Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

USDT-Sperre: Wie Tether einzelne Adressen einfriert und wie du deine eigene in zwei Minuten prüfst

Ein Stablecoin-Herausgeber kann eine einzelne Adresse stilllegen, ohne dass dein Schlüssel etwas davon merkt. Wir haben die Ethereum-Kette 14 Tage lang selbst ausgezählt und zwölf Stablecoin-Verträge abgefragt: 32 Sperrungen, eine Aufhebung, zwei Vernichtungen.

Goldene Münze mit eingeprägtem Bitcoin-Zeichen unter einer dicken Glasglocke, die mit einem verschraubten Metallring auf einer Steinplatte verankert ist
16 Min. Lesezeit
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Wenn ein Stablecoin-Herausgeber eine Adresse sperrt, verschwindet dein Guthaben nicht. Es steht weiter in der Blockchain, du siehst es in jeder Wallet, und trotzdem geht keine Überweisung mehr hinaus. Genau das ist am 24. August 2026 innerhalb von 84 Sekunden zwanzig Ethereum-Adressen passiert, und am 2. September wurden zwei weitere hinzugefügt. Wir haben die Kette dafür selbst ausgelesen.

Anlass ist eine Klage, die am 31. August 2026 beim Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York eingegangen ist, öffentlich einsehbar unter dem Aktenzeichen 1:26-cv-07400. Zwei thailändische Geschäftsleute werfen dem USDT-Herausgeber Tether darin vor, am 30. Oktober 2025 rund 42,4 Millionen USDT auf zehn Ethereum-Adressen gesperrt zu haben, und zwar auf die formlose Bitte eines Ermittlers hin. Der Beschlagnahmebeschluss dazu erging nach Darstellung der Klageschrift erst am 19. Februar 2026, also 112 Tage später. Das ist der Vortrag einer Klagepartei und kein festgestellter Sachverhalt: über die Klage ist bislang nicht entschieden. Der Fall ist nicht entschieden, und dieser Artikel entscheidet ihn auch nicht. Er beantwortet die Frage, die für dich als Anleger dahintersteht: Welche Stablecoins tragen überhaupt einen Schalter, mit dem eine einzelne Adresse stillgelegt werden kann, wie oft wird er benutzt, und wie prüfst du deine eigene Adresse, ohne jemandem glauben zu müssen?

Was eine Adresssperre bei USDT technisch bedeutet

Eine Adresssperre ist ein Eintrag im Vertrag des Stablecoins, der einer bestimmten Adresse jede Übertragung verbietet. Der Herausgeber trägt die Adresse in eine Liste ein, die im Vertragsspeicher liegt. Ab diesem Moment lehnt der Vertrag jede Überweisung von dieser Adresse ab. Die Blockchain selbst bleibt unbeteiligt: Ethereum verarbeitet den Versuch, der Token-Vertrag verweigert die Ausführung.

Der Unterschied zu allem, was Anleger sonst unter einer Sperre verstehen, ist erheblich. Eine Kontosperre bei einer Börse betrifft ein Konto bei einem Unternehmen, und dein Guthaben liegt dort ohnehin in fremder Obhut. Eine Adresssperre greift dagegen in eine Wallet ein, die dir allein gehört und deren Schlüssel niemand außer dir kennt. Der Schlüssel funktioniert weiter, die Signatur ist gültig, das Netz nimmt die Transaktion an. Nur der Token-Vertrag sagt Nein.

Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern eine bewusste Eigenschaft. Ein Stablecoin ist eine Forderung gegen ein Unternehmen, und dieses Unternehmen unterliegt Aufsichtsrecht, Geldwäscheregeln und behördlichen Anordnungen. Ohne einen solchen Schalter könnte ein Herausgeber einer Beschlagnahmeanordnung gar nicht nachkommen. Wer Stablecoins hält, hält deshalb immer auch das Gegenparteirisiko des Herausgebers, und die Sperrfunktion ist die sichtbarste Form davon.

Sperre, Vernichtung und Neuausgabe: die drei Stufen in je einem Satz

Die drei Begriffe werden oft vermischt, obwohl sie unterschiedliche Folgen haben.

Sperre

Die Sperre trägt eine Adresse in die Verbotsliste des Vertrags ein und blockiert ab sofort jede ausgehende Übertragung. Der Bestand bleibt auf der Adresse stehen und ist weiterhin öffentlich sichtbar. Eine Sperre ist umkehrbar: Derselbe Herausgeber kann den Eintrag wieder entfernen.

Vernichtung

Die Vernichtung löscht den gesperrten Bestand endgültig aus dem Umlauf, indem der Vertrag die Token auf der Adresse auf null setzt. Diese zweite Stufe setzt bei USDT eine bestehende Sperre voraus. Nach der Vernichtung existieren diese Token nicht mehr.

Neuausgabe

Die Neuausgabe schafft die vernichtete Menge an anderer Stelle neu, damit die Deckung des Stablecoins insgesamt unverändert bleibt. Über diesen Vorgang lassen sich beschlagnahmte Beträge an Ermittlungsbehörden oder Geschädigte weiterreichen.

Für dich als Halter ist vor allem die Reihenfolge wichtig. Zwischen Sperre und Vernichtung liegt Zeit, und in dieser Zeit ist der Bestand eingefroren, aber noch vorhanden. Unsere Messung weiter unten zeigt, dass dieser Abstand in der Praxis Wochen betragen kann.

Der Fall aus New York: Zwei Kläger, 42,4 Millionen USDT und eine Reihenfolge-Frage

Die Klageschrift ist am 31. August 2026 eingegangen; berichtet haben darüber am 2. September 2026 unter anderem CoinDesk und Cointelegraph, jeweils mit eigener Darstellung des Sachverhalts. Die beiden Kläger geben an, dass 42,4 Millionen USDT auf zehn Ethereum-Adressen am 30. Oktober 2025 gesperrt wurden. Der Vorwurf zielt auf die Abfolge: Die Sperre sei auf eine formlose Bitte einer US-Ermittlungsbehörde hin erfolgt, während der gerichtliche Beschluss erst Monate später ergangen sei. Ein solcher Beschluss, so ihre Argumentation, könne eine frühere Sperre nicht nachträglich legitimieren.

Tether weist die Klage nach den vorliegenden Berichten als haltlos zurück. Damit steht Aussage gegen Aussage, ein Gericht hat nichts festgestellt, und alles Weitere wäre Spekulation. Interessant ist der Fall für einen deutschen Anleger aus einem anderen Grund: Die Kläger standen in keiner Vertragsbeziehung zu Tether. Erworben hatten sie die Token am Sekundärmarkt, so wie du es tust, wenn du USDT an einer Börse kaufst. Der Fall berührt damit die Frage, wie weit die Reichweite eines Herausgebers gegenüber Menschen geht, die nie ein Konto bei ihm eröffnet haben.

Diese Frage ist der Grund, warum sich die Beschäftigung mit der Sperrfunktion lohnt, ganz unabhängig davon, wie das Verfahren ausgeht. Der Schalter existiert, er wird benutzt, und die Bedingungen seiner Benutzung sind für Außenstehende schwer einsehbar. Was sich dagegen sehr wohl einsehen lässt, ist die Kette selbst.

Unsere Erhebung vom 3. September: 32 Sperrungen, eine Entsperrung, zwei Vernichtungen

Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 3. September 2026 selbst erhoben. Wir haben die Ereignisprotokolle des USDT-Vertrags auf Ethereum über einen öffentlichen Zugangspunkt ausgelesen, für das Fenster vom 20. August 2026, 02:49 Uhr UTC, bis zum 3. September 2026, 03:59 Uhr UTC. Das entspricht den Blöcken 25.793.449 bis 25.894.249, also vierzehn Tagen. Ausgewertet wurden die drei Ereignisse, mit denen der Vertrag eine Sperre, eine Aufhebung und eine Vernichtung nach außen meldet.

Bund schwerer Metallschlüssel auf dunklem Stein, ein Schlüssel steckt in einer gegossenen Bleiplombe, daneben eine goldene Münze mit Bitcoin-Zeichen
Der private Schlüssel bleibt gültig und die Signatur wird angenommen: Die Sperre sitzt im Vertrag des Stablecoins, eine Ebene hinter dem Schloss.

Warum 20 der 32 Sperrungen in 84 Sekunden fielen

Das Ergebnis für die vierzehn Tage lautet: 32 Adressen wurden gesperrt, eine einzige Adresse wurde entsperrt, und zwei Adressen wurden geleert. Auffällig ist nicht die Gesamtzahl, sondern ihre Verteilung über die Zeit.

Am 24. August 2026 um 20:47:47 Uhr UTC wurden in einem einzigen Block neun Adressen gesperrt. Vierundachtzig Sekunden später, um 20:49:11 Uhr, folgten in einem weiteren Block elf Adressen. Zwanzig der 32 Sperrungen dieses Zeitraums fielen damit in eine gute Minute. Der Rest verteilt sich auf zwölf einzelne Vorgänge an neun verschiedenen Tagen, zuletzt zwei Sperrungen am 2. September 2026 um 13:49 Uhr UTC.

Aus diesem Muster lässt sich eine praktische Beobachtung ableiten, und mehr behaupten wir hier auch nicht: Sperren fallen in der Regel gebündelt, nicht einzeln über den Tag verteilt. Wer eine Sammelaktion abarbeitet, trägt alle betroffenen Adressen in einem Zug ein. Für dich heißt das, dass eine Sperre in aller Regel keine Einzelfallentscheidung über deine Person ist, sondern die Folge einer Liste, auf der deine Adresse aus irgendeinem Grund gelandet ist. Über die Gründe sagt die Kette nichts, und wir tun es deshalb auch nicht.

Das zweite Verhältnis in unserer Messung ist ebenso deutlich: 32 Sperrungen stehen einer einzigen Aufhebung gegenüber. Diese eine Aufhebung fiel auf den 20. August 2026 um 16:41 Uhr UTC. Eine Sperre lässt sich also aufheben, und das geschieht auch, aber es ist im gemessenen Zeitraum die Ausnahme geblieben. Wer damit rechnet, dass sich ein solcher Zustand von allein wieder auflöst, rechnet gegen die beobachtete Häufigkeit.

174.055 USDT vernichtet: Was nach der Sperre passieren kann

Im selben Fenster haben wir zwei Vernichtungen gefunden. Am 24. August 2026 um 17:03 Uhr UTC wurden 10.002,73 USDT von einer Adresse gelöscht, am 2. September 2026 um 14:58 Uhr UTC weitere 164.052,30 USDT. Zusammen sind das 174.055,03 USDT.

Der aufschlussreiche Teil steckt in einem Detail, das sich erst durch den Abgleich beider Listen zeigt: Keine der beiden geleerten Adressen wurde innerhalb unseres Vierzehn-Tage-Fensters gesperrt. Beide Sperren müssen also älter sein. Zwischen dem Eintrag in die Verbotsliste und der Löschung des Bestands liegt demnach mehr als ein Zeitraum von zwei Wochen. Die Vernichtung ist eine eigene, spätere Entscheidung und keine automatische Folge der Sperre.

Für die Einschätzung des eigenen Risikos ist das die wichtigere Zahl von beiden. Eine Sperre trifft im gemessenen Zeitraum deutlich mehr Adressen, als anschließend geleert werden. Der Zustand, in dem sich betroffene Bestände befinden, ist über längere Zeit das Eingefrorensein und nicht der Verlust.

Welche Stablecoins eine abfragbare Sperrfunktion tragen und welche nicht

Die zweite Hälfte unserer Erhebung geht der Frage nach, ob dieser Schalter eine Besonderheit von USDT ist. Wir haben dafür zwölf Stablecoin-Verträge auf Ethereum direkt abgefragt: erst ihr Kürzel, um sicherzugehen, dass wir die richtige Vertragsadresse erwischt haben, dann zwölf gängige Namensvarianten einer Adressprüfung. Antwortet ein Vertrag auf eine dieser Abfragen mit einem Wahrheitswert, existiert die Funktion; antwortet er gar nicht, existiert sie unter diesem Namen nicht.

Sieben der zwölf geprüften Stablecoins tragen eine öffentlich abfragbare Adressprüfung: USDT unter dem Namen isBlackListed, USDC und EURC unter isBlacklisted, PYUSD, USDP und der von einer französischen Bankentochter herausgegebene Euro-Stablecoin EURCV unter isFrozen, und FDUSD unter frozen. Fünf Verträge antworteten auf keine der zwölf Signaturen: DAI, USDS, EURS, USDe und RLUSD. Bei RLUSD und FDUSD fanden wir zusätzlich eine Funktion, die den gesamten Vertrag anhalten kann, was eine andere Sache ist als eine einzelne Adresse.

Hier ist Vorsicht geboten, und wir formulieren die Grenze deshalb ausdrücklich: Keine abfragbare Prüffunktion zu haben, ist nicht dasselbe wie nicht sperrbar zu sein. Ein Vertrag kann eine Sperre unter einem Namen führen, den wir nicht getestet haben, sie in einer nicht öffentlich lesbaren Struktur ablegen oder über eine austauschbare Implementierung nachrüsten. Unsere Messung beantwortet genau eine Frage, nämlich ob sich der Zustand einer Adresse von außen abfragen lässt. Bei sieben von zwölf lautet die Antwort ja, und das ist für die Prüfung im nächsten Abschnitt der entscheidende Punkt.

Erwähnenswert bleibt, dass sich die Trennlinie nicht entlang der Herkunft zieht. Unter den sieben mit Prüffunktion finden sich US-Herausgeber ebenso wie ein europäischer Euro-Stablecoin, und unter den fünf ohne stehen sowohl der bekannteste dezentrale Vertreter als auch jüngere Angebote großer Anbieter.

So prüfst du eine Adresse in zwei Minuten über den Vertrag

Die Prüfung funktioniert ohne Anmeldung, ohne Werkzeug und ohne dass du irgendjemandem eine Angabe glauben musst. Du fragst den Vertrag selbst, und der Vertrag antwortet mit wahr oder falsch. Für USDT auf Ethereum geht das über die Vertragsseite eines Blockchain-Betrachters wie Etherscan, wo die Lesefunktionen des Vertrags aufgelistet sind.

Du suchst in der Liste der Lesefunktionen den Eintrag isBlackListed, trägst dort die Adresse ein, die du prüfen willst, und liest das Ergebnis ab. Ein false bedeutet, dass die Adresse zum Zeitpunkt der Abfrage nicht auf der Verbotsliste steht. Ein true bedeutet das Gegenteil. Bei USDC und EURC heißt die Funktion isBlacklisted, bei PYUSD und USDP isFrozen. Der Ablauf ist in allen Fällen derselbe.

Wir haben diese Anleitung zusätzlich gegengeprüft, damit sie nicht auf einer Annahme steht. Für sechs Adressen, die in unserem Messfenster nachweislich gesperrt wurden, liefert die Abfrage true. Für eine bekannte, unauffällige Adresse liefert sie false. Die Prüfung zeigt also tatsächlich an, was sie anzeigen soll.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gilt die Antwort für den Moment der Abfrage und für nichts sonst. Zweitens bezieht sie sich auf genau einen Token auf genau einer Blockchain: USDT existiert auf mehreren Netzen, und jede Fassung führt ihre eigene Liste. Wer USDT auf Tron oder auf einem Layer-2-Netz hält, muss den dortigen Vertrag abfragen.

Wann sich eine Prüfung überhaupt lohnt

Für den ganz normalen Fall, in dem du Stablecoins an einer regulierten Börse kaufst und dort liegen lässt, ist die Prüfung wenig ergiebig, weil die Adresse ohnehin der Börse gehört. Interessant wird sie, wenn du Guthaben auf einer eigenen Adresse hältst, wenn du größere Beträge von einer fremden Gegenstelle empfangen hast oder wenn eine Überweisung ohne erkennbaren Grund scheitert. Genau dieser letzte Fall ist der übliche Weg, auf dem Betroffene von einer Sperre erfahren.

Was die Sperre für Guthaben auf der Börse bedeutet

Liegt dein Stablecoin-Guthaben auf einem Börsenkonto, steht es auf einer Sammeladresse des Anbieters. Eine Sperre dieser Adresse wäre ein Ereignis, das den gesamten Handelsplatz beträfe, und sie ist bei einem beaufsichtigten europäischen Anbieter kein realistisches Alltagsrisiko. Das Risiko liegt an einer anderen Stelle: Auszahlungen laufen über eine Prüfung, und die kann eine Empfangsadresse betreffen, die auf einer Sanktions- oder Verbotsliste steht.

Dieser Mechanismus ist der Nachbar der Adresssperre, und er wirkt eine Ebene früher. Wir haben ihn in einem eigenen Text zu den EU-Sanktionen gegen Krypto-Plattformen beschrieben. Ein zweiter, in der Praxis viel häufigerer Fall ist die Kontosperre wegen fehlender Angaben; wie sie zustande kommt und was dagegen hilft, steht in unserem Beitrag zur Selbstauskunft bei der Krypto-Börse.

Geneigter Metallkanal voller laufender Münzen, ein herabgelassener Metallriegel hält genau eine einzelne Münze fest, während die übrigen weiterlaufen
Der Riegel steht im Kanal, nicht am Anfang: Die Sperre hält einzelne Adressen fest, während der Zahlungsverkehr des Netzes ungebremst weiterläuft.

Selbstverwahrung schützt vor dem Konto, nicht vor der Adresssperre

Für die meisten Risiken im Kryptobereich ist die eigene Verwahrung die richtige Antwort. Das schützt vor der Zahlungsunfähigkeit eines Anbieters, vor einer Kontosperre und vor der Abwicklung eines Handelsplatzes. Gegen die Sperre eines Stablecoin-Vertrags hilft sie ausdrücklich nicht, denn die Verbotsliste kennt keine Wallets, sondern nur Adressen. Ob dein Schlüssel auf einem Gerät in deiner Schublade liegt oder im Rechenzentrum eines Anbieters, ändert am Eintrag im Vertrag nichts.

Daraus folgt eine Unterscheidung, die im Alltag oft untergeht. Bitcoin und Ether tragen keinen solchen Schalter, weil hinter ihnen kein Herausgeber steht, der einen betätigen könnte. Wer diese Werte auf einer Hardware-Wallet hält, hat das Gegenparteirisiko damit wirklich abgestreift. Bei einem Stablecoin bleibt es bestehen, und zwar in voller Höhe, weil die Deckung und die Sperrfunktion beim selben Unternehmen liegen. Die eigene Verwahrung verschiebt bei Stablecoins also, welche Risiken du trägst, sie beseitigt sie nicht.

Praktisch heißt das: Wer Stablecoins als Parkposition zwischen zwei Käufen nutzt, trägt dieses Risiko für Stunden oder Tage und muss sich wenig Gedanken machen. Wer dagegen einen erheblichen Teil seines Vermögens dauerhaft in einem Stablecoin hält, sollte wissen, dass er eine Forderung gegen ein Unternehmen hält, das den Bestand auf seiner Adresse anhalten kann. Eine Aufteilung auf zwei Herausgeber verringert dieses Klumpenrisiko, ohne es aufzuheben.

MiCA, Behörden und die Frage, wer eine Sperre auslösen darf

Seit die europäische Verordnung über Märkte für Kryptowerte vollständig gilt, brauchen Herausgeber wertreferenzierter Token und E-Geld-Token in der EU eine Zulassung, und Handelsplätze dürfen nur noch zugelassene Stablecoins anbieten. Für die Sperrfrage ist die Verordnung allerdings kein Sicherheitsversprechen. Geregelt sind dort Zulassung, Deckung und Rücktausch. Ob und wann ein Herausgeber eine einzelne Adresse stilllegt, richtet sich daneben nach Geldwäscherecht, nach Sanktionsrecht und nach den Anordnungen der Behörden, in deren Zuständigkeit er fällt.

Genau daran hängt der eigentliche Streitpunkt des New Yorker Verfahrens. Streitig ist dort nicht die Befugnis zu sperren. Streitig ist, welche Form die Anordnung haben muss, auf die sich ein Herausgeber stützt, und in welcher Reihenfolge beides geschehen muss. Ein deutscher Anleger kann daraus vorerst nur eine Konsequenz ziehen: Der Herausgeber deines Stablecoins bringt die Rechtsordnung mit, unter der er steht, und die ist bei den größten Anbietern nicht die europäische.

Wer diesen Punkt ernst nimmt, achtet beim nächsten Kauf darauf, wo der Stablecoin herkommt und welche Zulassung er trägt. Eine Übersicht der regulierten Handelsplätze zeigt, welche Anbieter unter europäischer Aufsicht arbeiten und welche Stablecoins dort überhaupt noch handelbar sind.

Steuerliche Einordnung: Was eine gesperrte Position in der Erklärung macht

Steuerlich knüpft die Behandlung privater Kryptogeschäfte in Deutschland an das private Veräußerungsgeschäft nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes an. Maßgeblich ist danach die Veräußerung innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung, und für die Summe der Gewinne aus solchen Geschäften gilt im Kalenderjahr eine Freigrenze von 1.000 Euro.

Eine Sperre ist für sich genommen kein Verkauf und kein Tausch. Der Bestand bleibt dir zugerechnet, er steht weiter auf deiner Adresse, und es fließt nichts zu. Ein Veräußerungsgeschäft entsteht durch die Sperre also nicht, und die Jahresfrist läuft unabhängig davon weiter. Wird ein gesperrter Bestand später vernichtet, ist die Einordnung deutlich weniger eindeutig, weil dann ein Vermögenswert ohne Gegenleistung untergeht. Ob und wie sich ein solcher Ausfall steuerlich geltend machen lässt, hängt vom Einzelfall ab und gehört in die Hand einer steuerlichen Beraterin oder eines Beraters. Dieser Abschnitt gibt die Rechtslage in Grundzügen wieder und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Praktisch wichtiger als die Einordnung ist die Dokumentation. Wer von einer Sperre betroffen ist, sollte den Zustand festhalten, solange er nachprüfbar ist: das Datum der Feststellung, die betroffene Adresse, den Bestand zu diesem Zeitpunkt und die Anschaffungsdaten der Position. Diese Angaben lassen sich später kaum rekonstruieren, wenn ein Anbieter nicht mehr erreichbar ist oder ein Konto nicht mehr besteht.

Wie wir erhoben haben und was wir nicht prüfen konnten

Die Erhebung besteht aus zwei Teilen. Für den ersten haben wir die Ereignisprotokolle des USDT-Vertrags auf Ethereum in Abschnitten von jeweils 2.000 Blöcken abgerufen und die drei Sperr-, Aufhebungs- und Vernichtungsereignisse ausgezählt; jeder Abschnitt wurde bei einem Fehlschlag über einen zweiten Zugangspunkt wiederholt, bis das Fenster von 100.800 Blöcken lückenlos abgedeckt war. Für den zweiten Teil haben wir zwölf Stablecoin-Verträge mit je zwölf möglichen Bezeichnungen einer Adressprüfung abgefragt, insgesamt also 144 Einzelabfragen, jeweils zusätzlich abgesichert durch das vom Vertrag gemeldete Kürzel.

Vier Dinge konnten wir nicht prüfen, und sie gehören genauso in diesen Text wie die Ergebnisse.

Erstens die Gründe. Die Blockchain zeigt, dass eine Adresse gesperrt wurde, und sie zeigt den Zeitpunkt. Nichts sagt sie darüber, warum das geschah, wer es veranlasst hat und ob eine behördliche Anordnung vorlag. Wir schreiben deshalb keiner der betroffenen Adressen und keiner dahinterstehenden Person irgendetwas zu.

Zweitens die anderen Netze. Unsere Zählung betrifft ausschließlich Ethereum. USDT und die übrigen geprüften Stablecoins existieren auch auf Tron, auf Solana und auf mehreren Layer-2-Netzen, und jede dieser Fassungen führt eine eigene Liste. Die Gesamtzahl der Sperrungen über alle Netze liegt daher höher als 32, und wie viel höher, sagt unsere Messung nicht.

Drittens die Vollständigkeit der Funktionsnamen. Wir haben zwölf gängige Bezeichnungen getestet. Ein Vertrag, der keine davon führt, kann trotzdem eine Sperrmöglichkeit besitzen, die anders heißt oder nicht von außen lesbar ist. Aus einem fehlenden Treffer folgt deshalb ausschließlich, dass sich der Zustand einer Adresse dort nicht auf diesem Weg abfragen lässt.

Viertens die Vorgeschichte der beiden Vernichtungen. Wir wissen aus dem Abgleich, dass die zugehörigen Sperren älter sind als unser Fenster. Wie viel älter, hätte eine Auswertung der gesamten Vertragshistorie erfordert, die wir für diesen Artikel nicht durchgeführt haben.

Nicht getan haben wir außerdem alles, was über das Gemessene hinausginge: keine Hochrechnung auf Jahreszahlen, keine Schätzung, wie viele Anleger betroffen sind, und keine Aussage über die Marktanteile der geprüften Stablecoins. Kursangaben kommen in diesem Artikel nicht vor, weil sich aus einer Vertragsabfrage keine ergeben.

Stablecoin-Sperre prüfen: Was du daraus mitnimmst

  1. Sieh nach, welchen Stablecoin du überhaupt hältst und wo. Sieben der zwölf von uns geprüften Verträge tragen eine abfragbare Adressprüfung, und die Rechtsordnung des Herausgebers entscheidet mit darüber, wer eine Sperre veranlassen kann. Wenn du beim nächsten Kauf zwischen zwei Angeboten wählst, hilft ein Blick in unseren Vergleich der Krypto-Börsen, um zu sehen, welche Stablecoins dort geführt werden und unter welcher Aufsicht der Handelsplatz steht.
  2. Trenne, was trennbar ist. Gegen die Adresssperre eines Stablecoins hilft die eigene Verwahrung nicht, gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Anbieters und gegen eine Kontosperre dagegen sehr wohl. Wer den Teil seines Bestands, der ohne Herausgeber auskommt, selbst verwahren will, findet die passenden Geräte in unserem Hardware-Wallet-Vergleich.
  3. Halte deine Anschaffungsdaten fest, bevor du sie brauchst. Datum, Menge und Anschaffungskosten einer Position sind der Teil, der sich im Ernstfall nicht mehr rekonstruieren lässt, und sie sind zugleich die Grundlage jeder späteren Steuererklärung. Eine laufende Erfassung nimmt dir ein Steuer- und Portfolio-Werkzeug ab.

(Stand: 3. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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