Venice Token im Oktober 2026: Eine stark gesenkte Emission gegen einen Umsatz, der nicht geprüft ist
Venice Token (VVV) ist der Zugangstoken von Venice.ai, einem Anbieter für KI-Inferenz ohne Konto, ohne Protokollierung und ohne inhaltliche Filter. Wer VVV bindet, erhält im Gegenzug Rechenkapazität über die Schnittstelle des Anbieters; der Token ist damit ein Bezugsrecht auf eine Dienstleistung und kein Stimmrecht. VVV läuft auf Base, einer Kette auf dem OP Stack, dessen Token Optimism wir getrennt behandeln. Der Kurs notiert am 20. Oktober 2026 bei rund 24,40 US-Dollar – etwa 29 Prozent unter dem Zwölfmonatshoch von 34,51 US-Dollar vom 21. September 2026 und rund das 26-Fache des Zwölfmonatstiefs von 0,92 US-Dollar vom 1. Dezember 2025.
Was sich in den letzten Wochen geändert hat
Zwei Dinge. Erstens die Emission: Seit dem 1. Oktober 2026 kommen nach den vorliegenden Berichten 2 Millionen VVV im Jahr neu hinzu, rund 86 Prozent weniger als die 14 Millionen zum Start. Zweitens der Kurs selbst: VVV eröffnete den Oktober bei 27,69 US-Dollar, erreichte ein Monatshoch von 30,76 US-Dollar und ein Monatstief von 21,03 US-Dollar; der Tagesschluss vom 19. Oktober lag bei 24,17 US-Dollar. Über sieben Tage steht damit ein Plus von rund 7 Prozent, über 30 Tage ein Minus von rund 9 Prozent und über 90 Tage ein Plus von rund 95 Prozent.
Warum diese Prognose vorsichtig ausfällt
Die gesenkte Emission ist belegt, die Gegenseite nicht in gleicher Güte. Der Umsatz, aus dem die Rückkäufe bezahlt werden, ist eine Aussage des Gründers vom 17. August 2026 über eine Jahresrate von rund 100 Millionen US-Dollar; geprüfte Zahlen hat das Unternehmen nach den vorliegenden Quellen nicht veröffentlicht. Rechnet man die Emission zum Kurs vom 20. Oktober, kommen rund 48,8 Millionen US-Dollar an neuen Token im Jahr hinzu; der an die Guthabenkäufe gebundene Rückkauf käme selbst dann auf höchstens rund 5 Millionen US-Dollar, wenn die gesamte genannte Jahresrate aus Guthabenkäufen bestünde. Dazu sind rund 40 Prozent der Gesamtmenge nicht im Umlauf, und eine feste Obergrenze gibt es nicht. Unsere Szenarien setzen deshalb am Jahresanfangskurs von 1,6403 US-Dollar an, nicht am Kurs nach dem Anstieg dieses Jahres – und der Mittelwert für 2026 liegt unter dem heutigen Kurs.
Der Kryptomarkt gerade
Gesamtwert und Stimmung des Marktes aus unseren eigenen Charts. Bei geöffneter Seite laden sich die Werte im Takt ihrer Quelle neu.
Was Venice Token ist und woran der Kurs hängt
Venice.ai lässt offene KI-Modelle für Nutzer laufen, ohne Konto, ohne Gesprächsverlauf auf eigenen Servern und ohne inhaltliche Filter. Verkauft wird dabei Rechenzeit: Ein Modell beantwortet eine Anfrage, und das kostet Rechenleistung. VVV ist das Bezugsrecht darauf. Der Token ist kein Anteil am Unternehmen und, anders als bei dezentralen KI-Netzen wie Bittensor oder der Artificial Superintelligence Alliance, auch kein Stimmrecht.
Wie aus gebundenen Token Rechenkapazität wird
Wer VVV bindet, erhält sVVV und damit einen Anteil an der Kapazität der Schnittstelle. Gebundene Token lassen sich zusätzlich sperren, um DIEM zu erzeugen: Ein gesperrtes DIEM berechtigt nach den vorliegenden Angaben zu Guthaben im Wert von einem US-Dollar je Tag, dauerhaft. Die Zielmenge an DIEM wurde in vier Schritten von 38.000 auf 40.000 erhöht und liegt seit dem 14. September 2026 bei 40.000. Diese Konstruktion verbindet den Token mit der Nutzung eines Produkts statt mit einer Kette – die Rechenleistung selbst erbringt nicht die Blockchain, anders als bei auf Rechenleistung ausgelegten Netzen wie Render.
Was VVV ausdrücklich nicht leistet
Nach den vorliegenden Darstellungen stimmen VVV-Halter nicht über Protokolländerungen, über die Emission oder über die Verwendung der Mittel ab; diese Entscheidungen trifft das Unternehmen Venice.ai. Das ist für die Bewertung wesentlich: Die Emissionssenkungen und die Rückkaufregeln, die den Kurs tragen, sind Unternehmensentscheidungen und können auf demselben Weg wieder geändert werden. Eine Mitsprache, auf die sich ein Halter berufen könnte, steht dem nach den vorliegenden Quellen nicht gegenüber.
Emission und Rückkäufe
Die Emission ist seit dem Start mehrfach gesenkt worden, von 14 Millionen VVV im Jahr auf 2 Millionen seit dem 1. Oktober 2026. Über die Zwischenschritte gehen die vorliegenden Berichte auseinander – genannt werden sowohl ein Weg über 2,5 Millionen ab dem 1. September als auch ein Sprung von 3 auf 2 Millionen. Wir nennen deshalb nur den heutigen Satz und sein Datum.
Auf der anderen Seite stehen Rückkäufe mit anschließender Vernichtung. Seit dem 18. Juli 2026 werden nach den vorliegenden Angaben von je 100 US-Dollar, die ein Kunde für Schnittstellen-Guthaben ausgibt, 5 US-Dollar für den Kauf und die Vernichtung von VVV am Markt verwendet. Dazu kommen Beträge je neu abgeschlossenem Abonnement – genannt werden 2 US-Dollar für die Pro-Stufe seit dem 26. April 2026, zuvor einer, 5 US-Dollar für Pro Plus und 10 US-Dollar für die höchste Stufe. Beide Mechanismen greifen bei Neuabschlüssen und Guthabenkäufen, nicht bei Verlängerungen. Insgesamt sollen bislang mehr als 33,7 Millionen VVV vernichtet worden sein, darin eine große Vernichtung im Zusammenhang mit der Verteilung vom März 2025.
Der Umsatz, der das tragen müsste
Hier liegt die Schwachstelle der Rechnung. Der Gründer nannte am 17. August 2026 eine Jahresrate von rund 100 Millionen US-Dollar; im Umfeld einer Finanzierungsrunde über 65 Millionen US-Dollar berichtete die Presse zuvor von einer niedrigeren Grundlage. Geprüfte oder veröffentlichte Umsatzzahlen des Unternehmens finden sich in den vorliegenden Quellen nicht. Deshalb unsere eigene Gegenrechnung, mit den belegten Größen: 2 Millionen neue VVV im Jahr entsprechen zum Kurs vom 20. Oktober 2026 rund 48,8 Millionen US-Dollar. Der an Guthabenkäufe gebundene Rückkauf erreicht fünf Prozent des dort ausgegebenen Betrags; selbst wenn die gesamte genannte Jahresrate von 100 Millionen US-Dollar aus Guthabenkäufen käme, wären das rund 5 Millionen US-Dollar im Jahr. Die Emission übersteigt den so belegbaren Rückkauf also deutlich, und zwar um ein Mehrfaches.
Wie breit VVV gehandelt wird
Am 20. Oktober 2026 wiesen sieben zentrale Börsen je mehr als eine Million US-Dollar Tagesumsatz in VVV aus, angeführt von Coinbase mit rund 7,1 Millionen, Bybit mit 3,4 Millionen und Kraken mit 3,1 Millionen; auf den fünf großen Plätzen zusammen rund 17,6 Millionen US-Dollar. Von 106 ausgewiesenen Handelspaaren nimmt der Datenanbieter 32 selbst aus der Zählung; die verbleibenden ergeben rund 38,7 Millionen US-Dollar. Auf dezentrale Plätze entfallen davon rund 9,9 Millionen, also etwa 26 Prozent – fast ausschließlich in Pools auf Base. Der Handel läuft damit überwiegend, aber nicht ausschließlich über zentrale Börsen.
Das Angebot
Im Umlauf sind rund 48,83 Millionen von 81,15 Millionen VVV, die bislang geschaffen wurden. Rund 40 Prozent der Gesamtmenge sind also nicht im Umlauf. Eine feste Höchstmenge weist der Datenanbieter nicht aus: Die Emission läuft weiter, nur langsamer. Zu den nächsten Freischaltungen widersprechen sich die Angaben – ein Anbieter führt monatliche Tranchen von rund 326.100 VVV, ein anderer die Verteilung als abgeschlossen. Wir nennen deshalb keine Tranchenzahl, sondern nur die gemessene Angebotsgröße.
Was wir bewusst weglassen
Eine Auswertung behauptet einen Vertragswechsel bei VVV, bei dem der neue Vertrag bei 24,06 US-Dollar eröffnet habe, während der alte bei 11,63 US-Dollar endete. Unsere eigene Tagesreihe über zwölf Monate zeigt keinen solchen Bruch: Der Kurs lief durchgehend, und einen Stand von 11,63 US-Dollar gab es zuletzt im August 2026. Die Behauptung steht deshalb in keiner Fassung dieser Seite. Ebenfalls nicht verwendet: die Jahresrate von 100 Millionen US-Dollar als geprüfte Zahl, die widersprüchlichen Freischaltungstermine und eine nur von einer Quelle berichtete Erwähnung durch einen Fondsanbieter. An ihrer Stelle stehen überall die selbst gemessenen Werte.





