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Hard Fork und Soft Fork: Was bei einer Abspaltung mit deinen Coins passiert

Ein Hard Fork kann eine Blockchain in zwei teilen, und du hältst danach dieselbe Anzahl Coins auf beiden Seiten. Ein Soft Fork verändert nichts in deiner Wallet. Woran du den Unterschied erkennst, und was das Bundesfinanzministerium zur Haltefrist der neuen Coins festgelegt hat.

Glasfaserbündel, das sich in zwei getrennte Stränge aufteilt, kaltes blaues Licht in den Fasern
13 Min. Lesezeit
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Ein Fork ist eine Änderung an den Regeln, nach denen sich die Rechner eines Blockchain-Netzwerks einig werden. Die praktische Frage dahinter lautet: Bekommst du dabei neue Coins, oder nicht? Die Antwort hängt an einem einzigen Unterschied. Bei einem Hard Fork kann sich eine Blockchain in zwei teilen, die danach getrennt weiterlaufen, und du hältst dann dieselbe Anzahl Coins auf beiden Seiten. Bei einem Soft Fork bleibt es bei einer Blockchain, und es entsteht nichts Neues in deiner Wallet.

Dieser Text erklärt beide Formen an zwei Abspaltungen, die es wirklich gegeben hat, und beantwortet die Fragen, die danach kommen: wer dir die neuen Coins gutschreibt, ab wann die Haltefrist läuft und warum ein angekündigtes Netzwerk-Update dir in den meisten Fällen gar nichts bringt.

Fork bedeutet Aufspaltung: so definiert es das Bundesfinanzministerium

Die knappste Definition stammt aus einer Quelle, die man dabei selten erwartet. Das Bundesfinanzministerium schreibt in seinem Schreiben zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung von Kryptowerten vom 6. März 2025: „Fork bedeutet Gabelung oder Aufspaltung einer Blockchain und ihrer Kryptowerte." Das Papier ist 34 Seiten lang und hat das ältere Schreiben vom 10. Mai 2022 ersetzt.

Warum eine Aufspaltung überhaupt möglich ist, führt dieselbe Stelle weiter aus: Der Quellcode einer Blockchain ist offen, jeder darf ihn lesen, herunterladen und verändern. Entsteht im Netzwerk Streit darüber, wie es weitergehen soll, lässt sich das nur im Konsens klären. Findet sich kein Konsens, läuft die Software in zwei Richtungen weiter, und mit ihr die Blockchain.

Node ist dabei der Fachbegriff für einen Rechner, der die komplette Blockchain speichert und jeden neuen Block gegen die Regeln prüft. Wie viele Nodes ein Update mitmachen und wie viele nicht, entscheidet darüber, ob aus einem Fork zwei Blockchains werden.

Hard Fork: warum ohne Konsens aus einer Blockchain zwei werden

Ein Hard Fork ändert die Regeln so, dass die alte Software die neuen Blöcke ablehnt. Ein Node, der nicht aktualisiert, hält die neuen Blöcke für ungültig und baut auf der alten Blockchain weiter. Ab diesem Block gibt es zwei Blockchains mit identischer Vorgeschichte und getrennter Zukunft.

Für dich als Halter folgt daraus ein Vorgang, den das Ministerium so beschreibt: Im Zuge der Spaltung erlangen die Inhaber der Kryptowerte der vorher bestehenden Blockchain „die gleiche Anzahl von Kryptowerten der neuen Blockchain, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen". Du zahlst also nichts und tust nichts, und trotzdem steht auf der neuen Blockchain ein Guthaben in deiner Höhe.

Das klingt nach einem Geschenk und ist in der Praxis weniger wert, als es aussieht. Ob die neuen Coins überhaupt einen Kurs bekommen, entscheidet sich erst danach, und das hängt daran, ob Börsen sie listen und ob jemand sie kaufen will. Von den vielen Bitcoin-Abspaltungen der Jahre 2017 und 2018 hat nur eine Handvoll bis heute einen nennenswerten Markt.

Soft Fork: alle Nodes verarbeiten weiterhin alle Blöcke

Beim Soft Fork sind die neuen Regeln enger als die alten. Jeder Block, der die neue Regel erfüllt, erfüllt auch die alte. Ein Node, der das Update nicht mitgemacht hat, akzeptiert die neuen Blöcke deshalb trotzdem. Das Ministerium hält in Randnummer 28 fest, dass es „zu keiner Spaltung der Blockchain oder ihrer Kryptowerte" kommt, weil alle Nodes weiterhin alle Blöcke verarbeiten können.

Das bekannteste Beispiel ist SegWit bei Bitcoin, kurz für Segregated Witness. Die Änderung trennt die Signatur einer Transaktion vom übrigen Inhalt und schafft so Platz im Block. Aktiviert wurde sie am 24. August 2017 bei Block 481.824. Niemand bekam dabei neue Coins, weil es keine zweite Blockchain gab, auf der ein Guthaben hätte entstehen können.

Für dich heißt das: Ein Soft Fork ist aus Steuer- und Verwahrungssicht ein Nichtereignis. Du musst nichts prüfen, nichts abrufen und nichts erklären.

Bitcoin Cash 2017: was der Hard Fork bei Block 478.558 auslöste

Der Streit, der zur ersten großen Bitcoin-Abspaltung führte, ging um die Größe eines Blocks. Ein Teil des Netzwerks wollte mehr Transaktionen pro Block unterbringen, ein anderer Teil wollte die Grenze lassen, wo sie war. Am 1. August 2017 trennten sich die beiden Lager, und Bitcoin Cash entstand.

Bei der Blockhöhe gehen die Angaben leicht auseinander, und das hat einen sachlichen Grund: Block 478.558 war der letzte Block, den beide Seiten noch gemeinsam hatten, während die neue Software ab 478.559 eigene Regeln anwandte. Manche Darstellungen nennen deshalb den einen, manche den anderen Wert. Entscheidend für Halter war das Verhältnis: Wer einen Bitcoin hielt, hatte danach zusätzlich einen Bitcoin Cash.

Aufgeschlagener Steuerordner mit Registerblättern neben einem Tischrechner auf einem Küchentisch
Für Fork-Coins im Privatvermögen zählt nicht der Tag der Abspaltung, sondern der Tag, an dem du die ursprünglichen Coins gekauft hast.

Ethereum Classic: wie der DAO-Hard-Fork bei Block 1.920.000 zwei Blockchains hinterließ

Der zweite Lehrfall hat eine andere Ursache. 2016 wurde ein Smart Contract namens The DAO ausgenutzt, und ein großer Teil des darin gebundenen Geldes war in der Hand des Angreifers. Die Mehrheit des Netzwerks entschied sich, den Zustand der Blockchain einmalig von Hand zu korrigieren.

Die Ethereum Foundation beschreibt den Vorgang in ihrem Blogeintrag vom 20. Juli 2016: Block 1.920.000 enthielt eine irreguläre Zustandsänderung, die rund zwölf Millionen Ether aus den DAO-Verträgen in einen Rückgabe-Vertrag verschob. Etwa 85 Prozent der Miner arbeiteten zu diesem Zeitpunkt auf der neuen Blockchain.

Die Minderheit, die das ablehnte, blieb auf der alten Blockchain. Diese läuft seitdem als Ethereum Classic weiter, während die Mehrheitsblockchain das Ethereum ist, das heute an jeder Börse gehandelt wird. Beide Blockchains teilen jeden Block bis 1.919.999 und keinen danach.

Geplante Netzwerk-Updates bringen dir keine neuen Coins

Hier liegt das häufigste Missverständnis. Wenn ein Projekt ein Update ankündigt und dafür das Wort Fork benutzt, heißt das in der Regel: Alle machen mit. Ein solcher geplanter Hard Fork ändert die Regeln, aber weil die alte Software niemand mehr betreibt, bleibt nur eine Blockchain übrig. Es entsteht kein zweites Guthaben.

Ethereum arbeitet seit Monaten an einem Update mit dem Namen Glamsterdam, das zunächst in Testnetzen laufen sollte. Wie unsere Redaktion am 24. Oktober 2026 berichtet hat, ist der Termin im Testnetz Hoodi abgesagt worden. Für dein Guthaben war an diesem Termin ohnehin nichts zu holen, weil ein Testnetz keine handelbaren Coins trägt und das Update keine Abspaltung vorsieht.

Den Unterschied erkennst du an einer einzigen Frage: Gibt es eine Gruppe, die die alte Blockchain bewusst weiterbetreibt? Lautet die Antwort nein, ist es ein Update. Lautet sie ja, kann ein zweites Guthaben entstehen. Ein aktueller Fall dieser zweiten Art ist die für den 30. Oktober angesetzte Bitcoin-Abspaltung ECX, die wir am 21. Oktober 2026 mit Blick auf die Verwahrung eingeordnet haben.

Haltefrist nach § 23 EStG: der Anschaffungszeitpunkt der Fork-Coins ist der alte

Das ist der Punkt, an dem die meisten falsch rechnen. Man könnte annehmen, die einjährige Haltefrist für die neuen Coins beginnt am Tag der Abspaltung. Das Gegenteil steht im Schreiben des Ministeriums, Randnummer 68: „Der Anschaffungszeitpunkt der neuen Kryptowerte entspricht dem Anschaffungszeitpunkt der vor der Hard Fork existierenden Kryptowerte."

Ein Beispiel macht die Folge sichtbar. Du hast im März 2024 Bitcoin gekauft und hältst sie noch. Käme es jetzt zu einer Abspaltung, gelten die neuen Coins steuerlich als im März 2024 angeschafft. Die Jahresfrist war damit längst abgelaufen, bevor es die neuen Coins überhaupt gab, und ein Verkauf wäre nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 EStG kein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft mehr.

Umgekehrt gilt dasselbe zu deinen Lasten: Hast du die ursprünglichen Coins vor vier Monaten gekauft, läuft die Frist für die Fork-Coins ebenfalls erst in acht Monaten ab. Zwei weitere Festlegungen gehören dazu. Die Abspaltung selbst löst keine Einkünfte aus § 22 Nummer 3 EStG aus, der Zufluss ist also kein steuerpflichtiger Vorgang. Und die Anschaffungskosten der alten Coins werden auf beide Seiten verteilt, im Verhältnis der Marktkurse zum Zeitpunkt der Abspaltung. Hat der neue Kryptowert keinen Kurs, bleiben die Anschaffungskosten vollständig bei den alten Coins.

Freigrenze 1.000 Euro: wann der Verkauf von Fork-Coins steuerfrei bleibt

Verkaufst du innerhalb des Jahres, greift eine Grenze, die vielen den Aufwand erspart. Nach § 23 Absatz 3 Satz 5 EStG bleiben Gewinne steuerfrei, wenn die Summe aller Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften eines Kalenderjahres unter 1.000 Euro liegt. Bis zum Veranlagungszeitraum 2023 lag diese Grenze bei 600 Euro.

Zwei Dinge sind an dieser Zahl wichtig. Die Grenze wirkt als Freigrenze und nicht als Freibetrag: Liegt dein Gesamtgewinn bei 1.000 Euro oder darüber, ist der ganze Betrag steuerpflichtig und nicht nur der übersteigende Teil. Und sie gilt für alle privaten Veräußerungsgeschäfte des Jahres zusammen, Fork-Coins stehen dort neben jedem anderen Krypto-Verkauf innerhalb der Jahresfrist.

Aufzeichnen musst du trotzdem. Ohne den Kaufbeleg der ursprünglichen Coins lässt sich der Anschaffungszeitpunkt der Fork-Coins nicht belegen, und genau dieser Zeitpunkt entscheidet über die Steuerpflicht. Ein Portfolio-Tracker, der jeden Kauf mit Datum festhält, erspart dir diese Suche später. Für NFT und das sogenannte Liquidity Mining trifft das Schreiben des Ministeriums ausdrücklich noch keine Festlegungen.

Markenlose Hardware-Wallet mit dunklem Display zwischen zwei Fingern, dahinter unscharf eine zweite
Nach einer Abspaltung liegt dasselbe Guthaben auf zwei Blockchains, und der Schlüssel in deiner Hand öffnet beide.

Börse oder eigene Wallet: wer über die Gutschrift der neuen Coins entscheidet

Technisch liegt das Guthaben der neuen Blockchain unter demselben Schlüssel wie das alte. Wer seine Coins selbst verwahrt, hat die neuen Coins damit bereits, auch wenn keine Software sie anzeigt. Er braucht nur eine Wallet, die die neue Blockchain unterstützt.

Liegen deine Coins dagegen auf einer Börse, hält die Börse den Schlüssel. Ob und wann sie dir die Coins der neuen Blockchain gutschreibt, ist ihre Entscheidung, und sie ist dazu nicht verpflichtet. In der Praxis kündigen Börsen ihr Vorgehen vor einer bekannten Abspaltung an. Manche schreiben gut und listen den neuen Coin, manche schreiben gut ohne Handel anzubieten, manche beteiligen sich gar nicht. Hinzu kommt, dass Ein- und Auszahlungen um den Zeitpunkt der Abspaltung oft für Stunden angehalten werden.

Wenn du vor einer angekündigten Abspaltung vergleichen willst, wie die Anbieter damit umgehen, hilft unsere Übersicht der Krypto-Börsen. Was bei einer Bitcoin-Abspaltung Schritt für Schritt zu tun ist, haben wir am 20. August 2026 im Leitfaden Bitcoin-Fork: Was mit deinen Coins passiert beschrieben.

Replay-Schutz und falsche Abruf-Angebote: die zwei Risiken nach einer Abspaltung

Nach einer Abspaltung gibt es zwei Gefahren, die beide nichts mit dem Kurs zu tun haben. Die erste ist technisch. Replay-Schutz heißt die Vorkehrung, die verhindert, dass eine auf der einen Blockchain gesendete Transaktion auf der anderen Blockchain wiederholt werden kann. Fehlt dieser Schutz, kann eine Überweisung unbeabsichtigt beide Guthaben bewegen. Seriöse Abspaltungen bauen ihn ein, und die Entwickler schreiben das in ihre Dokumentation. Findest du dort keine Angabe dazu, ist Zurückhaltung die bessere Wahl.

Die zweite Gefahr ist die größere. Um jede angekündigte Abspaltung herum entstehen Angebote, die dir helfen wollen, die neuen Coins „abzuholen". Verlangt eine Seite oder eine App dafür deine Wiederherstellungswörter oder deinen privaten Schlüssel, ist der Fall klar: Niemand braucht diese Daten, um dir etwas gutzuschreiben, denn das Guthaben liegt bereits unter deinem Schlüssel. Wer die Wörter herausgibt, verliert beide Guthaben auf einmal.

Ein praktischer Rat dazu: Lass eine Abspaltung ein paar Wochen liegen, bevor du die neuen Coins überhaupt anfasst. Ob es für sie einen Markt gibt und ob die Software stabil läuft, zeigt sich in dieser Zeit von selbst, und die Eile kostet dich nichts außer einem Kurs, der ohnehin meist fällt.

Totalverlust möglich: was die Coins einer neuen Blockchain wert sind

Die Coins einer Abspaltung sind kein Bonus mit garantiertem Wert. Einen Kurs halten sie nur so lange, genug Menschen sie kaufen und genug Rechner die neue Blockchain am Leben halten. Fällt eines von beidem weg, geht der Kurs gegen null, und ein Totalverlust ist bei einer frischen Abspaltung der häufigere Ausgang als ein dauerhafter Markt.

Daran hängt auch die steuerliche Behandlung: Hat der neue Kryptowert keinen Wert, bleiben die Anschaffungskosten laut Ministerium bei den ursprünglichen Coins. Steuerlich geht dir damit nichts verloren. An der Sache selbst ändert das nichts, und keine der hier beschriebenen Regeln ist ein Grund, eine Position wegen einer angekündigten Abspaltung aufzubauen.

Fork: nur die Abspaltung bringt neue Coins, das Update bringt keine

Der Unterschied zwischen beiden Formen entscheidet darüber, ob du überhaupt etwas zu tun hast. Drei Schritte führen dich durch den nächsten Fork, der dir in einer Ankündigung begegnet.

  1. Kläre zuerst die Art. Betreibt eine Gruppe die alte Blockchain bewusst weiter, kann ein zweites Guthaben entstehen. Machen alle das Update mit, ist es ein Soft Fork oder ein geplanter Hard Fork ohne Abspaltung, und für dich ändert sich nichts. Was die einzelnen Anbieter bei einer Abspaltung ankündigen, sammelt unsere Übersicht der Krypto-Börsen.
  2. Kläre, wer deinen Schlüssel hält. Liegen die Coins bei einem Anbieter, gilt dessen Ankündigung; einen Anspruch auf die Gutschrift hast du nicht. Wer selbst verwahrt, hat die neuen Coins automatisch und braucht nur passende Software. Welche Geräte das leisten, steht im Hardware-Wallet-Vergleich.
  3. Sichere den Kaufbeleg der alten Coins. Er bestimmt den Anschaffungszeitpunkt der Fork-Coins und damit, ob ein Verkauf steuerpflichtig ist. Ein Steuer-Tool oder Portfolio-Tracker hält diese Daten fest, bevor sie in alten Börsenauszügen verschwinden.

(Stand: 24. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zu Forks

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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