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14,7 Millionen in USDD getauscht, 20 Adressen gesperrt: Das prüfst du bei deinem Stablecoin

Tether hat nach den Diebstählen bei Ledger-Käufern mehr als 20 Adressen gesperrt und rund 10 Millionen Dollar festgesetzt. Weil ein Teil der Beute in USDD getauscht wurde, zeigt der Fall genau, wie weit die Sperrfunktion eines Stablecoins reicht.

Rot-weißes Absperrband spannt sich diagonal vor einer halb offenen schweren Stahltür, daneben ein Metallschild mit eingraviertem Bitcoin-Zeichen.
11 Min. Lesezeit
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Kategorien: Hacks & Sicherheit

Nach den Wallet-Diebstählen bei Käufern eines Ledger-Händlers hat der Stablecoin-Herausgeber Tether reagiert und USDT-Adressen gesperrt. Diese Sperre greift nur zum Teil: Ein Teil der Beute wurde in den Stablecoin USDD getauscht, und dort reicht Tethers Zugriff nicht hin. Der Vorgang zeigt in aller Kürze, was eine Sperrfunktion bei Stablecoins leistet und wo sie endet. Für dein eigenes Guthaben ist das keine Nebensache, denn die Frage, wer deinen Token im Notfall anhalten kann, entscheidet zugleich, wer ihn anhalten kann, wenn es dich trifft.

Ein Stablecoin ist ein Token, dessen Kurs an eine Währung gekoppelt ist, meist an den US-Dollar. Ausgegeben wird er von einem Unternehmen, das die Deckung verwaltet und die Spielregeln des Tokens festlegt. Genau daraus entsteht die Sperrmöglichkeit, um die es hier geht.

Tether sperrt mehr als 20 Adressen und friert rund 10 Millionen Dollar ein

Tether hat nach den Diebstählen mehr als 20 Adressen auf eine Sperrliste gesetzt und dabei rund 10 Millionen Dollar in USDT festgesetzt. Das berichtet Crypto Briefing mit Bezug auf die Bewegungen der betroffenen Wallets. Die Mittel bleiben auf den Adressen liegen, lassen sich aber nicht mehr überweisen.

Technisch steckt dahinter eine Blacklist-Funktion. Diese Funktion ist im Programmcode des Tokens angelegt und erlaubt es dem Herausgeber, einzelne Adressen von Überweisungen auszunehmen. Wie weit Tether sich dieses Recht vorbehält und auf welche Vertragsklausel es sich stützt, haben wir in einem eigenen Beitrag zu Tethers Sperrklausel auseinander genommen. Der Kern: Die Entscheidung liegt beim Herausgeber, nicht bei einem Gericht und nicht beim Halter.

Die blockierte Summe ist gemessen am Gesamtschaden klein. Der Vorgang zeigt aber, dass ein zentral herausgegebener Stablecoin anders funktioniert als ein Coin ohne Herausgeber. Bei Bitcoin gibt es keine Stelle, die eine Adresse stilllegen könnte. Bei USDT gibt es sie.

SUN.io am 9. Oktober: 14,7 Millionen USDT werden zu 14,6 Millionen USDD

Am 9. Oktober wurden nach Angaben von Crypto Briefing über die Tauschplattform SUN.io rund 14,7 Millionen USDT in etwa 14,6 Millionen USDD umgetauscht. USDD ist ein eigener Stablecoin, der im Tron-Netzwerk läuft und nicht von Tether herausgegeben wird. Der Unterschied zwischen den beiden Summen ist der Abschlag, den so ein Tausch kostet.

Mit dem Wechsel des Tokens endet Tethers Zugriff. Eine Sperrliste wirkt immer nur innerhalb des Tokens, für den sie geführt wird. Sobald ein Guthaben in einen anderen Token mit einem anderen Herausgeber übergeht, ist die alte Liste bedeutungslos, auch wenn die Adresse dieselbe bleibt. Derselbe Bericht nennt für dieselben Wallets zusätzlich eine kleinere Bewegung von 2 Millionen USDT, die separat nachvollzogen wurde.

Die Blacklist-Funktion in USDT reicht nur bis zum eigenen Token

Hier liegt die Lehre des Falls, und sie gilt unabhängig davon, wie die Untersuchung ausgeht. Eine Sperre ist kein Netz über den ganzen Markt, sondern ein Ventil in einem einzelnen Strang. Wer den Strang verlässt, lässt das Ventil hinter sich. Das macht Sperrfunktionen nicht wertlos, denn ihre Wirkung tritt schnell und ohne Gericht ein. Es macht sie aber zu einem Werkzeug mit scharf begrenzter Reichweite.

Für dich als Halter dreht sich dieselbe Eigenschaft um. Ein Token, dessen Herausgeber Diebesgut einfrieren kann, kann im Grundsatz auch dein Guthaben einfrieren. Ein Token ohne diese Funktion schützt dich vor dem einen Fall und lässt dich im anderen allein. Welche Stablecoins es gibt und wie sie sich in Deckung und Kontrolle unterscheiden, ordnet unser Überblick zu Stablecoins ein.

86 bis 93 Millionen Dollar: Specter und MistTrack kommen auf verschiedene Summen

Beim Gesamtschaden gehen die Schätzungen auseinander, und das gehört zum Bild. Der On-Chain-Ermittler Specter veranschlagte die vermuteten Diebstähle zunächst auf mehr als 86 Millionen Dollar. Die Sicherheitsfirma MistTrack kam später auf Verluste näher an 90 Millionen Dollar. Beides berichtet CryptoSlate, das zugleich festhält, dass diese Schätzungen nicht bestätigt sind und die Ermittler nicht für jedes Wallet belegt haben, dass es zum selben Vorgang gehört. Crypto Briefing nennt eine Spanne von etwa 86 bis 93 Millionen Dollar aus mehr als 300 Wallets.

Diese Spanne steht hier bewusst als Spanne. Wer sie auf eine runde Zahl zusammenzieht, behauptet eine Genauigkeit, die es nicht gibt. Ledger selbst hat laut CryptoSlate keine Schadenssumme bestätigt und auch nicht mitgeteilt, wie viele Geräte überhaupt betroffen sein könnten. Den Kernfall mit dem Stand vom 9. Oktober haben wir in unserem Beitrag zum Diebstahl bei Ledger-Käufern beschrieben.

70,6 Millionen Dollar liegen noch in markierten Wallets

Der größere Teil der Beute ist nicht verschwunden, sondern sichtbar. Nach der Aufstellung von Crypto Briefing halten die markierten Wallets noch rund 70,6 Millionen Dollar. Der größte Posten sind 11.406 Ether im Wert von etwa 28 Millionen Dollar, dazu kommen 213 Bitcoin für rund 17,6 Millionen Dollar. Weiter aufgeführt sind 13,65 Millionen USDD und 10,91 Millionen USDT, von denen ein Teil gesperrt ist.

Sichtbar und unerreichbar sind zwei verschiedene Dinge

Dass jede dieser Bewegungen öffentlich nachvollziehbar ist, führt leicht zu einem Missverständnis. Offene Buchführung heißt nicht Rückholbarkeit. Eine Adresse kann markiert, beobachtet und in jedem Analysewerkzeug rot eingefärbt sein, und der Inhaber verfügt weiterhin frei über sie, solange der Token keine Sperrfunktion hat oder sie nicht genutzt wird.

Ledger untersucht den Händler CryptoBilis in Malaysia, Indonesien und den Philippinen

Ledger hat am 9. Oktober mitgeteilt, Berichten nachzugehen, nach denen Kunden Guthaben verloren haben, nachdem sie Geräte bei dem Händler CryptoBilis gekauft hatten. Das Unternehmen hat den Händler nach Darstellung von CryptoSlate gebeten, Verkauf und Versand anzuhalten. CryptoBilis wird dort als autorisierter Wiederverkäufer beschrieben, der im Verzeichnis von Ledger für Malaysia, Indonesien und die Philippinen geführt wurde.

Untersucht wird die Möglichkeit eines Angriffs über die Lieferkette. Damit ist gemeint, dass ein Gerät verändert worden sein könnte, bevor es den Käufer erreicht. Belegt ist das nach dem berichteten Stand nicht. CryptoSlate hält ausdrücklich fest, dass bislang kein bestätigter Nachweis vorliegt, der eingebaute Bauteile mit den Diebstählen verbindet. Changpeng Zhao ordnete die Lage so ein: „Based on information so far, it seems to be localized to a supply chain attack with one vendor.“ Auf Deutsch: Nach dem bisherigen Kenntnisstand sehe es nach einem auf einen Händler begrenzten Angriff über die Lieferkette aus.

Was Ledger den Käufern empfiehlt

Konkret wurde Kunden geraten, die in den letzten 90 Tagen bei diesem Händler gekauft haben: Ein noch nicht eingerichtetes Gerät soll nicht in Betrieb genommen werden. Ein bereits eingerichtetes Gerät soll geleert werden, indem das Guthaben auf ein neues Gerät mit einer frischen Recovery Phrase umzieht. Die Recovery Phrase ist die Wortfolge, aus der sich alle Schlüssel eines Wallets wiederherstellen lassen. Wer sie kennt, verfügt über das Guthaben, ganz gleich, wo das Gerät liegt.

Tornado Cash: 430 Ether verlassen die offene Nachvollziehbarkeit

Rund 430 Ether im Wert von etwa 1,07 Millionen Dollar wurden Crypto Briefing zufolge über Tornado Cash geleitet. Ein solcher Mixer wirft Einzahlungen vieler Nutzer zusammen und zahlt sie an neue Adressen aus, womit die Spur zwischen Herkunft und Ziel abbricht. Verglichen mit den 70,6 Millionen Dollar, die noch offen liegen, ist das ein kleiner Teil.

Die Richtung ist trotzdem erkennbar. Wer eine Sperrliste umgeht, indem er den Token wechselt, und wer einen Mixer nutzt, arbeitet an derselben Sache: Er sucht die Strecke, auf der weder ein Herausgeber noch ein Beobachter eingreifen kann. Genau diese Strecke gibt es, und sie ist der Grund, warum Rückholungen in solchen Fällen Teilerfolge bleiben.

Zwei Stahlrohre in einem dunklen Technikgang: am linken Rohr ist ein rotes Absperrventil zugedreht, aus dem rechten Rohr ohne Ventil schießt Wasser am offenen Flansch heraus.
Eine Sperre wirkt nur in dem Strang, der sie eingebaut hat. Wer den Strang wechselt, lässt das Ventil hinter sich.

Eigene Auszählung: USDD hat bei Kraken drei Handelspaare, USDT 55

Bleibt die Frage, ob ein deutscher Anleger mit USDD überhaupt in Berührung kommt. Wir haben dazu das Angebot einer in der Europäischen Union zugelassenen Handelsplattform ausgezählt und alle dort geführten Werte sowie alle Handelspaare durchgesehen: 856 Werte und 1.460 Paare. USDD ist dort geführt, aber mit nur drei Handelspaaren. USDT kommt auf 55 Paare, USDC auf 54. DAI und der von Ripple herausgegebene RLUSD liegen bei je fünf, PYUSD bei drei. Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 12. Oktober 2026 selbst erhoben.

Das Ergebnis ist eindeutiger, als es zunächst klingt. USDD ist erreichbar, aber ein Randwert. Die große Masse der Stablecoin-Guthaben deutscher Anleger liegt in USDT und USDC, und beide haben einen Herausgeber mit Sperrmöglichkeit. Wer seine Plattform nach Angebot und Zulassung aussucht, findet die Unterschiede in unserem Vergleich der Krypto-Börsen.

Wenn eigene USDT auf einer gesperrten Adresse liegen

Der unangenehme Fall ist nicht der des Täters, sondern der des unbeteiligten Dritten. Wer USDT von einer Adresse erhält, die später auf einer Sperrliste landet, kann mit betroffen sein, ohne etwas davon zu wissen. Eine Frist, innerhalb derer eine Sperre aufgehoben werden muss, gibt es nicht, und ein Widerspruchsverfahren im üblichen Sinn auch nicht. Was in Tethers Bedingungen dazu steht und welchen Spielraum sich das Unternehmen einräumt, steht in unserem Beitrag zur Sperrklausel bei USDT.

Praktisch heißt das: Je kürzer ein großes Stablecoin-Guthaben an einem Ort liegt, über den du nicht allein bestimmst, desto kleiner ist dieses Risiko. Ein Stablecoin ist ein Mittel zum Parken und Bezahlen. Als Lager für große Summen über lange Zeit trägt er ein Risiko, das nichts mit Kursschwankungen zu tun hat.

Versiegelter Karton und Zwischenhandel: Was eine unversehrte Verpackung nicht belegt

Der zweite Teil dieses Falls betrifft nicht den Stablecoin, sondern das Gerät. Ein Hardware-Wallet schützt den privaten Schlüssel, indem es ihn selbst erzeugt und nie herausgibt. Diese Rechnung geht nur auf, wenn der Schlüssel wirklich erst bei dir entsteht. Wurde ein Gerät vor der Auslieferung verändert oder mit einer bereits bekannten Wortfolge vorbereitet, kennt ein Dritter deine Schlüssel vom ersten Tag an, und jede Vorsicht danach läuft ins Leere.

Deshalb ist der Bezugsweg beim Kauf eine Sicherheitsfrage und keine Preisfrage. Eine unversehrte Verpackung ist dabei ein schwaches Zeichen, denn Folien und Siegel sind nachbildbar. Belastbar ist, was das Gerät bei der Einrichtung selbst tut: Es muss eine neue Wortfolge erzeugen und dich nach einer Bestätigung fragen. Ein Gerät, das eine fertige Phrase mitbringt oder sie beigelegt hat, ist in jedem Fall unbrauchbar. Worauf es bei der Auswahl sonst ankommt, steht in unserem Vergleich der Hardware-Wallets.

Zwei Hände halten über einer dunklen Werkbank ein kleines schwarzes Gerät mit dunklem Display und greifen nach einer blanken Metallplatte mit leeren eingestanzten Zeilen, daneben liegen Lupe und Pinzette.
Eine neue Recovery Phrase auf einem neuen Gerät ist der einzige Schritt, der ein mögliches Mitwissen aus der Lieferkette wirklich beendet.

Stablecoin-Sperre: Nur der eigene Herausgeber kann einfrieren

Der Fall liefert eine Regel, die über ihn hinaus gilt. Eine Sperre greift innerhalb eines Tokens und endet an seiner Grenze. Das macht USDT im Diebstahlsfall teilweise rückholbar und dein eigenes Guthaben im Grundsatz angreifbar. Drei Schritte folgen daraus.

  1. Prüfe, welcher Stablecoin bei dir liegt und wer ihn herausgibt. USDT und USDC haben einen Herausgeber mit Sperrmöglichkeit, bei anderen Token liegt die Kontrolle anders. Der Überblick zu Stablecoins zeigt, wie sich Deckung und Kontrolle unterscheiden.
  2. Prüfe den Bezugsweg deines Hardware-Wallets. Hast du in den letzten 90 Tagen bei einem Wiederverkäufer gekauft, richte das Gerät nicht blind ein. Ist es schon in Betrieb, ziehe nach Ledgers eigener Empfehlung auf ein neues Gerät mit frischer Recovery Phrase um. Welche Geräte dafür in Frage kommen, steht im Hardware-Wallet-Vergleich.
  3. Prüfe, wie lange große Summen an einem Ort liegen, über den du nicht allein bestimmst. Zulassung und Angebot der Plattform gehören zu dieser Entscheidung, der Börsenvergleich stellt sie gegenüber.

Offen bleibt, was die Untersuchung bei Ledger ergibt und ob sich der Weg vom Händler zum Gerät belegen lässt. Offen bleibt auch, ob von den 70,6 Millionen Dollar in markierten Wallets noch etwas zurückkommt. Die beiden Sätze darüber, wie weit eine Sperrfunktion reicht, stehen dagegen schon fest.

(Stand: 12. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zu USDD und der Tether-Sperre

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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