Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Stablecoin-Depeg: Hält die Bindung bei 1,00 Euro?

Ein Stablecoin-Depeg ist der Moment, in dem der Marktpreis die Bindung an Euro oder Dollar verlässt. Was die MiCA-Verordnung an Reserve und Rücktausch vorschreibt, woran du die Bauweise eines Token erkennst und was der Tausch in einen Stablecoin für deine Haltefrist bedeutet.

Präzise Messingwaage im Seitenlicht, zwei gleich schwere Gewichte auf den Schalen, die rechte Schale minimal tiefer
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Ein Stablecoin soll immer dasselbe wert sein: ein Euro, ein Dollar, keine Bewegung. Ein Depeg ist der Moment, in dem genau das nicht mehr stimmt – der Marktpreis des Token löst sich von dem Wert, auf den er sich bezieht. Die wichtigste Zahl steht dabei nicht im Orderbuch der Börse, sie steht in deinem Anspruch gegen den Emittenten: Bei einem in der EU zugelassenen E-Geld-Token zahlt der Herausgeber den Nennwert zurück, jederzeit und ohne Gebühr. Das steht in Artikel 49 der Verordnung (EU) 2023/1114, die alle MiCA nennen. Börsenpreis und Rücknahmepreis sind zwei verschiedene Zahlen an zwei verschiedenen Schaltern, und wer das verwechselt, verkauft im falschen Moment mit Abschlag.

Am Sonntagmorgen ist von einem Depeg nichts zu sehen. Tether (USDT) steht bei 0,9991 Dollar, USD Coin (USDC) bei 0,9998 Dollar, DAI bei 1,00 Dollar, Ethenas USDe bei 0,9993 Dollar. Vier Token, vier verschiedene Bauweisen, alle vier praktisch auf ihrer Marke. Genau in solchen ruhigen Phasen lohnt der Blick auf die Konstruktion, denn die Unterschiede zwischen diesen vier Token werden erst sichtbar, wenn der Markt sie auf die Probe stellt.

Depeg: die Abweichung zwischen Marktpreis und Bezugswert

Der Begriff setzt sich aus dem englischen peg für Pflock oder Bindung und der Vorsilbe de- zusammen. Gemeint ist die Bindung eines Token an einen Bezugswert, meist eine amtliche Währung. MiCA definiert einen E-Geld-Token als „einen Kryptowert, dessen Wertstabilität unter Bezugnahme auf den Wert einer amtlichen Währung gewahrt werden soll“. Ein Depeg liegt vor, wenn der Marktpreis diese Bindung verlässt – nach unten, wie bei den bekannten Fällen, oder nach oben, was seltener vorkommt und dieselbe Ursache hat: ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, das der Rücknahmemechanismus nicht schnell genug ausgleicht.

Eine feste Schwelle, ab der eine Abweichung als Depeg gilt, gibt es nicht. In der Praxis fallen Abweichungen unterhalb eines halben Prozents im Rauschen der Handelsplätze unter; sie entstehen durch Spreads, Gebühren und dünne Orderbücher an einzelnen Börsen. Von einem Depeg spricht der Markt, wenn die Abweichung groß genug ist, dass Arbitrage sie nicht binnen Minuten schließt. Dann geht es nicht mehr um den Preis. Dann geht es um die Deckung.

Vier Bauweisen, vier verschiedene Bruchstellen

Stablecoin ist ein Sammelbegriff, und er verdeckt, dass die vier gängigen Bauweisen völlig unterschiedlich kippen können.

Fiatgedeckt: Geld und geldnahe Papiere beim Emittenten

Für jeden Token liegt Geld oder ein geldnahes Wertpapier beim Emittenten. USDT und USDC gehören hierher. Die Bruchstelle sitzt dort, wo die Reserve liegt: bei der Bank, bei der Qualität der Wertpapiere, bei der Frage, ob der Emittent in der Krise schnell genug an das Geld kommt.

Überbesichert: mehr Sicherheiten als ausgegebene Token

Hinter DAI stehen hinterlegte Kryptowerte, die mehr wert sind als die ausgegebenen Token. Der Puffer fängt Kursrückgänge ab, bis die Sicherheiten so schnell fallen, dass die automatische Liquidation nicht mehr nachkommt. Genau das passierte DAI im März 2020, als die Verwertung von Sicherheiten in einem crashenden Markt zu Lücken führte.

Synthetisch: Absicherung über den Terminmarkt

USDe hält Kryptowerte und sichert sie gleichzeitig über Terminkontrakte ab. Die Konstruktion hängt daran, dass die Absicherung an den Terminbörsen funktioniert und bezahlbar bleibt. Reißt sie, trägt kein Bankguthaben den Token.

Algorithmisch: ein Automatismus statt einer Reserve

Hier gibt es keine Besicherung, sondern einen Automatismus, der Angebot und Nachfrage über einen zweiten Token steuert. Bei TerraUSD (UST) war dieser Schwester-Token LUNA: Wer einen UST unter dem Zielkurs einlöste, bekam LUNA im Wert von einem Dollar, wofür neue LUNA entstehen mussten. Dieses Modell hat im Mai 2022 den teuersten Zusammenbruch der Branche geliefert: Wenn das Vertrauen kippt, verstärkt der Automatismus den Verfall, statt ihn zu bremsen – die Todesspirale, von der seither alle sprechen. MiCA lässt für diesen Bautyp in der EU praktisch keinen Raum mehr.

Die Lehre aus dieser Reihe ist unbequem: Der Name sagt dir nichts über das Risiko. Erst der Bautyp sagt etwas, und den findest du im Whitepaper, nicht im Kursverlauf.

Mindestens 30 Prozent auf Bankkonten: was MiCA über die Reserve verlangt

Für in der EU zugelassene E-Geld-Token ist die Reserve kein Versprechen, sondern eine Rechtspflicht mit Zahlen. Artikel 54 der Verordnung schreibt vor: „Mindestens 30 % der erhaltenen Geldbeträge sind stets auf gesonderten Konten bei Kreditinstituten zu hinterlegen.“ Der Rest muss in „sichere Aktiva mit niedrigem Risiko“ fließen, die als hochliquide Finanzinstrumente mit minimalem Markt-, Kredit- und Konzentrationsrisiko gelten und auf dieselbe amtliche Währung lauten, auf die sich der Token bezieht.

Diese drei Vorgaben sind der Kern des Schutzes, und sie zielen genau auf die Fälle, die in der Vergangenheit schiefgingen. Gesonderte Konten trennen das Kundengeld vom Vermögen des Emittenten. Die Währungsregel verhindert, dass ein Euro-Token mit Dollar-Papieren gedeckt ist und bei jeder Wechselkursbewegung wackelt. Und die Vorgabe zur Liquidität soll dafür sorgen, dass der Emittent die Reserve verkaufen kann, ohne selbst den Preis zu drücken. Ein Detail lohnt die Aufmerksamkeit: Die 30 Prozent sind eine Untergrenze für Bankguthaben, keine Obergrenze für Risiko. Der größere Teil der Reserve darf in Wertpapieren liegen, und wie gut diese Papiere in einer echten Krise liquide sind, zeigt sich erst in der Krise.

Wer es genauer wissen will, findet die Liste der Firmen, die in der EU Stablecoins ausgeben dürfen, samt der dazugehörigen Whitepaper im europäischen Register. Wie dieses Register aufgebaut ist und was dort fehlt, haben wir im Überblick zum MiCA-Register der Stablecoin-Emittenten auseinandergenommen. Welche Pflichten ein Anbieter in Deutschland darüber hinaus erfüllen muss, steht auf unserer Seite zu den MiCA-Lizenzpflichten für Krypto-Unternehmen.

Artikel 49: Rücktausch jederzeit, zum Nennwert, ohne Gebühr

Die stärkste Vorschrift der Verordnung steht nicht bei der Reserve, sondern beim Anspruch. Artikel 49 regelt Ausgabe und Rücktauschbarkeit in vier knappen Sätzen, die jeder Halter kennen sollte. Absatz 2: „Den Inhabern von E-Geld-Token steht gegen den Emittenten der betreffenden E-Geld-Token ein Forderungsanspruch zu.“ Absatz 4: „Auf Verlangen des Inhabers eines E-Geld-Token zahlt der Emittent den monetären Wert dieses E-Geld-Token dem Inhaber dieses E-Geld-Token jederzeit und zum Nennwert zurück.“ Absatz 6 schließt die Hintertür: „Unbeschadet des Artikels 46 ist der Rücktausch von E-Geld-Token nicht gebührenpflichtig.“

Ein Forderungsanspruch ist ein Recht, von einem bestimmten Schuldner eine bestimmte Leistung zu verlangen – hier: Geld in Höhe des Nennwerts. Praktisch heißt das: Bei einem zugelassenen Euro-Token hat ein Kursabschlag auf einer Börse keinen Einfluss darauf, was dir der Emittent schuldet. Theoretisch ist das eine Garantie, praktisch ein Verfahren: Du brauchst ein Konto beim Emittenten oder einen Dienstleister, der den Rücktausch für dich abwickelt, und du brauchst die Rücktauschbedingungen, die der Emittent laut Absatz 5 an gut erkennbarer Stelle im Whitepaper angeben muss. Wer diesen Weg erst sucht, wenn der Kurs schon abweicht, sucht ihn zum schlechtesten Zeitpunkt.

Artikel 50: warum ein zugelassener Euro-Token keine Zinsen zahlen darf

Eine Vorschrift, die viele überrascht: Artikel 50 verbietet Zinsen auf E-Geld-Token, und zwar doppelt. Weder der Emittent noch ein Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen darf sie gewähren. Als Zinsen gilt dabei „jede Vergütung oder sonstiger Vorteil, die mit der Zeitspanne zusammenhängen, in der ein Inhaber eines E-Geld-Token diesen E-Geld-Token hält“. Der Gesetzgeber nennt den Grund im Erwägungsgrund 68 selbst: Das Risiko soll sinken, dass E-Geld-Token als Wertaufbewahrungsmittel genutzt werden.

Für dich ist das ein Prüfstein mit hohem Erkennungswert. Ein Angebot, das dir eine laufende Verzinsung auf einen Euro- oder Dollar-Stablecoin verspricht, läuft entweder nicht über einen in der EU zugelassenen E-Geld-Token, oder es läuft über eine Konstruktion, in der die Rendite aus etwas anderem kommt als aus dem Halten des Token – etwa aus Verleihen, aus Terminmarktgeschäften oder aus einem Bonusprogramm. Woran das im Einzelfall hängt, haben wir am Beispiel der Kartenangebote im Text zum MiCA-Zinsverbot und den sieben Prozent auf Stablecoins nachgerechnet.

Zwei Hände legen ein gestempeltes Papierdokument neben eine geöffnete Aktenmappe auf einen dunklen Holztisch
Die Bauweise eines Stablecoins steht im Whitepaper, nicht im Kursverlauf – dort stehen auch die Bedingungen für den Rücktausch.

Börsenpreis gegen Rücknahmepreis: zwei Schalter, zwei Zahlen

Der häufigste Denkfehler beim Thema Depeg ist die Annahme, es gebe einen Preis. Es gibt mindestens zwei. Der eine entsteht im Orderbuch einer Börse aus Angebot und Nachfrage und kann je Handelsplatz verschieden sein. Der andere ist der Nennwert, den ein zugelassener Emittent auf Verlangen zahlt. In ruhigen Zeiten liegen beide Zahlen so dicht zusammen, dass niemand den Unterschied bemerkt. In hektischen Zeiten laufen sie auseinander, und dann entscheidet dieser Unterschied über echtes Geld.

Ein Vorfall aus dem Oktober 2025 hat das vorgeführt: Bei einer Liquidationswelle rutschte der USDe-Kurs auf einer einzelnen großen Börse deutlich unter einen Dollar, während der Token an anderen Handelsplätzen nahe seiner Marke blieb. Ethena hielt dagegen, es sei nicht zutreffend, von einem Depeg zu sprechen, wenn ein einzelner Handelsplatz aus der Reihe laufe; die Börse selbst führte den Einbruch auf ihre eigene Preisermittlung zurück und erstattete betroffenen Kunden einen dreistelligen Millionenbetrag. Wie man den Vorgang einordnet, ist bis heute strittig. Der Mechanismus dahinter ist es nicht: Wird ein Preis von einem einzelnen Handelsplatz als Grundlage für Liquidationen verwendet, überträgt ein lokaler Ausschlag Verluste auf Positionen, deren Sicherheit eigentlich stabil war.

Daraus folgt eine Konsequenz, die wenig mit Rechtslage und viel mit Praxis zu tun hat: Wenn du Stablecoins als Sicherheit für eine gehebelte Position hinterlegst, hängt dein Liquidationspreis an der Preisquelle deiner Börse, nicht an der Deckung des Token. Welche Preisquelle dein Anbieter verwendet, steht in seinen Handelsbedingungen.

Vier Auslöser, die eine Bindung tatsächlich brechen

Die Fälle der vergangenen Jahre lassen sich auf vier Ursachen zurückführen, und sie treten selten einzeln auf.

Die Reserve ist schlechter als angenommen. Fehlt Deckung, oder steckt sie in Papieren, die sich nur mit Abschlag verkaufen lassen, kann der Emittent nicht alle Rückgaben zum Nennwert bedienen. Der Markt preist das ein, bevor es bewiesen ist.

Die Bank, bei der die Reserve liegt, fällt aus. Im März 2023 geriet USD Coin unter Druck, weil ein Teil der Reserve bei der Silicon Valley Bank lag und deren Schließung die Verfügbarkeit dieses Teils für ein Wochenende offen ließ. Der Token fiel unter einen Dollar und erholte sich, als klar war, dass die Einlagen zugänglich bleiben. Die Deckung war nie verschwunden, nur unerreichbar – und genau darum geht es bei der Trennung auf gesonderte Konten.

Die Liquidität reißt, nicht die Deckung. In dünnen Orderbüchern verschiebt eine große Marktorder den Preis, ohne dass sich an der Reserve etwas geändert hat. Solche Ausschläge sind oft nach Minuten vorbei. Teuer werden sie für den, der in diesem Fenster verkauft oder liquidiert wird.

Das Vertrauen kippt und löst einen Run aus. Jeder Stablecoin ist auf eine Annahme gebaut: dass nie alle gleichzeitig zurückgeben wollen. Bei TerraUSD im Mai 2022 trafen Rückgaben und ein Automatismus zusammen, der mit jedem Schritt neues Angebot schuf. Den Unterschied zum USDC-Fall macht die Konstruktion, nicht die Panik: Ein fiatgedeckter Token hat eine Bodenplatte, ein algorithmischer hat ein Gleichungssystem.

Wie eine Bindung zurückkommt: Arbitrage, Rücknahme, Angebotsverknappung

Ein Depeg heilt über drei Mechanismen, die bei jedem Bautyp unterschiedlich gut greifen. Der erste ist Arbitrage: Fällt der Marktpreis unter den Zielkurs, kauft jemand den Token billig und löst ihn beim Emittenten zum Nennwert ein. Die Differenz ist sein Gewinn, und jeder solche Kauf hebt den Preis. Dieser Mechanismus setzt voraus, dass die Rücknahme offen, schnell und gebührenfrei ist – genau deshalb ist Artikel 49 mehr als Verbraucherschutz: Er hält den Reparaturweg offen.

Der zweite Mechanismus ist die Angebotsverknappung. Jede Einlösung nimmt Token aus dem Umlauf und verkleinert das Angebot, bis Angebot und Nachfrage wieder zusammenpassen. Bei einem fiatgedeckten Token endet dieser Weg bei einer Bodenplatte aus Bankguthaben und Wertpapieren. Bei einem algorithmischen Token endet er nirgends: Dort schuf die Einlösung neues Angebot in einem anderen Token, und je weiter der Kurs fiel, desto mehr musste entstehen.

Der dritte Mechanismus ist der langsamste und der wichtigste: Vertrauen. USD Coin stand im März 2023 nicht wieder bei einem Dollar, weil jemand Token verbrannte, sondern weil feststand, dass die Einlagen bei der geschlossenen Bank zugänglich bleiben. Die Reserve hatte sich nie verändert, nur die Erwartung an sie. Daran lässt sich ablesen, worauf es bei der Beurteilung eines Stablecoins ankommt. Entscheidend ist, wer im Zweifel zahlt und wie schnell er an das Geld kommt, nicht der Kursverlauf der letzten Stunde.

Whitepaper, Zulassung, Rücktauschbedingungen: die drei Stellen mit Auskunft

Für die Einschätzung eines Stablecoins brauchst du keinen Chart, sondern drei Dokumente. Erstens das Kryptowerte-Whitepaper: Es muss nach MiCA für jeden E-Geld-Token existieren, der Behörde vorgelegt werden und die Merkmale und Risiken beschreiben. Zweitens die Zulassung des Emittenten: E-Geld-Token dürfen in der EU nur Kreditinstitute und E-Geld-Institute ausgeben, und wer das darf, steht im europäischen Register. Drittens die Rücktauschbedingungen, die laut Artikel 49 Absatz 5 an gut erkennbarer Stelle im Whitepaper stehen: Wer nimmt zurück, über welchen Weg, in welcher Frist.

Dazu kommt ein Punkt, den viele übersehen: Artikel 55 verlangt von jedem Emittenten einen Sanierungs- und Rücktauschplan. Er muss der zuständigen Behörde innerhalb von sechs Monaten nach dem öffentlichen Angebot oder der Zulassung zum Handel mitgeteilt werden. Dahinter steht die Frage, wie eine geordnete Abwicklung aussieht, wenn der Emittent selbst in Schwierigkeiten gerät. Für Token ohne EU-Zulassung gibt es diesen Plan nicht – weder als Pflicht noch als Dokument.

Wie verschieden die Lage in der Praxis aussieht, zeigen zwei aktuelle Beispiele aus unserem Bestand: Beim Start von Open USD ohne Eintrag im EU-Register und bei Polkadots dotUSD ohne Emittenten stellt sich jeweils dieselbe Frage: Gegen wen richtet sich dein Anspruch, wenn der Preis fällt? Eine Übersicht der Token, die in Deutschland handelbar sind, findest du in unserem Stablecoin-Vergleich.

Zwei benachbarte Bankschalterfenster in einer nächtlichen Schalterhalle, das linke beleuchtet und offen, das rechte dunkel und verschlossen
Der Börsenkurs ist der eine Schalter, der Rücktausch zum Nennwert beim Emittenten der andere.

Steuer in Deutschland: jeder Tausch in einen Stablecoin ist ein Verkauf

Hier liegt die Falle, die mit der Stabilität des Kurses nichts zu tun hat. Wer Bitcoin in einen Stablecoin tauscht, veräußert nach deutschem Steuerrecht seine Bitcoin. Maßgeblich ist § 23 Einkommensteuergesetz: Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften bleiben steuerfrei, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Innerhalb dieser Frist sind sie mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern, sobald der Gesamtgewinn des Jahres die Freigrenze überschreitet. Der Tausch in einen Stablecoin ist dabei kein Parken, sondern eine Veräußerung, und für den neu erhaltenen Stablecoin beginnt eine eigene Haltefrist.

Daran hängt mehr, als es zunächst scheint. Wer bei fallenden Kursen in einen Euro-Token flüchtet und später zurücktauscht, hat zweimal ein steuerlich relevantes Geschäft ausgelöst und seine Haltefrist auf die ursprüngliche Position verloren. Wer einen Stablecoin zum Bezahlen einsetzt, löst ebenfalls eine Veräußerung aus; wie das bei Kartenzahlungen aussieht, steht in unserem Text dazu, warum jede Zahlung mit der Krypto-Kreditkarte ein Verkauf ist. Wie die Haltefrist für Bitcoin im Einzelfall läuft, hängt am Kaufdatum jeder einzelnen Position. Belege und Zeitpunkte verwaltest du mit einem Werkzeug aus unserem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools leichter als mit einer Tabelle.

Unsere Einschätzung zur Stabilität in der EU

Aus Sicht der Redaktion verschiebt MiCA das Risiko, statt es abzuschaffen. Die Belege dafür stehen in der Verordnung selbst: Der Forderungsanspruch nach Artikel 49 Absatz 2, die Rückzahlung zum Nennwert nach Absatz 4, die Gebührenfreiheit nach Absatz 6 und die mindestens 30 Prozent auf gesonderten Bankkonten nach Artikel 54 sind harte, einklagbare Pflichten, die kein algorithmischer Token von 2022 hatte. Zugleich bleibt ein Rest, den kein Gesetz regelt: Der Markt kann jeden Token kurzzeitig unter seine Marke drücken, und wenn dieser Preis bei deinem Anbieter als Grundlage für Liquidationen dient, trägst du den Schaden, obwohl die Deckung steht. Dagegen spricht, dass die gemessenen Abweichungen an diesem Morgen bei allen vier geprüften Token unter 0,1 Prozent liegen – die Konstruktionen halten im Normalbetrieb. Für den Ausnahmebetrieb gilt weiter: Ein Totalverlust ist bei jedem Kryptowert möglich, und die Zulassung eines Emittenten ist keine Einlagensicherung.

Stablecoin-Depeg: Dein Anspruch gilt gegen den Emittenten

Die Bindung eines Stablecoins ist kein Naturgesetz, sondern eine Konstruktion aus Reserve, Rücknahme und Vertrauen. In der EU steht hinter dem Nennwert ein Forderungsanspruch, am Handelsplatz nur ein Orderbuch. Drei Schritte machen diesen Unterschied für dein Depot nutzbar:

  1. Bauweise und Zulassung klären. Sieh im Whitepaper deines Stablecoins nach, welcher der vier Bautypen dahintersteht und wer der Emittent ist. Handelst du über eine Plattform mit EU-Zulassung, findest du beide Angaben zusammen mit den Rücktauschbedingungen; eine Auswahl zugelassener Häuser steht im Vergleich der regulierten Kryptobörsen.
  2. Preisquelle deiner Börse nachlesen. Hinterlegst du Stablecoins als Sicherheit, suche in den Handelsbedingungen, welcher Preis für Liquidationen zählt. Welche Token in Deutschland überhaupt verfügbar sind, zeigt der Stablecoin-Vergleich.
  3. Haltefristen festhalten. Notiere für jeden Tausch in einen Stablecoin das Datum, denn er beendet eine Haltefrist und beginnt eine neue. Ein Werkzeug aus dem Steuer-Tool-Vergleich übernimmt die Buchführung.

(Stand: 18. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zu Stablecoins

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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