USD1-Stablecoin verliert 401 Millionen Dollar: Fast 200 Millionen gehen auf eine einzige Adresse zurück
Die Marktkapitalisierung des Dollar-Stablecoins USD1 ist in zwei Wochen um 9,1 Prozent gefallen, ohne dass der Kurs die Dollar-Bindung verlor. Knapp 200 Millionen Dollar der Rücknahmen stammen laut Onchain Benchmark von einer einzigen Adresse, deren Inhaber unbekannt ist.

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Der Stablecoin USD1 ist in zwei Wochen um rund 401 Millionen Dollar kleiner geworden. Seine Marktkapitalisierung fiel von etwa 4,43 Milliarden Dollar am 6. Oktober auf rund 4,02 Milliarden Dollar, ein Minus von 9,1 Prozent. Der Dollar-Kurs blieb dabei stabil: Der Token notierte durchgehend zwischen 0,998 und 1,000 Dollar. Geschrumpft ist also nicht der Preis, sondern die Menge der Token im Umlauf.
Auffällig ist, wer diesen Rückgang auslöste. Nach einer Auswertung der Blockchain-Forschungsstelle Onchain Benchmark gehen knapp 200 Millionen Dollar der Rücknahmen auf eine einzige Adresse zurück, deren Inhaber unbekannt ist. Für Halter in Deutschland hängt daran eine praktische Frage: Welche Rechte hast du gegenüber dem Emittenten, wenn ein Stablecoin schnell kleiner wird?
Was bei USD1 zwischen dem 6. und 19. Oktober passiert ist
USD1 ist ein an den US-Dollar gebundener Stablecoin von World Liberty Financial. Ein Stablecoin dieser Bauart hält seinen Kurs über hinterlegte Reserven statt über einen Algorithmus: Für jeden ausgegebenen Token soll ein Dollar oder ein dollarnaher Vermögenswert beim Emittenten liegen.
Zwischen dem 6. und dem 19. Oktober 2026 sank die Marktkapitalisierung laut den Daten von CoinGecko um etwa 401 Millionen Dollar. Das Proof-of-Reserves-Dashboard von World Liberty Financial wies parallel rund 4,01 Milliarden Dollar an Reserven aus, also einen Wert nahe an der ausgewiesenen Marktkapitalisierung. Nach Daten von CoinGecko stand USD1 am 19. Oktober 2026 bei 0,9990 Dollar, mit einer Marktkapitalisierung von 4,01 Milliarden Dollar und einem Tagesumsatz von rund 958 Millionen Dollar.
Zur Einordnung der Größenordnung: Tether (USDT) kommt am selben Tag auf rund 183,5 Milliarden Dollar, USDC auf etwa 72,3 Milliarden Dollar. USD1 ist mit vier Milliarden Dollar ein mittelgroßer Stablecoin, bei dem ein einzelner Abzug über hunderte Millionen Dollar prozentual stark durchschlägt.
184,60 Millionen Dollar auf Ethereum: 63 Burns über die BitGo-Wallet
Beim Rücktausch eines Stablecoins werden die zurückgegebenen Token vernichtet. Dieser Vorgang heißt Burn: Der Emittent nimmt die Token aus dem Umlauf und zahlt im Gegenzug aus der Reserve aus. Jeder Burn ist auf der Blockchain sichtbar, und genau darüber lässt sich ein Rückgang nachrechnen.
Onchain Benchmark zählte auf Ethereum zwischen dem 6. und dem 15. Oktober Netto-Rücknahmen über 184,60 Millionen Dollar, verteilt auf 63 Burns. Der USD1-Umlauf auf Ethereum sank in diesen neun Tagen um 11,45 Prozent. Mehr als 99 Prozent der zur Rücknahme eingereichten Token liefen nach dieser Auswertung über eine Wallet, die als BitGo gekennzeichnet ist. BitGo ist derzeit Emittent und Verwahrer von USD1.
63 Burns über neun Tage ergeben einen Durchschnitt von rund drei Millionen Dollar je Vorgang. Das Bild auf Ethereum ist damit das einer breiteren Rückgabe vieler Beteiligter, nicht das eines einzelnen Ausstiegs.
200,43 Millionen Dollar auf BNB Chain: eine einzige Adresse hinter fast allem
Auf BNB Chain sieht die Verteilung völlig anders aus. Dort verzeichnete Onchain Benchmark im selben Zeitraum 200,43 Millionen Dollar an Rücknahmen, aber nur 12 Burns. Knapp 200 Millionen Dollar davon stammen von einer einzigen Adresse, die in Tranchen von 30 bis 50 Millionen Dollar zurückgab.
Wer diese Adresse kontrolliert und warum zurückgegeben wurde, konnte die Forschungsstelle nach eigenen Angaben nicht feststellen. Das ist eine wichtige Einschränkung: Eine große Rückgabe kann ein Market Maker sein, der seine Bestände umschichtet, eine Börse, die ihr Kundengeld anders hält, oder ein Fonds, der aussteigt. Aus den Blockchain-Daten allein lässt sich das nicht trennen.
Warum der Umlauf nicht nur zwischen den Blockchains verschoben wurde
Bei einem Token, der auf mehreren Blockchains existiert, ist die erste Gegenprobe immer dieselbe: Ist der Bestand wirklich verschwunden, oder nur umgezogen? USD1 läuft unter anderem auf Ethereum, BNB Chain und Solana.
Onchain Benchmark beziffert die blockchainübergreifenden Transfers zwischen Ethereum und BNB Chain in diesem Zeitraum auf weniger als eine Million Dollar. Auf Solana blieb der USD1-Bestand über die neun untersuchten Tage bei etwa 1,42 Milliarden Dollar; es wurde dort also auch nichts Neues ausgegeben, das die Rücknahmen ausgeglichen hätte. Der Rückgang ist damit eine echte Verkleinerung des Umlaufs und keine Verlagerung.

Der Dollar-Kurs hielt: 0,998 bis 1,000 Dollar über neun Tage
Die eigentliche Belastungsprobe eines Stablecoins ist sein Kurs, nicht seine Größe. Fällt ein als Dollar gedachter Token dauerhaft unter einen Dollar, spricht man von einem Depeg, und dann wird aus einem Zahlungsmittel ein Risikopapier.
Das ist hier nicht passiert. Onchain Benchmark fand im Untersuchungszeitraum kein anhaltendes Depegging; der Kurs bewegte sich zwischen 0,998 und 1,000 Dollar. Dass eine Rückgabe über hunderte Millionen Dollar ohne sichtbaren Kurseffekt abgewickelt wurde, spricht dafür, dass die Reserven in dieser Größenordnung verfügbar waren.
USDC, USDT und USDe im selben Zeitraum: der Vergleich auf Ethereum
Ein Rückgang von 11,45 Prozent auf Ethereum sagt für sich genommen wenig. Interessant wird er erst neben den anderen großen Dollar-Token im selben Zeitfenster. Onchain Benchmark nennt für den 6. bis 15. Oktober auf Ethereum folgende Veränderungen: USDe verlor 4,93 Prozent, USDC 2,18 Prozent, der umlaufende USDT 0,76 Prozent.
Der Oktober war also für mehrere Dollar-Token ein Monat mit Abflüssen, aber USD1 lag deutlich über dem Feld. Ein Teil davon ist Mathematik der kleinen Zahl: Bei einem Token mit vier Milliarden Dollar wiegt ein Abzug von 200 Millionen Dollar schwerer als bei einem mit 183 Milliarden.
Burn, Rücknahme, Proof of Reserves: die Begriffe kurz erklärt
Rücknahme bedeutet, dass ein Halter Token beim Emittenten einreicht und dafür Geld erhält. Burn ist der technische Teil davon: das Vernichten der eingereichten Token auf der Blockchain. Proof of Reserves ist eine Veröffentlichung des Emittenten darüber, welche Werte er als Deckung hält.
Ein Proof-of-Reserves-Dashboard ist allerdings keine Prüfung durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer. Es zeigt, was der Emittent als Deckung ausweist, und es sagt nichts darüber, welche Verbindlichkeiten daneben stehen oder wie schnell die Werte zu Geld würden. Wer die Belastbarkeit eines Stablecoins einschätzen will, liest deshalb beides nebeneinander: die ausgewiesene Deckung und die Bedingungen, unter denen der Emittent tatsächlich auszahlt.
MiCA und das Rückgaberecht nach Artikel 49: Was für USD1 in Deutschland gilt
Für Halter in Deutschland entscheidet die europäische Verordnung MiCA, nicht das US-Recht. Sie behandelt an eine einzelne Währung gebundene Stablecoins als E-Geld-Token. Artikel 49 MiCA verpflichtet den Emittenten eines solchen Tokens, ihn jederzeit, zum Nennwert und ohne Gebühr zurückzutauschen. Artikel 50 verbietet zugleich, auf E-Geld-Token Zinsen zu zahlen.
Dieser Anspruch hängt an der Zulassung. Nach dem Stand des ESMA-Registers vom 30. September 2026 sind USDC und EURC als E-Geld-Token zugelassen, ausgegeben von Circle Internet Financial Europe und beaufsichtigt von der französischen ACPR. Für USDT und USD1 findet sich kein Registereintrag. Welche Stablecoins mit welchem MiCA-Status geführt werden, hält unsere Übersicht der Stablecoins mit MiCA-Status fortlaufend nach.
Praktisch heißt das: Hältst du USD1, richtet sich dein Rücktausch nach den Bedingungen des Emittenten und nicht nach dem europäischen Nennwertanspruch. Welche Pflichten eine Zulassung mit sich bringt und woran du einen zugelassenen Anbieter erkennst, steht im Überblick zu den MiCA-Lizenzpflichten für Krypto-Unternehmen.

Konzentrationsrisiko: Wenn wenige große Halter die Größe tragen
Der Befund auf BNB Chain beschreibt ein Muster, das bei jungen Stablecoins häufiger auftritt: Ein erheblicher Teil des Umlaufs liegt bei wenigen Adressen. Zwölf Burns für 200 Millionen Dollar bedeuten, dass hier eine Handvoll großer Beteiligter ausstieg und keine Masse von Privathaltern.
Für kleine Halter folgt daraus kein unmittelbarer Verlust, solange Kurs und Reserven halten. Es folgt aber eine Abhängigkeit. Zieht ein großer Halter ab, sinkt die Liquidität des Tokens an den Handelsplätzen, Handelspaare werden dünner, und Spreads können sich ausweiten. Wer einen Stablecoin als Parkposition zwischen zwei Käufen nutzt, merkt das zuerst beim Verkauf.
Der Emittentenwechsel zur Trust-Gesellschaft: der nächste Prüfstein
Onchain Benchmark verweist auf einen anstehenden Schritt: „The next tests come with the change of issuer." World Liberty Financial hat angekündigt, dass eine eigene Trust-Gesellschaft die Ausgabe von USD1 übernehmen soll. Die Forschungsstelle ordnet das so ein, dass diese Gesellschaft einen Token übernähme, dessen Größe von wenigen großen Haltern abhängt, und zwar unter einer Charta, deren rechtliche Grundlage gerichtlich verhandelt wird. Ein Datum für die Eröffnung nennt der Bericht nicht.
Ein Wechsel des Emittenten ist für Halter kein formaler Vorgang am Rande. Mit ihm wechseln Vertragspartner, Verwahrstelle und Aufsicht, und damit die Adresse, gegen die ein Rücktauschanspruch überhaupt gerichtet wird. Den Hintergrund zur Trust-Gesellschaft und zu den offenen Punkten haben wir in unserem Beitrag zur World Liberty Financial US Trust Bank aufgeschrieben.
Was gesichert ist und was offen bleibt
Gesichert ist die Größenordnung: rund 401 Millionen Dollar weniger Umlauf, 184,60 Millionen Dollar an Rücknahmen auf Ethereum, 200,43 Millionen Dollar auf BNB Chain, ein stabiler Kurs zwischen 0,998 und 1,000 Dollar, ausgewiesene Reserven von rund 4,01 Milliarden Dollar.
Offen bleibt die Ursache. Weder ist bekannt, wer die große Adresse auf BNB Chain kontrolliert, noch warum dort zurückgegeben wurde. Aus einem Rückgang des Umlaufs allein folgt kein Vorwurf gegen den Emittenten: Rücknahmen sind der vorgesehene Weg, einen Stablecoin zu verlassen, und dass sie ohne Kursbruch funktionierten, ist zunächst ein Zeichen dafür, dass der Mechanismus trug. Wer daraus mehr lesen will, bräuchte Angaben, die derzeit niemand öffentlich hat.
USD1 in Deutschland: Ohne MiCA-Eintrag kein Anspruch nach Artikel 49
Drei Schritte sind jetzt sinnvoll, wenn du Dollar-Stablecoins hältst:
- Den Zulassungsstatus deiner Stablecoins nachsehen. Entscheidend ist, ob der Token als E-Geld-Token im Register steht, denn daran hängt der Nennwertanspruch nach Artikel 49. Den Stand je Token findest du in der Stablecoin-Übersicht mit MiCA-Status.
- Prüfen, über welchen Anbieter du hältst. Ein in der EU zugelassener Dienstleister unterliegt Vorgaben zur Trennung von Kundengeldern und zur Verwahrung. Welche Häuser eine Zulassung haben, zeigt der Vergleich der regulierten Kryptobörsen.
- Die Haltedauer gegen das Risiko stellen. Für kurzes Parken zwischen zwei Käufen zählt Liquidität, für längeres Halten zählt der Rechtsrahmen. Wer größere Bestände über längere Zeit hält, sollte die Verwahrung außerhalb der Börse mitdenken; die Unterschiede stehen im Hardware-Wallet-Vergleich.
Die Zahlen dieses Berichts stammen aus der Auswertung von Onchain Benchmark, veröffentlicht am 19. Oktober 2026, sowie aus den Marktdaten von CoinGecko vom selben Tag. Nachzulesen sind sie im Bericht von Cointelegraph und bei Onchain Benchmark.
(Stand: 19. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Häufige Fragen zu USD1
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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