Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

Delisting bei einer Krypto-Börse: Was mit deinen Token passiert, wenn Handel und Auszahlung schließen

Ein Delisting läuft in vier Stufen ab, und nur eine davon ist wirklich gefährlich: das Ende der Auszahlungsfrist. Am Beispiel zweier laufender OKX-Termine zeigen wir, was bei jeder Stufe passiert und woran du erkennst, ob dich der Vorgang betrifft.

Geschlossener Metall-Rollladen hinter einem leeren Holztresen in einer nuechternen Bueroschalterhalle, daneben ein leerer Stuhl
15 Min. Lesezeit
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Ein Delisting trifft dich meist genau dann, wenn du nicht hinsiehst. Die Ankündigung steht im Support-Bereich einer Börse, oft Monate vor dem Tag, an dem es ernst wird, und wer den betroffenen Token nicht aktiv handelt, bekommt sie überhaupt nicht zu Gesicht. Genau darin liegt das Problem. Zwischen der Ankündigung und dem Punkt, an dem dein Guthaben festsitzt, liegen bei manchen Handelsplätzen drei Monate, bei anderen ein halbes Jahr. Wer in dieser Zeit nichts unternimmt, hat am Ende einen Bestand, den er weder verkaufen noch abziehen kann.

Dieser Text erklärt, was bei einem Delisting technisch nacheinander passiert, welche der Sperren sich wieder öffnen und welche endgültig sind, und woran du erkennst, ob dich der Vorgang betrifft. Als laufendes Beispiel dient die Börse OKX, weil dort gerade zwei Auszahlungsfristen nebeneinander liegen und beide von der Börse selbst dokumentiert sind. Die Mechanik ist damit aber nicht auf OKX beschränkt: Kraken, Binance und die meisten anderen Plattformen räumen Handelspaare nach demselben Muster ab, nur die Bezeichnungen im Menü und die Länge der Fristen unterscheiden sich.

Die praktische Konsequenz vorweg, damit klar ist, worauf der Text hinausläuft. Die einzige Handlung, die dich in jedem Fall schützt, ist das Abziehen auf eine Wallet, deren Schlüssel du selbst hältst. Alles andere hängt davon ab, wie kulant eine Börse den Restbestand behandelt, und darauf hast du keinen Einfluss. Welche Geräte dafür in Frage kommen und was sie kosten, steht in unserem Hardware-Wallet-Vergleich.

Ein Delisting ist kein einzelner Termin, sondern eine Kette aus vier Sperren

Wer die Meldung „Börse XY entfernt Token Z" liest, denkt an einen Stichtag. Tatsächlich sind es vier, und sie liegen bei größeren Börsen Wochen bis Monate auseinander. In der Reihenfolge, in der sie greifen: zuerst die Einzahlungssperre, dann der Handelsstopp für die einzelnen Handelspaare, danach die Auszahlungssperre und zum Schluss die Umbuchung des Restbestands in einen Bereich des Kontos, in dem der Token zwar sichtbar bleibt, aber nichts mehr mit ihm geht.

Diese Staffelung hat einen Grund. Eine Börse will zunächst verhindern, dass noch mehr von einem Token hereinkommt, den sie loswerden möchte. Erst danach schließt sie den Handel, und die Auszahlung bleibt als letzte Funktion am längsten offen, weil sie die einzige ist, mit der Nutzer ihre Bestände selbst retten können. Für dich als Halter bedeutet das: Der Termin, den die Schlagzeile nennt, ist fast nie der Termin, der zählt.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Delisting einzelner Handelspaare und dem Entfernen eines Tokens. Börsen streichen häufig zuerst nur einzelne Paare, etwa die Notierung gegen Euro, und lassen die Notierung gegen einen Dollar-Stablecoin noch stehen. Erst wenn auch das letzte Paar fällt, ist der Token auf dieser Plattform faktisch tot. Wer nur auf den Namen des Tokens achtet und nicht auf die Liste der Paare, verpasst die erste Stufe.

Die Einzahlungssperre nimmt dir den Nachschub und lässt den Bestand unberührt

Die erste Sperre ist die harmloseste. Ab einem bestimmten Zeitpunkt nimmt die Börse keine Einzahlungen dieses Tokens mehr an. Wer trotzdem überweist, riskiert, dass die Coins auf der Blockchain ankommen, aber dem Konto nicht mehr gutgeschrieben werden. Ob eine Börse solche Nachzügler manuell zurückholt, ist Kulanz und keine Zusage.

Balkengrafik: 90-Tage-Kursveränderung der größten Kryptowerte
Die größten Kryptowerte im 90-Tage-Vergleich, nach Daten von CoinMarketCap

Für den bestehenden Bestand ändert sich in dieser Phase nichts. Du kannst weiter handeln, weiter abziehen, weiter halten. Wer die Einzahlungssperre bemerkt, hat den bequemsten Zeitpunkt zum Reagieren erwischt, weil noch alle Wege offen sind. In der Praxis bemerkt sie fast niemand, weil kaum jemand ausgerechnet dann einzahlt.

Ein Detail, das gern übersehen wird: Die Einzahlungssperre betrifft auch Transfers von einer anderen eigenen Adresse. Wer seinen Bestand über mehrere Plattformen verteilt hat und ihn zum Verkaufen zusammenziehen will, kann das nach diesem Datum nicht mehr auf der abgebenden Börse tun. Die Konsolidierung muss dann woanders stattfinden.

Mit dem Handelsstopp verschwindet der Verkaufsknopf, nicht der Token

Die zweite Sperre ist die, die den meisten Nutzern auffällt, weil sie sichtbar ist: Das Handelspaar verschwindet aus der Oberfläche. Ab diesem Moment kannst du den Token auf dieser Börse nicht mehr verkaufen. Er liegt weiter im Konto, er hat weiter einen Marktwert an anderen Handelsplätzen, aber die Plattform, auf der er liegt, bietet keinen Weg mehr an, ihn in Euro oder in einen Stablecoin zu tauschen.

Das ist der Punkt, an dem viele Halter eine Fehleinschätzung treffen: Der Bestand steht im Konto, daneben steht ein Kurswert, und daraus wird der Schluss gezogen, dass alles in Ordnung ist. Der angezeigte Wert stammt aber von externen Kursquellen und sagt nichts darüber aus, ob du ihn auf dieser Plattform noch realisieren kannst. Verkaufen geht ab jetzt nur noch woanders, und dorthin muss der Token erst einmal kommen.

Meist werden mit dem Spot-Handel auch die Nebenfunktionen abgeschaltet, etwa die Schnellkauf-Maske oder die integrierte Tauschfunktion, mit der sich Guthaben ohne Orderbuch umwandeln lässt. Bei OKX geschah das für die Token MAJOR und J am 30. Mai 2026 um 08:00 UTC und damit einige Tage vor dem eigentlichen Handelsstopp. Wer sich auf die Tauschfunktion als Notausgang verlassen hatte, stand also schon vor dem Delisting-Termin ohne diesen Ausgang da.

Die Auszahlungsfrist ist der Stichtag, an dem es tatsächlich teuer wird

Die dritte Sperre ist die entscheidende. Ab dem genannten Zeitpunkt lassen sich die betroffenen Token nicht mehr auf eine externe Adresse überweisen. Damit endet die letzte Möglichkeit, den Bestand aus eigener Kraft in Sicherheit zu bringen. Alles, was danach passiert, liegt in der Hand der Börse.

Börsen setzen diese Frist typischerweise großzügig an, gemessen an den anderen Terminen. Zwischen dem Handelsstopp und dem Ende der Auszahlung liegen bei OKX im Fall von MAJOR und J knapp drei Monate. Diese Großzügigkeit ist aber genau der Grund, warum die Frist so oft verstreicht: Wer im Juni feststellt, dass er bis August Zeit hat, legt die Sache weg und kommt nicht mehr darauf zurück.

Was nach Ablauf mit dem Bestand geschieht, ist von Börse zu Börse verschieden und häufig nicht abschließend geregelt. Manche Plattformen kündigen an, Restbestände zu einem späteren Zeitpunkt in einen Stablecoin umzuwandeln. Andere sagen dazu nichts und lassen die Position stehen. Beide Varianten haben gemeinsam, dass du sie nicht steuerst. Deshalb ist dieser Stichtag der einzige im ganzen Ablauf, den du dir in den Kalender schreiben musst.

Untradable Assets: Wo das Guthaben landet, wenn die Auszahlung geschlossen ist

Nach der letzten Sperre folgt bei den meisten Börsen ein Aufräumschritt. Der Bestand wird aus dem Handelskonto in ein allgemeines Guthabenkonto verschoben und dort in einer eigenen Rubrik geführt. OKX beschreibt diesen Vorgang in beiden aktuellen Ankündigungen wörtlich: Nach Abschluss des Delistings würden die Bestände in das Funding-Konto konsolidiert, Auszahlungs- und Transferfunktionen seien währenddessen vorübergehend ausgesetzt, und anschließend seien die Bestände unter „Assets > Untradable assets" zu finden.

Der Begriff beschreibt den Zustand ziemlich genau. Der Token ist nicht weg, er ist im Konto sichtbar, er ist dir weiterhin zugeordnet. Handelbar ist er nicht, und ob und wann eine Auszahlung wieder möglich wird, steht in der Ankündigung nicht. Wer sich in dieser Rubrik wiederfindet, hat keinen Totalverlust erlitten, aber einen Bestand ohne Ausgang, und die Dauer dieses Zustands bestimmt jemand anderes.

Genau diese Unschärfe ist der Grund, warum die Frist ernst zu nehmen ist. Eine Formulierung wie „vorübergehend ausgesetzt" ohne Enddatum ist keine Zusage, die sich einklagen ließe, und sie taugt nicht als Plan. Der Plan besteht darin, vorher zu handeln.

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Der Fall OKX: zwei Auszahlungsfristen, der 26. August und der 7. November 2026

Bei OKX laufen derzeit zwei Delisting-Vorgänge parallel, die zusammen gut zeigen, wie weit die Termine auseinanderliegen können. Beide Ankündigungen stehen öffentlich im europäischen Support-Bereich der Börse. Für deutsche Nutzer sind sie einschlägig, weil OKX hier eine eigene regulierte Handelsplattform betreibt, über deren Start wir im Juni 2025 berichtet haben.

MAJOR und J: Auszahlung bis 26. August 2026, 08:00 UTC

Für die beiden Token MAJOR und J hat OKX den Ablauf am 26. Mai 2026 angekündigt. Einzahlungen wurden am selben Tag um 08:00 UTC gestoppt. Die Nebenfunktionen fielen am 30. Mai. Das Paar MAJOR gegen Dollar verschwand am 2. Juni zwischen 08:00 und 10:00 UTC, die Paare MAJOR/USDT und J/USDT folgten am 5. Juni im selben Zeitfenster. Die Auszahlungen schließen laut Ankündigung am 26. August 2026 um 08:00 UTC.

Bemerkenswert an diesem Fall ist der Abstand: Zwischen dem letzten Handelstag Anfang Juni und dem Ende der Auszahlung liegen fast zwölf Wochen, in denen der Token im Konto sichtbar war, ohne dass sich etwas tat. MAJOR stammt aus dem Umfeld der Telegram-Spiele und wurde entsprechend breit an Kleinanleger verteilt. Das ist die Gruppe, die eine Frist am ehesten verpasst, weil die Beträge klein sind und der Aufwand des Abziehens im Verhältnis groß wirkt.

GODS, PRCL und DUCK: Auszahlung bis 7. November 2026

Der zweite Vorgang wurde am 7. August 2026 angekündigt und betrifft acht Handelspaare. Am 14. August fielen GODS gegen Dollar, PRCL gegen Dollar, PRCL/USDC, PRCL/EUR und DUCK gegen Dollar, jeweils zwischen 08:00 und 10:00 UTC. Die verbliebenen Paare GODS/USDT, PRCL/USDT und DUCK/USDT stehen laut Ankündigung an diesem Montag, dem 17. August 2026, im selben Zeitfenster auf dem Plan.

Für europäische Nutzer ist ein Detail dieser Liste besonders relevant: Mit PRCL/EUR ist ein Euro-Paar dabei, also genau die Notierung, über die deutsche Nutzer den Token typischerweise gehandelt hätten. Zum Ende der Auszahlung gibt es eine Abweichung in den Quellen, die hier nicht geglättet werden soll: Die Ankündigung von OKX nennt den 7. November 2026 um 08:00 UTC, die Fachmedien crypto.news und EconoTimes nennen für denselben Tag 16:00 UTC. Wer betroffen ist, plant nach der früheren der beiden Zeiten und nicht nach der späteren.

Was OKX nach diesem Datum mit den Restbeständen von GODS, PRCL und DUCK vorhat, steht in der Ankündigung nicht. Eine Übertragung der Regelung anderer Börsen wäre an dieser Stelle Spekulation, deshalb bleibt es bei der Feststellung, dass der Punkt offen ist. Einen Überblick über weitere Stichtage in diesem Zeitraum haben wir in unserer Übersicht zu den Fristen der Krypto-Börsen zusammengestellt; der OKX-Termin vom 26. August ist dort noch nicht enthalten.

Offene Orders und Trading-Bots werden abgeräumt, aber nicht augenblicklich

Ein Aspekt, der in der Aufregung um die Fristen untergeht, betrifft alles, was auf der Börse automatisch läuft. Offene Limit-Orders auf ein betroffenes Paar werden mit dem Delisting vom System storniert. OKX weist in beiden Ankündigungen darauf hin, dass diese Stornierung ein bis drei Werktage dauern kann. In dieser Zeit ist das für die Order reservierte Guthaben blockiert und steht für eine Auszahlung nicht zur Verfügung.

Ähnliches gilt für Handelsbots. Nach Angaben der Börse werden Bots auf betroffene Paare am jeweiligen Delisting-Tag zwischen 07:00 und 08:00 UTC schrittweise geschlossen. Wer Gebühren oder ungünstige Ausführungskurse bei einer automatischen Schließung vermeiden möchte, beendet sie vorher von Hand. Das ist der Rat der Börse selbst, und er ist nachvollziehbar: Eine erzwungene Schließung nimmt keine Rücksicht darauf, wie dünn das Orderbuch in den letzten Stunden vor dem Delisting geworden ist.

Für die Planung heißt das: Wer eine Auszahlung erst kurz vor Fristende anstößt, sollte die Stornierungsdauer einkalkulieren. Drei Werktage vor dem Stichtag sind bei offenen Orders keine übervorsichtige Reserve, sondern die von der Börse selbst genannte Spanne.

Selbstverwahrung oder andere Börse: wohin der Token nach dem Abzug gehört

Steht der Entschluss zum Abziehen, bleiben zwei Ziele. Das erste ist eine Wallet, deren Schlüssel du selbst kontrollierst. Der Vorteil liegt darin, dass keine weitere Frist mehr über dir hängt: Ein Token in Selbstverwahrung kann von niemandem delistet werden. Der Preis dafür ist die Verantwortung für die Wiederherstellungswörter, und dieser Preis ist real.

Das zweite Ziel ist eine andere Börse, die den Token noch führt. Das ergibt Sinn, wenn du ohnehin verkaufen willst, denn die Selbstverwahrung wäre dann nur eine Zwischenstation. Vor dem Transfer lohnt ein Blick darauf, ob die Zielplattform den Token überhaupt annimmt und ob sie dasselbe Netzwerk unterstützt. Ein Token existiert oft auf mehreren Blockchains, und eine Einzahlung über das falsche Netzwerk ist der teuerste Weg, eine Frist einzuhalten. Wenn die Wahl auf eine in Europa beaufsichtigte Plattform fallen soll, engt die Frage nach der Aufsicht die Auswahl bereits deutlich ein.

Was in beiden Fällen gilt: Prüfe die Auszahlungsgebühr, bevor du den Vorgang startest. Bei kleinen Restbeständen kann sie den Wert der Position aufzehren. Das ist ein legitimer Grund, auf eine Auszahlung zu verzichten, aber es sollte eine bewusste Entscheidung sein und kein Ergebnis von Aufschieben.

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Was ein Delisting steuerlich auslöst und was nicht

Für deutsche Anleger ist die steuerliche Einordnung meist einfacher als befürchtet. Kryptowährungen gelten als andere Wirtschaftsgüter, Gewinne aus dem Verkauf fallen unter die privaten Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG. Nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr ist ein Gewinn steuerfrei, darunter greift eine Freigrenze von 1.000 Euro im Kalenderjahr für sämtliche privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen.

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Der reine Transfer von einer Börse auf deine eigene Wallet ist kein Verkauf. Es wechselt kein Eigentümer, es entsteht kein Gewinn, und die Haltefrist läuft ungebrochen weiter. Ein Delisting allein löst also nichts aus. Steuerlich relevant wird der Vorgang erst, wenn du den Token verkaufst oder in einen anderen tauschst, und dieser Tausch zählt genauso wie ein Verkauf gegen Euro.

Aufmerksamkeit verdient der Sonderfall, dass eine Börse Restbestände nach Fristablauf von sich aus in einen Stablecoin umwandelt. Wirtschaftlich ist das ein Tausch und damit ein Veräußerungsvorgang, den du weder ausgelöst noch terminiert hast, der aber in deiner Steuererklärung landet. Ob eine Börse so verfährt, ist eine Frage der jeweiligen Ankündigung; OKX hat sich für die hier genannten Token dazu nicht geäußert. Für die Dokumentation solcher Vorgänge ist ein Portfolio-Tracker hilfreich, der Transaktionen automatisch aus dem Börsenkonto zieht und den erzwungenen Tausch mit Datum und Kurs festhält.

Warum die Ankündigung dich fast nie erreicht

Delistings werden über die Kanäle bekanntgegeben, die eine Börse ohnehin bespielt: eine Meldung im Ankündigungsbereich, ein Beitrag in den sozialen Netzwerken, gelegentlich eine E-Mail. Eine gezielte Benachrichtigung genau der Nutzer, die den Token halten, ist nicht die Regel. Wer Werbe-E-Mails der Börse abbestellt hat, was viele aus guten Gründen tun, schneidet sich damit auch von dieser Information ab.

Dazu kommt ein Sprachproblem. Die Ankündigungen erscheinen in aller Regel auf Englisch, und die deutschsprachige Berichterstattung greift sie nur auf, wenn ein bekannter Token betroffen ist oder der Kurs deutlich reagiert. Bei Nischenwerten passiert oft weder das eine noch das andere. Zu den beiden hier beschriebenen OKX-Vorgängen existiert nach unserer Prüfung im Bestand deutschsprachiger Medien bislang keine redaktionelle Darstellung.

Die Konsequenz daraus ist unangenehm, aber schlicht: Die Verantwortung für das Mitbekommen liegt bei dir. Das spricht dafür, kleine Restbestände auf Börsen gar nicht erst dauerhaft liegen zu lassen, und es spricht dafür, ein- bis zweimal im Jahr durch die Kontoübersichten zu gehen, statt sich auf eine Benachrichtigung zu verlassen, die vielleicht nie kommt.

Die Prüfliste: so findest du heraus, ob dich ein Delisting betrifft

Der Aufwand ist überschaubar, wenn du systematisch vorgehst. Diese Punkte decken die üblichen Fälle ab:

  1. Kontoübersicht öffnen und alle Positionen ansehen, auch die mit sehr kleinen Beträgen. Genau dort sitzen die vergessenen Bestände, und genau die sind es, die in Fristen laufen.
  2. Nach einer Rubrik für nicht handelbare Guthaben suchen. Heißt bei OKX „Untradable assets", bei anderen Plattformen ähnlich. Steht dort etwas, ist bereits ein Delisting an dir vorbeigegangen.
  3. Den Ankündigungsbereich der Börse aufrufen und die Rubrik für Delistings durchsehen. Die Ankündigungen bleiben dort dauerhaft stehen und nennen alle vier Termine.
  4. Prüfen, ob sich der Token auf der Plattform noch verkaufen lässt. Fehlt das Handelspaar, läuft bereits eine Auszahlungsfrist, deren Ende du dann suchen musst.
  5. Das Fristende im Kalender eintragen, mit einer Erinnerung mindestens eine Woche vorher, damit Stornierungsdauern und Netzwerkverzögerungen hineinpassen.
  6. Beim Abziehen das richtige Netzwerk wählen und zuerst einen kleinen Testbetrag senden, wenn die Position groß genug ist, dass sich der doppelte Gebührenaufwand lohnt.

Was ein Delisting über den Token aussagt und was nicht

Eine Streichung wird häufig als Urteil über ein Projekt gelesen. Das greift zu kurz. Börsen nennen als Gründe regelmäßig ein gesunkenes Handelsvolumen, mangelnde Liquidität oder eine turnusmäßige Überprüfung der Notierungskriterien, und keiner dieser Gründe sagt etwas über die Technik oder die Zukunft des Projekts aus. OKX verweist in beiden Ankündigungen auf die regelmäßige Prüfung der Notierungsqualifikation und auf die eigenen Delisting-Richtlinien, ohne die einzelnen Token zu bewerten.

Was ein Delisting sehr wohl aussagt, ist etwas über die Handelbarkeit. Verschwindet ein Token von mehreren größeren Plattformen, wird der Ausstieg mit jeder Streichung teurer, weil die verbleibenden Orderbücher dünner werden. Das ist eine Aussage über deine Verkaufsmöglichkeiten, nicht über den fairen Wert. Für die eigene Einschätzung ist der Blick auf die Zahl der verbliebenen Handelsplätze deshalb nützlicher als die Frage, warum eine einzelne Börse aussteigt.

Wie stark diese Vorgänge inzwischen zum Alltag gehören, zeigt der Rückblick auf die vergangenen Wochen. Wir haben unter anderem über die Zwangsliquidation bei Kraken berichtet, bei der 56 Token betroffen waren. Delistings sind damit kein Ausnahmefall mehr, auf den man reagiert, wenn er eintritt, sondern ein wiederkehrender Vorgang, für den ein Halter eine Routine braucht.

Delisting-Fristen im Griff: was du daraus mitnimmst

  1. Geh heute deine Kontoübersichten durch und suche nach nicht handelbaren Beständen. Wer bei OKX MAJOR oder J hält, hat bis zum 26. August 2026 um 08:00 UTC Zeit; bei GODS, PRCL und DUCK endet die Auszahlung am 7. November 2026. Für alles, was du dabei findest und behalten willst, ist die Selbstverwahrung das Ziel: Der Hardware-Wallet-Vergleich zeigt, welches Gerät zu welcher Bestandsgröße passt.
  2. Entscheide für jede Position bewusst zwischen Abziehen und Verkaufen, statt die Frist verstreichen zu lassen. Soll der Token liquide bleiben, gehört er auf eine Plattform, die ihn noch führt; unsere Übersicht der regulierten Krypto-Börsen grenzt die Auswahl auf beaufsichtigte Anbieter ein.
  3. Dokumentiere jeden erzwungenen Tausch sofort. Wandelt eine Börse Restbestände selbst um, entsteht ein Veräußerungsvorgang, den du nicht ausgelöst hast, der aber in die Steuererklärung gehört. Ein Werkzeug aus unserem Vergleich der Krypto-Steuer-Tools zieht solche Vorgänge automatisch aus dem Börsenkonto.

Die beiden Ankündigungen, auf denen dieser Text beruht, sind öffentlich einsehbar: die OKX-Mitteilung zu MAJOR und J vom 26. Mai 2026 und die OKX-Mitteilung zu GODS, PRCL und DUCK vom 7. August 2026. Beide nennen die genauen Uhrzeiten und die Liste der betroffenen Handelspaare.

(Stand: 17. August 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Kurse und Gebührenmodelle ändern sich; prüfe die Konditionen vor jedem Kauf beim Anbieter selbst.)

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Alle Zahlen und Angaben wurden gegen die im Text verlinkten Primärquellen abgeglichen. Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt.

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