Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Die steuerliche Behandlung hängt insbesondere von Anschaffungszeitpunkt, Transaktionshistorie, früheren Krypto-Tauschgeschäften, der verwendeten Plattform und der Plausibilisierung der Steuerdaten ab. Vor größeren Verkäufen oder bei fehlenden beziehungsweise gemischten Alt- und Neubeständen sollte fachkundige steuerliche Beratung eingeholt werden.

Bitcoin von Auslandsbörse nach Österreich: Steuerdaten?

Bitcoin von ausländischer Börse nach Österreich übertragen: Welche Steuerdaten für den KESt-Abzug fehlen können und was Anleger beachten müssen.

bitcoin-lending-in-oesterreich-wann-steuer-anfaellt
5 Min. Lesezeit
Teilen:

Bitcoin von ausländischer Börse auf österreichische Plattform übertragen: Welche Steuerdaten fehlen können

Wer Bitcoin von einer ausländischen Börse auf eine österreichische Kryptoplattform überträgt, löst allein durch diesen Eigenübertrag grundsätzlich noch keinen Verkauf aus. Steuerlich relevant kann der Wechsel der Plattform aber spätestens dann werden, wenn die Bitcoin anschließend verkauft werden.

Der Grund: Österreichische Kryptodienstleister müssen für bestimmte Kryptogewinne seit 2024 Kapitalertragsteuer einbehalten. Kommen Bitcoin von einer externen Börse, kennt der österreichische Anbieter deren steuerliche Historie jedoch häufig nicht. Gerade Anschaffungskosten und Kaufdatum müssen deshalb gegebenenfalls vom Anleger nachgewiesen werden. 

Diese drei Steuerdaten sind besonders wichtig

Die österreichischen Einkommensteuerrichtlinien nennen drei Angaben, die einem KESt-abzugsverpflichteten Kryptodienstleister übermittelt werden können:

  • Anschaffungsdatum beziehungsweise Anschaffungszeitraum,
  • Anschaffungskosten der Bitcoin,

die Information, ob seit dem Erwerb ein steuerneutraler Krypto-zu-Krypto-Tausch stattgefunden hat. 

Gerade bei Bitcoin, die ursprünglich auf Binance, Coinbase, Kraken oder einer anderen ausländischen Plattform gekauft und später nach Österreich übertragen wurden, liegen diese Daten beim neuen Anbieter nicht automatisch vor.

Auch die Blockchain löst dieses Problem nicht vollständig. Sie zeigt zwar Transfers zwischen Adressen, verrät aber nicht zwingend, für welchen Eurobetrag die Bitcoin ursprünglich angeschafft wurden.

bitcoin-verluste-mit-dividenden-verrechnen-so-funktioniert-der-verlustausgleich-in-oesterreich.png

Warum die Anschaffungskosten entscheidend sind

Für Bitcoin-Neuvermögen wird der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn grundsätzlich aus der Differenz zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten berechnet. Gewinne aus Kryptowährungen unterliegen in Österreich grundsätzlich dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. 

Beispiel:

Bitcoin-Kauf im Ausland: 20.000 Euro
Übertragung auf österreichische Plattform: Bitcoin-Wert 50.000 Euro
Späterer Verkauf: 60.000 Euro

Die Übertragung auf die österreichische Plattform setzt die Anschaffungskosten nicht auf 50.000 Euro zurück. Für die Gewinnermittlung bleiben grundsätzlich die steuerlich maßgeblichen historischen Anschaffungskosten relevant.

Der steuerpflichtige Gewinn beträgt im vereinfachten Beispiel damit:

60.000 Euro – 20.000 Euro = 40.000 Euro

Damit der österreichische Anbieter die KESt korrekt berechnen kann, muss er diese Historie jedoch kennen beziehungsweise plausibilisieren können.

Jetzt bei Cointracker anmelden & Krypto Steuer Tool nutzenJetzt bei Cointracker anmelden & Krypto Steuer Tool nutzen

Auch frühere Krypto-Tausche müssen berücksichtigt werden

Komplizierter wird es, wenn die Bitcoin nicht direkt mit Euro gekauft wurden.

Hat ein Anleger beispielsweise zunächst Ether gekauft und diese später steuerneutral gegen Bitcoin getauscht, werden die bisherigen Anschaffungskosten grundsätzlich auf die erhaltenen Bitcoin übertragen. Der damalige Bitcoin-Kurs wird damit nicht automatisch zu neuen steuerlichen Anschaffungskosten. 

Genau deshalb gehört die Information über frühere steuerneutrale Krypto-zu-Krypto-Tausche zu den Steuerdaten, die der österreichische Anbieter benötigt.

Eine bloße Kaufhistorie der Bitcoin kann in solchen Fällen zu kurz greifen. Relevant kann eine deutlich längere Transaktionskette sein.

Wann müssen die Daten übermittelt werden?

Die Steuerdaten können bereits unmittelbar nach der Übertragung der Bitcoin auf die österreichische Plattform bekannt gegeben und plausibilisiert werden.

Spätestens müssen sie jedoch unmittelbar vor dem steuerpflichtigen Verkauf vorliegen. 

Damit sollten Anleger nicht bis wenige Sekunden vor einer größeren Veräußerung warten. Werden Bitcoin auf eine österreichische Plattform übertragen und sofort verkauft, bevor die Anschaffungsdaten verarbeitet wurden, kann der Anbieter nicht ohne Weiteres mit den tatsächlichen historischen Werten rechnen.

bitcoin-vor-maerz-2021-verkauf-in-oesterreich-steuerfrei.png

Was passiert, wenn die Daten fehlen?

Sind die erforderlichen Steuerdaten beim Verkauf nicht vorhanden oder können sie nicht plausibilisiert werden, sieht das österreichische Steuerrecht einen pauschalen steuerlichen Wertansatz für den KESt-Abzug vor.

Das BMF weist ausdrücklich darauf hin, dass daraus für Anleger erhebliche Liquiditätsnachteile entstehen können.

Das bedeutet nicht zwingend, dass die endgültige Einkommensteuer genauso hoch bleiben muss. Ein unrichtiger beziehungsweise pauschal vorgenommener KESt-Abzug kann unter bestimmten Voraussetzungen korrigiert werden.

Nach der aktuellen BMF-Auffassung kann der Kryptodienstleister den Kapitalertragsteuerabzug bei später erfolgreich übermittelten und plausibilisierten Steuerdaten noch bis zum Ablauf des Kalenderjahres berichtigen. Andernfalls kann eine Korrektur über die Einkommensteuerveranlagung relevant werden. 

Zum Steuer Tools VergleichZum Steuer Tools Vergleich

Altbestand macht die Sache zusätzlich kompliziert

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Bitcoin, die bereits vor dem 1. März 2021 angeschafft wurden. Diese gelten grundsätzlich als Altbestand und fallen nicht automatisch unter das neue österreichische Kryptosteuerregime. 

Befinden sich auf einer Wallet sowohl Altbestand als auch neuer erworbene Bitcoin oder Bestände mit pauschal angesetzten Anschaffungskosten, gelten besondere Zuordnungsregeln. Anleger können unter bestimmten Voraussetzungen wählen, welche Einheiten zuerst veräußert werden. Wird keine entsprechende Auswahl getroffen, greifen gesetzliche beziehungsweise verwaltungsrechtliche Reihenfolgeregeln. 

Wer alten und neuen Bitcoin-Bestand von einer ausländischen Börse gemeinsam auf eine österreichische Plattform überträgt, sollte deshalb besonders genau dokumentieren:

  • wann die einzelnen Bitcoin angeschafft wurden,
  • welche Mengen zum Altbestand gehören,
  • welche Anschaffungskosten für den Neubestand gelten,

ob zwischenzeitlich Krypto-zu-Krypto-Tausche erfolgt sind.

Welche Unterlagen sollten Anleger sichern?

Vor dem Transfer auf einen österreichischen Anbieter sollten insbesondere alte Transaktionsdaten der ausländischen Börse exportiert werden. Sinnvoll sind:

  • vollständige Kauf- und Verkaufshistorien,
  • CSV- oder API-Exporte,
  • ursprüngliche Anschaffungskosten in Euro,
  • Datum beziehungsweise Zeitraum der Anschaffungen,
  • Wallet-Adressen und Transaktions-IDs,
  • Nachweise über Transfers zwischen eigenen Wallets,
  • frühere Krypto-zu-Krypto-Tauschgeschäfte,
  • vorhandene Steuerreports.

Bei nacheinander angeschafften Bitcoin derselben Art auf derselben Wallet ist nach österreichischem Recht grundsätzlich der gleitende Durchschnittspreis für die Anschaffungskosten maßgeblich.

Fazit

Bitcoin von einer ausländischen Börse auf eine österreichische Plattform zu übertragen, ist steuerlich nicht dasselbe wie ein Verkauf. Problematisch kann jedoch die fehlende Steuerhistorie werden.

Für einen korrekten österreichischen KESt-Abzug benötigt der Anbieter insbesondere das Anschaffungsdatum beziehungsweise den Anschaffungszeitraum, die steuerlichen Anschaffungskosten und Informationen über frühere steuerneutrale Krypto-Tausche. 

Fehlen diese Angaben beim späteren Verkauf, kann ein pauschaler Wertansatz zur Anwendung kommen. Anleger sollten ihre Transaktionshistorie deshalb bereits vor dem Transfer sichern und die Steuerdaten möglichst unmittelbar nach Eingang der Bitcoin beim österreichischen Anbieter hinterlegen.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erzeugt.

Vielleicht auch interessant