Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Coldcard-Hersteller Coinkite vor Gericht: Worauf Besitzer jetzt achten sollten

Gegen den Coldcard-Hersteller Coinkite läuft in Ontario eine beantragte Sammelklage: Ein Firmware-Fehler soll Wiederherstellungssätze berechenbar gemacht haben, abgezogen wurden laut Klage über 140 Millionen Dollar. Was Besitzer eines betroffenen Geräts jetzt prüfen und dokumentieren sollten.

Metallener Aktenwagen mit hohen Aktenstapeln in einem leeren nächtlichen Gerichtsflur, auf dem obersten Aktendeckel das Bitcoin-Zeichen als geprägtes Relief
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Kategorien: Hacks & Sicherheit

Gegen Coinkite, den kanadischen Hersteller der Hardware-Wallet Coldcard, läuft seit dem 11. September 2026 eine beantragte Sammelklage am Ontario Superior Court of Justice. Die Klageschrift führt einen Fehler in einer Firmware vom März 2021 an, der die Wiederherstellungssätze betroffener Geräte berechenbar gemacht haben soll, und beziffert die daraus abgezogenen Bitcoin auf mehr als 140 Millionen Dollar. Bewiesen ist davon noch nichts, und als Sammelklage zugelassen ist das Verfahren auch nicht.

Für dich als Besitzer eines solchen Geräts hängt daran eine Frage, die mit dem Prozess nichts zu tun hat: Stammt dein Wiederherstellungssatz noch aus der Zeit vor August 2026? Dann entscheidet nicht das Gericht über dein Guthaben, sondern der Zeitpunkt, an dem du es bewegst.

Was in der Klageschrift steht: 140 Millionen Dollar und fünf Gerätereihen

Eingereicht hat die Klage ein Privatanleger aus Los Angeles. Er gibt an, am 6. August 2026 durch nicht autorisierte Überweisungen 1,22940052 Bitcoin verloren zu haben, nach den Angaben in der Klage damals rund 79.764 Dollar. Beklagt sind das Unternehmen Coinkite Inc. mit Sitz in Toronto und seine beiden Mitbegründer.

Die vorgeschlagene Gruppe der Klägerinnen und Kläger umfasst alle, die ein Gerät der Reihen Mk2, Mk3, Mk4, Mk5 oder Q für den privaten Gebrauch gekauft haben. Geltend gemacht werden Schadenersatz, zusätzlich Strafschadenersatz, dazu Vertragsbruch, Fahrlässigkeit und Verstöße gegen das Verbraucherschutzgesetz der Provinz Ontario. Die Gesamtsumme von mehr als 140 Millionen Dollar bezieht sich laut der Darstellung bei news.bitcoin.com auf alle bekannten Diebstähle, nicht auf den Einzelfall des Klägers.

Ein Hinweis zur Größenordnung: Die Angaben zur Schadenshöhe gehen in der Berichterstattung auseinander. Neben den 140 Millionen Dollar stehen in anderen Darstellungen 116 Millionen Dollar und eine Menge von mehr als 1.300 Bitcoin. Die Spanne bleibt hier stehen, weil keine der Zahlen aus einer gerichtlich geprüften Aufstellung kommt.

Der Firmware-Fehler: Wie aus einem Hardware-Zufallsgenerator ein Softwaregenerator wurde

Eine Hardware-Wallet erzeugt den Wiederherstellungssatz, aus dem sich alle privaten Schlüssel ableiten, aus Zufallszahlen. Je weniger vorhersagbar diese Zahlen sind, desto aussichtsloser ist jeder Versuch, den Satz zu erraten. Genau an dieser Stelle setzt der Vorwurf an.

Laut Klageschrift kam es in einem Firmware-Update vom März 2021 zu einem Fehler beim Zusammenbauen und Verknüpfen der Programmteile. Statt des vorgesehenen Zufallsgenerators im Chip habe das Gerät den Softwaregenerator Yasmarang aus MicroPython verwendet. Ein solcher Generator ist ein Rechenverfahren: Aus demselben Startwert liefert er dieselbe Zahlenfolge. Wer das Verfahren und den Startwert kennt, kann die Ausgabe nachbauen.

Fünf identische Würfel auf einer kalten Metallplatte zeigen alle dieselbe Augenzahl, harter Lichtkegel von der Seite
Ein Verfahren, dessen Ergebnis sich wiederholen lässt, erfüllt den Zweck eines Zufallsgenerators nicht mehr.

Warum ein berechenbarer Seed jeden PIN-Schutz aushebelt

Die Schutzmechanismen einer Hardware-Wallet greifen am Gerät: PIN, Selbstzerstörung des Speichers nach zu vielen Fehlversuchen, verschlossenes Gehäuse. Alle setzen voraus, dass der Angreifer das Gerät in die Hand bekommen muss. Ist der Wiederherstellungssatz dagegen berechenbar, braucht niemand das Gerät. Die Schlüssel entstehen auf einem fremden Rechner neu, und die Überweisung sieht für die Blockchain aus wie eine, die der Eigentümer selbst veranlasst hat. Das ist der Grund, warum in diesem Fall weder PIN noch Passphrase noch die Verwahrung im Safe geholfen haben.

Die Zeitleiste: 594 Bitcoin in 25 Minuten

Ausgenutzt wurde die Lücke nach den Angaben in der Klage ab dem 30. Juli 2026. In den ersten etwa 25 Minuten wurden rund 594 Bitcoin abgezogen, nach dem damaligen Kurs etwa 38 Millionen Dollar. Zum Kurs vom 25. Oktober 2026 von rund 80.700 Dollar wären dieselben Coins etwa 48 Millionen Dollar wert.

Coinkite legte die Schwachstelle am 30. Juli öffentlich offen und veröffentlichte am Tag darauf eine korrigierte Firmware. Weitere Angriffswellen folgten in den Wochen danach. Entscheidend für Betroffene ist dabei ein Punkt, der leicht untergeht: Das Update allein hat nichts gerettet. Es verhindert, dass neue Wiederherstellungssätze fehlerhaft entstehen. Bereits erzeugte Sätze bleiben berechenbar, solange sie in Gebrauch sind. Wer schützen wollte, was auf dem Gerät lag, musste einen neuen Satz erzeugen und die Coins auf neue Adressen überweisen. Wie dieser Weg abläuft, haben wir im Artikel zum Firmware-Update 5.6.1 vom 22. August 2026 beschrieben.

Mai 2025: Der Vorwurf, der die Klage trägt

Der technische Fehler allein wäre ein Unglück. Zu einem Rechtsstreit wird er durch einen zweiten Vorwurf. Die Klageschrift benennt den Bitcoin-Entwickler James O'Beirne, der das Unternehmen bereits im Mai 2025 auf die Schwachstelle hingewiesen haben soll. Trifft das zu, lagen zwischen Warnung und erstem Diebstahl mehr als vierzehn Monate. Diese Darstellung ist bislang eine Behauptung der Klägerseite und gerichtlich nicht geprüft.

Einen zweiten Punkt macht die Klage daneben auf: Coinkite habe betroffene Kunden nicht direkt benachrichtigt, obwohl Kontaktdaten vorlagen. Öffentliche Offenlegung über einen Blog erreicht erfahrungsgemäß nur einen Teil der Käuferschaft, und bei einem Gerät, das seinen Zweck darin hat, über Jahre unberührt im Schrank zu liegen, ist dieser Teil klein.

Zur Haltung des Unternehmens gehört beides: Geschäftsführer Rodolfo Novak hat laut dem Bericht der Globe and Mail vom 24. Oktober 2026 öffentlich die volle Verantwortung für den Firmware-Fehler übernommen und sich bei den Betroffenen entschuldigt. Zum laufenden Verfahren äußert sich Coinkite nicht; ein vollständiger Untersuchungsbericht ist angekündigt.

Betroffene Modelle: Mk2 bis Q, und wen die Gruppe nicht umfasst

Die Klage benennt die Reihen Mk2, Mk3, Mk4, Mk5 und Q, beschränkt auf Käufe für den privaten Gebrauch. Gewerbliche Käufer stehen also außerhalb der vorgeschlagenen Gruppe und müssten ihre Ansprüche einzeln verfolgen.

Die Modellbezeichnung allein sagt aber noch nicht, ob dein Guthaben je gefährdet war. Es kommt auf den Zeitpunkt an, zu dem der Wiederherstellungssatz auf dem Gerät entstanden ist. Sätze, die vor dem fehlerhaften Update vom März 2021 erzeugt wurden, entstanden mit dem vorgesehenen Verfahren. Sätze aus der Zeit danach fallen in den Verdachtsbereich. Wer seinen Satz auf einem Gerät mit korrigierter Firmware neu erzeugt hat, ist aus der Sache heraus. Diese drei Fälle zu unterscheiden, ist die erste Aufgabe, bevor irgendeine rechtliche Frage interessant wird.

Noch ein Hinweis, der oft fehlt: Der Fehler betraf die Erzeugung des Wiederherstellungssatzes, nicht das Unterschreiben von Überweisungen. Hast du deinen Satz an einer anderen Stelle erzeugt, etwa mit Würfeln oder auf einem anderen Gerät, und ihn nur in die Coldcard eingegeben, dann hat der Softwaregenerator ihn nie berührt.

Ontario Superior Court: Was eine beantragte Sammelklage ist und was nicht

Im kanadischen Recht beginnt eine Sammelklage mit einem Antrag. Ein Gericht muss sie erst zulassen, also feststellen, dass die Ansprüche sich für eine gemeinsame Verhandlung eignen. Diese Zulassung steht hier aus. Bis dahin gibt es keine Gruppe im rechtlichen Sinn, keine Frist für eine Anmeldung und keinen Anspruch, den jemand beziffern könnte.

Zugelassene Sammelklagen funktionieren in Ontario zudem nach dem Grundsatz, dass Betroffene automatisch zur Gruppe gehören und aktiv austreten müssen, wenn sie eigene Wege gehen wollen. Praktisch heißt das: Jetzt ist nichts zu tun und nichts zu versäumen. Was sinnvoll ist, geschieht ohnehin unabhängig vom Gericht, und darauf kommt dieser Text gleich zurück.

Edelstahlplatte mit leeren eingestanzten Rasterfeldern, daneben Prägestempel und Hammer auf einer Werkbank
Ein neuer Wiederherstellungssatz ist die Handlung, die unabhängig von jedem Urteil wirkt.

Haftungsausschluss gegen Verbraucherschutz: der eigentliche Streitpunkt

Hersteller von Hardware-Wallets begrenzen ihre Haftung in den Verkaufsbedingungen üblicherweise sehr weitgehend, oft auf den Kaufpreis des Geräts. Genau diese Begrenzung greift die Klage an: Verbraucherschutzrecht solle solche vertraglichen Schranken für Klagen und Entschädigungen überlagern.

Daran hängt mehr als dieser Fall. Setzt sich die Klägerseite durch, wäre das ein Präzedenzfall für die Frage, wofür ein Wallet-Hersteller überhaupt einstehen muss. Scheitert sie an der Haftungsbegrenzung, bleibt es dabei, dass das Risiko eines Softwarefehlers in der Selbstverwahrung beim Halter liegt. Die Fachmeinungen zur Erfolgsaussicht gehen bislang weit auseinander, und eine Prognose wäre an dieser Stelle geraten, nicht belegt.

Können Betroffene aus Deutschland etwas unternehmen?

Gestohlen wurde bei Haltern in mehreren Ländern, und die internationale Wirtschaftskanzlei Fieldfisher weist in ihrer öffentlichen Einordnung darauf hin, dass Ansprüche deshalb in verschiedenen Rechtsordnungen verfolgt werden können. Daneben sammelt der Vermögensverwalter Thomas Braziel von 117 Partners seit August 2026 nach eigenen Angaben international Informationen von Geschädigten, um Produkthaftungsansprüche zu prüfen.

Für dich heißt das vor allem eines: Dokumentation. Wer Coins verloren hat, braucht Belege, und zwar jetzt und nicht erst, wenn irgendein Verfahren eine Anmeldefrist setzt. Dazu gehören der Kaufbeleg des Geräts samt Modellbezeichnung, der nachweisbare Zeitpunkt der Erzeugung des Wiederherstellungssatzes, die betroffenen Adressen, die Transaktionskennungen der unautorisierten Abflüsse mit Zeitstempel und die eigenen Anschaffungsdaten der Coins. Ohne diese Unterlagen ist später weder ein zivilrechtlicher Anspruch noch eine steuerliche Behandlung durchsetzbar. Eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizei kostet nichts und erzeugt ein Aktenzeichen, auf das sich spätere Schritte beziehen können.

Gestohlene Bitcoin und das Finanzamt: warum der Verlust meist nicht zählt

Hier liegt die unangenehmste Nachricht für Betroffene in Deutschland. Private Gewinne und Verluste aus Kryptowerten fallen unter die privaten Veräußerungsgeschäfte nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes. Ein Verlust ist dort nur dann einer, wenn er durch eine Veräußerung entsteht. Wer bestohlen wird, verkauft nichts.

Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums zu Kryptowerten regelt den Diebstahl nicht ausdrücklich. Nach verbreiteter Auffassung in der Fachliteratur fehlt es damit an einer Veräußerung, und ein abzugsfähiger Veräußerungsverlust entsteht regelmäßig nicht. Eine Berücksichtigung als außergewöhnliche Belastung kommt allenfalls in Ausnahmefällen in Betracht. Wo eine Verrechnung überhaupt möglich ist, geht sie ausschließlich gegen andere private Veräußerungsgewinne derselben Art, und der Anschaffungspreis muss belegt sein. Was Finanzämter in solchen Fällen tatsächlich anerkennen und welche Nachweise sie verlangen, haben wir in einem eigenen Beitrag zu gestohlenen Coins und dem Nachweis gegenüber dem Finanzamt zusammengetragen. Welche Werkzeuge die Historie dafür belastbar aufbereiten, zeigt unser Überblick zu Steuer-Tools und Portfolio-Trackern.

Das ist keine steuerliche Beratung, und der Einzelfall gehört in fachkundige Hände. Die Richtung ist aber klar genug, um sie zu kennen, bevor jemand mit einer Erstattung rechnet.

Hardware-Wallets nach diesem Fall: was sich an der Abwägung ändert

Aus dem Vorgang folgt nicht, dass Hardware-Wallets nichts taugen. Der eigentliche Punkt liegt anders: Das Vertrauen verschiebt sich von der Bauweise des Geräts auf die Qualität der Software, die darauf läuft, und auf den Umgang des Herstellers mit gemeldeten Fehlern. Beides siehst du von außen schlecht.

Daraus folgen drei Punkte, die bei der Auswahl mehr wiegen als früher. Erstens die Herkunft des Zufalls: Geräte, bei denen du den Wiederherstellungssatz mit eigenen Würfeln beisteuern kannst, machen dich unabhängig vom Generator des Herstellers. Zweitens die Aufteilung: Wer größere Bestände auf zwei Geräte verschiedener Hersteller verteilt oder eine Mehrfachsignatur einrichtet, verliert bei einem Herstellerfehler nicht alles. Drittens der Umgang mit Meldungen: Ein Hersteller, der Schwachstellen offen veröffentlicht und Kunden direkt anschreibt, ist einem vorzuziehen, der auf einen Blogbeitrag vertraut. Welche Geräte in welcher Preisklasse welche dieser Eigenschaften mitbringen, steht in unserem Vergleich der Hardware-Wallets.

Zur Einordnung des Risikos gehört auch der Vergleich mit der Alternative. Wer seine Coins auf einer Börse liegen lässt, trägt das Risiko dieser Börse, und das ist in der Vergangenheit häufiger eingetreten als ein Fehler im Zufallsgenerator einer Hardware-Wallet. Der Fall Coinkite verschiebt die Abwägung, er dreht sie nicht um.

Coldcard-Besitzer: Das Wichtigste für deine Entscheidung

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge:

  1. Entstehungszeitpunkt deines Wiederherstellungssatzes klären. Vor März 2021 erzeugt: nicht betroffen. Zwischen März 2021 und Juli 2026 erzeugt und seither unverändert: Guthaben auf einen neuen Satz überweisen, und zwar heute, nicht irgendwann. Nach dem Firmware-Update neu erzeugt: erledigt. Welches Gerät für den neuen Satz sinnvoll ist, zeigt der Vergleich der Hardware-Wallets.
  2. Umzug der Coins vorbereiten, bevor du den neuen Satz erzeugst. Du brauchst Zieladressen, die nicht aus dem alten Satz stammen, und Netzwerkgebühren in der passenden Höhe. Wer dafür zwischenzeitlich eine Handelsplattform braucht, findet die Konditionen im Überblick der Kryptobörsen; Bestände dort nur so kurz lagern, wie der Umzug dauert.
  3. Unterlagen anlegen, auch ohne Verlust. Kaufbeleg, Modellreihe, Datum der Seed-Erzeugung, alte und neue Adressen. Bei einem tatsächlichen Verlust kommen Transaktionskennungen, Zeitstempel und Anschaffungsdaten hinzu, dazu eine Strafanzeige. Für die saubere Historie und die Anschaffungsnachweise helfen Steuer-Tools und Portfolio-Tracker.

Das Verfahren in Ontario wird Jahre dauern, und niemand kann dir heute sagen, ob am Ende Geld fließt. Die zwei Handlungen, die unabhängig davon wirken, sind der neue Wiederherstellungssatz und die vollständige Dokumentation. Beide kosten einen Abend.

(Stand: 25. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zur Coldcard-Sammelklage

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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