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70 Milliarden Dollar in Real World Assets, 37 Prozent davon ein einziges Kreditprodukt

Real World Assets gelten als die nächste große Anlageklasse. Unsere Auszählung vom 23. Oktober zeigt, dass ein Drittel der Kategorie gar keine tokenisierten Werte sind und 37 Prozent an einem einzigen US-Kreditprodukt hängen; dazu klärt dieser Text, wann ein Token in Deutschland ein Wertpapier ist.

Stapel polierter Goldbarren auf einer alten Messingwaage mit zwei Schalen, dahinter unscharf ein klassizistisches Säulenportal im Gegenlicht
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Real World Assets, kurz RWA, sind reale Vermögenswerte, deren Eigentum oder Anspruch auf einer Blockchain abgebildet wird: Staatsanleihen, Geldmarktfonds, Unternehmenskredite, Gold, Immobilien. Der Begriff klingt nach einer klaren Anlageklasse, und genau das ist er nicht. Wir haben die Kategorie am 23. Oktober 2026 selbst ausgezählt, und die zwei auffälligsten Befunde stehen gleich am Anfang: Von den 70,3 Milliarden Dollar, die in den fünfzig größten RWA-Token stecken, hängen 26,0 Milliarden an einem einzigen tokenisierten Kreditprodukt aus den Vereinigten Staaten. Weitere 23,3 Milliarden sind überhaupt keine tokenisierten Vermögenswerte, sondern Token von Netzwerken, die solche Werte verwalten.

Wer also liest, der RWA-Markt sei 70 Milliarden Dollar schwer, liest eine Summe aus zwei völlig verschiedenen Dingen. Dieser Text zerlegt sie, erklärt die Technik dahinter und sagt, was das deutsche Recht aus einem solchen Token macht. Denn das Gesetz über elektronische Wertpapiere behandelt ein Kryptowertpapier anders als die meisten erwarten.

Was Real World Assets sind, und was Tokenisierung technisch bedeutet

Tokenisierung heißt, dass das Recht an einem Vermögenswert in einem Eintrag auf einer Blockchain geführt wird statt in einer Urkunde oder in einem Depotauszug. Der Token ist dabei nicht der Vermögenswert; er ist der Nachweis über ein Recht an ihm. Wer einen tokenisierten Geldmarktfonds hält, besitzt Fondsanteile, deren Register auf einer Blockchain liegt. Wer einen Gold-Token hält, besitzt einen Anspruch auf hinterlegtes Metall gegen einen Verwahrer.

Daran hängen drei Eigenschaften, die RWA-Token von Bitcoin und Ether unterscheiden. Erstens gibt es immer einen Emittenten, der für die Deckung einsteht; fällt er aus, hilft kein privater Schlüssel. Zweitens ist der Token in der Regel übertragungsbeschränkt, weil der Emittent nur an geprüfte Adressen ausgeben darf. Drittens kann der Emittent Token oft sperren oder zurückholen, weil er den Vermögenswert im Zugriff hat und das Register kontrolliert. Wie sich diese Funktionen an einem konkreten Token prüfen lassen, haben wir für Solana im September beschrieben: So prüfst du, ob dein Token eingefroren und zurückgeholt werden kann.

Damit ist auch die Abgrenzung zu tokenisierten Aktien gezogen, die in der öffentlichen Debatte oft mit RWA in einen Topf wandern. Tokenisierte Aktien sind ein Sonderfall mit eigenen Fallstricken beim Eigentum, und darüber haben wir separat geschrieben: Warum du mit einer tokenisierten Aktie keine Aktie besitzt. In diesem Text geht es um die übrigen Werte, und das ist der größere Teil der Kategorie.

70,3 Milliarden Dollar in fünfzig Token: die Auszählung vom 23. Oktober

Für eine belastbare Größe haben wir am 23. Oktober 2026 die fünfzig nach Marktkapitalisierung größten Token der RWA-Kategorie bei CoinGecko abgerufen und einzeln eingeordnet. Die Summe beträgt 70,32 Milliarden Dollar. So verteilt sie sich:

GruppeMarktkapitalisierungAnteil
Tokenisierte Kredite, größter Einzelposten26,03 Mrd. USD37,0 %
Infrastruktur- und Plattform-Token23,32 Mrd. USD33,2 %
Geldmarkt- und Anleihefonds, acht Token11,01 Mrd. USD15,7 %
Gold, drei Token5,36 Mrd. USD7,6 %
übrige Posten4,60 Mrd. USD6,5 %

Vier Gruppen genügen also, um 93,5 Prozent der Kategorie zu erklären. Immobilien, die in jeder Erklärung zu RWA vorkommen, tauchen in dieser Liste der fünfzig größten Token gar nicht auf. In der weiter unten ausgezählten Protokollliste kommt das größte Immobilien-Protokoll auf 155 Millionen Dollar hinterlegtes Kapital, das sind 3,8 Prozent von 4,10 Milliarden. Wer RWA für eine Immobilienanlage hält, hat die Werbung gelesen und nicht die Zahlen.

37 Prozent hängen an einem einzigen Kreditprodukt

Der größte Posten der Kategorie heißt Figure Heloc und kommt auf 26,03 Milliarden Dollar. Dahinter stehen nach der Beschreibung des Anbieters tokenisierte Kreditforderungen, vor allem sogenannte HELOC-Kredite, also durch Wohneigentum besicherte Kreditlinien aus dem amerikanischen Markt, dazu Unternehmenskredite. Geführt werden sie auf der Provenance Blockchain, gehandelt über die Plattformen desselben Hauses.

Diese Konzentration ist der wichtigste Befund der Auszählung. Ein einzelnes Produkt eines einzelnen Anbieters aus einem einzigen Land trägt mehr als ein Drittel dessen, was als globale Anlageklasse präsentiert wird. Für einen Anleger in Deutschland folgt daraus eine nüchterne Lesart: Die Schlagzeile über das Wachstum der Tokenisierung beschreibt zu einem großen Teil das Wachstum eines amerikanischen Kreditgeschäfts, zu dem Privatanleger hier ohnehin keinen Zugang haben. Steigt oder fällt dieser eine Posten, bewegt sich die Zahl für die ganze Kategorie, ohne dass sich an den übrigen Produkten etwas geändert hätte.

Belastbarer ist deshalb der Blick auf die Gruppen, die ein Anleger tatsächlich erreichen kann. Das sind die Geldmarkt- und Anleihefonds und die Gold-Token, zusammen 16,37 Milliarden Dollar oder 23,3 Prozent.

Aufgefächertes Bündel Glasfaserkabel, dessen Enden im Dunkeln aufleuchten, dahinter unscharfe Reihen von Serverschränken
Das Register einer tokenisierten Anleihe liegt in einem Rechenzentrum, der Anspruch darauf beim Emittenten.

Ein Drittel der Kategorie sind Infrastruktur-Token

23,32 Milliarden Dollar der Kategorie, also 33,2 Prozent, entfallen auf Token, die selbst keinen realen Vermögenswert abbilden. Dazu zählen die Netzwerk- und Plattform-Token Chainlink mit 9,20 Milliarden, Stellar mit 6,19 Milliarden, Quant mit 2,68 Milliarden und Ondo mit 2,09 Milliarden, dazu Algorand, Injective, XDC Network und einige kleinere.

Diese Token stehen zu Recht in der Nähe des Themas, denn die genannten Netzwerke liefern Preisdaten, Abwicklung oder Register für tokenisierte Werte. Als Anlage sind sie aber etwas anderes. Ein Geldmarktfonds-Token schwankt mit dem Zinssatz und dem Wert seiner Papiere; ein Plattform-Token schwankt mit dem Kryptomarkt. Wer die Summe bildet, mischt eine zinstragende Forderung mit einer Wachstumswette und erhält eine Zahl, die für keine der beiden Fragen taugt.

Deshalb lohnt beim Lesen jeder RWA-Statistik die Rückfrage, was gezählt wurde. Marktkapitalisierung der Token in einer Kategorie, verwaltetes Vermögen der dahinterliegenden Fonds und in Protokollen hinterlegtes Kapital sind drei verschiedene Größen, und sie gehen weit auseinander.

187 Protokolle, 4,1 Milliarden Dollar: warum die zweite Zahl so klein ist

Dieselbe Prüfung haben wir am 23. Oktober auf der Seite der Protokolle wiederholt. In der Kategorie RWA bei DefiLlama stehen 187 Protokolle mit zusammen 4,10 Milliarden Dollar hinterlegtem Kapital. Das ist weniger als ein Sechzehntel der 70,3 Milliarden von oben, und der Unterschied ist kein Widerspruch, sondern eine andere Messung.

Die Marktkapitalisierung eines Token zählt alle ausgegebenen Einheiten zum letzten Kurs. Das hinterlegte Kapital eines Protokolls zählt nur, was gerade in dessen Verträgen liegt. Ein tokenisierter Fonds von BlackRock oder Invesco erscheint deshalb mit seinem vollen Volumen in der ersten Zahl, in der zweiten aber nur, soweit er in einem der erfassten Protokolle eingesetzt ist. Die größten Posten der Protokollliste sind entsprechend klein: 477 Millionen Dollar beim größten, 460 und 375 Millionen bei den nächsten beiden.

Hinterlegtes Kapital, oft als Total Value Locked oder TVL bezeichnet, ist die Summe der Werte, die in den Verträgen eines Protokolls liegen. Für RWA ist die Kennzahl aus einem weiteren Grund schwach: Ein Fonds, dessen Anteile einfach in Wallets liegen und nirgends verliehen oder besichert werden, erzeugt gar keinen TVL. Das macht ihn nicht kleiner.

Ethereum trägt 62 der 187 Protokolle

Interessanter als die Summe ist, wo diese Protokolle laufen. Unsere Auszählung derselben Liste nach Blockchains ergibt eine klare Rangfolge: Ethereum 62 Protokolle, Base 22, Polygon 16, die BNB-Blockchain 15, Solana 14, Arbitrum 13, Avalanche 9 und Monad 6. Viele Protokolle laufen auf mehreren Blockchains gleichzeitig, deshalb summieren sich die Zahlen über 187.

Für die Praxis heißt das zweierlei. Wer RWA-Produkte nutzen will, kommt an Ethereum und seinen Layer-2-Netzwerken nicht vorbei, und die Transaktionskosten dieser Netzwerke gehören in die Kalkulation. Und ein Produkt, das nur auf einer einzigen, wenig verbreiteten Blockchain existiert, trägt zusätzlich das Risiko dieser Blockchain, nicht nur das seines Emittenten.

Geldmarkt- und Anleihefonds: 11 Milliarden Dollar in acht Token

Die wirtschaftlich wichtigste Gruppe der Kategorie sind tokenisierte Fonds, die kurzlaufende Staatspapiere und Geldmarktinstrumente halten. Acht solcher Token stehen in unserer Auszählung, zusammen 11,01 Milliarden Dollar. Die Reihenfolge am 23. Oktober 2026:

TokenProduktMarktkapitalisierung
USYCGeldmarktprodukt von Circle2,38 Mrd. USD
USDYOndo US Dollar Yield2,37 Mrd. USD
BUIDLBlackRock USD Institutional Digital Liquidity Fund2,18 Mrd. USD
EURSAFOSpiko Amundi Overnight Swap Fund, auf Euro1,76 Mrd. USD
USTBInvesco Short Duration US Government0,73 Mrd. USD
JAAAJanus Henderson Anemoy AAA CLO Fund0,58 Mrd. USD
EUTBLSpiko EU T-Bills Money Market Fund0,53 Mrd. USD
YLDSYLDS0,49 Mrd. USD

Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens stehen hinter den größten Posten keine Krypto-Unternehmen, sondern Fondshäuser mit jahrzehntelanger Geschichte: BlackRock, Invesco, Janus Henderson, über Spiko auch Amundi. Zweitens sind zwei der acht Posten auf Euro ausgerichtet und in der Europäischen Union aufgesetzt, nämlich die beiden Spiko-Fonds mit zusammen 2,29 Milliarden Dollar. Das ist für Anleger hier der relevanteste Teil der ganzen Kategorie, weil ein in der EU zugelassener Geldmarktfonds andere Regeln und eine andere Währung mitbringt als ein US-Treasury-Produkt. Der Anbieter beschreibt seine Produktreihe auf der eigenen Seite: Spiko, Geldmarktfonds auf Euro, Dollar, Pfund und Franken.

Wichtig bleibt der Charakter dieser Produkte. Ein Geldmarktfonds-Token verspricht keine Kursgewinne, sondern gibt den laufenden Zins der gehaltenen Papiere weiter, abzüglich Kosten. Fällt der Leitzins, fällt der Ertrag. Und der Zugang ist meist beschränkt: Viele dieser Fonds stehen nur professionellen Anlegern offen, mit Mindestanlagen, die weit über dem liegen, was ein Privatanleger einsetzt.

Gold auf der Blockchain: 5,4 Milliarden Dollar in drei Token

Die zweite erreichbare Gruppe sind Gold-Token: 5,36 Milliarden Dollar, verteilt auf Tether Gold mit 3,23 Milliarden, PAX Gold mit 1,77 Milliarden und Kinesis Gold mit 0,35 Milliarden. Jeder dieser Token bildet eine Menge physisches Gold ab, das ein Verwahrer hält; die Kurse lagen am 23. Oktober bei rund 3.997 und 4.006 Dollar je Einheit, also beim Preis einer Feinunze.

Der Unterschied zu einem Goldbarren im Schließfach und zu einem physisch besicherten Gold-ETC im Depot liegt nicht im Metall, sondern in der Kette der Beteiligten. Beim Gold-Token hängt der Anspruch an den Emissionsbedingungen und am Verwahrer, und die Auslieferung ist, wenn überhaupt vorgesehen, an Mindestmengen und Gebühren geknüpft. Dafür ist der Token rund um die Uhr übertragbar und in kleinen Bruchteilen teilbar, was ein Barren nicht ist. Beides sind reale Vorteile und reale Risiken, und keines von beiden ersetzt die Prüfung der Emissionsbedingungen.

Zur Steuer ein Hinweis, der oft untergeht: Gewinne aus Gold-Token werden in Deutschland nicht automatisch wie Gewinne aus physischem Gold behandelt. Die Einordnung hängt an der rechtlichen Konstruktion des Tokens, und davon hängt ab, ob eine Haltefrist greift oder Abgeltungsteuer anfällt. Wer mehrere solcher Positionen hält, braucht dafür eine saubere Aufzeichnung jeder Bewegung; welche Programme das für den deutschen Markt leisten, haben wir gegenübergestellt: Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker im Vergleich.

Präzises Holzmodell eines Mehrfamilienhauses auf einem Architektentisch, darunter ausgerollte technische Grundrisse, Maßstab und Zirkel daneben
Immobilien stehen in jeder Erklärung zu Real World Assets und in den Zahlen fast nicht.

Das Gesetz über elektronische Wertpapiere: wann ein Token in Deutschland ein Wertpapier ist

Hier wird es für Anleger in Deutschland konkret, und das deutsche Recht ist dabei weiter, als viele annehmen. Seit 2021 gilt das Gesetz über elektronische Wertpapiere, kurz eWpG. Nach § 2 Absatz 1 kann ein Wertpapier auch elektronisch begeben werden, und zwar dadurch, dass der Emittent statt einer Urkunde eine Eintragung in ein elektronisches Wertpapierregister bewirkt. Absatz 2 stellt klar, dass ein solches Papier dieselbe Rechtswirkung entfaltet wie ein Papier in Urkundenform.

Besonders folgenreich ist Absatz 3: Ein elektronisches Wertpapier „gilt als Sache im Sinne des § 90 des Bürgerlichen Gesetzbuchs". Damit greifen die Regeln über Eigentum und Besitz an Sachen, und daraus leitet sich ab, wie Eigentum übergeht und wer gutgläubig erwerben kann. Für ein reines Krypto-Token ohne diese Grundlage gilt das nicht.

§ 4 Absatz 1 eWpG unterscheidet zwei Arten von Registern: zentrale Register nach § 12 und Kryptowertpapierregister nach § 16. Ein Kryptowertpapier ist nach § 4 Absatz 3 ein elektronisches Wertpapier, das in ein Kryptowertpapierregister eingetragen ist. Nur in dieser Form ist ein Token in Deutschland ein Wertpapier im Rechtssinne. Alles andere, was wie ein Wertpapier aussieht und auf einer Blockchain liegt, ist rechtlich etwas anderes, mit anderen Folgen für Eigentum und Insolvenz.

Wer das Kryptowertpapierregister führt, und warum das ohne dich wechseln kann

§ 16 Absatz 1 eWpG beschreibt, was so ein Register technisch leisten muss: Es ist „auf einem fälschungssicheren Aufzeichnungssystem zu führen, in dem Daten in der Zeitfolge protokolliert und gegen unbefugte Löschung sowie nachträgliche Veränderung geschützt gespeichert werden". Eine bestimmte Blockchain schreibt das Gesetz nicht vor, es beschreibt Eigenschaften.

Absatz 2 regelt die Zuständigkeit, und dort steht der Satz, der Anleger überrascht. Registerführende Stelle ist, wen der Emittent gegenüber dem Inhaber als solche benennt; unterbleibt die Benennung, gilt der Emittent selbst als registerführende Stelle. Und weiter: „Ein Wechsel der registerführenden Stelle durch den Emittenten ist ohne Zustimmung des Inhabers oder des Berechtigten zulässig, es sei denn, in den Emissionsbedingungen, bei Aktien in der Satzung der Aktiengesellschaft, ist etwas Abweichendes geregelt." Der Emittent kann die Stelle, die dein Eigentum protokolliert, also austauschen, und du musst dem nicht zustimmen. Ein Mitspracherecht steht dir nur zu, wenn die Emissionsbedingungen es ausdrücklich einräumen.

Wer ein Kryptowertpapierregister gewerblich führt, braucht dafür eine Erlaubnis der BaFin; die Tätigkeit steht als Finanzdienstleistung in § 1 Absatz 1a Satz 2 Nummer 8 Kreditwesengesetz. Die Aufsicht hat ihre Auslegung dazu veröffentlicht: Merkblatt 03/2023 der BaFin zur Kryptowertpapierregisterführung. Ein Emittent, der ein deutsches Kryptowertpapier ausgibt, kann die Registerführung damit nicht beliebig an irgendwen vergeben.

Emittentenrisiko und Sperrfunktionen: was du wirklich hältst

Alle drei Eigenschaften vom Anfang laufen auf denselben Punkt zu. Ein RWA-Token ist eine Forderung, und eine Forderung ist nur so gut wie der Schuldner. Konkret heißt das: Geht der Emittent in die Insolvenz, entscheiden das Insolvenzverfahren und die Frage, ob der Vermögenswert insolvenzfest getrennt verwahrt war; die Blockchain entscheidet darüber nichts. Fällt die technische Plattform aus, hilft der Token im eigenen Wallet nicht weiter, weil die Rücknahme über den Emittenten läuft. Und wird eine Adresse gesperrt, ist der Token zwar noch vorhanden, aber nicht mehr übertragbar.

Diese Sperr- und Rückholfunktionen sind bei regulierten Produkten kein Mangel, sondern Voraussetzung: Ein Fondshaus, das seine Anteile an jede beliebige Adresse übertragbar machen würde, könnte seine Pflichten zur Geldwäscheprävention nicht erfüllen. Für Anleger heißt es aber, dass die gewohnte Regel der Selbstverwahrung hier nicht gilt. Der private Schlüssel schützt vor einem fremden Zugriff, er schützt nicht vor dem Emittenten.

Prüfbar ist das vor dem Kauf. Drei Fragen genügen für eine erste Einschätzung: Wer ist der Emittent, und unter welcher Aufsicht steht er? Wo liegt der Vermögenswert, und ist er vom Vermögen des Emittenten getrennt? Welche Bedingungen gelten für die Rücknahme, zu welchem Preis und mit welcher Frist? Steht die Antwort auf eine dieser Fragen nirgends, ist das Produkt nicht einschätzbar.

Zugang aus Deutschland: was offen ist und was nicht

Der nüchterne Stand für Privatanleger in Deutschland sieht so aus. Die großen tokenisierten Fonds der Kategorie sind überwiegend institutionellen Anlegern vorbehalten, mit Mindestanlagen in Größenordnungen, die Privatanleger ausschließen. Gold-Token sind an mehreren Handelsplätzen erhältlich, die in der Europäischen Union zugelassen sind. Tokenisierte Kredite, also der größte Posten der Kategorie, sind praktisch nicht zugänglich. Über Infrastruktur-Token wie Chainlink oder Stellar ist der Zugang offen, bildet aber das Wachstum der Tokenisierung nur indirekt ab und trägt das volle Kursrisiko eines Krypto-Token.

Wer sich in diesem Feld bewegt, prüft deshalb zuerst den Handelsplatz. Eine Zulassung nach der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte sagt, wer beaufsichtigt wird und welche Pflichten der Anbieter hat; welche Plattformen für diese Werte in Frage kommen, haben wir in einer eigenen Übersicht zusammengestellt: Börsen für Real World Assets und tokenisierte Aktien. Die laufenden Kosten und die Verwahrform der einzelnen Anbieter unterscheiden sich dabei erheblich und gehören vor dem ersten Kauf verglichen.

Ein Totalverlust ist bei jedem dieser Produkte möglich, auch bei einem tokenisierten Fonds, und zwar wegen der Technik, des Emittenten und der Plattform, die zwischen dem Anleger und dem Vermögenswert stehen. Diese Schichten sind der Preis für die Vorteile der Tokenisierung, und sie gehören in jede Rechnung.

Real World Assets: Ein Drittel der Kategorie ist kein Vermögenswert

Die Zahl, die über Real World Assets kursiert, beschreibt etwas anderes als eine Anlageklasse: 33,2 Prozent der Kategorie sind Infrastruktur-Token, und 37,0 Prozent hängen an einem einzigen amerikanischen Kreditprodukt. Übrig bleiben die Fonds und das Gold, und die sind prüfbar. Daraus ergeben sich drei Schritte:

  1. Das Produkt vor dem Kauf einordnen. Tokenisierter Vermögenswert oder Plattform-Token, Emittent und Aufsicht, Trennung des Vermögens, Rücknahmebedingungen. Wo der Handel überhaupt mit Zulassung in der Europäischen Union möglich ist, steht in unserem Vergleich der Krypto-Börsen.
  2. Die Rechtsform klären, bevor Geld fließt. Nur ein in ein Kryptowertpapierregister eingetragenes Papier ist nach § 4 Absatz 3 eWpG ein Kryptowertpapier. Ein Blick in die Emissionsbedingungen klärt zugleich, ob der Emittent die registerführende Stelle nach § 16 Absatz 2 eWpG ohne Zustimmung wechseln darf.
  3. Jede Bewegung von Anfang an protokollieren. Ausschüttungen eines tokenisierten Fonds und Gewinne aus einem Gold-Token werden steuerlich unterschiedlich behandelt, und die Einordnung hängt an der Konstruktion des einzelnen Produkts. Ein Werkzeug aus dem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Tracker hält Käufe, Ausschüttungen und Transfers nachprüfbar fest.

(Stand: 23. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Kurse, Gebührenmodelle und Zugangsbedingungen ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Häufige Fragen zu Real World Assets

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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