Trezor-Hack? Diese STM32-Mail ist ein Phishing-Angriff
Eine gefälschte Sicherheitswarnung zu STM32 kam von einer echten Trezor-Adresse. Was dahintersteckt und was du tun musst, wenn du geklickt hast.

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Wenn diese Woche eine Mail mit dem Betreff "Critical Security Alert: STM32 Entropy Vulnerability" in deinem Postfach gelandet ist, offenbar von Trezor, mit dem Hinweis, dass jedes vierte Gerät einen defekten Chip verbaut hat und du sofort einen Entropie-Test im Browser durchführen sollst: Finger weg. Klick nichts an. Trezor hat diese Mail nicht verschickt.
Das Unternehmen hat am Mittwoch bestätigt, dass Angreifer Zugriff auf seine Mail-Infrastruktur hatten und darüber eine gefälschte Sicherheitswarnung an Kunden verschickt haben. Die Mail ist ein Seed-Sammler im Gewand einer Entschuldigung, und sie gehört zu den überzeugendsten Phishing-Versuchen, die die Hardware-Wallet Branche seit Jahren gesehen hat.

Was behauptet die gefälschte Trezor-Warnung?
Die Mail beginnt im Ton eines Unternehmens, das gerade eine Katastrophe eingesteht. Das Engineering-Team habe einen Hardware-Defekt in den STM32-Mikrocontrollern der Geräte gefunden, der Fehler stamme aus der Fertigung, und betroffen sei etwa jedes vierte Gerät. Der Fehler erzeuge Wiederherstellungsphrasen mit nur 40 Bit Entropie, wodurch Seeds per Brute Force knackbar würden.
Dann folgt der eigentliche Trick. Die Mail warnt ausdrücklich davor, die Wiederherstellungsphrase jemals auf einer Website einzugeben oder weiterzugeben. Zwei Absätze später fordert sie genau dazu auf: Link anklicken, "Entropie-Test" starten, BIP-39-Prüfsummen für 12, 18 und 24 Wörter abgleichen, SLIP-39-Shares validieren, Extended Public Keys exportieren.
Dieser Widerspruch ist die ganze Masche. Die Warnung schafft Glaubwürdigkeit, das Werkzeug sammelt anschließend genau das ein, wovor die Warnung gerade gewarnt hat. Wer diesen Test durchklickt, übergibt genug Material für eine leere Wallet. Und selbst ohne Seed liefert ein exportierter xpub dem Angreifer eine vollständige Übersicht über alle Adressen und Guthaben.
Warum wirkt die STM32-Masche so glaubwürdig?
Weil es diesen Fehler wirklich gab, vor sechs Wochen, nur bei einem anderen Hersteller.
Ab dem 30. Juli 2026 nutzten Angreifer eine Firmware-Schwachstelle in den Coldcard-Wallets von Coinkite aus. Ein Fehler, der im März 2021 ausgeliefert wurde, führte dazu, dass betroffene Geräte ihre Seed-Phrasen mit einer schwachen Software-Zufallsquelle statt mit dem Hardware-Zufallsgenerator erzeugten. Die effektive Entropie sank von rund 128 Bit auf teilweise nur 40 Bit. Die Angreifer zogen etwa 1.816 BTC ab, nach damaligem Kurs knapp 116 Millionen Dollar, aus mehr als 5.200 Adressen und in vier Wellen. Spätere Schätzungen liegen bei über 130 Millionen Dollar.
Und jetzt lies die Phishing-Mail noch einmal. 40 Bit Entropie. Seeds, die vor einem Stichtag erzeugt wurden. Brute-Force-Gefahr. Neuen Seed anlegen. Die Betrüger haben sich kein Szenario ausgedacht, sie haben ein dokumentiertes kopiert, den Markennamen ausgetauscht und das Ganze an eine Kundenliste geschickt, die den ganzen August über genau darüber gelesen hat. Deshalb hat es auch bei Leuten funktioniert, die Phishing sonst auf einen Blick erkennen.
Wie kam die Phishing-Mail von einer echten Trezor-Adresse?
Genau das hat die üblichen Schutzmechanismen ausgehebelt. Die Nachricht kam nicht von einer nachgebauten Domain mit vertauschtem Buchstaben. Sie kam über die echte Versand-Infrastruktur von Trezor, nachdem Angreifer einen externen Mail-Dienstleister kompromittiert hatten.
Trezor hat die im Angriff genutzte Domain abgeschaltet und untersucht nun, wie die Angreifer an die legitime Domain gekommen sind. Wallets, private Schlüssel und auf den Geräten gespeicherte Backups waren dem Unternehmen zufolge nie kompromittiert. Der Einbruch fand im Marketing-Kanal statt, nicht im Produkt.
Möglicherweise betrifft das mehr als eine Marke. Casa-Mitgründer Nick Neuman berichtete von derselben Kampagne bei Bitbox-Nutzern und vermutet einen gemeinsamen Mail-Dienstleister als Einstiegspunkt.
Was solltest du jetzt sofort tun?
Wenn du die Mail nur geöffnet und gelesen hast, ist deinem Guthaben nichts passiert. Löschen und weitermachen.
Wenn du dem Link gefolgt bist und dort Teile deiner Wiederherstellungsphrase, einen SLIP-39-Share oder deine Geräte-PIN eingegeben hast, gilt der Seed als verbrannt. Erzeuge auf einem Gerät, dem du vertraust, einen neuen Seed und schiebe alles auf die neuen Adressen. Warte nicht ab, ob etwas passiert, und verwende das alte Backup unter keinen Umständen weiter.
Wenn du einen Extended Public Key exportiert hast, ist dein Guthaben nicht direkt in Gefahr. Der Angreifer kann aber deine Bestände mitlesen und deine Adressen verknüpfen. Damit wirst du zum Ziel für Folgemaschen, inklusive Anrufen und Briefen auf Papier. Beides haben Trezor-Kunden dieses Jahr schon gemeldet.
Die Regel dahinter bleibt unverändert und sie ist die einzige, die zählt: Kein seriöser Wallet-Hersteller wird dich jemals bitten, deine Wiederherstellungsphrase in einen Browser einzugeben. Aus keinem Grund, auch nicht für einen Test, der dich angeblich schützen soll. Prüfe Ankündigungen auf trezor.io oder im verifizierten Trezor-Account auf X, und behandle unerwartete Mails grundsätzlich als feindlich, egal von welcher Adresse sie zu kommen scheinen.
Steckt dahinter ein größeres Muster?
Ja, und es geht dabei nicht um defekte Geräte.
Es ist der dritte Vorfall bei einem Trezor-Dienstleister innerhalb von vier Wochen. Ein Zwischenfall beim Logistikpartner ShipMonk im August ließ die Zahl der betroffenen Kunden bis Anfang September auf über 80.000 steigen, samt Namen, Telefonnummern und Wohnadressen. Trezor hatte bereits 2024 rund 66.000 Nutzer nach einem Einbruch ins Support-Portal warnen müssen, und Konkurrent SafePal verlor im vergangenen Monat knapp 40.000 Datensätze.
Die Hardware hält also. Was leckt, sind die Unternehmen rundherum, die die Kundendaten verwalten. Kombiniere eine geleakte Kundenliste mit einer gekaperten Versanddomain und einer echten Schwachstelle beim Wettbewerber, und du bekommst eine Phishing-Mail, die sich liest wie das Original.
Für alle, die Coins auf einer Hardware-Wallet halten, bleibt vor allem eine Erkenntnis: Ob dein Gerät sicher ist und ob deine Daten sicher sind, sind inzwischen zwei getrennte Fragen. Und nur eine davon liegt in deiner Hand.
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