Bitcoin und der Quantencomputer: Welche Adressen jetzt offenliegen
Die G7 haben am 3. September 2026 zum sofortigen Start der Post-Quanten-Migration aufgerufen, und die erste europäische Marke läuft Ende dieses Jahres ab. Was das für deine Bitcoin heißt, welche Adressen ihren öffentlichen Schlüssel zeigen und wie du deine eigenen in wenigen Minuten prüfst.

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Wenn du Bitcoin selbst verwahrst, ist die wichtigste Frage in der Quantendebatte keine Zukunftsfrage, sondern eine, die du heute an einem Block-Explorer beantworten kannst: Hat deine Adresse ihren öffentlichen Schlüssel schon einmal öffentlich gemacht? Genau daran hängt, ob ein künftiger Quantenrechner deine Coins überhaupt angreifen könnte. Adressen, von denen noch nie etwas abgeflossen ist, zeigen ihren Schlüssel nicht. Adressen, von denen du schon einmal gesendet hast, zeigen ihn dauerhaft.
Der Anlass für diesen Text ist ein Papier, das mit Kryptowährungen auf den ersten Blick nichts zu tun hat. Am 3. September 2026 hat die Cybersicherheits-Arbeitsgruppe der G7 unter französischem Vorsitz die gemeinsame Erklärung „Preparing for the Post-Quantum Era: A Call to Action" veröffentlicht. Die Botschaft: nicht auf den ersten leistungsfähigen Quantenrechner warten, sondern jetzt den eigenen Bestand an Verschlüsselung aufnehmen und umstellen. Für dich als Halter von Bitcoin ist das kein abstraktes Behördenthema: Die erste europäische Marke für den Umstieg läuft Ende dieses Jahres ab, und die Frage, welche deiner Adressen angreifbar sind, ist eine Frage der Verwahrung.
Dieser Artikel beantwortet drei Dinge: was auf einer Blockchain überhaupt angreifbar wäre, wie du deine eigene Lage in wenigen Minuten prüfst, und welche Fristen die Aufsichtsbehörden gesetzt haben. Ohne Kursprognose, ohne Weltuntergang.
Was die G7-Erklärung vom 3. September 2026 fordert
Die G7-Staaten rufen Behörden und Unternehmen dazu auf, die Migration zur Post-Quanten-Kryptografie sofort zu beginnen. Post-Quanten-Kryptografie ist der Sammelbegriff für Verschlüsselungs- und Signaturverfahren, die auch dann sicher bleiben, wenn ein hinreichend großer Quantenrechner existiert. Das Papier nennt fünf Handlungsfelder: das Bewusstsein für quantenbezogene Risiken schärfen, nationale Strategien entwickeln, Forschung und praktische Einführung vorantreiben, die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft stärken und Post-Quanten-Verfahren in Sicherheitsanforderungen und Beschaffung verankern.
Kein einziger dieser Punkte richtet sich an Privatanleger. Trotzdem betrifft dich die Richtung, in die sie zeigen: Wenn Banken, Börsen und Wallet-Anbieter ihre Signaturverfahren umbauen müssen, ändert sich mittelfristig, wie deine Coins gesichert werden. Was die Erklärung ausdrücklich nicht sagt, steht weiter unten in einem eigenen Abschnitt. Diese Ehrlichkeit gehört dazu, weil in den vergangenen Tagen mehrere Beiträge das Papier als Warnung an die Kryptobranche gelesen haben.
Harvest now, decrypt later: Warum die Umstellung vor dem Quantenrechner beginnt
Der Fachbegriff, der die Eile erklärt, steht wörtlich in der G7-Erklärung. Harvest now, decrypt later beschreibt einen Angriff, bei dem Daten heute in verschlüsselter Form abgegriffen und gespeichert werden, um sie später mit einem Quantenrechner zu entschlüsseln. Die Erklärung formuliert es so: „In these attacks, threat actors collect encrypted data now, with the intention of decrypting it in the future using quantum computing capabilities."
Für vertrauliche Kommunikation ist das der Kern des Problems. Für eine öffentliche Blockchain liegt der Fall anders, und zwar unangenehmer: Dort muss niemand etwas abgreifen. Jede Transaktion, jeder öffentliche Schlüssel und jede Signatur stehen seit dem Tag ihrer Entstehung für alle sichtbar in der Kette. Ein Angreifer braucht die Daten nicht zu sammeln, sie liegen bereits vollständig vor. Was ihm fehlt, ist allein die Rechenleistung.
Wie ein Quantenrechner an eine Bitcoin-Adresse herankäme
Bitcoin sichert Guthaben mit einem Schlüsselpaar. Der private Schlüssel ist die geheime Zahl, mit der du Ausgaben signierst; der öffentliche Schlüssel ist der daraus berechnete Gegenpart, an dem das Netzwerk die Signatur prüft. Aus dem privaten lässt sich der öffentliche in Sekunden berechnen. Der Rückweg gilt mit klassischen Computern als praktisch unmöglich, weil er auf dem Problem des diskreten Logarithmus über einer elliptischen Kurve beruht.
Genau diesen Rückweg würde ein Quantenrechner abkürzen. Der Shor-Algorithmus ist ein Quantenverfahren, das Faktorisierung und diskrete Logarithmen effizient löst und damit die heute verbreiteten Signaturverfahren RSA und ECDSA angreifbar macht. Ein kryptografisch relevanter Quantenrechner ist eine Maschine, die groß und fehlerarm genug ist, um dieses Verfahren gegen reale Schlüssellängen laufen zu lassen. So eine Maschine existiert öffentlich nicht.
Wichtig ist der zweite Schutzwall, den Bitcoin von Anfang an hatte: Eine klassische Bitcoin-Adresse ist kein öffentlicher Schlüssel, sondern dessen Hashwert. Ein Hash ist eine Einwegfunktion, die aus einer Eingabe einen festen Fingerabdruck erzeugt, aus dem sich die Eingabe nicht zurückrechnen lässt. Solange nur der Hash bekannt ist, hat auch ein Quantenrechner nichts, woran der Shor-Algorithmus ansetzen könnte. Der Schlüssel wird erst sichtbar, wenn du von der Adresse aus zum ersten Mal etwas ausgibst, denn dann liefert deine Transaktion den öffentlichen Schlüssel zur Prüfung mit.
Welche Bitcoin-Adressen ihren öffentlichen Schlüssel bereits zeigen
Daraus ergeben sich drei Gruppen, und nur die ersten beiden sind für einen Angriff auf ruhende Guthaben interessant.
Erstens P2PK. Pay-to-Public-Key ist das älteste Ausgabeformat von Bitcoin, bei dem der öffentliche Schlüssel unverhüllt im Skript steht, ohne Hash davor. Es war 2009 und 2010 üblich, vor allem bei Mining-Auszahlungen, und wird heute nicht mehr für neue Zahlungen genutzt. Wer solche Coins hält, hat den Schlüssel dauerhaft offen liegen, ohne je etwas ausgegeben zu haben.
Zweitens wiederverwendete Adressen. Jede Adresse, von der schon einmal gesendet wurde und auf der danach wieder Guthaben liegt, hat ihren Schlüssel offengelegt. Diese Gruppe ist die größere und die einzige, an der du unmittelbar etwas ändern kannst. Adresswiederverwendung heißt: Du benutzt dieselbe Empfangsadresse mehrfach, statt für jeden Eingang eine neue zu erzeugen.
Drittens Taproot. Pay-to-Taproot, erkennbar am Präfix bc1p, legt den öffentlichen Schlüssel bauartbedingt direkt in die Ausgabe, weil das Format darauf aufbaut. Taproot-Adressen tragen deshalb dieselbe Eigenschaft wie P2PK, machen aber nur einen kleinen Teil aller Bitcoin aus.
Nicht in dieser Aufzählung stehen die gängigen Formate P2PKH (Präfix 1), P2SH (Präfix 3) und P2WPKH (Präfix bc1q), solange von ihnen noch nie etwas abgeflossen ist. Bei ihnen sieht die Kette nur den Hash. Wenn du dein Guthaben auf einer frischen Adresse dieser Art liegen hast und nie von dort gesendet hast, bist du in der Gruppe, die ein Angreifer mit dem Shor-Algorithmus allein nicht erreicht.

6,8 Millionen Bitcoin auf offenen Schlüsseln: Woher die Zahl stammt
Die am häufigsten zitierte Schätzung stammt von der Bitcoin-Firma River und teilt sich in zwei Posten: rund 1,72 Millionen BTC in P2PK-Ausgaben und weitere 4,9 Millionen BTC auf wiederverwendeten Adressen anderer Formate, zusammen etwa 6,8 Millionen BTC, die einem Angriff mit langem Vorlauf offenstehen. Andere Auswertungen kommen auf leicht abweichende Werte, weil sie Adressen ohne Guthaben oder Staubbeträge unterschiedlich behandeln; die Größenordnung von rund einem Drittel des Umlaufs ist über die Erhebungen hinweg stabil.
Ein erheblicher Teil davon liegt in den frühesten Mining-Auszahlungen, die seit anderthalb Jahrzehnten unbewegt sind, darunter die Bestände, die Satoshi Nakamoto zugerechnet werden. Diese Coins kann niemand umziehen, weil niemand die Schlüssel bewegt. Genau daran hängt die Debatte, ob das Netzwerk solche Ausgaben eines Tages sperren sollte, um sie nicht in fremde Hände fallen zu lassen. Wie dieser Vorschlag aussieht und warum er umstritten ist, haben wir in unserer Analyse zu den möglicherweise eingefrorenen 6,7 Millionen Bitcoin vom 12. August 2026 aufgeschrieben.
Für deine eigene Lage ist die große Zahl allerdings zweitrangig. Aus ihr geht nicht hervor, ob deine Coins dazugehören. Das prüfst du selbst, und zwar so.
In fünf Minuten geprüft: Liegt der Schlüssel deiner Adresse offen?
Für die Prüfung brauchst du nur deine Empfangsadressen und einen Block-Explorer. Ein Block-Explorer ist eine Webseite, die den Inhalt der Blockchain durchsuchbar macht; verbreitet sind mempool.space und blockstream.info. Du gibst dort nichts Geheimes ein: Eine Adresse ist öffentlich, deine Seed-Phrase und dein privater Schlüssel gehören niemals in ein Webformular.
- Adressformat ablesen. Öffne in deiner Wallet die Empfangsfunktion und sieh dir den Anfang der Adresse an. Beginnt sie mit bc1p, handelt es sich um Taproot, und der Schlüssel ist sichtbar. Beginnt sie mit 1, 3 oder bc1q, entscheidet der nächste Schritt.
- Abgänge suchen. Gib die Adresse im Explorer ein und sieh die Transaktionsliste durch. Steht dort ausschließlich Eingehendes, ist der öffentliche Schlüssel nicht veröffentlicht. Findest du auch nur einen Abgang, ist er es dauerhaft, und daran ändert sich rückwirkend nichts mehr.
- Guthaben zuordnen. Entscheidend ist nicht, ob die Adresse jemals benutzt wurde, sondern ob heute noch etwas darauf liegt. Eine offengelegte, aber leere Adresse ist kein Risiko.
- Alte Bestände nicht vergessen. Papier-Wallets aus der Frühzeit, ein längst stillgelegtes Wallet-Programm oder ein geerbter Datenträger enthalten oft genau die Formate, um die es hier geht.
Wer viele Adressen hat, arbeitet mit der xpub, dem erweiterten öffentlichen Schlüssel, aus dem sich alle Adressen eines Kontos ableiten lassen. Einige Explorer nehmen sie entgegen und zeigen den gesamten Verlauf auf einmal. Sei dir dabei bewusst, dass du damit deine komplette Zahlungshistorie an den Betreiber der Seite gibst. Ausgeben kann er davon nichts, sehen dagegen alles.
Umzug auf eine frische Adresse: Was er bringt und was er kostet
Der einzige Hebel, den du als Halter selbst in der Hand hast, ist banal und wirksam: Bewege das Guthaben von einer offengelegten Adresse auf eine, die noch nie gesendet hat, und benutze danach für jeden Eingang eine neue. Moderne Wallets erledigen das automatisch, weil sie als HD-Wallet arbeiten, also alle Adressen deterministisch aus einer einzigen Seed-Phrase ableiten und nach jeder Zahlung zur nächsten weiterrücken.
Drei Punkte solltest du dabei nüchtern sehen. Erstens: Während der Umzugstransaktion liegt dein öffentlicher Schlüssel im Mempool offen, bis der Block bestätigt ist. Der Mempool ist der Wartebereich für Transaktionen, die noch in keinem Block stehen. Gegen einen Angreifer, der in diesem Zeitfenster von wenigen Minuten einen Schlüssel brechen könnte, hilft kein Adresswechsel; nur wäre eine solche Maschine dann ohnehin ein Problem für das gesamte Netzwerk. Der Adresswechsel schützt gegen den langsamen Angriff auf ruhende Guthaben, und das ist der realistische Fall.
Zweitens kostet der Umzug Netzwerkgebühren, und wer viele kleine Beträge zusammenlegt, zahlt für jede einzelne Eingabe. Bei hoher Auslastung kann es sich lohnen, eine ruhige Phase abzuwarten. Drittens bleibt es ein Vorgang, den du sauber dokumentieren solltest: Beim Umzug zwischen eigenen Adressen wechselt kein Eigentümer, für deine Aufzeichnungen taucht aber eine neue Transaktion auf. Halte fest, welche Adresse zu dir gehört, damit sich der Weg später nachvollziehen lässt und die Zuordnung in deiner Steuererklärung nicht auseinanderfällt; welche Werkzeuge diese Buchführung übernehmen, zeigt unser Vergleich der Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker.
Wenn du ohnehin über die Verwahrung nachdenkst: Ein Gerät, das den privaten Schlüssel niemals an einen internetfähigen Rechner gibt, ändert am Quantenrisiko nichts, senkt aber das Risiko, das dich heute tatsächlich trifft. Welche Modelle wie abschneiden, steht in unserem Vergleich der Hardware-Wallets.
Was deine Seed-Phrase mit dem Quantenrisiko zu tun hat
Hier hält sich ein Missverständnis hartnäckig. Die Seed-Phrase ist die Wortfolge, aus der deine Wallet alle Schlüssel ableitet. Diese Wortfolge ist selbst kein Signaturverfahren und damit vom Shor-Algorithmus nicht direkt betroffen. Angreifbar wären die aus ihr abgeleiteten öffentlichen Schlüssel, sobald sie in der Kette stehen.
Für Hashfunktionen gibt es ein zweites Quantenverfahren, den Grover-Algorithmus, der die Suche in einem Datenbestand quadratisch beschleunigt. Er halbiert das effektive Sicherheitsniveau symmetrischer Verfahren, was aus 256 Bit rechnerisch 128 Bit macht. Das bleibt außerhalb dessen, was sich in absehbarer Zeit durchsuchen lässt. Dasselbe gilt für das Mining: SHA-256 verliert durch Quantenrechner seinen Wert nicht; angreifbar wird es günstigstenfalls etwas schneller, und der Aufwand bleibt astronomisch.
Deine 24 Wörter musst du also nicht austauschen. Was du ändern kannst, ist ausschließlich, welche Adressen dein Guthaben hält.

Coins an der Börse: Die Frage, die du deinem Anbieter stellen kannst
Liegen deine Bestände bei einem Handelsplatz, hast du auf die Adressen keinen Zugriff. Die Börse verwaltet eigene Wallets, in der Regel mit wenigen großen Sammeladressen, die naturgemäß längst offengelegt sind. Dafür hat sie Personal, das den Umbau vornehmen kann, sobald quantensichere Verfahren im Protokoll verfügbar sind.
Zwei Fragen sind es wert, im Support gestellt zu werden: Gibt es einen veröffentlichten Fahrplan zur Post-Quanten-Migration, und werden Kundenbestände auf Adressen gehalten, deren Schlüssel nicht bereits offenliegen? Antworten darauf sind derzeit selten, und die Frage selbst ist ein brauchbares Auswahlkriterium: Ein Anbieter, der zu seiner eigenen Verwahrtechnik nichts sagen kann, sagt auch etwas über sich. Wer den Anbieter ohnehin auf den Prüfstand stellt, findet die regulatorischen Eckdaten in unserer Übersicht der Krypto-Börsen.
Für die meisten Anleger gilt trotzdem: Das Quantenrisiko ist nicht der Grund, heute die Börse zu wechseln. Zugriffs- und Insolvenzrisiken sind die näher liegenden Gründe, sich mit Selbstverwahrung zu befassen.
Die Fristen im Klartext: Ende 2026, 2030 und 2035
Hinter dem G7-Aufruf stehen Termine, die längst gesetzt sind. Die EU-Kommission hat in ihrer Roadmap für den Übergang zur Post-Quanten-Kryptografie festgehalten, dass alle Mitgliedstaaten bis Ende 2026 mit der Umstellung beginnen sollen. Für kritische Infrastrukturen gilt: so früh wie möglich, spätestens bis Ende 2030. Bis 2035 soll der Übergang so weit abgeschlossen sein, wie es praktisch machbar ist.
Parallel dazu läuft die technische Normung. Die US-Normungsbehörde NIST hat am 13. August 2024 die ersten drei Standards veröffentlicht: FIPS 203 für den Schlüsselaustausch, FIPS 204 als primäres Signaturverfahren und FIPS 205 als hashbasierte Rückfalloption. In ihrem Übergangspapier gelten RSA und die heute übliche Kurvenkryptografie ab 2030 als überholt und ab 2035 als unzulässig. Damit steht ein Datum im Raum, an dem die Verfahren, auf denen Bitcoin-Signaturen beruhen, in behördlichen Systemen nicht mehr eingesetzt werden dürfen.
Für Deutschland ordnet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik den Umbau ein. Das BSI hält fest, dass „die Frage, ‚ob' oder ‚wann' es Quantencomputer geben wird, nicht mehr im Vordergrund" stehe, und empfiehlt einen schrittweisen Umstieg: „Post-Quanten-Verfahren sollten möglichst nur in Kombination mit klassischen Verfahren (‚hybrid') eingesetzt werden." Ein hybrides Verfahren kombiniert ein etabliertes mit einem neuen Verfahren, sodass die Sicherheit erhalten bleibt, wenn sich eines der beiden als schwach erweist.
Keine dieser Fristen verpflichtet dich zu irgendetwas. Die Termine geben aber den Takt vor, in dem Banken, Zahlungsdienstleister und Verwahrer arbeiten werden, und sie zeigen, dass die Behörden das Zeitfenster für begrenzt halten.
Was in der G7-Erklärung ausdrücklich nicht steht
An dieser Stelle gehört eine Einschränkung offengelegt, weil sie in der Berichterstattung untergeht: Die G7-Erklärung erwähnt Kryptowährungen, Blockchain und den Finanzsektor mit keinem Wort. Adressat des Papiers sind staatliche Stellen und Unternehmen allgemein. Wer aus ihr eine Aufforderung an die Kryptobranche macht, legt der Quelle etwas in den Mund.
Die Verbindung zwischen beidem ist trotzdem sachlich, nur eben indirekt: Beide Seiten hängen an derselben Mathematik. Fällt die Kurvenkryptografie, fällt sie für Behörden-Zertifikate wie für Bitcoin-Signaturen. Der Unterschied liegt in der Umstellbarkeit. Eine Behörde tauscht ihre Software aus; ein offenes Netzwerk mit Millionen Teilnehmern muss sich erst darauf einigen, was es überhaupt austauschen will.
BIP-360 und BIP-361: Bitcoins eigener Weg aus dem Signaturproblem
Diese Einigung läuft bereits, und zwar über Verbesserungsvorschläge. Ein BIP ist ein Bitcoin Improvement Proposal, also ein formalisierter Änderungsvorschlag am Protokoll, der öffentlich diskutiert und nur bei breiter Zustimmung umgesetzt wird.
BIP-360 beschreibt ein neues, quantenresistentes Ausgabeformat, in das Halter ihre Coins künftig freiwillig umziehen könnten. Der Vorschlag wurde Anfang 2026 in das offizielle Verzeichnis aufgenommen. Darauf baut BIP-361 auf, der weiter geht und einen geordneten Ausstieg aus den alten Signaturtypen vorsieht. Konsequenz wäre, dass Coins auf offengelegten Schlüsseln nach einer Übergangsfrist nicht mehr ausgegeben werden könnten, also faktisch eingefroren wären, um sie einem Angreifer zu entziehen.
Genau daran entzündet sich der schärfste Streit im Bitcoin-Umfeld: Auf der einen Seite steht das Argument, ein Diebstahl in Millionenhöhe würde das Vertrauen in die Knappheit des Geldes zerstören. Auf der anderen steht der Einwand, dass ein Netzwerk, das Guthaben sperren kann, sein zentrales Versprechen bricht. Wie die Lager argumentieren, haben wir in unserer Einordnung der Sicherheitsdebatte vom März 2026 dargestellt. Beschlossen ist bis heute keiner der beiden Vorschläge.
Ethereum und andere Ketten: Warum die Umstellung dort anders läuft
Auf Ethereum stellt sich dieselbe Frage mit einem anderen Vorzeichen. Kontoadressen leiten sich dort ebenfalls aus einem öffentlichen Schlüssel ab, der beim ersten Senden sichtbar wird. Anders als bei Bitcoin lassen sich Regeln aber über planmäßige Netzwerk-Upgrades in kürzeren Abständen ändern, und die Forschungsagenda der Ethereum-Foundation führt quantensichere Signaturen seit Längerem als eigenen Punkt.
Für dich als Halter folgt daraus nichts anderes als bei Bitcoin: Guthaben auf einer Adresse, von der noch nie gesendet wurde, ist besser gestellt. Wer über Smart Contracts arbeitet, hat diese Wahl ohnehin nicht, weil jede Interaktion Schlüssel offenlegt. Wichtig ist die Einordnung, dass keine große Kette derzeit quantensicher signiert. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Bitcoin und kein Argument für einen Wechsel zwischen Ketten.
Wann kommt der kryptografisch relevante Quantenrechner?
Hier gehen die Einschätzungen weit auseinander, und seriös ist nur, beide Seiten zu zeigen. Das BSI rechnet in seinen Handlungsempfehlungen damit, dass entsprechende Maschinen in den 2030er Jahren verfügbar sein können, und leitet daraus ab, dass Systeme mit langer Lebensdauer schon heute umgestellt werden müssen. In dieselbe Richtung zeigt die Normungsplanung des NIST mit ihren Stichjahren 2030 und 2035.
Dem stehen Fachleute gegenüber, die auf den Abstand zwischen Laborrekorden und der benötigten Zahl fehlerkorrigierter Recheneinheiten verweisen: Heutige Systeme arbeiten mit einigen hundert bis wenigen tausend physischen Qubits, während Abschätzungen für einen Angriff auf reale Schlüssellängen in die Hunderttausende gehen. Aus dieser Sicht ist die Gefahr eine Frage von Jahrzehnten, nicht von Jahren. Bemerkenswert ist, dass beide Lager dieselbe praktische Empfehlung geben: früh anfangen, weil ein Umbau dieser Größe Jahre braucht und weil abgegriffene Daten heute später entschlüsselt werden können.
Was du aus diesem Streit für dich mitnimmst, ist bescheiden und robust: Der Adresswechsel kostet dich eine Transaktionsgebühr und ist unabhängig davon sinnvoll, weil er auch deine Privatsphäre verbessert. Alles andere ist Zukunftsdeutung.
Die Masche mit dem „Quanten-Upgrade": Woran du den Betrug erkennst
Jede große Sicherheitsdebatte zieht Betrüger an, und diese hier besonders, weil sie Angst mit Technik verbindet. Das Muster ist immer dasselbe: Eine E-Mail, eine Direktnachricht oder eine gefälschte Wallet-Meldung fordert dich auf, dein Guthaben „quantensicher zu migrieren", und führt auf eine Seite, die nach der Seed-Phrase fragt oder eine Freigabe für deine Token verlangt.
Drei Merkmale entlarven das zuverlässig. Es gibt keine quantensichere Bitcoin-Adresse, in die du heute umziehen könntest, weil das Format noch nicht beschlossen ist. Kein echtes Protokoll-Upgrade verlangt jemals die Eingabe deiner Wortliste. Und keine Wallet, die dir gehört, schickt dir Fristen per Nachricht. Wer sichergehen will, tippt die Adresse seiner Wallet-Seite selbst ein und prüft im Zweifel beim Hersteller nach. Ähnlich funktioniert die Zwischenablage-Masche, die wir in unserem Ratgeber zum unbemerkten Adresstausch beschrieben haben.
Bitcoin und der Quantenrechner: Was du daraus mitnimmst
- Prüfe deine Adressen, bevor du irgendetwas anderes tust. Adressformat ablesen, im Block-Explorer nach Abgängen suchen, Guthaben zuordnen. Nur wo heute Guthaben auf einer offengelegten Adresse liegt, gibt es überhaupt etwas zu tun. Wie du deine Schlüssel dabei am besten aufbewahrst, zeigt unser Hardware-Wallet-Vergleich.
- Beende die Adresswiederverwendung. Zieh betroffene Bestände in einer ruhigen Gebührenphase auf frische Adressen um und lass deine Wallet künftig für jeden Eingang eine neue erzeugen. Das senkt das Quantenrisiko und verbessert nebenbei deine Privatsphäre.
- Frag deinen Verwahrer nach seinem Fahrplan. Wer Bestände an einer Börse hält, kann die Adressen nicht selbst wählen und sollte wissen, wie der Anbieter mit der Umstellung umgeht. Die Eckdaten der großen Handelsplätze findest du in unserer Übersicht der Krypto-Börsen.
(Stand: 5. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.






























