischen Bankentopf und privatem Veräußerungsgeschäft steht zur Disposition. Im Bundesfinanzministerium liegt seit dem 30. September 2026 ein Referentenentwurf, der Kryptowerte in die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach Paragraf 20 verschieben und die Jahresfrist für Neuanschaffungen streichen würde. Das Bundeskabinett hat ihn am 14. Oktober nicht beschlossen, und einen neuen Termin dafür gibt es nicht, wie wir im Stand der Reform vom 16. Oktober 2026 festgehalten haben.
Für dieses Jahr ändert der Entwurf nichts. Er ist eine Arbeitsfassung, kein geltendes Recht, und ohne Kabinettsbeschluss sowie Zustimmung von Bundestag und Bundesrat tritt er nicht in Kraft. Käme er, rückten direkt gehaltene Coins eines Tages in dasselbe System, in dem Krypto-ETN heute schon stecken, samt Kapitalertragsteuer an der Quelle und samt Verlusttopf bei der Bank. Die Frist am 15. Dezember beträfe dann deutlich mehr Anleger als heute.
Unsere Einschätzung: Der 15. Dezember wird unterschätzt, weil er keine Steuerfrist im üblichen Sinn ist. Er läuft nicht beim Finanzamt ab, sondern bei der Bank, er steht auf keinem Steuerbescheid, und niemand erinnert dich daran. Dagegen steht die Rechtslage eindeutig: Paragraf 20 Absatz 6 Satz 5 macht die Bescheinigung zur Bedingung dafür, dass ein kapitalertragsteuerpflichtiger Verlust in der Veranlagung überhaupt zählt, und Paragraf 43a Absatz 3 Satz 5 nennt genau einen Tag. Was dagegen spricht, den Antrag reflexhaft zu stellen: Er ist unwiderruflich und löscht den bequemen automatischen Vortrag. Wer nur ein Depot führt, gewinnt nichts und handelt sich Papierkram ein. Eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Krypto-Papiers folgt daraus nicht, und ein Totalverlust bleibt bei jedem dieser Produkte möglich.
Verlustbescheinigung: Nach dem 15. Dezember bleibt der Verlust im Topf
- Zähl deine Depots. Öffne für jedes Depot mit Krypto-Papieren die laufende Verlustübersicht deines Brokers und notiere Verlusttopf und realisierte Gewinne. Nur wenn Minus und Plus auf verschiedene Häuser verteilt sind, ist der Antrag überhaupt ein Thema. Wie unterschiedlich die Anbieter diese Übersicht ausweisen, zeigt der Broker-Vergleich.
- Stell den Antrag rechtzeitig. Schick die Bitte um eine Verlustbescheinigung so ab, dass sie vor dem 15. Dezember bei der Bank angekommen ist, und heb die Eingangsbestätigung auf. Plane ein paar Tage Puffer ein, weil das Datum des Zugangs zählt und nicht das der Absendung. Wer dabei den Anbieter wechseln will, prüft vorher im Überblick der Handelsplätze, ob ein vollständiger Depotübertrag der bessere Weg ist.
- Trenn die beiden Rechnungen. Leg die Bankseite mit Jahressteuerbescheinigung und Anlage KAP getrennt von der Coin-Seite mit Anlage SO ab. Ein Steuer-Tool oder Portfolio-Tracker übernimmt die Aufzeichnung der direkt gehaltenen Coins, für die dir keine Bank etwas ausstellt.
Den Wortlaut der Vorschrift kannst du selbst nachlesen: Der maßgebliche Satz steht in Paragraf 43a Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes, Satz 5.
(Stand: 19. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Steuerberatung. Kurse, Gebührenmodelle und Steuerregeln ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst und deine persönliche Steuerlage mit einem Steuerberater.)
Häufige Fragen zur Verlustbescheinigung
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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