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Binance nach der Wiedereröffnung: 3,64 Milliarden Dollar Nettoabfluss, 2,1 Prozent der Reserven

Binance meldet nach der Freigabe der Auszahlungen einen Nettoabfluss von 3,64 Milliarden Dollar in rund neuneinhalb Stunden. Der vollständige Reservenachweis soll am Dienstag zeigen, ob die Kundenguthaben eins zu eins gedeckt sind.

Duotone-Collage von Changpeng Zhao vor tiefblauem Grund, daneben strömen Goldmünzen aus einer geöffneten Stahltür
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Binance hat den ersten Ansturm nach der Wiedereröffnung der Auszahlungen überstanden. In den ersten rund neuneinhalb Stunden ab Sonntag, 1. November, 6 Uhr UTC (7 Uhr deutscher Zeit) zogen Kunden nach Angaben der Börse 4,65 Milliarden Dollar ab und zahlten 1,01 Milliarden Dollar ein. Unterm Strich verließen damit 3,64 Milliarden Dollar die Plattform. Gemessen an den 171 Milliarden Dollar, die Binance im Reservenachweis vom 28. Oktober ausgewiesen hatte, sind das 2,1 Prozent, wie CNBC unter Berufung auf Binance berichtet.

Für dich als Binance-Kunde in Deutschland heißt das zunächst: Die Börse zahlt auf den freigegebenen Netzwerken aus, und ein Abfluss in dieser Größe bringt sie nach den bisher bekannten Zahlen nicht in Bedrängnis. Offen ist der vollständige Reservenachweis. Ihn kündigt Binance für Dienstag, 3. November, an. Erst mit ihm lässt sich nachrechnen, ob die Guthaben nach dem Angriff vom 29. Oktober tatsächlich eins zu eins gedeckt sind.

Binance-Nettoabfluss: 4,65 Milliarden Dollar raus, 1,01 Milliarden Dollar rein

Ein Nettoabfluss ist die Differenz aus allen Auszahlungen und allen Einzahlungen einer Börse in einem bestimmten Zeitraum. Er zeigt, wie viel Kundengeld unterm Strich abgewandert ist, und ist deshalb aussagekräftiger als die reine Summe der Auszahlungen. Bei Binance lag das Verhältnis im ersten Zeitfenster bei gut vier zu eins: Auf jeden eingezahlten Dollar kamen etwa 4,60 Dollar, die hinausgingen.

Das Zeitfenster reicht nach der Darstellung von CNBC von 6 Uhr bis 15:30 Uhr UTC am 1. November. Binance erklärte laut dem Bericht, die Auszahlungen seien nach einer anfänglichen Spitze zurückgegangen und hätten sich stabilisiert, die Einzahlungen seien „substanziell“ geblieben. Binance-Gründer Changpeng Zhao schrieb auf X, der größte Teil der Nettoabflüsse sei in den ersten paar Stunden nach der Freigabe angefallen. Dazu setzte er die Zeile „98% choose to stay!“, also sinngemäß: 98 Prozent bleiben. Die Zahl ist seine eigene Lesart der 2,1 Prozent und kein gesondert erhobener Wert.

Zur Einordnung hilft der Rahmen. Die Auszahlungen waren nach dem Hack rund 45 Stunden lang gesperrt. Wer in dieser Zeit nicht an sein Geld kam, wollte es zum Teil sofort sehen. Ein Abfluss in den ersten Stunden ist deshalb zu erwarten und für sich genommen noch kein Vertrauensurteil. Aussagekräftiger ist, ob er in den folgenden Tagen abebbt oder anhält.

Abflusszahlen im Vergleich: Binance, DefiLlama und CoinDesk zählen verschieden

Wer die Nachrichten zu Binance verfolgt, findet gerade drei sehr unterschiedliche Zahlen. Die Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen Verschiedenes:

  • 3,64 Milliarden Dollar: der Nettoabfluss nach Binances eigenen Büchern, für rund neuneinhalb Stunden.
  • 4,05 Milliarden Dollar: der Nettoabfluss über 24 Stunden nach dem Datendienst DefiLlama, Stand Sonntag 11:37 Uhr Ostküstenzeit, wie The Block berichtet. DefiLlama verfolgt dabei 131,1 Milliarden Dollar in bekannten Binance-Wallets.
  • Mehr als 6 Milliarden Dollar: die Summe aller Token, die laut CoinDesk binnen 24 Stunden Wallets verließen, die Binance zugeordnet werden. Darin stecken auch Umbuchungen zwischen Wallets der Börse selbst, es ist also eine Bruttozahl. CoinDesk setzt sie mit rund 3,6 Prozent ins Verhältnis zu den 171 Milliarden Dollar.

Die belastbare Spanne für den echten Kundenabfluss am ersten Tag liegt damit zwischen 3,64 und gut 4 Milliarden Dollar. Die Zahl von 6 Milliarden Dollar eignet sich für Schlagzeilen, sagt über das Kundenverhalten aber am wenigsten aus.

Ein Teil des Geldes landete bei der Konkurrenz. DefiLlama zählte laut The Block bei den zehn nächstgrößeren erfassten Börsen zusammen rund 368 Millionen Dollar Nettozufluss, davon 316,8 Millionen Dollar bei OKX. CoinDesk nennt für OKX rund 450 Millionen Dollar und für Bybit rund 134 Millionen Dollar. Auch hier gilt: Wie viel davon direkt von Binance-Kunden stammt, zeigen die Sammeldaten nicht. Der größere Teil der abgezogenen Milliarden ging offenbar auf eigene Wallets oder zu Anbietern, die DefiLlama nicht erfasst.

Staumauer bei Nacht mit geöffneter Schleuse, aus der ein mächtiger Wasserstrahl ins Tal schießt, während der Stausee fast voll bleibt
Viel Abfluss, voller Speicher: 3,64 Milliarden Dollar entsprechen 2,1 Prozent der zuletzt ausgewiesenen Binance-Reserven.

Bitcoin-Bestand bei Binance: minus 19.289 BTC in 24 Stunden

Am deutlichsten wird die Bewegung beim größten Coin. Nach Daten von CoinGlass, die The Block zitiert, sank der Bitcoin-Bestand auf Binance-Adressen binnen 24 Stunden um etwa 19.289 BTC. Coinbase verbuchte im selben Zeitraum ein Plus von rund 984 BTC, Kraken von rund 1.422 BTC. Ein großer Teil der abgezogenen Bitcoin ging also nicht zu einer anderen großen Börse.

Das passt zu einem Muster, das sich nach jedem großen Börsenvorfall zeigt: Ein Teil der Kunden holt die Coins in die Selbstverwahrung. Selbstverwahrung bedeutet, dass du die privaten Schlüssel deiner Coins selbst hältst, etwa auf einer Hardware-Wallet, statt sie einer Börse anzuvertrauen. Welche Geräte dafür taugen und was sie kosten, zeigt unser Hardware-Wallet-Vergleich. Für Anleger, die ihre Bitcoin langfristig halten, ist das unabhängig von Binance die sicherste Form der Aufbewahrung, denn ein Hack bei der Börse trifft Coins auf der eigenen Wallet nicht.

Phase eins der Binance-Auszahlungen: 15 Netzwerke offen, Hunderte Coins noch gesperrt

Die Freigabe läuft in Phasen. Binance öffnete ab 6 Uhr UTC zuerst 15 Netzwerke, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana, das XRP Ledger und die wichtigsten Netzwerke für die Stablecoins USDT und USDC. Um 12:36 Uhr UTC waren nach Angaben der Börse alle 15 Netzwerke dieser ersten Phase wieder verfügbar. Welche Netzwerke im Einzelnen dazugehören, steht in unserem Überblick zur Wiedereröffnung.

Für viele Kunden ist die Sache damit noch nicht erledigt. Laut The Block zeigte die Statusseite von Binance am Sonntag um 11:22 Uhr Ostküstenzeit für 531 von 552 gelisteten Coins weiterhin gesperrte Auszahlungen, 14 waren teilweise wieder offen. Binance testet die übrigen Netzwerke noch, genannt werden unter anderem Cardano, Chainlink, Hyperliquid, Litecoin und NEAR. Einen Termin für die nächste Phase hat die Börse bisher nicht veröffentlicht.

Wer Coins außerhalb der ersten Phase hält, hat zwei Wege. Er wartet auf die Freigabe seines Netzwerks, oder er tauscht auf Binance in einen Coin, der schon ausgezahlt werden kann. Der zweite Weg hat einen Haken, der bei deutschen Anlegern oft übersehen wird: Ein Tausch von Kryptowert gegen Kryptowert gilt steuerlich als Veräußerung. Liegt der Kauf weniger als ein Jahr zurück, ist ein Gewinn daraus steuerpflichtig, und für den neuen Coin beginnt die Haltefrist von vorn.

Erstattung der Hack-Beute: 95 Prozent ersetzt, Circle sperrt 1,1 Milliarden Dollar USDC

Hintergrund des Ansturms ist der Angriff vom 29. Oktober, bei dem nach Angaben der Börse rund 6,3 Milliarden Dollar aus den Hot Wallets abflossen. Hot Wallets sind die ständig mit dem Internet verbundenen Wallets einer Börse, über die sie Auszahlungen abwickelt. Das FBI ordnet den Diebstahl der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu.

Binance hat nach eigener Darstellung bis zum 1. November rund 95 Prozent des betroffenen Betrags ersetzt, nach 90 Prozent im Update davor. Der Rest betrifft weniger liquide Token, die sich am Markt nur langsam in ausreichender Menge kaufen lassen. Die Verluste trägt laut CNBC die Börse selbst, sie werden nicht an die Kunden weitergereicht.

Ein Teil der Beute ist zudem eingefroren. Circle, der Herausgeber des Stablecoins USDC, sperrte nach Angaben von CNBC mehr als 1,1 Milliarden Dollar in USDC, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen. Am Freitag hatte Circle-Chef Jeremy Allaire noch von mehr als 800 Millionen Dollar gesprochen. Gesperrte Stablecoins kann der Angreifer nicht mehr bewegen.

Gang eines Rechenzentrums in blauem Licht, an einem Serverschrank leuchten grüne Statuslampen
Der vollständige Reservenachweis braucht nach Angaben von Binance 40 bis 50 Stunden Rechenzeit.

Reservenachweis mit Zero-Knowledge-Beweis: Binance nennt Dienstag als Termin

Den eigentlichen Prüfstein liefert Binance erst noch. In seiner Mitteilung zum Wiederaufbau kündigt die Börse den vollständigen Reservenachweis voraussichtlich bis Dienstag, 3. November (UTC), an. Grundlage ist eine Momentaufnahme der Bestände vom 31. Oktober, 0 Uhr UTC. Ursprünglich hatte Co-Chef Richard Teng den Montag genannt. Die Verschiebung begründet Binance mit dem Rechenaufwand: Der Beweis brauche etwa 40 bis 50 Stunden, bis er erzeugt ist.

Ein Zero-Knowledge-Beweis ist ein kryptografisches Verfahren, mit dem sich eine Aussage belegen lässt, ohne die zugrunde liegenden Daten offenzulegen. Bei einem Reservenachweis heißt das: Binance kann zeigen, dass die Summe aller Kundenguthaben durch die eigenen Bestände gedeckt ist, ohne einzelne Kontostände zu veröffentlichen. Jeder Kunde kann zusätzlich prüfen, ob sein eigenes Guthaben in der Rechnung enthalten ist.

Wichtig für die Einordnung: Ein solcher Nachweis gilt für einen Stichtag. Er zeigt, ob am 31. Oktober genug da war, und sagt nichts über Verbindlichkeiten außerhalb der Kundenguthaben. Wie du dein eigenes Guthaben im Nachweis findest und wo seine Grenzen liegen, erklären wir ausführlich in Binance Proof of Reserves nachprüfen.

Kurse nach dem Binance-Abfluss: Bitcoin bei 77.714 Dollar, BNB bei 703,60 Dollar

Am Markt hat der Abfluss kaum Spuren hinterlassen. Bitcoin notierte am Montagnachmittag, 2. November, bei 77.714 Dollar, 0,16 Prozent unter dem Stand von vor 24 Stunden. BNB, der Token der Börse, lag bei 703,60 Dollar und damit 1,31 Prozent im Minus. Alle Kurse nach Daten von CoinGecko.

BNB ist der Wert, an dem sich das Vertrauen in Binance am direktesten ablesen lässt. Viele Anleger lesen ein Minus von 1,31 Prozent nach einem Abfluss von mehreren Milliarden Dollar als Zeichen, dass der Markt die Zahlen für verkraftbar hält. Eine Garantie für die nächsten Tage ist das nicht: Bringt der Reservenachweis am Dienstag eine Überraschung, würde sie sich nach Einschätzung vieler Händler zuerst am BNB-Kurs zeigen.

Auszahlung auf die eigene Wallet: Netzwerk, Testbetrag und Steuer

Wer jetzt Guthaben von Binance abziehen will, sollte drei Punkte beachten. Zuerst das Netzwerk: Viele Coins lassen sich über mehrere Blockchains auszahlen, USDT etwa über Ethereum, Tron oder die BNB Smart Chain. Die Empfangsadresse muss zum gewählten Netzwerk passen, sonst ist die Zahlung in aller Regel verloren. Bei der ersten Auszahlung auf eine neue Adresse lohnt sich ein kleiner Testbetrag.

Dann die Echtheit: Nach großen Vorfällen kursieren gefälschte Mails und Seiten, die mit einer schnellen Auszahlung oder einer angeblichen Entschädigung locken. Den Status der Netzwerke liest du nur in der App oder direkt auf binance.com ab, nie über einen Link aus einer Nachricht.

Zuletzt die Steuer, und hier ist die Lage für deutsche Anleger entspannt. Die Übertragung von Coins auf eine eigene Wallet ist kein Verkauf. Dabei fällt keine Steuer an, und die Haltefrist von einem Jahr läuft weiter. Wichtig ist nur, dass du den Weg der Coins später belegen kannst. Lade deshalb vor dem Umzug die vollständige Transaktionshistorie bei Binance herunter. Ein Krypto-Steuer-Tool führt Börse und Wallet anschließend zusammen und hält die Kaufdaten für die Haltefrist fest.

MiCA-Zulassung und Börsenwechsel: Worauf es bei einem Umzug ankommt

Ein Teil der Kunden wird den Vorfall zum Anlass nehmen, die Börse zu wechseln. Für Anleger in Deutschland ist dabei die Zulassung nach der EU-Verordnung MiCA das wichtigste Kriterium. MiCA steht für Markets in Crypto-Assets und regelt seit Ende 2024, welche Anbieter Kryptodienstleistungen in der EU erbringen dürfen. Ob ein Anbieter zugelassen ist, steht im öffentlichen Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, und dort lässt sich das vor jeder Kontoeröffnung nachsehen.

Eine MiCA-Zulassung schützt nicht vor einem Hack. Die Zulassung verpflichtet den Anbieter aber zu getrennter Verwahrung der Kundengelder, zu Kapitalanforderungen und zu einer Aufsicht, an die du dich im Streitfall wenden kannst. Welche Börsen in Deutschland mit Zulassung arbeiten und was sie kosten, zeigt unser Vergleich regulierter Kryptobörsen.

Wer wechselt, nimmt seine Haltefristen mit, solange er Coins überträgt und nicht verkauft. Wer dagegen auf Binance verkauft und das Geld auf der neuen Börse wieder anlegt, startet die Frist neu und versteuert einen etwaigen Gewinn. Gerade bei Bitcoin, die schon fast ein Jahr im Depot liegen, kann dieser Unterschied viel Geld ausmachen.

Binance-Abfluss: Am Dienstag zeigt der Reservenachweis, ob die Deckung hält

Die Zahlen vom Wochenende sprechen bisher für eine Börse, die einen Ansturm verkraftet. 3,64 Milliarden Dollar Nettoabfluss sind viel Geld, aber 2,1 Prozent der zuletzt gemeldeten Reserven. Entschieden ist damit noch nichts. Den Ausschlag gibt der vollständige Reservenachweis am Dienstag, und bis dahin bleiben drei sinnvolle Schritte:

  1. Selbstverwahrung prüfen: Coins, die du langfristig hältst, gehören auf eine eigene Wallet. Eine Übersicht passender Geräte bietet unser Vergleich der Hardware-Wallets.
  2. Zulassung vor dem Wechsel nachsehen: Wer die Börse wechseln will, wählt einen Anbieter mit MiCA-Zulassung. Der Vergleich regulierter Kryptobörsen zeigt Gebühren und Angebot.
  3. Belege sichern: Exportiere deine Binance-Historie, bevor du umziehst, und führe sie mit einem Steuer-Tool für Krypto zusammen, damit die Haltefrist belegbar bleibt.

(Stand: 2. November 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zu Binance

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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