Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Coinbase verwahrt 5 Prozent aller Bitcoin und drängt auf den Post-Quanten-Umstieg

Coinbase hat ein Positionspapier veröffentlicht, das Bitcoin-Entwickler auffordert, den Wechsel auf quantensichere Signaturen jetzt zu beginnen. Eine Frist nennt das Papier nicht, eine Handlung für Halter in Deutschland ergibt sich trotzdem.

Nächtlicher Serverraum mit langen Reihen dunkler Rechenschränke, auf einer Metallplatte an der vordersten Schrankfront ist das Bitcoin-Zeichen eingraviert
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Kategorien: Bitcoin

Coinbase hat am 13. Oktober 2026 ein Positionspapier zur Zukunft der Bitcoin-Signaturen vorgelegt. Die Kernaussage lautet, dass der Umbau auf Verfahren, die ein Quantenrechner nicht brechen kann, beginnen muss, bevor es einen solchen Rechner gibt. Bitcoin notiert davon unberührt bei rund 81.600 Dollar (CoinGecko, 16. Oktober). Das Papier enthält weder eine Frist noch einen Aktivierungsmechanismus, und genau das ist seine Nachricht: Die Debatte beginnt, die Umsetzung noch nicht.

Coinbase legt ein Positionspapier zur Post-Quanten-Migration vor

Das Dokument wiegt schwerer als die üblichen Wortmeldungen aus der Branche, weil Coinbase nach übereinstimmenden Berichten rund fünf Prozent aller existierenden Bitcoin verwahrt, überwiegend für Banken, Vermögensverwalter und Hedgefonds. Wer so viel fremdes Guthaben hält, trägt das Migrationsrisiko nicht theoretisch.

Die Begründung des Unternehmens ist im Papier wörtlich festgehalten: „Bitcoin consensus changes and ecosystem migrations can take years, so it is important that we begin this work now.“ An anderer Stelle heißt es, man halte es für wichtig, „well ahead of any CRQC“ mit der Vorbereitung zu beginnen. CRQC steht für cryptographically relevant quantum computer, also für einen Quantenrechner, der tatsächlich stark genug wäre, heutige Signaturen zu brechen. Einen solchen Rechner gibt es bislang nicht; die leistungsfähigsten bekannten Maschinen arbeiten mit weniger als 1.000 Qubits.

Das Papier beruft sich für die zeitliche Einordnung auf eine Schätzung von Google-Forschern, nach der ein CRQC gegen 2029 entstehen könnte. Diese Zahl ist eine fremde Prognose, keine Zusage von Coinbase, und sie wird in der Fachdebatte unterschiedlich bewertet.

BIP-360 trennt den Ausgabetyp von der Signatur

Technisch stützt sich das Papier auf einen Gedanken, der die eigentliche Pointe des Vorschlags ist: Der Behälter einer Bitcoin-Ausgabe und das Signaturverfahren, mit dem sie später ausgegeben wird, sollen voneinander getrennt werden.

Pay-to-Merkle-Root als austauschbarer Behälter

BIP-360 beschreibt unter dem Namen Pay-to-Merkle-Root, kurz P2MR, einen Ausgabetyp, der nicht fest an ein bestimmtes Signaturverfahren gebunden ist. Ein Merkle-Root ist dabei die verdichtete Wurzel eines Hash-Baums, unter der sich mehrere mögliche Ausgabebedingungen verbergen lassen, ohne dass alle davon offengelegt werden müssen. Der Vorteil in der Migration liegt darin, dass sich ein neues, quantensicheres Verfahren später ergänzen lässt, ohne das Ausgabeformat erneut zu ändern.

P2TRv2 als zweiter, weniger ausgereifter Weg

Daneben nennt das Papier P2TRv2, eine zweite Fassung von Taproot, die dieselbe Trennung verfolgt. Coinbase ordnet sie öffentlich als weniger weit gediehen ein als BIP-360. Beides ist bislang Entwurf. BIP-360 hat den Status eines Vorschlags, P2TRv2 ist nicht übernommen, und kein Bitcoin-Upgrade zu diesen Punkten ist beschlossen.

Makroaufnahme eines Prozessorchips auf dunkler Platine mit goldenen Kontaktflächen und geriffeltem Kühlkörper
Die Gegenseite ist noch Hardware im Labormaßstab: Die leistungsfähigsten bekannten Quantenrechner arbeiten mit weniger als 1.000 Qubits.

Das 1-von-2-Wallet vermeidet einen harten Stichtag

Für die frühe Phase des Umstiegs schlägt Coinbase eine Konstruktion vor, die das Papier als 1-von-2 bezeichnet. Ein Guthaben lässt sich dabei entweder mit dem klassischen Schlüssel ausgeben oder mit einem zusätzlichen, quantensicheren Schlüssel. Beide Wege gelten gleichzeitig.

Der praktische Nutzen ist ein Netzwerk, das nicht an einem Stichtag umschalten muss. Es entstehen auch keine Ausgaben, die sich ausschließlich mit dem alten Verfahren bewegen lassen und damit beim späteren Abschalten hängen blieben. Wer schon einmal ein Wallet über einen Formatwechsel gerettet hat, kennt den Unterschied zwischen einem Übergang und einem Schnitt.

Zustandsbehaftete Verfahren wie XMSS und LMS tragen ein eigenes Fälschungsrisiko

Bei der Wahl des künftigen Verfahrens äußert sich Coinbase zurückhaltend. Zustandsbehaftete Signaturverfahren wie XMSS und LMS gelten als klein und schnell, sie müssen sich aber merken, welcher Teil des Schlüsselmaterials bereits verbraucht ist. Wird dieser Zustand falsch verwaltet und ein Teil ein zweites Mal benutzt, ist die Fälschung einer Signatur unmittelbar möglich. Coinbase fordert deshalb, solche Verfahren nur zusammen mit einem zustandslosen Rückfallweg auszuliefern.

Eine Festlegung auf einen bestimmten Algorithmus vermeidet das Papier ausdrücklich. Es benennt ebenso wenig einen Aktivierungsmechanismus. Wer ein fertiges Upgrade erwartet hat, findet eine Problembeschreibung mit Leitplanken.

Offengelegte Schlüssel stecken in P2PK- und bereits ausgegebenen Adressen

Der für Halter wichtigste Teil betrifft die Frage, welche Guthaben überhaupt angreifbar wären. Der öffentliche Schlüssel einer Adresse ist nicht immer sichtbar. Bei modernen Adressformaten steht in der Blockchain zunächst nur ein Hash davon, und erst mit der ersten Ausgabe wird der Schlüssel selbst öffentlich.

Woran du eine offengelegte Adresse erkennst

Das Papier zählt die gefährdete Menge entlang dieser Logik auf: sehr alte P2PK-Ausgaben, bei denen der öffentliche Schlüssel von Anfang an im Klartext steht, dazu P2PKH- und Taproot-Ausgaben, von denen bereits einmal ausgegeben wurde, und schließlich Einzahlungen, die während einer laufenden Migration neu hinzukommen. Die Faustregel für dich lautet damit: Eine Adresse, von der du schon einmal Bitcoin gesendet hast, hat ihren öffentlichen Schlüssel preisgegeben. Eine Adresse, die nur empfangen hat, bislang nicht.

Wie du den eigenen Bestand daraufhin durchgehst, hat cryptoticker.io in einem eigenen Beitrag zum Quantenrisiko einzelner Bitcoin-Adressen beschrieben. Die Größenordnung des betroffenen Bestands wird unterschiedlich angegeben: Coinbases eigenes Beratergremium kam im April 2026 auf rund 6,9 Millionen Bitcoin mit potenziell offengelegtem Schlüsselmaterial, ältere Auswertungen nennen etwa 6,7 Millionen. Beide Zahlen beschreiben eine Obergrenze des theoretisch Exponierten, keinen Schaden.

Zwei Hände halten eine markenlose Hardware-Wallet mit dunklem Display über einer Holztischplatte, daneben eine gestanzte Metallplatte
Eine frische Empfangsadresse je Zahlung hält den öffentlichen Schlüssel bis zur ersten Ausgabe verborgen; gängige Wallets erledigen das automatisch.

Der Zeitrahmen bleibt offen, die Schätzungen gehen auseinander

Zur Dauer des Umbaus liegen abweichende Angaben vor, und das Papier selbst trägt dazu bei, weil es keine Frist setzt. Ein Teil der Berichterstattung gibt eine Schätzung von bis zu sieben Jahren für den Austausch des Signaturverfahrens wieder. Andere Berichte sprechen allgemein von mehreren Jahren und halten ausdrücklich fest, dass Coinbase bewusst keinen Zeitplan festschreibt. Belastbar ist damit nur die Spanne von mehreren Jahren bis zu einer Schätzung von sieben, nicht eine einzelne Zahl.

Für die Einordnung ist das weniger unbefriedigend, als es klingt. Eine Konsensänderung bei Bitcoin braucht Zustimmung unter Entwicklern, Minern, Börsen und Wallet-Anbietern. Ein Termin, den eine einzelne Firma setzt, hätte keine Bindung.

Für die Haltefrist in Deutschland ändert ein Umzug auf eine frische Adresse nichts

Die naheliegende Reaktion vieler Halter wäre, Guthaben vorsorglich auf neue Adressen zu bewegen. Steuerlich ist das in Deutschland unkritisch: Das Bundesfinanzministerium behandelt in seinem Schreiben zur ertragsteuerlichen Behandlung von Kryptowerten den Übertrag zwischen eigenen Wallets nicht als Veräußerung. Die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz läuft also weiter, wenn du Bitcoin von einer eigenen Adresse auf eine andere eigene Adresse schickst.

Zwei Punkte bleiben trotzdem wichtig. Erstens muss dein Nachweis stimmen, denn ein Portfolio-Tracker oder ein Steuerwerkzeug wertet einen solchen Übertrag sonst womöglich als Verkauf und Neukauf. Zweitens kostet jeder Übertrag Netzwerkgebühr. Panik ist angesichts eines Zeithorizonts von Jahren der schlechtere Ratgeber. Wie der Gesetzgeber derzeit mit der Haltefrist umgeht, ist in der laufenden Reformdebatte offen.

Wer ohnehin über die Verwahrung nachdenkt, findet in unserem Vergleich der Hardware-Wallets die Modelle mitsamt Einrichtung und laufenden Kosten. Entscheidend für diesen Artikel ist dabei nur eine Eigenschaft: Das Gerät muss die Signaturverfahren per Firmware nachrüsten können.

Wer an der Börse verwahrt, überlässt die Migration dem Anbieter

Liegen deine Bitcoin bei einer Börse oder einem Broker, gehört dir ein Anspruch gegen das Unternehmen, nicht ein privater Schlüssel. Die Umstellung auf quantensichere Signaturen wäre dann Aufgabe des Verwahrers. Coinbase beschreibt im Papier unter anderem Multi-Party Computation als Baustein der eigenen Infrastruktur und hält fest: „When implemented effectively, MPC can provide strong protection against key theft.“ Bei MPC wird ein Schlüssel nie an einem Ort vollständig zusammengesetzt, sondern auf mehrere Parteien verteilt.

Daraus folgt eine Arbeitsteilung, die du kennen solltest. In der Verwahrung bei einem Anbieter trägst du das Gegenparteirisiko, die technische Migration jedoch nicht. In der Eigenverwahrung ist es umgekehrt. Beides ist vertretbar, nur sollte die Entscheidung bewusst fallen und nicht aus Trägheit.

Ruhende Bitcoin und verlorene Schlüssel bleiben die offene Flanke

Den heikelsten Punkt schiebt das Papier bewusst nicht vor die Klammer: Guthaben, das sich nie bewegt, kann auch nicht migriert werden. Dazu zählen die frühen Bestände aus der Anfangszeit des Netzwerks und alle Coins, deren Schlüssel verloren sind. Coinbase behandelt diese Frage als eigenständiges Problem und nicht als Voraussetzung für den Rest des Umbaus.

Das ist eine politische Weichenstellung, keine rein technische. Ob solche Ausgaben irgendwann eingefroren, mit einer Frist versehen oder unberührt gelassen werden, berührt Eigentumsfragen, über die im Bitcoin-Umfeld seit Jahren gestritten wird. Coinbase äußert dazu die Erwartung, Bitcoin werde „continue to be the most trusted cryptocurrency in a post-quantum world“. Eine Antwort auf die Frage nach den ruhenden Beständen ist das nicht.

Post-Quanten-Umstieg: Ohne aktiviertes BIP-360 ändert sich nichts

Solange kein Ausgabetyp aktiviert ist, bleibt dein Wallet so, wie es heute arbeitet. Sinnvoll sind deshalb drei Schritte in dieser Reihenfolge:

  1. Adressverhalten prüfen. Vergewissere dich, dass dein Wallet für jede Einzahlung eine frische Empfangsadresse erzeugt und du keine Adresse mehrfach benutzt. Welche Programme das zuverlässig tun, zeigt der Vergleich der Software-Wallets.
  2. Verwahrung bewusst wählen. Entscheide, welcher Teil deines Bestands bei einem Anbieter liegen soll und welcher in Eigenverwahrung. Gebühren, Sitz und Verwahrmodell der Anbieter stehen im Börsenvergleich.
  3. Nachweise sauber führen. Dokumentiere jeden Übertrag zwischen eigenen Wallets, damit die Haltefrist belegbar bleibt. Werkzeuge dafür findest du im Vergleich der Steuer- und Portfolio-Tools.

Der nächste belastbare Hinweis kommt nicht aus einer Unternehmensmitteilung, sondern aus dem Entwicklungsprozess: Erst wenn BIP-360 den Entwurfsstatus verlässt und ein Aktivierungsweg vorliegt, wird aus dem Papier ein Fahrplan.

Quellen zum Positionspapier: The Quantum Insider und crypto.news.

(Stand: 16. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zum Post-Quanten-Umstieg von Bitcoin

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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