Kunden ziehen 463 Millionen Dollar von Bitget ab: Die Folgen für Reserven und Verwahrung
Nach dem Angriff vom 24. September haben Kunden binnen eines Tages rund 463 Millionen Dollar von Bitget abgezogen, der größte Tagesabfluss seit Beginn der DefiLlama-Erfassung. Der Nutzerschutzfonds ist dabei von 464 auf unter 200 Millionen Dollar gefallen.

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Kunden haben binnen 24 Stunden rund 463 Millionen Dollar von der Handelsplattform Bitget abgezogen. Das ist der größte Tagesabfluss, den der Datendienst DefiLlama seit dem Start seiner Reserveerfassung vor vier Jahren bei einer zentralen Börse gemessen hat, und er fällt genau in die Tage, in denen Bitget die nach dem Angriff vom 24. September gesperrten Auszahlungen wieder öffnet. Der Nutzerschutzfonds, der den Schaden auffangen soll, ist dabei von über 464 Millionen Dollar auf unter 200 Millionen Dollar gefallen. Die Zahlen berichtete Bloomberg am 29. September 2026.
Für Anleger in Deutschland ist der Vorgang aus zwei Gründen wichtig. Erstens läuft der Auszahlungsfahrplan noch bis zum 2. Oktober, und Restguthaben auf gesperrten Konten hängen an diesem Termin. Zweitens zeigt der Fall, woran sich das Gegenparteirisiko einer Börse tatsächlich ablesen lässt, und zwar an Reserven, Fondsgröße und Abflüssen statt an Werbeversprechen.
Wie die Abflusszahl von 463 Millionen Dollar zustande kommt
DefiLlama verfolgt die öffentlich bekannten Wallet-Adressen großer Handelsplätze und rechnet Zu- und Abflüsse als Saldo. Ein Nettoabfluss bedeutet: Es wanderten mehr Werte von den Börsenadressen weg, als neue hinzukamen. Die 463 Millionen Dollar sind also keine Verluste, sondern verschobenes Kundenvermögen, überwiegend auf eigene Wallets und auf andere Handelsplätze.
Eingeordnet wird die Summe erst durch den Vergleich mit der Größe des Hauses. Bitget hält nach denselben Daten Reserven von rund 5,84 Milliarden Dollar. Ein Tag mit 463 Millionen Dollar Abfluss entspricht damit knapp acht Prozent der gesamten Reserven. Ein Haus dieser Größe verkraftet das, solange die Bewegung nicht über Tage anhält und solange die Auszahlungen ohne Verzögerung durchlaufen.
Genau hier liegt der Grund, warum der Fahrplan gestaffelt ist. Bitget hat Bitcoin zuerst freigegeben, danach Ether und die Stablecoin-Auszahlungen in USDT. Die übrigen Token, Fiatgeld und der Handel von Nutzer zu Nutzer folgen am 2. Oktober. Die Staffelung sei eine Sicherheitsmaßnahme und stehe in keinem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Kundenvermögen, teilte das Unternehmen mit.
Der Nutzerschutzfonds fiel von 464 auf unter 200 Millionen Dollar
Der Nutzerschutzfonds ist ein Kapitalpolster, das eine Börse freiwillig vorhält, um Schäden aus Angriffen oder Systemfehlern zu decken. Bitget führt ihn öffentlich und nennt regelmäßig seinen Stand. Vor dem Vorfall lag er bei über 464 Millionen Dollar, also knapp über der Schadenssumme. Nachdem er den größten Teil des Schadens aufgenommen hat, steht er jetzt unter 200 Millionen Dollar.
Zur Auffüllung äußerte sich Unternehmenschefin Gracy Chen. Der Fonds werde genutzt, um die finanziellen Folgen des Vorfalls abzufangen, und Bitget werde ihn aus eigenem Kapital wieder auffüllen, mit dem Ziel, binnen einer Woche über 300 Millionen Dollar zu liegen. Dieses Ziel ist eine Ankündigung des Unternehmens und kein geprüfter Stand. Wer den Fortschritt verfolgen will, findet den aktuellen Wert auf der Seite zum Schutzfonds.
Warum der Angriff vom 24. September 387,5 Millionen Dollar kostete
Die Schadenssumme ist im Lauf der Woche gewachsen. Unmittelbar nach dem Vorfall standen 351,6 Millionen Dollar im Raum, inzwischen nennen die Berichte 387,5 bis 388 Millionen Dollar. Solche Korrekturen nach oben sind bei forensischen Auswertungen der Normalfall, weil erst nach und nach alle betroffenen Adressen zugeordnet werden.
Zum Angriffsweg hatte Bitget offengelegt, dass die Angreifer über eine bis dahin unbekannte Lücke in einem zugekauften Sicherheitsprodukt in die Auszahlungssysteme kamen. Wie diese Kette im Einzelnen lief, hat cryptoticker.io am 29. September in einer eigenen Rekonstruktion des Angriffswegs beschrieben. Unternehmenschefin Gracy Chen erklärte, erste forensische Hinweise deuteten auf nordkoreanische Akteure hin, konkret auf die als Lazarus bekannte Gruppe. Bei der Untersuchung helfen die Sicherheitsfirmen Mandiant und SlowMist. Das ist eine Zuschreibung durch das betroffene Unternehmen, keine behördliche Feststellung.

Eigene Auswertung: Bitget steht bei den Wochenabflüssen an zweiter Stelle von 80 Handelsplätzen
Um die Tageszahl einzuordnen, hat die Redaktion die öffentlichen Reservedaten von DefiLlama zu allen dort erfassten zentralen Handelsplätzen ausgewertet. Erfasst sind 88 Börsen, für 80 davon liegt ein Wochenwert vor. Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 29. September 2026 selbst erhoben.
Auf Wochensicht verzeichnet Bitget einen Nettoabfluss von 842,1 Millionen Dollar. Das ist der zweitgrößte Wert im gesamten Feld; nur Bitstamp liegt mit 884,7 Millionen Dollar darüber. Gemessen an den eigenen Reserven wiegt der Abfluss bei Bitget 14,4 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 322,1 Millionen Dollar, der Abfluss ist also fast vollständig in der vergangenen Woche entstanden.
Zwei weitere Werte aus derselben Auswertung ordnen das Bild. Erstens ist ein Wochenabfluss derzeit kein Einzelfall: 40 der 80 Häuser mit Wochenwert stehen im Minus, darunter Binance mit 735,0 Millionen Dollar. Zweitens dreht sich die Richtung bei Bitget gerade. Für die jüngsten 24 Stunden weist die Reserveerfassung am Abend des 29. September einen leichten Zufluss von 12,0 Millionen Dollar aus. Die große Abflusswelle liegt damit in den Stunden um die Wiederöffnung der Auszahlungen, und sie hat sich zum Zeitpunkt dieser Auswertung nicht fortgesetzt.
5,84 Milliarden Dollar Reserven, davon 455 Millionen im eigenen Token BGB
Ein Detail derselben Datenlage verdient Aufmerksamkeit, weil es bei jeder Börse gilt und selten erklärt wird. Von den 5,84 Milliarden Dollar Reserven entfallen 455 Millionen Dollar, also 7,8 Prozent, auf den hauseigenen Token BGB. DefiLlama weist diesen Anteil getrennt aus und nennt den Rest bereinigte Reserven, im Fall von Bitget 5,39 Milliarden Dollar.
Der Grund für die getrennte Darstellung: Der Kurs eines hauseigenen Tokens hängt am Schicksal der ausgebenden Börse. Gerät das Haus in Schieflage, fällt genau der Teil der Reserven am stärksten, der die Schieflage decken soll. Für eine Bewertung der Deckung zählt deshalb die bereinigte Zahl, nicht die große.
Proof of Reserves: Was ein Merkle-Baum belegt und was er offenlässt
Proof of Reserves ist ein Nachweisverfahren, mit dem eine Börse zeigt, dass die auf ihren Adressen liegenden Bestände die Guthaben ihrer Kunden decken. Technisch werden alle Kundensalden zu einem Merkle-Baum verrechnet, einer Baumstruktur aus Prüfsummen, in der jeder Kunde die eigene Position nachrechnen kann, ohne die Salden der anderen zu sehen. Bitget veröffentlicht diesen Nachweis monatlich und stellt die Prüfung auf einer eigenen Seite bereit.
Der Nachweis hat eine Lücke, die für die Bewertung entscheidend ist: Er zeigt Vermögen, aber keine Schulden. Eine Börse kann volle Reserven ausweisen und gleichzeitig Kredite oder Verpflichtungen haben, die nirgends auftauchen. Ein Proof of Reserves ist damit ein Momentbild der Aktivseite, keine Bilanz und keine Prüfung durch eine Aufsichtsbehörde. Auch die Reservedaten dieses Artikels teilen diese Grenze.
Nutzerschutzfonds und Einlagensicherung: der Unterschied für dein Guthaben
Ein Nutzerschutzfonds ist eine freiwillige Leistung. Er entsteht durch Beschluss des Unternehmens, seine Höhe ändert sich nach dessen Ermessen, und es gibt keinen Anspruch darauf. Die gesetzliche Einlagensicherung, die bei einer deutschen Bank 100.000 Euro je Kunde abdeckt, greift für Kryptoguthaben ohnehin nicht, denn sie sichert Geldeinlagen, keine Token.
Daraus folgt eine praktische Regel für die Verwahrung. Guthaben, das du nicht aktiv handelst, liegt auf einer Börse ohne Sicherungsanspruch. Wer diesen Teil des Risikos ausschalten will, verwahrt selbst, und dafür braucht es ein Gerät, das die privaten Schlüssel offline hält. Welche Geräte das leisten und worin sie sich unterscheiden, steht im Vergleich der Hardware-Wallets. Selbstverwahrung schaltet das Gegenparteirisiko aus und ersetzt es durch die Verantwortung für die eigene Sicherungsphrase. Diese Verschiebung ist der eigentliche Kern der Entscheidung, und sie fällt je nach Betrag und Erfahrung unterschiedlich aus.

Bitget ohne MiCA-Zulassung: Deutschland steht seit Januar 2026 auf der Sperrliste
Für deutsche Nutzer gilt eine Besonderheit, die den Fall von einem gewöhnlichen Börsenvorfall unterscheidet. Bitget hat keine Zulassung als Krypto-Dienstleister nach der EU-Verordnung MiCA. Seit dem 16. Januar 2026 nimmt das Unternehmen keine neuen Registrierungen aus Deutschland mehr an, und Deutschland wird in den Nutzungsbedingungen als gesperrtes Land geführt. Das Unternehmen hat den Schritt in einer Mitteilung an Nutzer in Frankreich und Deutschland erläutert.
Praktisch heißt das: Wer noch Guthaben dort liegen hat, ist Bestandskunde einer Plattform, die in Deutschland keine Dienste mehr anbieten darf. Die Aufsicht BaFin ist für das Haus nicht zuständig, ein Beschwerdeweg über eine deutsche Behörde steht nicht offen, und die Haftungsregeln, die MiCA zugelassenen Anbietern für Verwahrung und Vermögenstrennung auferlegt, greifen hier nicht. Welche Pflichten eine Zulassung mit sich bringt und welche Fristen für Anbieter gelten, steht im Überblick zu den MiCA-Pflichten für Krypto-Unternehmen.
Ein Nebeneffekt betrifft die Steuer. Ein Transfer von einer Börse auf die eigene Wallet ist kein Verkauf und löst keine Steuer aus, weil sich der wirtschaftliche Eigentümer nicht ändert. Die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes läuft beim Transfer weiter. Wichtig ist allein, dass du Anschaffungsdatum und Anschaffungskosten dokumentiert behältst, denn die Börse liefert diese Angaben nach einem Kontoschluss möglicherweise nicht mehr.
Der Auszahlungsfahrplan endet am 2. Oktober mit Fiat und P2P
Die Reihenfolge des Fahrplans folgt der technischen Schwierigkeit und nicht der Kundengröße. Bitcoin öffnete am 28. September, danach Ether und USDT, und am 2. Oktober folgen die übrigen Token, Fiatgeld und der Handel von Nutzer zu Nutzer. Fiatgeld kommt zuletzt, weil dabei Banken und Zahlungsdienstleister mitwirken, deren Prüfungen das Unternehmen nicht allein steuert.
Woran erkennst du, ob der Fahrplan hält? Ein belastbares Zeichen ist die tatsächliche Laufzeit einer Auszahlung im Vergleich zur angekündigten. Ein zweites sind die Reservedaten: Bleibt der Bestand stabil, während Kunden abziehen, füllt das Haus nach. Ein drittes ist die Frage, ob angekündigte Termine ohne neue Bedingungen eingehalten werden. Verschiebt sich der 2. Oktober ohne Erklärung, ist das ein anderes Signal als eine Verzögerung mit benanntem Grund.
Was ein Abfluss dieser Größe über das Gegenparteirisiko aussagt
Gegenparteirisiko heißt: Deine Coins auf einer Börse sind rechtlich ein Anspruch gegen das Unternehmen, kein unmittelbares Eigentum an einem Vermögenswert. Solange das Haus zahlungsfähig ist und die Systeme laufen, fällt der Unterschied nicht auf. Ein Angriff macht ihn sichtbar.
Die Zahlen dieser Woche zeigen beide Seiten. Auf der einen Seite hat der Schutzfonds den Schaden getragen, die Auszahlungen laufen wieder, und der Abfluss hat sich nach den ersten Stunden nicht fortgesetzt. Auf der anderen Seite ist das Polster halbiert, und ein zweiter Vorfall in kurzer Folge träfe auf eine deutlich dünnere Decke. Beides gleichzeitig zu sehen, ist die nüchterne Lesart, und sie führt weder zu Panik noch zu Sorglosigkeit.
Für die eigene Aufteilung folgt daraus eine einfache Faustregel, die unabhängig von diesem Fall gilt: Auf einer Börse liegt, was du in absehbarer Zeit handeln willst. Alles andere liegt in Selbstverwahrung oder bei einem Anbieter, der einer Aufsicht untersteht, an die du dich im Streitfall wenden kannst.
Guthaben auf Bitget: So gehst du jetzt vor
- Termin und Handelsplatz klären. Notiere, welche Werte bei dir noch auf der Plattform liegen und in welche Auszahlungsstufe sie fallen. Für Fiatgeld und Nutzer-zu-Nutzer-Geschäfte ist der 2. Oktober der maßgebliche Termin. Wenn du ohnehin einen Handelsplatz mit EU-Zulassung suchst, findest du die Kandidaten im Überblick zu den regulierten Kryptobörsen.
- Verwahrung für den Bestandsteil entscheiden. Für Beträge, die länger liegen bleiben, ist Selbstverwahrung die Alternative zum Börsenkonto. Die Geräte und ihre Unterschiede stehen im Hardware-Wallet-Vergleich. Teste die Wiederherstellung mit einem kleinen Betrag, bevor der große Transfer läuft.
- Anschaffungsdaten sichern. Lade Kauf- und Transferbelege herunter, solange der Zugang besteht. Ohne Anschaffungsdatum lässt sich die einjährige Haltefrist später nicht belegen. Werkzeuge, die den Bestand über mehrere Handelsplätze hinweg mitführen, stehen im Überblick zu den Steuer- und Portfolio-Werkzeugen.
(Stand: 29. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Häufige Fragen zum Bitget-Abfluss
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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