Operation Herakles schaltet 13.888 Rufnummern ab: Was du bei Anrufen zu Krypto-Investments prüfst
Sechs Behörden haben in der Operation Herakles 13.888 Rufnummern abgeschaltet, über die Anlagebetrüger ihre Opfer anriefen, 9.304 davon allein in den letzten drei Monaten. Was die Bundesnetzagentur den Telekommunikationsanbietern auferlegt und welche drei Prüfungen dich vor der Masche schützen.

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Sechs Behörden aus Deutschland und Österreich haben am 25. September 2026 um 9:35 Uhr eine gemeinsame Bilanz gezogen: In der Operation Herakles wurden in den letzten drei Monaten 9.304 deutsche Rufnummern abgeschaltet, über die Anlagebetrüger ihre Opfer angerufen haben. Seit Beginn der Operation sind es 13.888 Rufnummern, davon 13.397 deutsche und 491 österreichische. Wenn dich in den kommenden Wochen ein Anruf zu einer Krypto-Anlage erreicht, ist genau diese Zahl der Grund, das Gespräch anders zu führen als bisher.
Die Meldung kommt von der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe mit ihrem Cybercrime-Zentrum, vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg, vom Bundeskriminalamt, von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, von der Bundesnetzagentur und vom österreichischen Bundeskriminalamt. Sie richtet sich gegen eine Betrugsform, die die Behörden Cyber-Trading-Fraud nennen: vorgetäuschter Handel mit Kryptowerten, Devisen oder Aktien auf Plattformen, die niemals eine Erlaubnis hatten.
Operation Herakles am 25. September 2026: 9.304 abgeschaltete Rufnummern in drei Monaten
Die Zahlen der Pressemitteilung sind gestaffelt. In den letzten drei Monaten kamen 9.304 deutsche Rufnummern vom Netz. Die Gesamtbilanz seit dem Start der Operation liegt bei 13.888 Rufnummern. Die Aufteilung nennen die Behörden ausdrücklich: 13.397 aus Deutschland, 491 aus Österreich.
Dazu kommen frühere Schritte derselben Operation. Im Juni und Oktober 2025 nahmen die Ermittler nach eigener Angabe über 2.200 Domains vom Netz, im Dezember 2025 rund 3.500 Rufnummern. Operation Herakles ist damit kein einzelner Zugriff, sondern eine seit über einem Jahr laufende Reihe von Maßnahmen, deren Takt sich zuletzt erhöht hat: Die 9.304 Nummern des letzten Quartals sind mehr als das Doppelte der Dezember-Aktion.
Eingeordnet in die Anti-Scam-Strategie der Behörden geht es dabei nicht um eine Strafverfolgung der Hintermänner, sondern um deren Werkzeuge. Das ist eine wichtige Unterscheidung für die Frage, was die Aktion für dich ändert, und sie kommt weiter unten noch einmal vor.
Cyber-Trading-Fraud: Wie die Masche mit der erfundenen Handelsplattform abläuft
Cyber-Trading-Fraud bezeichnet Anlagebetrug, bei dem eine Plattform Handel mit Kryptowerten, Devisen oder Derivaten nur vorspiegelt, während das eingezahlte Geld nie an einen Markt gelangt. Die Pressemitteilung formuliert diesen Kern unmissverständlich: Die eingezahlten Gelder werden zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt.
Der Ablauf folgt laut den Behörden einem festen Muster. Zuerst stoßen Betroffene auf eine betrügerische Anlageplattform, die keine finanzaufsichtsrechtliche Erlaubnis besitzt. Danach melden sich Broker aus Callcentern im Ausland telefonisch und drängen auf höhere Einzahlungen. Das Auftreten ist professionell, und die Täuschung hält über Monate: Im Nutzerkonto steigen die angezeigten Gewinne, während auf dem Konto der Täter das Geld längst abgeflossen ist. Am Ende ist es nach Darstellung der Ermittler meist vollständig verloren.
Der Anruf ist dabei nicht das Nebengeräusch, sondern das Kernstück. Ohne die Stimme am Telefon bleibt eine erfundene Plattform eine Website, die niemand zu einer zweiten Einzahlung überredet. Genau deshalb setzen die Behörden dort an.
Was diese Masche von Phishing unterscheidet
Beim Phishing greift jemand deine Zugangsdaten ab und räumt ein bestehendes Konto leer. Beim Cyber-Trading-Fraud überweist du selbst, freiwillig, in dem Glauben, eine Anlage zu bezahlen. Für die Rückholung ist das ein erheblicher Unterschied, weil eine autorisierte Überweisung anders behandelt wird als eine missbräuchliche. Wie du eine vorgeschobene Prüfung erkennst, die dich zur Freigabe deiner Wallet bringen soll, haben wir in unserem Beitrag zur gefälschten AML-Prüfung für Krypto-Wallets aufgeschrieben.

Warum die Rufnummer der Angriffspunkt ist und nicht die Plattform
Eine Domain lässt sich in Minuten neu registrieren. Eine deutsche Rufnummer nicht: Sie muss einem Telekommunikationsanbieter zugeteilt und einem Inhaber zugeordnet werden. Dass ein Anruf mit einer deutschen Vorwahl beginnt, ist für Betrüger wertvoll, weil Angerufene abheben. Eine ausländische Nummer wird weggedrückt.
Deshalb greift die Bundesnetzagentur dort ein, wo dieser Vertrauensvorschuss entsteht. Sie hat nach Darstellung der Behörden aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen Telekommunikationsunternehmen ergriffen: Die Anbieter mussten die betroffenen Nummern abschalten und ihre Registrierungsprozesse überarbeiten. Zusätzlich sollen sie ihre Vertriebspartner und Händler strenger prüfen, damit Nummern nicht erneut in dieselben Hände gelangen.
Das ist der eigentlich neue Teil der Meldung. Nicht die Zahl der abgeschalteten Nummern, sondern die Auflage an die Anbieter, den Zugang zu Rufnummern anders zu kontrollieren als bisher.
Zulassungsstatus prüfen: Wie du eine erlaubte Kryptobörse von einer erfundenen unterscheidest
Die Behörden empfehlen in ihrer Mitteilung ausdrücklich, den Zulassungsstatus eines Finanzanbieters zu überprüfen, bevor Geld fließt. Für Kryptowerte-Dienstleistungen in Deutschland ist das eine zumutbare Prüfung, weil die Zulassung öffentlich einsehbar ist.
Wer in der Europäischen Union Kryptowerte-Dienstleistungen erbringt, braucht dafür eine Zulassung nach der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte. Kryptowerte-Dienstleister ist der Rechtsbegriff für Unternehmen, die Kryptowerte für andere verwahren, tauschen, vermitteln oder handeln. Welche Pflichten damit verbunden sind und woran du eine erteilte Zulassung erkennst, steht in unserer Übersicht zu den MiCA-Lizenzpflichten für Krypto-Unternehmen.
Praktisch heißt das: Du suchst den Anbieter in der Unternehmensdatenbank der BaFin und in der öffentlichen Liste der zugelassenen Dienstleister. Findest du ihn dort nicht, ist das für sich genommen noch kein Beweis für Betrug, aber es ist der Punkt, an dem keine Einzahlung mehr stattfinden darf. Eine Zusammenstellung von Handelsplätzen, deren Erlaubnislage wir geprüft haben, findest du in unserem Vergleich der besten regulierten Kryptobörsen. Zusätzlich veröffentlicht die BaFin laufend Warnhinweise zu einzelnen Anbietern, und ein Blick dorthin gehört zur selben Prüfung.
Der Namensabgleich allein genügt nicht
Ein wiederkehrendes Muster aus früheren Warnungen: Täter benutzen den Namen eines tatsächlich zugelassenen Unternehmens und bauen die Website nach. Der Eintrag in der Datenbank existiert dann wirklich, gehört aber zu einer anderen Firma. Deshalb vergleichst du nicht nur den Namen, sondern auch die Domain, die Anschrift und die Registernummer aus dem Eintrag mit dem, was dir vorliegt. Weicht die Domain ab, obwohl der Name passt, ist die Sache entschieden.
Die Warnsignale im Gespräch: Zeitdruck, Fernwartung, Dokumentkopien
Die Behörden nennen drei Verhaltensregeln, die sich im Telefonat unmittelbar anwenden lassen: sich nicht unter Druck setzen lassen, keine vertraulichen Daten oder Kopien von Dokumenten weitergeben, und sich vor der Anmeldung genaue Informationen über die Plattform einholen.
Im Gespräch selbst erkennst du die Masche an ihrer Dramaturgie. Es gibt eine Gelegenheit, die heute endet. Es gibt einen persönlichen Berater, der zurückruft, wenn du zögerst. Es gibt eine Bildschirmfreigabe, damit er dir beim Einrichten hilft. Und es gibt die Bitte um einen Ausweisscan, formal begründet mit der Identitätsprüfung.
Der letzte Punkt verdient eine eigene Bemerkung, weil er harmlos aussieht. Eine Identitätsprüfung ist bei einem zugelassenen Anbieter tatsächlich Pflicht. Sie läuft dort aber im geschlossenen Verfahren des Anbieters ab, nicht als Foto, das du einem Anrufer per Messenger schickst. Ein Ausweisscan in fremder Hand eröffnet weitere Konten auf deinen Namen, und dieser Schaden bleibt, auch wenn du nie eingezahlt hast.
Was eine echte Plattform nie von dir verlangt
Vier Dinge kommen bei einem zugelassenen Dienstleister nicht vor, und jedes einzelne beendet das Gespräch:
- eine Fernwartungs- oder Bildschirmfreigabe-Software, die du für die Kontoeröffnung installieren sollst
- eine Einzahlung auf ein Privatkonto, ein Konto in einem Drittland oder direkt in eine Wallet-Adresse, die dir am Telefon vorgelesen wird
- die Aufforderung, deine Seed Phrase einzugeben oder abzufotografieren, damit ein Guthaben freigeschaltet wird
- eine Zahlung, damit ein angeblich schon entstandener Gewinn ausgezahlt werden kann
Der letzte Punkt ist die zweite Stufe des Betrugs. Wer einmal gezahlt hat, wird später erneut angerufen, diesmal mit dem Versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen. Wer deine Kryptowerte dauerhaft aus fremder Reichweite halten will, kommt an einer eigenen Verwahrung nicht vorbei; was die Geräte unterscheidet, steht in unserem Hardware-Wallet-Vergleich.

Wenn schon Geld geflossen ist: Strafanzeige, Beweise und der Zeitfaktor
Die Behörden empfehlen, im Betrugsfall Strafanzeige zu erstatten, und verweisen auf Verbraucherzentralen oder eine unabhängige Finanzberatung. Für die Anzeige zählt, was du vorlegen kannst.
Sichere deshalb vor allem die Zahlungsbelege mit Datum, Betrag und Empfängerangabe, die vollständige Kommunikation samt Rufnummern und Zeitpunkten, die Adressen aller Wallets, an die du überwiesen hast, und Bildschirmfotos des Nutzerkontos mit den angezeigten Gewinnen. Letztere sind wichtiger, als sie aussehen: Sie belegen die Täuschung. Bei einer Banküberweisung informierst du parallel deine Bank, weil eine Rückholung nur in einem engen Zeitfenster überhaupt möglich ist.
Was du bei einem Anlagebetrug steuerlich beachten musst, ist eine eigene Frage, denn das Finanzamt kann Scheingewinne unter Umständen als steuerpflichtig behandeln, obwohl nie Geld bei dir angekommen ist. Die Einzelheiten dazu stehen in unserem Beitrag über Scheingewinne beim Krypto-Anlagebetrug.
Was die Abschaltung leistet, und was sie nicht leistet
An dieser Stelle trennen wir Belegtes von Einschätzung. Belegt ist die Zahl der abgeschalteten Rufnummern, belegt ist die Auflage an die Telekommunikationsanbieter, belegt ist die beteiligte Behördenkonstellation. Alles Folgende ist unsere Einordnung und keine Aussage der Behörden.
Eine abgeschaltete Rufnummer beendet ein Gespräch, aber sie beendet kein Callcenter. Die Callcenter sitzen nach Darstellung der Ermittler im Ausland, und der Zugang zu neuen Nummern ist der Engpass, den die Bundesnetzagentur mit den verschärften Registrierungspflichten verengen will. Ob das trägt, hängt unseres Erachtens daran, wie konsequent die Anbieter ihre Vertriebspartner prüfen, und das lässt sich von außen erst an der nächsten Bilanz ablesen.
Aus dem Rhythmus der Operation folgt eine zweite Erwartung, und wir formulieren sie ausdrücklich als Vermutung: Nach über 2.200 Domains im Jahr 2025 und 13.888 Rufnummern bis heute dürfte der Druck die Täter eher zu anderen Kontaktwegen verschieben als zum Aufhören. Messenger-Gruppen und Nachrichten in sozialen Netzwerken brauchen keine zugeteilte Rufnummer. Eine belastbare Zahl dazu gibt es nicht, und wir nennen deshalb auch keine.
Für dich folgt daraus etwas Unbequemes: Die Abschaltung nimmt dir die Prüfung nicht ab. Sie verringert die Zahl der Anrufe, die dich überhaupt erreichen, und sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anruf, der durchkommt, von einer neu beschafften Nummer stammt. Die Entscheidung fällt weiterhin in dem Moment, in dem du den Zulassungsstatus prüfst oder es unterlässt.
Österreich, Deutschland und die Frage der Zuständigkeit
Dass 491 der abgeschalteten Nummern österreichisch sind und das österreichische Bundeskriminalamt mitwirkt, zeigt die Reichweite der Operation über die Landesgrenze hinaus. Für dich als Anleger in Deutschland bleibt aber die BaFin die zuständige Aufsicht, und die Strafanzeige erstattest du bei der deutschen Polizei. Der Sitz der Plattform im Ausland ändert daran nichts.
Operation Herakles einordnen: Was du daraus mitnimmst
- Prüfe die Erlaubnis, bevor du zahlst, nicht danach. Suche den Anbieter in der BaFin-Unternehmensdatenbank und vergleiche dabei Name, Domain und Anschrift, nicht nur den Namen. Eine geprüfte Auswahl an Handelsplätzen findest du in unserem Vergleich der besten Kryptobörsen.
- Beende jedes Gespräch, in dem Zeitdruck, Fernwartung oder ein Ausweisscan vorkommen. Ruf im Zweifel über die offiziell veröffentlichte Nummer des Anbieters zurück, statt den Rückruf anzunehmen. Welche Börsen unter Aufsicht stehen, steht im Vergleich der regulierten Kryptobörsen.
- Bring deine Bestände aus fremder Reichweite. Wer selbst verwahrt, kann durch einen Anruf keine Freigabe erteilen, weil es niemanden gibt, der sie erteilen könnte. Die Geräte und ihre Unterschiede stehen im Hardware-Wallet-Vergleich.
Die gemeinsame Pressemitteilung der beteiligten Behörden ist im Original nachlesbar; eine ausführliche Einordnung der technischen Seite hat heise online veröffentlicht.
(Stand: 25. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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