Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Ethereum-Gewinne mitnehmen oder die Haltefrist abwarten? Was der Kurssprung für deine Steuer bedeutet

Ether erreichte am 11. September 2026 den höchsten Stand seit Ende Januar, und viele fragen sich, ob sie jetzt verkaufen sollen. Die Antwort hängt in Deutschland zuerst am Kaufdatum: Wir rechnen nach, welche Tranchen steuerfrei sind und welche davon überhaupt im Gewinn stehen.

Silberne Münze mit eingeprägtem Rautensymbol lehnt an einem geöffneten Aktendeckel mit leeren Blättern, daneben Füllfederhalter und Metallstempel
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Wenn du Ethereum verkaufen willst, entscheidet in Deutschland zuerst das Kaufdatum und erst danach der Kurs. Liegt der Kauf mehr als ein Jahr zurück, bleibt der Gewinn nach § 23 des Einkommensteuergesetzes steuerfrei. Liegt er darunter, zählt der Gewinn zum steuerpflichtigen Einkommen und wird mit deinem persönlichen Steuersatz belastet. Genau deshalb ist die Frage nach dem Kurssprung vom 11. September 2026 keine Chartfrage, sondern eine Kalenderfrage: Welche deiner Einheiten sind alt genug, und welche davon stehen überhaupt im Gewinn? Dieser Text rechnet beides durch, mit dem Gesetzestext, dem Schreiben der Finanzverwaltung und einer eigenen Auswertung der Tageskurse von Ethereum aus zwei Jahren.

Was am 11. September passiert ist und warum daraus eine Steuerfrage wird

Am 11. September 2026 stieg Ether an der Börse Kraken bis auf 2.664,81 US-Dollar im Tageshoch. Das war der höchste Stand seit dem 31. Januar 2026, als der Kurs zuletzt 2.710,35 Dollar erreichte. Gemessen an den Tagesschlusskursen derselben Handelspaare liegt dazwischen kein einziger Tag mit einem höheren Schluss. Die Zahlen stammen aus der öffentlichen OHLC-Schnittstelle von Kraken, abgerufen am 14. September 2026 um 06:40 UTC; sie beschreiben den Handel an diesem einen Handelsplatz und können sich an anderen Börsen um einige Dollar unterscheiden.

Der Ausschlag hat sich seitdem zur Hälfte zurückgebildet. Zum selben Abrufzeitpunkt notierte Ether bei rund 2.519 US-Dollar und 2.179 Euro. Wer die Schlagzeile vom Achtmonatshoch liest und daraus ableitet, sein Bestand stehe jetzt auf diesem Niveau, rechnet mit einem Kurs, den es nur für wenige Stunden gab. Für die Steuer zählt ohnehin nicht das Hoch, sondern der Kurs im Moment deines Verkaufs.

Den Anstoß gaben Zuflüsse in die US-Spot-ETFs auf Ether. Der Datendienst SoSoValue wies für den 11. September netto 216,41 Millionen Dollar aus, davon 148,82 Millionen im Fonds ETHA von BlackRock; die Bitcoin-ETFs verzeichneten am selben Tag den vierten Abflusstag in Folge mit netto 13,29 Millionen Dollar. Diese Zahlen sind dem Datendienst zuzuschreiben und wurden am 12. September 2026 unter anderem von Bitcoin.com News auf Deutsch berichtet. Eine Umschichtung institutioneller Gelder ist ein Hinweis auf Nachfrage, keine Zusage für einen weiteren Kursanstieg. Wie der Bestand die Marke davor eingeordnet hat, steht in unserer Analyse zum Test des 200-Tage-Durchschnitts bei 2.100 Dollar vom 19. August 2026.

Wie lange läuft die Haltefrist bei Ethereum, und wann ist ein Verkauf steuerfrei?

Haltefrist heißt: der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung eines Wirtschaftsguts. Für Kryptowerte im Privatvermögen beträgt sie ein Jahr. Der Gesetzestext in § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 EStG spricht von Veräußerungsgeschäften bei anderen Wirtschaftsgütern, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr beträgt. Nur diese Geschäfte sind steuerbar. Alles, was länger gehalten wurde, fällt aus der Vorschrift heraus, unabhängig von der Höhe des Gewinns.

Für die Berechnung gilt die übliche Fristenrechnung des Bürgerlichen Gesetzbuchs: Der Anschaffungstag selbst zählt nicht mit, die Jahresfrist endet mit Ablauf des Tages, der dem Anschaffungstag entspricht. Wer am 13. September 2025 gekauft hat, konnte am 14. September 2026 steuerfrei verkaufen. Wer am 14. September 2025 gekauft hat, muss bis zum 15. September 2026 warten. Ein einziger Tag entscheidet hier über den vollen Steuerzugriff, und zwar als Alles-oder-nichts-Schwelle ohne jede anteilige Abstufung.

Was als Veräußerung gilt

Nicht nur der Verkauf gegen Euro löst die Prüfung aus. Auch der Tausch von Ether in einen anderen Coin oder in einen Stablecoin ist eine Veräußerung, ebenso das Bezahlen einer Ware oder Dienstleistung mit Ether. Das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 6. März 2025 setzt für den Tausch gegen Waren und Dienstleistungen den in Euro vereinbarten Preis als Veräußerungserlös an und greift hilfsweise auf den Marktkurs zurück. Wer seinen Bestand über einen Stablecoin parkt, um später zurückzutauschen, hat den steuerlichen Vorgang damit bereits ausgelöst und startet für den neuen Bestand eine neue Jahresfrist.

Die Freigrenze von 1.000 Euro: Was sie schützt und wo sie kippt

Für steuerpflichtige Verkäufe innerhalb der Jahresfrist gibt es eine Freigrenze, also einen Schwellenwert, bei dessen Überschreiten der gesamte Betrag steuerpflichtig wird. Nach § 23 Absatz 3 Satz 5 EStG bleiben Gewinne steuerfrei, wenn der aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielte Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 1.000 Euro betragen hat. Das Wort weniger ist wörtlich zu nehmen: Bei 999 Euro Gewinn zahlst du nichts, bei exakt 1.000 Euro wird der volle Betrag steuerpflichtig, nicht nur der Euro darüber.

Zwei Feinheiten werden regelmäßig übersehen. Erstens gilt die Grenze für alle privaten Veräußerungsgeschäfte des Jahres zusammen, also auch für den Goldverkauf oder den Gewinn aus einem anderen Coin. Zweitens ist sie ein Jahresbetrag: Wer im Dezember und im Januar je 900 Euro Gewinn realisiert, bleibt zweimal darunter. Wer beides in denselben Dezember legt, liegt darüber. Ein Steuerbericht, wie ihn die Anbieter aus unserem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker ausgeben, zeigt diese Jahressumme vor dem Verkauf an, und genau darauf kommt es bei der Planung an.

Stahlpinzette hebt die vorderste, matt patinierte Goldmünze aus einer Reihe spiegelblanker Münzen in einer schwarzen Samtschatulle
Die Verwendungsreihenfolge bestimmt, welche Einheit steuerlich als verkauft gilt: In der Regel geht die zuerst angeschaffte zuerst.

FIFO, Durchschnittsmethode, Einzelbetrachtung: Welche Ether das Finanzamt verkauft

Wer über Monate hinweg gekauft hat, besitzt keine einheitliche Position, sondern viele Tranchen mit unterschiedlichen Kaufdaten und Kaufkursen. Welche davon beim Verkauf als veräußert gilt, regelt die Verwendungsreihenfolge. Das BMF-Schreiben vom 6. März 2025 stellt in Randnummer 61 den Grundsatz der Einzelbetrachtung voran: Lässt sich die einzelne Einheit konkret zuordnen, ist sie maßgeblich. Ist das nicht möglich, gelten für die Haltefrist die zuerst angeschafften Kryptowerte einer Handelsbezeichnung als veräußert, und für die Wertermittlung ist die Durchschnittsmethode anzuwenden. Aus Vereinfachungsgründen darf auch bei der Wertermittlung unterstellt werden, dass die zuerst angeschafften Einheiten zuerst veräußert wurden. Das ist das Verfahren FIFO, kurz für First in, First out.

Entscheidend für die Praxis ist ein Satz, der in derselben Randnummer steht: Es gilt eine walletbezogene Betrachtung. Jede Wallet und jedes Börsenkonto wird also für sich betrachtet. Die einmal gewählte Methode ist innerhalb einer Wallet beizubehalten, bis alle Einheiten dieser Handelsbezeichnung dort vollständig veräußert sind; erst danach und nach einem Neuerwerb darf gewechselt werden. Für Coins mit abweichender Handelsbezeichnung in derselben Wallet besteht jeweils ein gesondertes Wahlrecht.

Was daraus praktisch folgt

Die walletbezogene Sicht ist eine Stellschraube, die viele gar nicht kennen. Liegen die alten, steuerfreien Ether auf einer Hardware-Wallet und die jungen, steuerpflichtigen auf dem Börsenkonto, greift ein Verkauf auf der Börse nur auf den dortigen Bestand zu. Die Frist der alten Einheiten bleibt davon unberührt. Umgekehrt entsteht ein Problem, wenn du alles auf einer einzigen Adresse zusammenführst: Dann mischen sich die Tranchen, und die Reihenfolge bestimmt, was verkauft wird. Wer umschichtet, sollte diese Bewegungen dokumentieren; das Schreiben verlangt in Randnummer 103 ausdrücklich eine Dokumentation von Umschichtungen innerhalb von Wallets zur walletbezogenen Anwendung der Durchschnitts- oder FiFo-Methode.

Nachgerechnet: Welche Ethereum-Käufe heute überhaupt im Plus liegen

Die Entscheidung zwischen Verkaufen und Abwarten hängt an einer Frage, die selten gestellt wird: Steht die steuerfreie Tranche überhaupt im Gewinn? Für diesen Artikel haben wir die täglichen Schlusskurse des Paares Ether gegen Euro von Kraken ausgewertet, abgerufen am 14. September 2026 um 06:40 UTC. Das Fenster der Schnittstelle reicht 721 Handelstage zurück, also bis zum 24. September 2024. Verglichen wurde jeder Tagesschluss mit dem aktuellen Kurs von rund 2.179 Euro. Die Methode ist bewusst grob und unterstellt einen Kauf zum jeweiligen Tagesschluss, Gebühren bleiben außen vor.

Das Ergebnis ist eindeutig. Von den 355 Kauftagen im Fenster vom 24. September 2024 bis zum 13. September 2025, also jenen Tagen, deren Jahresfrist heute abgelaufen ist, liegen nur 89 unter dem heutigen Kurs. Das sind 25 Prozent. Drei von vier steuerfreien Kauftagen stehen also aktuell im Minus. Im darauffolgenden Fenster vom 14. September 2025 bis zum 13. September 2026, dessen Käufe noch steuerpflichtig sind, liegen 225 von 365 Tagen unter dem heutigen Kurs, also 62 Prozent.

Den Grund liefert der Kursverlauf selbst. Im September 2025 kostete ein Ether zwischen 3.324 und 4.014 Euro, der Median lag bei 3.686 Euro. Wer damals gekauft hat, liegt heute rund 41 Prozent im Minus. Der Tiefpunkt des Fensters fiel dagegen in den Sommer 2026, und diese günstigen Käufe sind noch keine zwölf Monate alt.

Die Falle: Steuerfrei ist meist genau die Tranche, die im Minus steht

Aus den beiden Zahlenreihen folgt eine unangenehme Konstellation, die viele Depots gerade betrifft. Die Einheiten, die du steuerfrei verkaufen könntest, hast du überwiegend teuer gekauft. Die Einheiten, die im Gewinn stehen, sind überwiegend jung und damit steuerpflichtig. Wer also hört, er könne nach einem Jahr steuerfrei verkaufen, und daraufhin zur ältesten Tranche greift, realisiert in vielen Fällen einen Verlust und verschenkt zugleich die Steuerfreiheit, die er sich über zwölf Monate erarbeitet hat.

Ein Verlust aus einem steuerfreien Verkauf ist steuerlich wertlos: Was außerhalb der Jahresfrist liegt, ist schlicht nicht steuerbar, weder im Gewinn noch im Verlust. Ein Verlust innerhalb der Frist dagegen lässt sich verrechnen, allerdings nur eng begrenzt. § 23 Absatz 3 Satz 7 EStG erlaubt den Ausgleich nur bis zur Höhe des Gewinns aus privaten Veräußerungsgeschäften desselben Kalenderjahres; ein Abzug von anderen Einkünften ist ausgeschlossen. Nach Satz 8 bleibt der Rücktrag in das Vorjahr und der Vortrag in die Folgejahre, jeweils wieder nur gegen private Veräußerungsgeschäfte.

Die Prüfreihenfolge vor dem Verkauf

Sinnvoll ist deshalb eine Reihenfolge, die mit dem Kalender beginnt und erst am Ende auf den Kurs schaut. Erstens: Welche Tranchen sind älter als ein Jahr, und auf welcher Wallet liegen sie? Zweitens: Wie hoch ist der Einstandskurs dieser Tranchen, stehen sie im Gewinn oder im Verlust? Drittens: Wie viel Gewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften hast du in diesem Kalenderjahr bereits realisiert, und wo stehst du zur Freigrenze von 1.000 Euro? Erst danach ist die Frage nach dem Kursniveau überhaupt sinnvoll zu beantworten. Dieselbe Rechnung hat unsere Redaktion am 24. August 2026 für XRP aufgemacht, damals nach einem Wochenplus von 53 Prozent; die Struktur der Entscheidung ist dieselbe, nur die Zahlen sind andere.

Was ein Verkauf innerhalb der Frist tatsächlich kostet

Der Gewinn aus einem steuerpflichtigen Verkauf wird nicht mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent belastet, wie es bei Zinsen oder Dividenden der Fall wäre. Er zählt als sonstige Einkünfte nach § 22 Nummer 2 in Verbindung mit § 23 EStG zum zu versteuernden Einkommen und wird mit dem persönlichen Steuersatz belegt, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Wer bereits im Spitzensteuersatz liegt, verliert also deutlich mehr als ein Viertel des Gewinns, wer wenig verdient, entsprechend weniger.

Der Gewinn selbst ist nach § 23 Absatz 3 Satz 1 EStG der Unterschied zwischen Veräußerungspreis einerseits und Anschaffungskosten sowie Werbungskosten andererseits. Transaktionsgebühren beim Kauf und beim Verkauf senken den steuerpflichtigen Gewinn also, wenn du sie belegen kannst. Bei einem Verkauf über eine Börse steht die Gebühr in der Abrechnung; bei einem Verkauf aus der eigenen Wallet heraus gehört die Netzgebühr dazu. Welche Handelsplätze welche Gebühren nehmen, hängt stark vom Volumen ab und ändert sich laufend.

Rotes Wachssiegel ohne Prägebild auf dunklem Büttenpapier neben einem Messing-Siegelstempel und einer Goldmünze mit Rautensymbol
Maßgeblich ist der Gesetzestext und das Schreiben der Finanzverwaltung, nicht die Kursmeldung des Tages.

Staking und Lending: Verlängert sich die Frist auf zehn Jahre?

Diese Sorge geistert seit Jahren durch Foren, und sie hat einen realen Hintergrund. § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG verlängert den Zeitraum auf zehn Jahre, wenn aus der Nutzung eines Wirtschaftsguts zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden. Übertragen auf Krypto hieße das: Wer seine Ether verstakt oder verleiht und dafür Belohnungen kassiert, müsste zehn Jahre warten.

Die Finanzverwaltung hat das ausgeräumt. Das BMF-Schreiben vom 6. März 2025 sagt in Randnummer 63 wörtlich: Bei Currency oder Payment Token kommt die Verlängerung der Veräußerungsfrist nach § 23 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Satz 4 EStG nicht zur Anwendung. Für Ether als Währungs- und Zahlungstoken bleibt es damit bei der Jahresfrist, auch wenn die Einheiten zwischenzeitlich Erträge gebracht haben.

Getrennt davon zu betrachten sind die Belohnungen selbst. Diese Erträge zählen als eigene Einkünfte, und die dabei zugeflossenen Einheiten gelten als angeschafft. Für sie beginnt eine eigene Jahresfrist ab dem Tag des Zuflusses, bewertet mit dem Marktkurs zu diesem Zeitpunkt. Wer wöchentlich Staking-Erträge erhält, sammelt damit wöchentlich neue Tranchen mit eigenen Fristen an. Welche Anbieter wie viel von dieser Belohnung einbehalten, hat unsere Redaktion am 12. September 2026 für vierzehn Anbieter aufgeschlüsselt.

Was der Entwurf mit dem Stichtag 31. Dezember 2026 ändern würde

Über die Zukunft der Haltefrist wird derzeit politisch gestritten. Berichtet wird über einen Entwurf aus dem Bundesfinanzministerium, der einen Stichtag zum 31. Dezember 2026 vorsieht: Für danach angeschaffte Kryptowerte soll die einjährige Frist entfallen, für vorher angeschaffte Bestände soll es beim geltenden Recht bleiben. Beschlossen ist davon nichts. Solange kein Gesetz im Bundesgesetzblatt steht, gilt § 23 EStG in der heutigen Fassung, und genau nach dieser Fassung rechnest du deinen Verkauf in diesem Jahr ab.

Für deine Entscheidung heute heißt das zweierlei. Erstens ist ein Verkauf, der allein wegen einer möglichen Gesetzesänderung vorgezogen wird, eine Wette auf einen Entwurf. Zweitens wäre ein solcher Bestandsschutz ein Argument dafür, bestehende Tranchen gerade nicht aufzulösen, weil ein neu gekaufter Ersatzbestand unter das neue Recht fallen könnte. Wie sich die Debatte seit dem Sommer entwickelt hat, hat unsere Redaktion am 8. September 2026 im Artikel zum Bestandsschutz und zum Stichtag nachgezeichnet.

Freigrenze, Verluste, Jahreswechsel: Die drei Stellschrauben

Wenn die Entscheidung für einen Teilverkauf gefallen ist, bleiben drei Größen, die du selbst steuerst. Die erste ist der Zeitpunkt im Kalenderjahr. Weil die Freigrenze für jedes Kalenderjahr neu gilt, kann die Aufteilung eines Verkaufs über den Jahreswechsel den steuerpflichtigen Gewinn in zwei Jahre schieben und zweimal unter der Grenze bleiben lassen. Die zweite ist die Wallet, aus der du verkaufst, weil die Verwendungsreihenfolge walletbezogen greift. Die dritte ist die Verrechnung mit Verlusten aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften desselben Jahres, die nach § 23 Absatz 3 Satz 7 EStG ausdrücklich möglich ist.

Zwei Dinge sind dagegen keine Stellschrauben. Ein Wechsel der Börse ändert nichts an der Frist, weil die Anschaffung zählt und nicht der Aufbewahrungsort. Und ein Übertrag auf eine andere eigene Adresse ist keine Veräußerung, setzt die Frist also weder zurück noch beendet er sie; er kann aber die Zuordnung der Tranchen erschweren, wenn er nicht dokumentiert ist.

Welche Unterlagen du für den Verkauf brauchst

Die Nachweispflicht liegt bei dir. Das BMF-Schreiben listet in den Randnummern 102 und 103 auf, was die Finanzämter anfordern können. Dazu gehören der Anschaffungszeitpunkt, die angeschaffte Menge und die Art des Anschaffungsvorgangs, die Anschaffungs- und Nebenkosten in Euro, der Veräußerungszeitpunkt mit Menge und Handelsplattform, der Veräußerungserlös und die Veräußerungskosten in Euro sowie der herangezogene Marktkurs samt Quelle, falls nicht in Euro gehandelt wurde. Ausdrücklich verlangt wird außerdem die Dokumentation der gewählten Verwendungsreihenfolge je Wallet und die Dokumentation von Umschichtungen zwischen Wallets.

Praktisch heißt das: Der Steuerbericht ist kein nachträglicher Papierkram, sondern die Voraussetzung dafür, dass du die Steuerfreiheit einer alten Tranche überhaupt belegen kannst. Wer Kaufbelege aus dem Jahr 2021 nicht mehr hat, weil die Börse inzwischen geschlossen ist, steht im Zweifel ohne Nachweis da. Die Kontoauszüge des Bankkontos, von dem das Geld damals abging, helfen als Hilfsbeleg oft weiter.

Wann sich ein Verkauf trotz Steuer lohnen kann

Die Steuer ist ein Kostenfaktor, kein Verbot. Es gibt Fälle, in denen ein steuerpflichtiger Verkauf die vernünftigere Entscheidung ist. Wer einen Kredit mit hohen Zinsen bedient, verdient mit der Tilgung sicher, während der Kurs offen ist. Wer eine einzelne Position so groß hat, dass ein Rückgang um die Hälfte seine Lebensplanung berührt, kauft mit der Steuer Ruhe. Und wer Geld für eine feste Ausgabe in wenigen Monaten braucht, sollte es nicht in einem Vermögenswert liegen lassen, der in diesem Jahr zwischen 1.405 und 2.881 Euro geschwankt hat.

Umgekehrt ist die pauschale Regel, Gewinne nach einem Anstieg grundsätzlich mitzunehmen, in Deutschland teuer, solange die Jahresfrist noch läuft. Zwischen einem steuerpflichtigen Verkauf heute und einem steuerfreien Verkauf in einigen Monaten liegt bei einem persönlichen Steuersatz von 42 Prozent fast die Hälfte des Gewinns. Diese Differenz muss der Kurs erst einmal einbringen.

Ethereum-Gewinne und Haltefrist: Was du daraus mitnimmst

  1. Kaufdaten vor Kursen prüfen. Zieh dir eine Liste deiner Tranchen mit Datum, Menge und Einstandskurs je Wallet und markiere, welche älter als ein Jahr sind. Ein Steuerbericht aus dem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker liefert diese Übersicht in wenigen Minuten und dokumentiert zugleich die gewählte Verwendungsreihenfolge.
  2. Aus der richtigen Wallet verkaufen. Entscheide bewusst, welcher Bestand veräußert wird, und rechne die Gebühren des Handelsplatzes in die Rechnung ein; die Konditionen unterscheiden sich deutlich, ein Blick in den Vergleich der besten Krypto-Börsen lohnt vor der Order.
  3. Den Rest planvoll weiterlaufen lassen. Wer nicht vollständig aussteigen will, legt für den verbleibenden Bestand fest, wann die nächsten Tranchen frei werden, und führt laufende Käufe geordnet weiter; wie ein regelmäßiger Kauf aufgesetzt wird, zeigt der Vergleich der Sparplan-Anbieter.

Die Rechtslage beschreibt dieser Text nach dem Gesetzestext und dem Schreiben der Finanzverwaltung; eine steuerliche Beratung im Einzelfall ersetzt er nicht. Wer mehrere Wallets, Staking-Erträge und Käufe aus mehreren Jahren zusammenbringen muss, ist mit einer steuerberatenden Person günstiger dran als mit einer Schätzung.

Quellen im Volltext: der Gesetzestext zu § 23 EStG und das BMF-Schreiben vom 6. März 2025 zu Einzelfragen der ertragsteuerrechtlichen Behandlung bestimmter Kryptowerte.

(Stand: 14. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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