Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung dar. Die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen hängt von den persönlichen Umständen, der Art und dem Zeitpunkt der jeweiligen Transaktionen sowie der geltenden Rechtslage ab. Bei konkreten Fragen, nicht erklärten Krypto-Einkünften oder komplexen Sachverhalten sollte eine entsprechend qualifizierte und zur Steuerberatung befugte Fachperson konsultiert werden.

Krypto-Steuern erst bei Auszahlung? Wann die Steuer wirklich entsteht

Die Steuer auf Krypto-Gewinne entsteht nicht bei der Auszahlung aufs Bankkonto, sondern beim Verkauf, Tausch oder Bezahlen innerhalb eines Jahres. Welche Tauschfälle zählen, zeigt ein Rechenbeispiel mit Tageskursen 2026.

Zwei Hände tauschen über einer dunklen Steinfläche eine goldene Bitcoin-Münze gegen eine silberne Ether-Münze
Symbolbild, mit KI erzeugt: Schon der Tausch von Coin gegen Coin ist steuerlich ein Verkauf.
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10 Min. Lesezeit
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Aktualisiert am 22. Oktober 2026: neu gefasst mit den Tauschfällen, einem Rechenbeispiel zu Tageskursen 2026 und dem Stand der geplanten Reform. Korrigiert: Für die Höhe des Gewinns lässt das BMF-Schreiben neben FIFO auch die Durchschnittsmethode zu.

Krypto-Steuern entstehen nicht erst bei der Auszahlung aufs Bankkonto. Steuerpflichtig wird ein Gewinn in dem Moment, in dem du Bitcoin, Ether oder einen anderen Coin innerhalb eines Jahres nach dem Kauf verkaufst, gegen einen anderen Coin tauschst oder damit bezahlst. Das ist ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Einkommensteuergesetz. Die spätere Überweisung der Euro auf dein Girokonto löst keine Steuer aus und verschiebt den Gewinn auch nicht ins nächste Jahr.

Das gilt für 2026 und für deine nächste Steuererklärung. Ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums vom 30. September 2026 will Kryptowerte, die nach dem 31. Dezember 2026 gekauft werden, mit 25 Prozent Abgeltungsteuer belegen. Das Bundeskabinett hat ihn am 14. Oktober 2026 nicht beschlossen. Den laufenden Stand hält unser Überblick zur Krypto-Haltefrist-Reform fest, die Grundlagen stehen im Ratgeber Krypto Steuer in Deutschland.

Das Wichtigste in Kürze

  • Steuer beim Verkauf und Tausch: Verkauf, Tausch und Bezahlen innerhalb von zwölf Monaten sind steuerpflichtig, die Auszahlung in Euro ist es nicht.
  • Krypto gegen Krypto zählt: Als Erlös gilt der Marktkurs der erhaltenen Coins im Tauschzeitpunkt (BMF-Schreiben vom 6. März 2025, Randnummer 58).
  • Neue Frist nach jedem Tausch: Für den erhaltenen Coin beginnt die Jahresfrist am Tauschtag neu (Randnummer 55).
  • 1.000 Euro Freigrenze: Liegt der Gesamtgewinn eines Jahres darunter, bleibt er steuerfrei; ab 1.000 Euro ist der ganze Gewinn steuerpflichtig.
  • Beispiel 2026: Zwei Ether, im Juli gekauft und im Oktober in Bitcoin getauscht, kosten bei 50.000 Euro Einkommen 705 Euro Steuer, auch ohne jede Auszahlung.
  • Meldung ab 2027: Krypto-Börsen melden die Umsätze des Jahres 2026 bis zum 31. Juli 2027 an das Bundeszentralamt für Steuern.

Wann Krypto-Steuern entstehen: beim Verkauf und Tausch, nicht bei der Auszahlung

Kryptowerte sind steuerlich keine Währung, sondern „andere Wirtschaftsgüter“ (Randnummer 53 des BMF-Schreibens zu Kryptowerten, gestützt auf das BFH-Urteil IX R 3/22). Steuerlich zählt deshalb jeder Vorgang, bei dem du einen Coin entgeltlich an einen Dritten abgibst: gegen Euro, gegen einen anderen Kryptowert, gegen eine Ware oder eine Dienstleistung (Randnummer 54). Die Euro, die danach auf deinem Börsenkonto liegen, sind bereits das Ergebnis dieses Verkaufs. Wann du sie aufs Girokonto überweist, ändert an der Steuer nichts.

Vorganginnerhalb von zwölf Monaten nach dem Kaufnach mehr als zwölf Monaten
Kauf mit Eurokeine Steuer, die Frist beginntkeine Steuer
Verkauf gegen Eurosteuerpflichtigsteuerfrei
Tausch gegen einen anderen Coin, etwa Bitcoin in Ethersteuerpflichtig, neue Frist für den erhaltenen Coinsteuerfrei, neue Frist für den erhaltenen Coin
Tausch in einen Stablecoin, etwa Ether in USDCsteuerpflichtigsteuerfrei
Stablecoin gegen Euro, etwa USDT in Eurosteuerpflichtig, auch Gewinne aus dem Dollarkurssteuerfrei
Bezahlen einer Ware, einer Leistung oder eines NFTsteuerpflichtigsteuerfrei
Übertrag zwischen eigenen Wallets und Börsenkontenkeine Steuer, die Frist läuft weiterkeine Steuer
Auszahlung der Euro aufs Bankkontokeine Steuerkeine Steuer
Staking- oder Lending-Ertrag erhaltensonstige Einkunft beim Zufluss nach § 22 Nr. 3 EStG, eigene Freigrenze 256 Euro, mehr im Ratgeber Staking Steuern

Krypto-Tausch: Warum schon Bitcoin gegen Ether Steuer auslöst

Viele Anleger rechnen erst mit Steuer, wenn Euro fließen. Das Steuerrecht sieht im Tausch aber zwei Geschäfte zugleich: Du verkaufst den hingegebenen Coin und kaufst den neuen. Als Verkaufserlös setzt das Finanzamt den Marktkurs der erhaltenen Coins im Tauschzeitpunkt an (Randnummer 58). Der Marktkurs der hingegebenen Coins bildet zugleich die Anschaffungskosten des neuen Coins, die Gebühren des Tauschs ziehst du als Werbungskosten ab (Randnummer 59).

Daraus folgen drei Regeln für jeden Tausch innerhalb der Jahresfrist:

  • Der Gewinn oder Verlust des alten Coins ist im Jahr des Tauschs realisiert, auch wenn du nie Euro siehst.
  • Für den neuen Coin beginnt am Tauschtag eine neue Jahresfrist (Randnummer 55). Maßgeblich sind die Zeitpunkte, die deine Börse aufzeichnet.
  • Ein Verlust beim Tausch ist ebenso realisiert und mindert andere Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften desselben Jahres.

Tauschfälle, die beim Thema Auszahlung oft übersehen werden

Tausch in einen Stablecoin

Ein Stablecoin wie USDC oder USDT ist kein Euro, sondern ein Kryptowert (Randnummer 1). Wer bei hohen Kursen „in Stablecoins parkt“, verkauft innerhalb der Jahresfrist steuerpflichtig. Weil USDT und USDC an den US-Dollar gebunden sind, schwankt außerdem ihr Wert in Euro: 1.000 USDT kosteten am 5. Januar 2026 853,90 Euro und brachten am 20. Oktober 2026 890,70 Euro (Tageskurse von CoinMarketCap). Die 36,80 Euro Gewinn zählen zum Gesamtgewinn des Jahres.

Bezahlen mit Krypto und NFT-Kauf

Bezahlst du eine Ware oder Dienstleistung mit Krypto, gilt der vereinbarte Preis in Euro als Erlös der hingegebenen Coins (Randnummer 60). Kaufst du mit Ether ein NFT, gibst du steuerlich ebenfalls Ether hin und realisierst dessen Wertzuwachs seit dem Kauf.

Übertrag auf die eigene Wallet

Schickst du Coins von der Börse auf deine Hardware-Wallet oder zurück, wechselt kein Eigentümer. Eine Veräußerung setzt die Übertragung auf einen Dritten voraus (Randnummer 54), deshalb fällt keine Steuer an und die Haltefrist läuft weiter. Halte den Übertrag trotzdem fest, damit du später zeigen kannst, dass es dieselben Coins sind.

Zeitstrahl: Kauf von 2 ETH am 1. Juli 2026 ohne Steuer, Tausch in Bitcoin am 1. Oktober mit 1.989 Euro steuerpflichtigem Gewinn, Verkauf am 20. Oktober mit 51 Euro Verlust, Auszahlung im Januar 2027 ohne Steuer

Rechenbeispiel: Ether getauscht, Euro erst 2027 ausgezahlt

Lena kauft am 1. Juli 2026 zwei Ether zum Tageskurs von 1.375,39 Euro, zusammen 2.750,78 Euro. Am 1. Oktober 2026 tauscht sie beide Ether in Bitcoin, Ether steht an diesem Tag bei 2.369,81 Euro. Am 20. Oktober verkauft sie die Bitcoin gegen Euro. Das Geld bleibt auf dem Börsenkonto, überweisen will sie es erst im Januar 2027. Grundlage sind die Tageskurse in Euro von CoinMarketCap, Gebühren sind der Übersicht halber weggelassen.

SchrittDatumRechnungErgebnis
Kauf von 2 ETH01.07.20262 × 1.375,39 EuroAnschaffungskosten 2.750,78 Euro
Tausch von 2 ETH in 0,064243 BTC01.10.2026Erlös 2 × 2.369,81 = 4.739,62 Euro, minus 2.750,78 EuroGewinn 1.988,84 Euro
Verkauf von 0,064243 BTC20.10.20260,064243 × 72.986,73 = 4.688,89 Euro, minus 4.739,62 EuroVerlust 50,73 Euro
Gesamtgewinn 20261.988,84 minus 50,73 Euro1.938,11 Euro, über der Freigrenze
Einkommensteuer daraufSteuerjahr 2026Tarif 2026, 50.000 Euro übriges Einkommen687 Euro
Auszahlung aufs BankkontoJanuar 2027Überweisung eigener Eurokeine Steuer

Für 2026 fallen 687 Euro Einkommensteuer an, ohne Kirchensteuer; ein Solidaritätszuschlag entsteht bei diesem Einkommen nicht. Hätte Lena die Bitcoin nach dem Tausch einfach behalten, wären es sogar 705 Euro gewesen, denn schon der Tauschgewinn liegt über 1.000 Euro. Hätte sie die Ether bis zum 20. Oktober gehalten, wäre 2026 keine Steuer angefallen; die zwei Ether waren an dem Tag 4.289,54 Euro wert. Deinen eigenen Fall rechnest du mit dem CryptoTicker Steuerrechner nach.

Balkendiagramm: Steuer 2026 bei 50.000 Euro Einkommen, Ether gehalten 0 Euro, Ether in Bitcoin getauscht 705 Euro, danach in Euro verkauft und 2027 ausgezahlt 687 Euro

Krypto auszahlen: Was beim Überweisen aufs Bankkonto passiert

Für das Steuerjahr zählt, wann dir der Verkaufserlös zufließt (§ 11 EStG). Bei einer Börse ist das die Gutschrift der Euro auf deinem Börsenkonto, denn ab dann kannst du über das Geld verfügen. Wer im Dezember verkauft und im Januar überweist, versteuert den Gewinn deshalb im alten Jahr. Umgekehrt bleiben Gewinne aus Coins, die du länger als ein Jahr gehalten hast, auch dann steuerfrei, wenn du das Geld erst Jahre später auszahlst.

Anders als bei Aktien behält eine Krypto-Börse in Deutschland keine Steuer ein, du erklärst die Gewinne selbst. Seit 2026 zeichnen Krypto-Dienstleister die Umsätze ihrer Kunden nach dem Kryptowerte-Steuertransparenzgesetz auf und melden sie jährlich bis zum 31. Juli an das Bundeszentralamt für Steuern (§ 9 KStTG), erstmals 2027 für das Jahr 2026. Was dabei übermittelt wird, erklärt unser Beitrag zu DAC8 und den Meldungen der Krypto-Börsen.

Bei größeren Eingängen von einer Krypto-Börse kann deine Bank nach der Herkunft des Geldes fragen. Das Geldwäschegesetz verpflichtet sie, Transaktionen zu überwachen und dabei, soweit erforderlich, die Herkunft der Vermögenswerte einzubeziehen (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG). Kauf- und Verkaufsbelege, der Steuerreport deiner Börse und die Auszüge des Börsenkontos beantworten diese Frage.

Haltefrist und Freigrenze: wann Krypto-Gewinne steuerfrei bleiben

Zwei Regeln halten Krypto-Gewinne steuerfrei. Die erste ist die Jahresfrist: Liegen mehr als zwölf Monate zwischen Kauf und Verkauf oder Tausch, ist der Gewinn nicht steuerbar, egal wie hoch er ist. Für Coins wie Bitcoin und Ether verlängert sich die Frist auch dann nicht auf zehn Jahre, wenn du sie für Staking oder Lending eingesetzt hast (Randnummer 63). Die zweite ist die Freigrenze: Liegt der Gesamtgewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften eines Jahres unter 1.000 Euro, bleibt er steuerfrei. Erreicht er 1.000 Euro, ist der ganze Betrag steuerpflichtig. Was das für Ehepaare und bei Verlusten bedeutet, zeigt unser Beitrag zur Krypto-Freigrenze von 1.000 Euro.

Krypto-Steuererklärung: So hältst du jeden Tausch fest

Für jeden Vorgang brauchst du Datum, Menge, Kurs in Euro, Plattform und Gebühren. Hast du dieselbe Sorte mehrfach gekauft, bestimmst du die verkauften Coins so: Lässt sich nicht jeder Coin einzeln zuordnen, gelten für die Haltefrist die zuerst gekauften als zuerst verkauft. Für die Höhe des Gewinns gilt dann die Durchschnittsmethode, vereinfachend darfst du auch hier nach FIFO rechnen (Randnummer 61). Die gewählte Methode gilt je Wallet und je Coin, bis der Bestand in dieser Wallet ganz verkauft ist.

Praktisch heißt das: Lade nach jedem Jahr die Transaktionsliste jeder Börse und jeder Wallet herunter. Ein Krypto-Steuer-Tool liest die Daten per Schnittstelle ein, ordnet Tauschgeschäfte zu und erstellt den Bericht für die Anlage SO. In welche Zeilen die Werte gehören, steht im Beitrag Krypto in der Steuererklärung: wo eintragen; die Schritte am Beispiel Bitcoin zeigt der Ratgeber Bitcoin versteuern.

Dieser Beitrag erklärt die Rechtslage am 22. Oktober 2026 und ist keine Steuerberatung. Für deinen Einzelfall hilft eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater.

Häufige Fragen zu Krypto-Steuern bei der Auszahlung

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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