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Anthropic will an die Nasdaq: Taugt der ANTH-Perp als Aktienersatz?

Anthropic hat sein S-1 bei der SEC eingereicht und will unter dem Kürzel ANT an die Nasdaq. Auf Hyperliquid läuft die Wette darauf schon, in vier Märkten mit drei verschiedenen Kursen.

Aufgeschlagene gedruckte Prospektmappe auf einem Notierungspult in einer leeren Börsenhalle, daneben eine schwere Messingglocke auf poliertem Holz
11 Min. Lesezeit
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Anthropic hat am Montag den Prospekt für seinen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Noch bevor die erste Aktie gehandelt wird, läuft auf der Handelsplattform Hyperliquid längst eine Wette darauf. Wer dort kauft, bekommt allerdings keine Aktie, sondern einen unbefristeten Terminkontrakt auf eine geschätzte Bewertung.

Was im Prospekt steht: Class A, Nasdaq Global Select Market, Kürzel ANT

Die Anthropic PBC ist seit dem 26. Oktober 2026 mit einem S-1-Formular im Register der SEC eingetragen. Im Prospekt steht der Satz, auf den es für die Notierung ankommt: Das Unternehmen hat beantragt, seine Class-A-Aktien am Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT zu führen. Anthropic ist nach dem Recht des US-Bundesstaats Delaware als Public Benefit Corporation verfasst, also als Gesellschaft mit festgeschriebenem Gemeinwohlzweck neben dem Gewinnziel.

Zwei Angaben fehlen in dem Papier noch, und es sind die beiden wichtigsten. Die Zahl der angebotenen Aktien steht als Lücke im Text. Zur Preisspanne heißt es lediglich, der Ausgabepreis je Aktie werde zwischen zwei noch nicht genannten Beträgen liegen. Solange diese Felder leer sind, existiert kein offizieller Preis, an dem sich eine Wette ausrichten könnte. Den Prospekt kannst du im Original nachlesen, er liegt öffentlich im SEC-Register.

Einen Zeitplan nennt der Prospekt nicht. Nach einem Bericht von CoinDesk vom 26. Oktober zielt das Unternehmen auf die Preisfestsetzung in der Mitte des Novembers; die Financial Times erwartet demselben Bericht zufolge eine Bewertung zwischen 1,5 und 1,75 Billionen Dollar. Das sind Erwartungen von Marktteilnehmern und Beobachtern, keine Zahlen aus dem eingereichten Papier.

16,3 Milliarden Dollar Umsatz, 693 Millionen Dollar operativer Verlust

Der Prospekt legt die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 offen. Der Umsatz lag bei 16,286 Milliarden Dollar, nach 1,163 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2025. Die gesamten Betriebsausgaben betrugen 16,979 Milliarden Dollar. Der operative Verlust beträgt damit 693 Millionen Dollar, bei einem Umsatz, der sich binnen eines Jahres gut verzehnfacht hat.

Die Jahresreihe davor liest sich so: 41 Millionen Dollar Umsatz im Jahr 2023, 386 Millionen 2024, 4,585 Milliarden 2025. Der größte Ausgabenposten ist Rechenleistung und Infrastruktur mit 8,945 Milliarden Dollar allein im ersten Halbjahr 2026. An liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen weist die Bilanz zum 30. Juni 2026 einen Bestand von 131,651 Milliarden Dollar aus.

80,7 Milliarden Dollar Verlust: Was hinter der Schlagzeile steckt

In vielen Meldungen zum Prospekt steht die Zahl 80,7 Milliarden Dollar als Verlust des ersten Halbjahrs. Die Zahl ist richtig, und sie führt in die Irre, sobald man sie für ein Betriebsergebnis hält. Von diesem Betrag entfallen 72,388 Milliarden Dollar auf eine einzige Bilanzzeile: die Veränderung des Zeitwerts von Wandelanleihen, derivativen Verbindlichkeiten und sogenannten SAFEs, also Vereinbarungen über künftige Beteiligungen.

Der Prospekt erklärt diese Zeile selbst. Sie geht überwiegend darauf zurück, dass der Zeitwert der ausstehenden Wandelschuldverschreibungen gestiegen ist, weil die Bewertung des Unternehmens gestiegen ist. Dahinter steht kein Zahlungsfluss, sondern eine Neubewertung in der Bilanz. Je höher ein Investor das Unternehmen einschätzt, desto größer fällt dieser buchhalterische Verlust aus. Weitere 8,757 Milliarden Dollar stehen unter sonstigen Aufwendungen.

Dasselbe Muster zieht sich durch die Vorjahre. Die Zeitwertänderung lag 2023 bei 1,0 Milliarden Dollar, 2024 bei 5,4 Milliarden und 2025 bei 34,3 Milliarden, bei ausgewiesenen Nettoverlusten von 1,5, 8,3 und 42,0 Milliarden Dollar. Wer mit dem Argument der 80 Milliarden auf einen fallenden Kurs setzt, setzt also gegen eine Kennzahl, die bei steigender Bewertung mitwächst.

Was ein Pre-IPO-Perpetual ist und was er nicht liefert

Ein Perpetual Future, kurz Perp, ist ein Terminkontrakt ohne Verfallstag. Er bildet einen Referenzpreis nach, und damit er sich nicht von diesem Preis löst, zahlen Käufer und Verkäufer einander in kurzen Abständen eine Ausgleichsgebühr, die Funding-Rate heißt. Ein Pre-IPO-Perp bildet die geschätzte Bewertung eines Unternehmens nach, das noch nicht an der Börse notiert.

Geliefert wird dabei nichts. Du erhältst keine Aktie, kein Stimmrecht, keine Dividende und keinen Anspruch, falls das Unternehmen übernommen wird. Du hältst eine Position gegen andere Marktteilnehmer, besichert mit einem Stablecoin-Pfand. Geht der Kurs gegen dich und reicht das Pfand nicht mehr, wird die Position zwangsweise geschlossen.

Technisch laufen diese Märkte auf Hyperliquid als Builder-Märkte: Ein Betreiber setzt einen eigenen Markt auf und bestimmt den Referenzpreis, den maximalen Hebel und die Notierungseinheit selbst. Nach Angaben von Cryptobriefing ist einer der Anthropic-Kontrakte auch über die Wallet-App MetaMask erreichbar, was die Hürde für Privatanleger zusätzlich senkt.

MiCA oder MiFID II: Unter welche Regeln so ein Kontrakt fällt

Ein Perpetual auf eine Unternehmensbewertung ist kein Kryptowert im Sinne der EU-Verordnung MiCA, sondern ein Derivat. Dafür gilt in der Europäischen Union das Regelwerk MiFID II, und damit greifen die Vorgaben für Finanzinstrumente statt der Pflichten für Kryptodienstleister. Welche Folgen diese Einordnung für Hebelprodukte hat, haben wir in der Einordnung von Perpetuals unter die CFD-Regeln ausführlich aufgeschrieben.

Praktisch heißt das: Die Betreiber dieser Builder-Märkte haben keine deutsche Erlaubnis, und sie treten auch nicht als Wertpapierdienstleister auf. Es gibt dort keine Anlageberatung, keine Angemessenheitsprüfung und keine Einlagensicherung. Ein zugelassenes Haus in Deutschland müsste jeden dieser Punkte erfüllen.

Zwei Handelsterminals unterschiedlicher Baureihe nebeneinander auf einem Stahltisch, die Bildschirme als leere Lichtflächen, dazwischen ein getrennter Kabelstrang
Vier Märkte auf dieselbe Firma, jeder mit eigener Preisquelle: Die Notierungen laufen weit auseinander.

Vier Märkte auf dieselbe Firma, drei verschiedene Kurse

Wie viele Anthropic-Märkte es auf Hyperliquid gibt und was sie kosten, war bislang nirgends zusammengestellt. Grundlage der folgenden Zahlen sind die öffentlich einsehbaren Marktdaten von Hyperliquid, geprüft wurden alle 550 Perpetual-Märkte der zehn Builder-Marktplätze und des Hauptbuchs, Stand Dienstag, 14.40 Uhr deutscher Zeit. Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 27. Oktober 2026 selbst erhoben.

Vier dieser 550 Märkte notieren Anthropic, und sie tun es in drei verschiedenen Einheiten. Der Markt mit dem Kürzel io:ANTH stand bei 1.893,70 Punkten, 0,22 Prozent über dem Wert von 24 Stunden zuvor, mit zwölffachem Hebel, offenen Positionen im Gegenwert von 54,06 Millionen Dollar und einem Tagesumsatz von 19,24 Millionen Dollar. Der Markt xyz:ANT notierte bei 115,57 und damit 16,25 Prozent unter dem Vortagswert, bei zehnfachem Hebel, 7,41 Millionen Dollar offenen Positionen und 15,33 Millionen Dollar Tagesumsatz.

Die beiden übrigen Märkte sind praktisch leer. para:ANTH stand bei 115,45 bei zehnfachem Hebel, vntl:ANTHROPIC bei 1.619,30 bei dreifachem Hebel; in beiden lagen am Dienstagnachmittag so gut wie keine offenen Positionen und kein Umsatz. Wer in einem leeren Markt kauft, zahlt den Preis, den der einzige Gegenpart fordert, und kommt unter Druck kaum wieder heraus.

Diese Spreizung ist der eigentliche Befund. Die hohen Notierungen folgen einer Konvention, die mehrere Berichte so beschreiben, dass ein Punkt für rund eine Milliarde Dollar unterstellter Unternehmensbewertung steht. Die niedrigen Notierungen rechnen offenbar in einem geschätzten Preis je Aktie. Ein Vergleich der Zahlen zwischen zwei dieser Märkte ergibt deshalb keinen Sinn, und keine der vier Notierungen ist ein Aktienkurs. Besonders leicht zu verwechseln ist xyz:ANT, denn ANT ist genau das Kürzel, das Anthropic für die echte Nasdaq-Notierung beantragt hat.

Steuer: Kapitalerträge statt einjähriger Haltefrist

Bei Kryptowährungen im Direktbestand kennst du die einjährige Haltefrist, nach der ein Verkauf steuerfrei bleibt. Auf Terminkontrakte lässt sich diese Regel nicht übertragen. Wie cryptoticker.io am 12. Oktober 2026 in der Auswertung zur Besteuerung von Krypto-Futures und Perps dargelegt hat, greift bei diesen Geschäften die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, und zwar vom ersten Trade an.

Dazu kommt die Verlustverrechnung, die bei Termingeschäften eigenen Regeln folgt und sich nicht beliebig mit anderen Einkunftsarten verrechnen lässt. Ein Anbieter ohne deutsche Zulassung führt keine Steuer ab und stellt keine Jahresbescheinigung aus. Die Erklärung liegt damit vollständig bei dir. Welche Programme die Geschäfte sauber erfassen und eine Aufstellung für das Finanzamt erzeugen, zeigt unser Vergleich der Krypto-Steuer-Tools; bei größeren Positionen ist der Gang zum Steuerberater die günstigere Variante.

So prüfst du, ob ein Anbieter in Deutschland zugelassen ist

Die BaFin führt eine öffentliche Unternehmensdatenbank, in der jede erteilte Erlaubnis steht. Für europäische Häuser führt die Aufsichtsbehörde ESMA ein eigenes Register der zugelassenen Anbieter. Findest du einen Namen in keinem der beiden Verzeichnisse, ist das kein Hinweis auf eine Lücke in der Datenbank, sondern die Antwort auf deine Frage.

Zwei weitere Punkte sind in wenigen Minuten geklärt. Verlangt eine Plattform keine Ausweisprüfung, arbeitet sie nicht nach europäischen Geldwäscheregeln. Und wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Gerichtsstand außerhalb der Europäischen Union nennen, bleibt dir im Streitfall kein deutsches Gericht, bei dem du dein Geld einklagen könntest.

Schwerer Stahl-Flaschenzug mit vielen Umlenkrollen an einem Deckenträger, das gespannte Drahtseil hält eine Stahlplatte knapp über dem Boden
Zwölffacher Hebel bedeutet: Schon ein Ausschlag von gut acht Prozent reicht, um das Pfand aufzuzehren.

Zwölffacher Hebel, Funding und Liquidation: Was die Wette kostet

Für Privatanleger in Deutschland gilt bei Differenzkontrakten auf Kryptowerte eine Hebelgrenze von 2:1, dazu gehören eine Zwangsschließung, sobald die Hälfte der Sicherheit aufgezehrt ist, und der Schutz davor, mehr zu verlieren als das eingezahlte Geld. Die gemessenen Anthropic-Märkte bieten das Sechsfache dieser Grenze. Bei zwölffachem Hebel zehrt eine Gegenbewegung von gut acht Prozent das Pfand auf, und 16 Prozent Tagesbewegung hat einer der vier Märkte am Dienstag gezeigt.

Die laufenden Kosten sind dagegen moderat und unterscheiden sich stark. Aus den gemessenen Funding-Raten ergibt sich für io:ANTH eine Belastung von etwa 1,4 Prozent im Jahr für eine Long-Position, während xyz:ANT bei etwa 0,3 Prozent im Jahr sogar leicht zugunsten der Käufer lief. In para:ANTH lag die Rate bei etwa 25 Prozent im Jahr, was in einem Markt ohne Umsatz aber kaum Aussagekraft hat. Diese Raten sind keine festen Gebühren, sie ändern sich stundenweise mit dem Ungleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern.

Das Pfand liegt dabei nicht bei einer deutschen Bank, sondern als Stablecoin auf der Plattform. Du trägst damit das Risiko des Stablecoins, das Risiko der Plattform und das Risiko des einzelnen Marktbetreibers, der den Referenzpreis stellt, zusätzlich zum Kursrisiko.

Termine: Preisspanne, Zeichnung und erster Handelstag

Der nächste belegbare Schritt ist eine Änderung des Prospekts, in der die Preisspanne und die Zahl der Aktien eingetragen werden. Erst dann steht eine Größenordnung fest, und erst danach beginnt die Zeichnungsphase. CoinDesk nennt als Erwartung des Marktes die Mitte des Novembers, unter Berufung auf die Fernsehjournalistin Liz Claman den 19. oder 20. November für die Preisfestsetzung. Ein Datum für den ersten Handelstag hat das Unternehmen nicht genannt.

Bis dahin gilt: Jede Zahl, die in einem Pre-IPO-Markt steht, ist die Meinung der dort Handelnden über einen Preis, den noch niemand kennt. Anleger in Deutschland, die Anthropic-Aktien nach der Notierung im Depot halten wollen, brauchen dafür keinen Perp, sondern einen Broker mit Zugang zur Nasdaq.

Anthropic-IPO: Die Preisspanne steht noch nicht im Prospekt

  1. Warte die Preisspanne ab. Solange Aktienzahl und Spanne im Prospekt leer sind, gibt es keinen Maßstab für eine Bewertung. Wer bis dahin Erfahrung mit unbefristeten Terminkontrakten sammeln will, sieht sich die Gebühren und Hebelgrenzen der Anbieter im Perp-DEX-Vergleich an.
  2. Kläre den Zugang zur Aktie. Für ANT nach dem Handelsstart brauchst du ein Depot mit US-Handelsplatz. Welche Häuser das zu welchen Kosten anbieten, zeigt der Broker-Vergleich.
  3. Sieh auf den Markt, nicht nur auf den Kurs. Hebel, Funding-Rate und offene Positionen gehören vor jede Order. Zwei der vier Anthropic-Märkte waren am Dienstag leer, und ein leerer Markt kostet mehr als ein schlechter Kurs. Werkzeuge, die solche Kennzahlen je Markt anzeigen, stehen im Vergleich der Analyse-Plattformen.

(Stand: 27. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zum Anthropic-IPO

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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