Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Drift-Hack: Der Angreifer bewegt Ether für 32 bis 61 Millionen Dollar in Tornado Cash

Wallets des Drift-Angreifers haben am 20. Oktober 2026 Ether für 32 bis 61,6 Millionen Dollar in den Mixer Tornado Cash geschoben, nach rund zwei Monaten Stillstand. Rund 81.500 Ether bleiben beim Angreifer, und für Anleger in Deutschland zählt vor allem, woher ihre eigenen Ether stammen.

Dunkler Serverraum mit rotem Warnlicht, ein durchtrenntes Glasfaserbündel hängt aus einem offenen Rack, daneben das Ethereum-Zeichen als Gravur in gebürsteter Stahlblende
10 Min. Lesezeit
Teilen:

Die Beute aus dem Angriff auf Drift Protocol ist wieder in Bewegung. Am 20. Oktober 2026 haben Wallets, die Beobachter dem Angreifer zuordnen, einen großen Teil der gestohlenen Ether an den Mixer Tornado Cash weitergeleitet, nachdem die Adressen rund zwei Monate still lagen. Die Angaben zur Summe gehen auseinander und liegen zwischen 32 und 61,6 Millionen Dollar. Für Anleger in Deutschland ist das keine ferne Nachricht: Gewaschene Ether landen am Ende auf dem offenen Markt, und wer sie unwissentlich annimmt, riskiert eine eingefrorene Einzahlung.

25.700 Ether in zwei Stunden: Die Zahlen zur Bewegung vom 20. Oktober

Den größten Wert nennt der Analysedienst Lookonchain. Dessen Auswertung zufolge flossen am 20. Oktober 25.700 Ether im Gegenwert von rund 61,56 Millionen Dollar innerhalb von zwei Stunden in Tornado Cash. Die erste Meldung des Tages kam von Onchain Lens und war kleiner: 13.400 Ether, umgerechnet etwa 32 Millionen Dollar, aus einer Adresse, die Beobachter als "Drift Exploiter 5" führen. Das Sicherheitsunternehmen Salus zählte unabhängig davon 19.600 Ether, rund 46,81 Millionen Dollar, verteilt auf 196 einzelne Transaktionen.

Zur Einordnung der Größenordnung: Ein Ether kostet am 20. Oktober 2026 rund 2.436 Dollar oder 2.168 Euro. Die 25.700 Ether aus der Lookonchain-Rechnung entsprechen damit etwa 55,7 Millionen Euro.

Drei Beobachter, drei Summen: Die Messweise erklärt die Spanne von 32 bis 61 Millionen Dollar

Die Spanne ist kein Widerspruch, sondern eine Folge der Messweise. Jeder Dienst beobachtet eigene Adressgruppen, schneidet den Zeitraum anders zu und rechnet zu unterschiedlichen Kursen um. Onchain Lens meldete früh am Tag, Lookonchain aktualisierte später und erfasste damit mehr Transaktionen. Salus wertete einen dritten Zuschnitt aus. Belastbar ist deshalb nur die Spanne, nicht eine einzelne Zahl. Wer die kleinste Angabe zitiert, untertreibt die Bewegung des Tages, wer nur die größte nimmt, hängt sich an eine Momentaufnahme.

Mixer: Ein Mixer ist ein Vertrag auf der Blockchain, der Einzahlungen vieler Nutzer zusammenführt und später in gleich großen Stücken wieder auszahlt, sodass sich Ein- und Auszahlung nicht mehr eindeutig verknüpfen lassen.

Was ein Krypto-Mixer wie Tornado Cash technisch macht

Tornado Cash arbeitet mit festen Stückgrößen und einem kryptografischen Nachweis. Wer einzahlt, erhält einen geheimen Beleg. Bei der Auszahlung weist er damit nach, dass er irgendwann eingezahlt hat, ohne zu zeigen, welche der Einzahlungen seine war. Je mehr Teilnehmer gleichzeitig im Topf liegen, desto größer die Menge, in der eine einzelne Summe verschwindet. Genau darauf zielen die 196 Einzeltransaktionen, die Salus gezählt hat: Viele kleine Schritte sind schwerer zuzuordnen als eine große Überweisung.

Die Technik löscht die Spur allerdings nicht vollständig. Analysefirmen arbeiten mit Zeitfenstern, Beträgen und dem Verhalten der Adressen danach. Dass drei Dienste die Bewegung am selben Tag unabhängig voneinander bemerkt haben, zeigt, wie engmaschig solche Adressen inzwischen beobachtet werden.

Industrielle Mischtrommel aus Stahl im Anschnitt, in der gleiche Metallplättchen in einem Wirbel ineinanderlaufen
Ein Mixer macht gleich große Teile ununterscheidbar. Das ist kein Nebeneffekt, sondern der Zweck der Konstruktion.

81.500 Ether bleiben beim Angreifer: Der Rest der Beute

Mit der Bewegung vom 20. Oktober ist die Beute nicht aufgebraucht. Arkham Intelligence bezifferte den Restbestand anschließend auf rund 81.454 Ether, etwa 194 Millionen Dollar. Lookonchain kam auf rund 81.864 Ether und damit etwa 195 Millionen Dollar. Ältere Schätzungen lagen zwischen 82.000 und 94.000 Ether und bei bis zu 224 Millionen Dollar. Der Angreifer verfügt also weiter über ein Vielfaches dessen, was an diesem Tag durch den Mixer ging.

Zwei Monate Stillstand vor der Bewegung

Auffallend ist der Rhythmus. Die Adressen lagen rund zwei Monate ohne Aktivität, bevor sie an einem Tag im großen Stil aktiv wurden. Dieses Muster ist aus anderen Fällen bekannt: Wer wartet, bis die öffentliche Aufmerksamkeit abgeflaut ist, trifft auf weniger Beobachter und auf Dienste, die eine Adresse nicht mehr täglich prüfen.

Der Angriff vom 1. April 2026: 295,4 Millionen Dollar auf einer Solana-Plattform

Drift Protocol war eine Handelsplattform für Derivate auf der Solana-Blockchain. Am 1. April 2026 verlor sie in kurzer Zeit den Großteil der hinterlegten Kundengelder. Die Drift Foundation selbst spricht in ihrem Wiederherstellungsbericht von rund 295,4 Millionen Dollar, die Nutzern genommen wurden. Einzelne Fachmedien nennen 285 Millionen Dollar und einen Ablauf von zwölf Minuten, die ersten Berichte der Angriffswoche lagen bei mehr als 270 Millionen Dollar. Die Spanne von 285 bis 295,4 Millionen Dollar ist damit der belastbare Rahmen.

Wie es mit der Plattform weiterging, hat die Redaktion im Oktober beschrieben: Unter dem Namen Velocity ging ein Nachfolger an den Start. Die Einzelheiten dazu stehen in der Meldung Velocity ersetzt Drift nach dem Hack.

Mandiant und Chainalysis ordnen den Angriff Nordkorea zu, nennen aber verschiedene Gruppen

Hier weichen die Ermittler voneinander ab, und das gehört zum Bild. Die Drift Foundation gibt in ihrem Bericht vom 3. Juni 2026 die Untersuchung von Mandiant wieder, die den Angriff nach eigener Darstellung eindeutig der Gruppe UNC6862 zuschreibt, einer nordkoreanischen Bedrohungsgruppe. TRM Labs und Chainalysis verweisen dagegen auf UNC4736, auch bekannt als Citrine Sleet, ebenfalls mit Staatsbezug nach Nordkorea. Gemeinsam ist beiden Zuordnungen die Herkunft, unterschiedlich ist die benannte Gruppe. Eine abschließende öffentliche Feststellung einer Behörde liegt nicht vor.

An der Spurensuche beteiligt sind nach Angaben der Stiftung Mandiant, zeroShadow und SEAL 911. Ein vergleichbarer Fall liegt erst wenige Wochen zurück: Bei der Börse Bitget ordnete Chainalysis einen Diebstahl von 387 Millionen Dollar derselben Herkunft zu, nachzulesen in unserer Meldung zur Bitget-Zuordnung.

9,2 Millionen Dollar eingefroren: Was die Drift Foundation zur Rückholung sagt

Die Bilanz der Wiederherstellung ist nüchtern. Von den rund 295,4 Millionen Dollar waren nach Angaben der Stiftung etwa 9,2 Millionen Dollar eingefroren, also rund drei Prozent. Eingefroren bedeutet nicht zurückgeholt: Die Stiftung schreibt, dass die Freigabe über Strafverfolgungsbehörden läuft und Zeit braucht. Bereits im August war Beute durch Tornado Cash gegangen, die Bewegung vom 20. Oktober ist also nicht die erste.

Geschädigte Nutzer können Ansprüche über einen Entschädigungstopf anmelden, der unter dem Kürzel DFX läuft. Die ersten Auszahlungen lagen Anfang Oktober bei etwas mehr als einem Prozent der Nutzerverluste, die Ansprüche wurden mit einem Cent je Token geöffnet. Zusätzlich läuft eine öffentliche Belohnung von zehn Prozent auf erfolgreich zurückgeholte Mittel, die die Stiftung gemeinsam mit Bybit ausgeschrieben hat.

Rot-weißes Absperrband vor einer aufgebrochenen Stahltür in einem leeren Betongang, das verbogene Schloss hängt heraus
Eingefroren ist nicht zurückgeholt: Von rund 295 Millionen Dollar sind etwa 9,2 Millionen gesichert.

Tornado Cash steht seit März 2025 nicht mehr auf der US-Sanktionsliste

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft den rechtlichen Status des Mixers. Das US-Finanzministerium hat Tornado Cash am 21. März 2025 von der Sanktionsliste gestrichen. Die Veröffentlichung trägt den Titel "Cyber-related Designation Removal; North Korea Designation Update and Removal" und führt den Eintrag TORNADO CASH samt der zugehörigen Ether-Adressen unter den Löschungen. Nachzulesen ist das in der Bekanntmachung der US-Sanktionsbehörde OFAC. Vorausgegangen war das Urteil des fünften US-Bundesberufungsgerichts in der Sache Van Loon gegen das Finanzministerium vom 26. November 2024.

Die Streichung betrifft das Werkzeug, nicht die Tat. Gestohlene Mittel bleiben gestohlen, gleich welchen Weg sie nehmen. Bei einem der Gründer blieb die Benennung unter dem Nordkorea-Programm nach derselben Bekanntmachung sogar bestehen, während die Cyber-Kennzeichnung entfiel. Wer daraus ableitet, eine Einzahlung mit Mixer-Historie sei unproblematisch, verwechselt Sanktionsrecht mit Geldwäscheaufsicht.

Geldwäschegesetz: Eine Börse in Deutschland darf eine Einzahlung zurückhalten

Anbieter, die in Deutschland Kunden bedienen, unterliegen dem Geldwäschegesetz. Diese Häuser müssen die Herkunft von Vermögenswerten prüfen, auffällige Vorgänge der Financial Intelligence Unit melden und dürfen eine Transaktion bis zur Klärung zurückhalten. Praktisch arbeiten die Häuser dazu mit denselben Analysediensten, die auch die Drift-Beute verfolgen. Taucht eine eingehende Summe mit kurzer Distanz zu einem Mixer oder zu einer markierten Adresse auf, schlägt das System an.

Für den Kunden heißt das: Die Gutschrift kann liegen bleiben, eine Auszahlung wird gestoppt, und der Anbieter fragt nach Belegen zur Herkunft. Aufgelöst wird so ein Fall über Dokumente, nicht über Widerspruch. Kaufbelege, Kontoauszüge und ein nachvollziehbarer Weg vom Einstieg bis zur Einzahlung sind dann die einzige Grundlage, auf der sich etwas klären lässt. Wer über lizenzierte Häuser kauft, hat diesen Nachweis ohnehin. Eine Übersicht regulierter Anbieter führt die Redaktion im Vergleich der Krypto-Börsen.

Verwahrung und Einzahlungswege: Wo gebrauchte Ether auffallen

Das Risiko entsteht nicht beim Kauf an einer lizenzierten Börse, sondern an den Rändern. Direktgeschäfte mit unbekannten Gegenparteien, Tauschangebote in Chatgruppen und Bezahlungen von Fremden für Leistungen sind die üblichen Einstiegspunkte für Mittel mit Vorgeschichte. Wer Ether aus solchen Quellen annimmt und später an einer Börse einzahlt, trägt die Nachweislast.

Eigene Verwahrung ändert an der Herkunft nichts. Ein Hardware-Wallet schließt den Zugriff Dritter auf die Schlüssel aus und ist gegen Phishing und Angriffe auf Dienste die wirksamste Maßnahme, es wandelt aber keine markierten Mittel in unmarkierte um. Die Geräte samt Bedienung stellt die Redaktion im Hardware-Wallet-Vergleich gegenüber. Der Nutzen liegt im Schutz der eigenen Bestände, nicht in einer Reinigung der Historie.

Bei einer gestoppten Auszahlung zählen Belege mehr als Widerspruch

Zuerst die Anfrage des Anbieters vollständig beantworten, mit Datum, Gegenpartei und Betrag. Dann die Transaktionskennungen zusammenstellen, die den Weg der Mittel bis zum eigenen Einstieg zeigen. Wer die Herkunft selbst nicht kennt, sollte das offen sagen, denn eine erfundene Erklärung wiegt vor der Aufsicht schwerer als eine Lücke.

Einordnung: Eine Mixer-Einzahlung belegt keinen Verkauf

Zum Schluss eine Abgrenzung, die in vielen Meldungen untergeht. Dass 25.700 Ether in einen Mixer fließen, sagt nichts darüber, ob und wann sie verkauft werden. Die Mittel liegen danach in einem Vertrag, das Ziel der Auszahlung ist offen. Ein unmittelbarer Druck auf den Ether-Kurs ist daraus nicht abzuleiten, zumal die Summe gegen das tägliche Handelsvolumen klein ist. Wer die Bewegung als Verkaufssignal liest, legt den Daten etwas bei, was sie nicht tragen. Belegt ist der Vorgang, nicht die Absicht dahinter.

Offen bleiben drei Punkte: welche Gruppe tatsächlich hinter dem Angriff steht, wann die eingefrorenen 9,2 Millionen Dollar freigegeben werden, und wohin die verbliebenen rund 81.500 Ether gehen.

Drift-Beute: 81.500 Ether liegen noch beim Angreifer

  1. Prüfe, über welche Wege Ether in deine Bestände gekommen sind, und lege Kaufbelege für jeden Einstieg ab. Für künftige Käufe führt der sichere Weg über lizenzierte Anbieter aus dem Börsen-Vergleich.
  2. Verlege größere Bestände in eigene Verwahrung, damit ein Angriff auf einen Dienst deine Schlüssel nicht erreicht. Die Geräte im Hardware-Wallet-Vergleich zeigen die Unterschiede in Bedienung und Sicherungskonzept.
  3. Meide Direktgeschäfte mit unbekannten Gegenparteien. Kommt eine Einzahlung dennoch ins Stocken, beantworte die Rückfragen des Anbieters mit Belegen statt mit Widerspruch.

(Stand: 20. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zum Drift-Hack

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

Verwandte Artikel

Welche Themen sollen wir vertiefen?

Wähle aus, was dich aktuell beschäftigt. Deine Auswahl fließt direkt in unsere Themenplanung ein.

Crypto-News, die wirklich Mehrwert bringen.

Wöchentlich. 60 Sekunden Lesezeit. Sorgfältig kuratiert von unserer Redaktion: kein Hype, keine Werbe-Mails, kein Spam.

Abonnieren

Mehr zum Thema

Alle anzeigen

Vielleicht auch interessant