Tokenisierte Werte auf Solana: So prüfst du, ob dein Token eingefroren und zurückgeholt werden kann
Bei Dominion Market wurden am 11. September SILV-Bestände nach einem Exploit wieder aus den Wallets entfernt. Unsere Abfrage von 32 tokenisierten Werten auf Solana zeigt, dass jeder einzelne diese Vollmacht trägt, und wie du sie selbst nachliest.

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Wer einen tokenisierten Sachwert hält, besitzt kein Stück Metall im Tresor, sondern einen Eintrag in einem Mint-Konto auf einer Blockchain. Über dieses Konto verfügt der Emittent, und in vielen Fällen kann er damit weit mehr, als die meisten Käufer vermuten: Guthaben stilllegen, Übertragungen anhalten und einzelne Token aus fremden Wallets herausziehen. Am 11. September 2026 ist genau das passiert, und zwar öffentlich dokumentiert.
Für diesen Beitrag haben wir alle tokenisierten Vermögenswerte geprüft, die auf Solana ein eigenes Mint-Konto haben und in den einschlägigen Marktkategorien geführt werden. Das Ergebnis ist eindeutig: Von 32 geprüften Werten trägt jeder einzelne eine Freeze-Authority. Bei 21 von ihnen kommt eine zweite Vollmacht dazu, mit der sich Token ohne Zutun des Inhabers aus einem Konto entfernen lassen.
Was am 11. September mit dem Silber-Token SILV geschah
Dominion Market gibt den Token SILV heraus, der je Einheit eine Feinunze physisches Silber abbilden soll. Nach Darstellung des Anbieters wurde in der Nacht zum Freitag, dem 11. September 2026, gegen 01:00 Uhr UTC eine Multisig-Wallet des Projekts kompromittiert. Rund drei Stunden später fiel dem Team ungewöhnliche Aktivität auf. Der Kurs des Tokens brach nach Marktberichten um etwa 74 Prozent ein, und die Handelsoberfläche Sunrise nahm den Markt aus ihrer Anzeige.
Die Reaktion des Emittenten ist der eigentlich lehrreiche Teil. Dominion zog die Liquidität ab, sicherte die betroffenen Wallets und stellte auf neue Hardware-Geräte um. Anschließend teilte das Projekt mit, dass jeder SILV-Bestand, der zwischen 01:00 Uhr und 14:00 Uhr UTC an diesem Freitag gekauft wurde, aus den Wallets entfernt wird. Guthaben, die vor Beginn des Fensters bestanden, blieben unberührt. Der Handel ruht seitdem; Erstattungsansprüche in USDC sollen ab Montag, dem 14. September 2026, um 12:00 Uhr UTC über eine On-Chain-Prüfung geltend gemacht werden können.
Ein Emittent, der Käufe rückabwickeln kann, ohne die Käufer zu fragen, ist keine Panne im Ablauf. Es ist eine Eigenschaft, die im Token angelegt sein muss, damit sie überhaupt ausführbar ist. Genau diese Eigenschaft lässt sich nachlesen, bevor man kauft.
Freeze-Authority und Permanent Delegate: die zwei Vollmachten in je einem Satz
Beide Begriffe stammen aus den Token-Standards von Solana und stehen offen im Mint-Konto. Wer sie einmal verstanden hat, erkennt in jedem beliebigen Token binnen Minuten, wie viel Kontrolle beim Herausgeber liegt.
Freeze-Authority
Die Freeze-Authority ist die Adresse, die einzelne Token-Konten einfrieren darf: Ein eingefrorenes Guthaben bleibt sichtbar, lässt sich aber weder senden noch verkaufen, bis dieselbe Adresse es wieder freigibt. Sie ist im klassischen Token-Programm genauso vorgesehen wie im neueren Token-2022-Programm.
Permanent Delegate
Der Permanent Delegate ist eine Erweiterung des Token-2022-Programms und geht deutlich weiter: Die hinterlegte Adresse gilt dauerhaft als bevollmächtigt für jedes Konto dieses Tokens und kann Bestände übertragen oder vernichten, ohne dass der Inhaber zustimmt. Das ist die technische Grundlage für eine Rückholung, wie Dominion sie angekündigt hat. Die vollständige Liste dieser Erweiterungen führt die Entwicklerdokumentation von Solana.
Der Unterschied ist in der Praxis erheblich. Eine Freeze-Authority hält dein Guthaben fest, wo es liegt. Ein Permanent Delegate holt es weg. Der laufende Kurs des Basiswerts spielt dabei keine Rolle; wie sich Solana als Netzwerk entwickelt, ändert an diesen Vollmachten nichts, weil sie nicht im Netzwerk, sondern im einzelnen Token verankert sind.
Unsere Messung: 32 tokenisierte Werte auf Solana, 32 mit Freeze-Authority
Wir haben am 13. September 2026 die Mint-Konten aller Token abgefragt, die in den Marktkategorien für reale Vermögenswerte und für tokenisiertes Gold geführt werden und eine Solana-Adresse besitzen. Das waren 35 Adressen. Drei davon haben wir ausgeklammert, weil sie keinen gedeckten Vermögenswert abbilden, sondern Infrastruktur oder Sammlerstücke. Übrig blieben 32 tokenisierte Aktien, Fondsanteile, Geldmarktpapiere und Edelmetalle.
Abgefragt wurde jedes Mint-Konto direkt über einen öffentlichen Solana-Knoten, ausgewertet wurden die Felder für die Freeze-Authority und die aktiven Token-2022-Erweiterungen. Diese Auswertung hat cryptoticker.io am 13. September 2026 selbst erhoben.
- 32 von 32 geprüften Werten tragen eine gesetzte Freeze-Authority. Kein einziger Wert im Korb kommt ohne aus.
- 26 laufen unter dem Token-2022-Programm, 6 unter dem klassischen Token-Programm.
- 21 tragen zusätzlich einen Permanent Delegate.
- 19 lassen sich über die Erweiterung pausable im Ganzen anhalten.
- 19 starten neue Konten in einem gesperrten Zustand, geben also erst nach einer Freigabe frei, was einer Whitelist gleichkommt.
- 20 leiten jede Übertragung durch einen Transfer-Hook, also durch fremden Programmcode, der eine Übertragung ablehnen kann.
Bemerkenswert ist die Vollständigkeit. Bei vielen Fragen dieser Art liegt die Antwort irgendwo zwischen den Lagern. Hier liegt sie bei 32 zu 0.

Clawback per Permanent Delegate: 21 von 32 Token lassen sich zurückholen
Die 21 Werte mit Permanent Delegate verteilen sich quer über alle Gattungen: tokenisierte Aktien großer Technologiewerte, tokenisierte Indexfonds, kurzlaufende Staatsanleihenfonds, ein verbriefter Kreditfonds und mehrere Edelmetall-Token, darunter SILV selbst. Bei SILV zeigt die Abfrage eine Besonderheit, die den Ablauf vom Freitag erklärt: Freeze-Authority und Permanent Delegate liegen auf derselben Adresse. Wer diesen Schlüssel kontrolliert, kann Guthaben sperren und im selben Zug abziehen.
Der Umlauf lag bei unserer Abfrage bei rund 93.516 SILV, was bei einer Feinunze je Token einem entsprechenden Silberbestand gegenüberstehen müsste. Die Adresse, die beide Vollmachten hält, gehört auf der Kette dem System-Programm. Das bedeutet: Es handelt sich um eine gewöhnliche Schlüsseladresse oder eine abgeleitete Adresse, nicht um das Konto eines On-Chain-Multisig-Programms. Ob hinter diesem Schlüssel mehrere Unterschriften stehen, lässt sich aus dem Mint-Konto allein nicht ablesen. Dominion selbst spricht von einer kompromittierten Multisig-Wallet.
So prüfst du ein Mint-Konto selbst, in zwei Minuten
Die gute Nachricht an dieser Lage: Alles, was hier zählt, ist öffentlich. Du brauchst kein Konto, keine Anmeldung und keinen kostenpflichtigen Dienst. Du brauchst nur die Mint-Adresse des Tokens, die jede Handelsoberfläche und jeder Block-Explorer anzeigt.
Der Weg über den Block-Explorer
Öffne einen Solana-Explorer und gib die Mint-Adresse in die Suche ein. Auf der Übersichtsseite des Tokens findest du zwei Angaben. Unter Freeze Authority steht entweder eine Adresse oder der Hinweis, dass keine gesetzt ist. Darunter listet der Explorer die aktiven Erweiterungen auf, sofern der Token unter Token-2022 läuft. Steht dort Permanent Delegate, kann der Herausgeber deine Bestände bewegen. Steht dort Default Account State, startet dein Konto gesperrt und muss erst freigeschaltet werden.
Der Weg über den RPC-Aufruf
Wer es genauer haben will, fragt den Knoten direkt. Ein einziger Aufruf reicht, und die Antwort enthält alle Felder im Klartext:
curl -s https://api.mainnet-beta.solana.com -X POST \
-H "Content-Type: application/json" \
-d '{"jsonrpc":"2.0","id":1,"method":"getAccountInfo",
"params":["MINT_ADRESSE",{"encoding":"jsonParsed"}]}'
In der Antwort interessieren dich drei Stellen: freezeAuthority, mintAuthority und die Liste unter extensions. Eine gesetzte Mint-Authority heißt, dass jederzeit neue Einheiten geschaffen werden können. Ist sie leer, steht die Menge fest. Bei einem gedeckten Sachwert ist eine gesetzte Mint-Authority normal, weil neue Einlagen neue Token erfordern. Das verlagert die Frage aber auf den Nachweis der Deckung.
Warum Emittenten diese Vollmachten überhaupt einbauen
Es wäre zu einfach, die Befunde als Schlamperei zu lesen. Wer regulierte Vermögenswerte auf eine öffentliche Blockchain bringt, steht unter Pflichten, die sich ohne solche Eingriffe kaum erfüllen lassen. Ein Emittent muss Sanktionslisten beachten, auf gerichtliche Anordnungen reagieren, bei einer Kapitalmaßnahme Bestände umstellen und im Insolvenzfall Ansprüche ordnen können. Eine Freeze-Authority ist dafür das übliche Werkzeug, und bei tokenisierten Wertpapieren ist sie faktisch Voraussetzung für eine Zulassung.
Der Preis dafür ist Klarheit statt Illusion. Ein tokenisierter Sachwert verhält sich technisch wie Kryptowährung, rechtlich aber wie ein Anspruch gegen einen Herausgeber. Wer ihn auf einer eigenen Wallet verwahrt, hat die Schlüssel, aber nicht die letzte Entscheidung über den Bestand. Bei Bitcoin auf einer Hardware-Wallet ist das anders: Dort gibt es niemanden, der eine Übertragung anhalten könnte. Dieser Unterschied verschwindet nicht dadurch, dass beides in derselben Wallet-Oberfläche nebeneinander liegt.

Was die Vollmacht für deine Hardware-Wallet bedeutet
Die verbreitete Vorstellung lautet, dass eigene Schlüssel gleichbedeutend mit eigener Verfügung sind. Für Bitcoin und für die meisten Netzwerk-Token trifft das zu. Für tokenisierte Sachwerte gilt es nur eingeschränkt, und die Einschränkung steht im Token, nicht in deiner Wallet. Eine Hardware-Wallet schützt dich vor fremdem Zugriff auf deine Schlüssel. Sie schützt dich nicht vor einer Vollmacht, die der Herausgeber im Mint-Konto hinterlegt hat.
Praktisch folgt daraus eine einfache Trennung im Kopf. Bestände, bei denen niemand eingreifen kann, verhalten sich bei einem Zwischenfall anders als Bestände, bei denen ein Dritter mitentscheidet. Wer beides hält, sollte wissen, welcher Teil in welche Kategorie fällt. Für die Frage, wem im Zweifel welcher Anspruch zusteht, haben wir die Eigentumslage bei tokenisierten Aktien und dem Emittentenrisiko bereits ausführlich aufgeschrieben.
Tokenisierte Aktien auf Solana tragen dieselbe Vollmacht
Für deutsche Anleger ist das der relevanteste Teil der Messung. Tokenisierte Aktien und Indexfonds sind seit dem vergangenen Jahr über mehrere Handelsplätze zugänglich, und sie machen im geprüften Korb die größte Gruppe aus. In unserer Abfrage trug jeder dieser Werte eine Freeze-Authority, und die überwiegende Mehrheit zusätzlich einen Permanent Delegate, eine Pausenfunktion sowie einen Transfer-Hook. Anders gesagt: Bei einem tokenisierten Aktienwert auf Solana ist die volle Eingriffskette der Regelfall, nicht die Ausnahme.
Das spricht nicht gegen das Produkt. Es verschiebt nur, worauf du bei der Auswahl achtest. Die spannende Frage ist dann weniger die Gebühr, sondern wer die Vollmacht hält, unter welcher Aufsicht diese Stelle steht und was in den Bedingungen zu Sperrung und Rückabwicklung geregelt ist. Eine beaufsichtigte Gegenseite ist dabei kein Luxus, sondern der Unterschied zwischen einem geordneten Verfahren und einer Ankündigung auf einem Social-Media-Konto.
Der Fall SILV: Was Betroffene ab dem 14. September tun können
Wer zwischen 01:00 Uhr und 14:00 Uhr UTC am 11. September SILV gekauft hat, muss davon ausgehen, dass der Bestand entfernt wurde. Nach Angaben des Anbieters öffnet am 14. September 2026 um 12:00 Uhr UTC ein Verfahren, über das sich Ansprüche in USDC geltend machen lassen; die Prüfung soll on-chain erfolgen. Drei Dinge sind dabei wichtig.
- Sichere die Belege, bevor du irgendetwas anderes tust. Dazu gehören die Signaturen der betreffenden Transaktionen, die Uhrzeit in UTC und die verwendete Wallet-Adresse. Ein Bildschirmfoto der Handelsoberfläche ersetzt keine Transaktionssignatur.
- Rechne mit Trittbrettfahrern. Bei jedem größeren Vorfall entstehen binnen Stunden Seiten, die eine Erstattung versprechen und dafür eine Signatur oder eine Freigabe verlangen. Eine Erstattung verlangt niemals, dass du eine Übertragung deiner Bestände freigibst.
- Nutze ausschließlich den Weg, den der Herausgeber selbst nennt. Die offiziellen Angaben stehen auf der Seite des Anbieters, und nur was dort steht, ist für dein Verfahren maßgeblich.
Was unsere Erhebung nicht zeigt
Eine Messung ist so viel wert wie die Angabe ihrer Grenzen. Unsere Abfrage liest den technischen Zustand der Mint-Konten und sonst nichts. Sie sagt nichts darüber, ob die hinterlegte Deckung tatsächlich vorhanden ist, denn das steht nicht auf der Kette. Sie sagt nichts darüber, wem die Vollmachtsadressen gehören und wie viele Unterschriften nötig sind, um sie zu benutzen. Für Token auf anderen Ketten gilt sie ohnehin nicht; Ethereum und die dortigen Standards haben eigene Mechanismen, die anders heißen und ähnlich wirken.
Ebenso wenig prüft sie, ob eine Vollmacht je genutzt wurde. Bei den allermeisten der 32 Werte gibt es dafür keinen öffentlichen Anlass. Die Messung beantwortet allein die Frage, ob die Möglichkeit besteht. Bei tokenisierten Sachwerten auf Solana lautet die Antwort durchgängig ja.
RWA-Token und Freeze-Authority: Was du daraus mitnimmst
- Prüfe das Mint-Konto, bevor du kaufst. Freeze-Authority, Mint-Authority und die Liste der Erweiterungen sind in zwei Minuten nachgelesen. Für alles, was ohne fremde Vollmacht auskommen soll, bleibt die eigene Verwahrung der Maßstab; welche Geräte dafür taugen, steht im Hardware-Wallet-Vergleich.
- Achte darauf, wer die Vollmacht hält und wer ihn beaufsichtigt. Bei einem tokenisierten Wertpapier ist eine Eingriffsmöglichkeit unvermeidlich, eine unbeaufsichtigte Gegenseite ist es nicht. Welche Handelsplätze in der EU zugelassen sind, zeigt die Übersicht der regulierten Kryptobörsen.
- Dokumentiere Kauf und Zufluss lückenlos. Bei einer Rückabwicklung, einer Erstattung und später gegenüber dem Finanzamt zählt der belegte Zeitpunkt, nicht die Erinnerung. Passende Werkzeuge dafür sammelt der Überblick zu Krypto-Steuer-Tools und Portfolio-Trackern.
(Stand: 13. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.
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