Krypto-Lizenz deiner Volksbank: Warum du die Verwahrung getrennt prüfen musst
14 der 16 neuen CASP-Einträge im ESMA-Register waren zuletzt deutsche Genossenschaftsbanken, und jede trägt nur die Orderausführung. Unsere Auszählung der BaFin-Datenbank zeigt: keine der 21 genossenschaftlichen Häuser ist als Kryptoverwahrer eingetragen.

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Wenn deine Volksbank oder Raiffeisenbank seit kurzem Krypto anbietet, dann hat sie dafür eine Zulassung der BaFin. Diese Zulassung deckt in den meisten Fällen genau eine Dienstleistung ab: die Ausführung deiner Kauf- und Verkaufsaufträge. Die Verwahrung deiner Coins deckt sie nicht ab. Wer den Schlüssel zu deinem Bestand hält, steht in der Zulassung deiner Bank nicht drin, und genau das ist die Frage, die du vor dem ersten Kauf klären solltest.
Der Anlass ist eine Verschiebung im europäischen Register, die in den vergangenen Wochen deutlich geworden ist. Zwischen dem 12. August und dem 10. September 2026 kamen laut einer Auswertung des Branchendienstes The Industry Spread vom 10. September 16 neue Einträge in das CASP-Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. 14 davon waren deutsche Genossenschaftsbanken. Der Fachdienst MiCA Watch kommt für denselben Zeitraum auf dasselbe Bild und zählt inzwischen 31 Ortsbanken mit einer MiCA-Zulassung, jede mit einer einzigen Dienstleistung und jede nur für Deutschland.
Was eine CASP-Zulassung nach MiCAR überhaupt erlaubt
CASP steht für Crypto-Asset Service Provider, auf Deutsch Kryptowerte-Dienstleister: ein Unternehmen, das gewerblich eine der in der EU-Verordnung MiCAR aufgezählten Krypto-Dienstleistungen anbietet und dafür eine Zulassung der nationalen Aufsicht braucht. MiCAR ist die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte, seit Ende 2024 in Kraft, zuständige Behörde in Deutschland ist die BaFin.
Entscheidend ist eine Eigenschaft dieser Zulassung, die im Alltag gern untergeht: Eine solche Zulassung gilt nie pauschal. MiCAR listet zehn einzelne Dienstleistungen auf, von der Verwahrung über den Betrieb einer Handelsplattform bis zur Anlageberatung zu Kryptowerten. Ein Institut beantragt jede davon einzeln, und im Register steht hinterher genau, welche es bekommen hat. Eine Bank kann also zugelassen sein und trotzdem nicht berechtigt sein, deine Coins zu halten.
Der zweite Punkt betrifft die Reichweite. Die Zulassung gilt grundsätzlich EU-weit, aber nur für die Länder, in die das Institut sie notifiziert hat. Bei den Genossenschaftsbanken ist dieses Feld durchgängig auf ein einziges Land gesetzt, nämlich Deutschland. Für dich als Kunden in Deutschland ändert das nichts, es erklärt aber, warum diese Häuser im europäischen Register anders aussehen als eine internationale Börse.
Genossenschaftsbanken füllen das ESMA-Register: 14 von 16 neuen Einträgen
Die Zahlen aus den beiden Auswertungen sind deutlich. The Industry Spread nennt für das Fenster vom 12. August bis 10. September 2026 einen Anteil von 14 der 16 neuen Registereinträge, also 87,5 Prozent. MiCA Watch nennt für den August 15 von 17 neuen Einträgen und damit 88,2 Prozent. Beide Dienste nennen als Quelle die maschinenlesbare Registerdatei der ESMA. Die Namen, die dort auftauchen, gehören durchweg Ortsbanken: Raiffeisenbank Schwaben Mitte, Volksbank Euskirchen, VR-Bank Mittelfranken Mitte, Volksbank Raiffeisenbank Dachau, Frankfurter Volksbank Rhein/Main und weitere.
Zur Gesamtgröße des Registers liegen unterschiedliche Werte vor, und wir glätten sie nicht: Die MiCA Crypto Alliance kommt nach den 14 Neueinträgen auf 294 Einträge, der Dienst CASP Tracker nennt für den 7. September 2026 338 zugelassene Kryptowerte-Dienstleister. Die Spanne dürfte daran liegen, dass die Dienste unterschiedlich zählen, etwa Einträge gegen Institute oder mit und ohne notifizierte Zweigniederlassungen. Belastbar ist an dieser Stelle nur die Richtung, und die ist eindeutig.
Was diese Bewegung bedeutet, lässt sich nüchtern beschreiben. Der deutsche Krypto-Zugang wandert aus dem Bereich der spezialisierten Anbieter in den Bankenvertrieb. Wer bisher ein Konto bei einer Börse eröffnen musste, findet das Angebot jetzt in der App seiner Hausbank. Wie sich die Kosten dieses Wegs zu den Gebühren einer Börse verhalten, haben wir in einer eigenen Auswertung zur Provision bei Sparkasse und Volksbank gerechnet.
Execution only: Warum die Order-Ausführung nicht die Verwahrung einschließt
Die Dienstleistung, die alle betroffenen Ortsbanken eingetragen haben, heißt im Register "execution of orders for crypto-assets on behalf of clients", also die Ausführung von Aufträgen über Kryptowerte für Rechnung von Kunden. Gemeint ist genau ein Vorgang: Deine Bank nimmt deinen Auftrag an und leitet ihn zur Ausführung weiter, kauft also in deinem Namen und verkauft in deinem Namen.
Die Verwahrung ist in MiCAR eine eigene, getrennte Dienstleistung mit dem Registernamen "custody and administration of crypto-assets on behalf of clients". Gemeint ist damit das Halten der Zugriffsmittel, also der privaten Schlüssel, mit denen über einen Krypto-Bestand verfügt wird. Ein privater Schlüssel ist die geheime Zahlenfolge, die einen Krypto-Bestand bewegen kann; wer sie hält, verfügt tatsächlich über die Coins.
Für dich als Kunden folgt daraus eine konkrete Prüfaufgabe. Wenn deine Bank nur die Ausführung abdeckt, dann liegt dein Bestand bei einem Dritten, und dieser Dritte ist für dein Risiko genauso wichtig wie die Bank, bei der du den Auftrag gibst. Welche Verwahrmodelle es gibt und wo die Unterschiede liegen, ordnet unser Vergleich der Hardware-Wallets ein, der die Selbstverwahrung als Gegenmodell beschreibt.

Eigene Auszählung: 66 Kryptowerte-Dienstleister in der BaFin-Datenbank
Um nicht nur auf fremde Zählungen angewiesen zu sein, haben wir die deutsche Seite selbst erhoben. Grundlage ist die öffentliche Unternehmensdatenbank der BaFin, abgefragt über die Kategorie "Kryptowerte-Dienstleister". Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 13. September 2026 selbst erhoben.
Methode in einem Satz: Wir haben die Kategorie "Kryptowerte-Dienstleister" der BaFin-Unternehmensdatenbank am 13. September 2026 alphabetisch vollständig abgerufen, weil die Trefferliste bei 50 Einträgen abbricht, und die Gattungsangabe jedes Instituts ausgewertet.
Das Ergebnis über 66 geprüfte Institute:
- 66 Institute führt die BaFin in der Kategorie Kryptowerte-Dienstleister.
- 21 davon sind Häuser des genossenschaftlichen Sektors, also Volksbanken, Raiffeisenbanken, VR-Banken, die Westerwald Bank und die DZ BANK als Zentralinstitut.
- 33 der 66 sind zugleich Kreditinstitute, 23 sind Wertpapierinstitute.
- Zehn der 66 tragen zusätzlich die Gattung Kryptoverwahrer.
- Keine einzige der 21 genossenschaftlichen Häuser trägt die Gattung Kryptoverwahrer.
- Drei Institute sind zusätzlich als Kryptowertpapierregisterführer eingetragen.
Die letzte Zeile ist der Kern. Der genossenschaftliche Sektor stellt ein Drittel der deutschen Kryptowerte-Dienstleister und keinen einzigen Verwahrer.
Kryptoverwahrer nach § 32 KWG: Welche zehn Häuser die Erlaubnis tragen
Die Gattung Kryptoverwahrer in der BaFin-Datenbank bezeichnet das Kryptoverwahrgeschäft nach dem deutschen Kreditwesengesetz, eine nationale Erlaubnis, die es schon vor MiCAR gab und die seither neben der europäischen Zulassung weitergeführt wird. Deckungsgleich mit der MiCAR-Dienstleistung Verwahrung ist diese Gattung nicht, sie deckt aber dasselbe Geschäft ab: das Halten von Kryptowerten für andere.
Nach unserer Auszählung vom 13. September 2026 tragen diese zehn Häuser die Gattung: BitGo Europe, Boerse Stuttgart Digital Custody, Bullish Europe, Commerzbank, Crypto Finance Deutschland, DekaBank, Hauck Aufhäuser Digital Custody, Tangany, Tradevest Digital Assets und V-Bank. Das ist eine kurze Liste für einen Markt mit 66 zugelassenen Dienstleistern, und sie zeigt, wie stark sich die Verwahrung auf wenige Adressen konzentriert.
Warum diese Konzentration für dich zählt
Ein Verwahrer bündelt die Bestände vieler Kunden vieler Banken. Fällt er aus, trifft das die Kunden aller Institute, die an ihm hängen, und nicht nur die Kunden eines einzelnen Hauses. Das ist kein Vorwurf an ein einzelnes Haus, sondern eine Eigenschaft des Modells, und sie gehört in deine Risikobetrachtung, bevor du einen größeren Betrag dorthin legst. Wer den Zugang über eine regulierte Börse mit eigener Verwahrerlage vergleichen will, sollte deshalb zuerst klären, wie viele Stufen zwischen ihm und den Coins liegen.
meinKrypto bei Atruvia und DZ BANK: Wer im Hintergrund die Schlüssel hält
Das Angebot, über das die Ortsbanken ihre Kunden bedienen, heißt meinKrypto. Es wurde vom genossenschaftlichen IT-Dienstleister Atruvia zusammen mit der DZ BANK gebaut und ist nach Darstellung des IT-Finanzmagazins seit Januar 2026 in der VR Banking App verfügbar. Zum Start standen Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano zur Auswahl. Von den rund 700 angeschlossenen Genossenschaftsbanken wollte nach diesem Bericht mehr als ein Drittel in den Monaten danach starten.
Zur Arbeitsteilung im Hintergrund liegen zwei Darstellungen vor, die sich nicht vollständig decken, und wir geben beide wieder. Das IT-Finanzmagazin schreibt, die Verwahrung übernehme Boerse Stuttgart Digital und die Orderausführung die EUWAX AG. MiCA Watch beschreibt das Modell als Nabe und Speiche und ordnet die Verwahrung der DZ BANK zu, während die Ortsbanken die Order annehmen.
Unsere eigene Auszählung stützt die erste Darstellung, allerdings nur für die nationale Erlaubnis: Boerse Stuttgart Digital Custody trägt die Gattung Kryptoverwahrer, die DZ BANK nicht. Die EUWAX AG steht in der BaFin-Kategorie Kryptowerte-Dienstleister als Wertpapierinstitut. Aus der BaFin-Datenbank lässt sich aber nicht ablesen, welche der zehn MiCAR-Dienstleistungen die DZ BANK im ESMA-Register eingetragen hat. Beide Aussagen können damit zugleich richtig sein, wenn die DZ BANK die europäische Verwahr-Dienstleistung hält und die technische Verwahrung an Boerse Stuttgart Digital auslagert. Aufklären lässt sich das nur über den Registereintrag der DZ BANK selbst.
Die Frage, die du deiner Bank stellen kannst
Du musst diese Kette nicht selbst auflösen. Es genügt eine Frage an deine Bank, und sie sollte schriftlich beantwortet werden: Welches Unternehmen verwahrt meine Kryptowerte, und auf welcher Erlaubnis beruht das? Eine Bank, die Krypto vertreibt, muss darauf eine klare Antwort haben. Bekommst du sie nicht, ist das für sich genommen eine Information.

Nabe und Speiche: Was das Modell für dein Ausfallrisiko bedeutet
Im Nabe-und-Speiche-Modell hat dein Bestand drei Stationen: die Ortsbank, bei der du den Auftrag gibst, die Stelle, die den Auftrag am Markt ausführt, und den Verwahrer, bei dem die Coins liegen. Jede Station ist reguliert, und jede ist ein eigener Punkt, an dem etwas schiefgehen kann. Das Modell ist deshalb nicht schlechter als der Weg über eine Börse, es ist nur anders geschnitten, und du solltest wissen, wo die Schnitte liegen.
Ein Punkt, der oft mit der Einlagensicherung verwechselt wird, gehört ausdrücklich benannt: Kryptowerte sind keine Einlagen. Die gesetzliche Einlagensicherung und die Sicherungseinrichtung des genossenschaftlichen Sektors greifen für Guthaben auf dem Konto, nicht für Coins im Depot. Das gilt bei der Hausbank genauso wie bei einer Börse, und es ändert sich durch die MiCA-Zulassung nicht.
Was MiCAR stattdessen vorschreibt, ist eine Trennung: Ein Verwahrer muss die Kundenbestände von seinem eigenen Vermögen getrennt halten und haftet, wenn er sie verliert. Das ist ein echter Fortschritt gegenüber dem unregulierten Zustand, aber es ist keine staatliche Garantie auf den Gegenwert.
Übertrag auf ein eigenes Wallet: Was du vor dem ersten Kauf klären musst
Die praktisch wichtigste Folge des Execution-only-Modells betrifft den Übertrag. Wenn deine Bank die Verwahrung nicht selbst erbringt und der Bestand in einer gebündelten Struktur beim Verwahrer liegt, dann ist die Auszahlung auf eine eigene Wallet-Adresse eine Funktion, die der Anbieter bereitstellen muss oder eben nicht. Ob dein Haus sie anbietet, steht nicht im Register, sondern in den Bedingungen des Angebots.
Vier Punkte lohnen den Blick in die Unterlagen, bevor du kaufst. Erstens der Übertrag: Ist eine Auszahlung auf eine externe Adresse möglich, für welche Coins, und was kostet sie? Zweitens die Steuerunterlagen: Bekommst du eine Aufstellung mit Anschaffungsdatum und Anschaffungskosten je Zugang, die für die Haltefrist taugt? Drittens der Kurs, zu dem abgerechnet wird, und der Aufschlag darauf, denn bei Bankangeboten steckt der Preis häufig im Spread und nicht in einer ausgewiesenen Gebühr. Und viertens, weil es beim Verkauf zählt: Wie schnell wird ausgeführt, und gilt ein Limit oder nur der nächste feststellbare Kurs?
Welche Banken das Angebot überhaupt schon ausgerollt haben, hat unsere Redaktion in der Übersicht zum Krypto-Handel bei Volksbanken zusammengetragen.
Was die Register nicht zeigen und wo unsere Auszählung endet
Zur Redlichkeit gehört die Grenze der eigenen Zahlen. Die BaFin-Unternehmensdatenbank nennt je Institut eine Gattung, etwa Kryptowerte-Dienstleister oder Kryptoverwahrer. Ungenannt bleibt, welche der zehn MiCAR-Dienstleistungen ein Haus im europäischen Register eingetragen hat. Unsere Auszählung von 66 Instituten sagt deshalb sicher, wer in Deutschland als Kryptowerte-Dienstleister und wer zusätzlich als Kryptoverwahrer geführt wird, und sie sagt nichts über den genauen Zuschnitt der MiCAR-Erlaubnis im Einzelfall.
Das ESMA-Register führt diesen Zuschnitt, und dort liegt die Aussage, dass die Ortsbanken ausschließlich die Orderausführung tragen. Diese Aussage stammt aus den beiden genannten Fachauswertungen und nicht aus unserer eigenen Messung: Die Suchmaske des ESMA-Registers war am 13. September 2026 über einen maschinellen Abruf nicht auswertbar, sie liefert die Ergebnisseite nur an einen Browser aus. Für Leser ist sie normal benutzbar, und wir verlinken sie deshalb.
Ebenfalls offen bleibt der Registereintrag der DZ BANK, an dem sich die widersprüchliche Zuordnung der Verwahrung entscheiden würde. Wir haben dazu keine eigene Messung und geben deshalb beide veröffentlichten Darstellungen wieder, ohne eine davon zur Tatsache zu erklären.
Krypto-Lizenz deiner Volksbank prüfen: Was du daraus mitnimmst
- Trenne die beiden Fragen. Dass deine Bank eine Krypto-Zulassung hat, sagt nichts darüber, wer deine Coins verwahrt. Frag nach dem Verwahrer und nach seiner Erlaubnis, und vergleiche das Ergebnis mit den Anbietern in unserer Übersicht der regulierten Kryptobörsen, bevor du dich festlegst.
- Kläre den Übertrag vor dem Kauf. Ein Bestand, den du nicht auf eine eigene Adresse bewegen kannst, ist an den Anbieter gebunden. Ob und wie du Coins abziehen kannst, steht in den Bedingungen; welche Gegenmodelle es gibt, zeigt unser Vergleich der Hardware-Wallets.
- Prüfe die Steuerunterlagen, solange du noch wählen kannst. Für die Haltefrist brauchst du Anschaffungsdatum und Anschaffungskosten je Zugang. Verlange vor dem ersten Kauf ein Muster der Jahresaufstellung, und ordne den Anbieter mit unserer Übersicht der regulierten Kryptobörsen in den Markt ein.
Die Quellen dieses Beitrags im Original: die öffentliche Unternehmensdatenbank der BaFin, in der du die Kategorie Kryptowerte-Dienstleister selbst abfragen kannst, und das CASP-Register der ESMA, in dem die einzelnen genehmigten Dienstleistungen je Institut stehen.
(Stand: 13. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebuehrenmodelle aendern sich; pruefe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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