Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

BitMart stellt den Betrieb ein, zweite große Krypto-Börse innerhalb einer Woche

BitMart wickelt ab – nur drei Tage nach BitMEX. Die Fristen für Auszahlungen, die Gründe hinter den Schließungen und was das für Börsennutzer heißt.

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Kategorien: Krypto Exchange

Drei Tage nachdem BitMEX seinen Nutzern nach elf Jahren das Aus mitgeteilt hat, zieht BitMart nach. Am 26. Juli 2026 um 01:40 Uhr UTC ging die Mitteilung online, dass die Börse ihren Handelsbetrieb geordnet abwickelt. Damit läuft für jedes Guthaben auf der Plattform eine Uhr. Zwei zentrale Handelsplätze, die innerhalb einer Woche das Ende ankündigen – das ist kein Zufall, sondern das, was passiert, wenn sich das Geschäftsmodell mittelgroßer Börsen schlicht nicht mehr rechnet.

Was genau hat BitMart angekündigt?

Als Begründung nennt BitMart eine Prüfung der eigenen Geschäftslage, des Marktumfelds und der künftigen strategischen Ausrichtung. Von Zahlungsunfähigkeit, einem Hack oder einem Verfahren durch Aufsichtsbehörden ist keine Rede. Übersetzt heißt das: Der Betrieb trägt sich nicht mehr.

Die Abwicklung läuft in Stufen ab:

  • 26. Juli 2026, 01:30 Uhr UTC – keine Neuanmeldungen mehr, sämtliche Krypto- und Fiat-Einzahlungen werden gestoppt, Futures-Konten wechseln in den Reduce-Only-Modus, im Spot-Handel werden keine neuen Orders mehr angenommen. Copy Trading, Grid, API-Handel und weitere automatisierte Dienste laufen schrittweise aus. Offene Orders musst du selbst stornieren, sonst übernimmt das System.
  • 26. August 2026, 01:00 Uhr UTC – Schluss mit Spot, Futures und allen übrigen Handelsdiensten. Futures-Positionen, die dann noch offen sind, kann die Plattform zum jeweils geltenden Mark-, Index- oder Abrechnungspreis glattstellen.
  • 31. Januar 2027, 15:59 Uhr UTC – die Plattform stellt den Betrieb offiziell ein. Der Zugang zum Konto bleibt danach noch eine gewisse Zeit bestehen, um Verlauf einzusehen und Auszahlungen zu beantragen.

Earn, Staking, Lending und Launchpad werden in Etappen abgeschaltet, jeweils mit eigenen Mitteilungen zur Rückabwicklung.

Bis wann musst du dein Guthaben abziehen?

Das ist der Punkt, auf den es ankommt – und die Frist liegt deutlich früher, als das Datum im Januar 2027 vermuten lässt.

BitMart empfiehlt, die Identitätsprüfung abzuschließen und alle Positionen vor dem 26. August 2026, 01:00 Uhr UTC zu schließen. Auszahlungsanträge sollten vor dem 26. August 2026, 05:00 Uhr UTC eingereicht sein. Alles, was danach kommt, landet in einem gesonderten Verfahren mit eigenen Nachweispflichten.

Und Auszahlungen laufen nicht automatisch durch. BitMart weist ausdrücklich darauf hin, dass Anträge manuell geprüft werden können – KYC, Login-Geräte und IP-Adressen, Empfängeradressen, Mittelherkunft, Travel Rule und Sanktionslisten. Ein gestellter Antrag bedeutet also nicht, dass die Coins bereits unterwegs sind. In einer Abwicklung werden solche Warteschlangen lang. Genau deshalb: jetzt abziehen, nicht in der letzten Augustwoche.

Gab es Warnsignale vor der Ankündigung?

Im Rückblick liest sich die Woche davor wie eine Checkliste:

  • 24. Juli – BitMart führt eine Verwahrgebühr für inaktive Konten ein.
  • 25. Juli – Einschränkungen für US-Nutzer, Abschaltung des AMM-Bots und Einstellung des Spot-Margin-Handels mit Zwangsliquidation zum 26. Juli, 02:00 Uhr UTC.
  • 26. Juli – die vollständige Mitteilung über das Ende des Betriebs.

Diese Abfolge kam neun Tage nach dem H1-Bericht vom 17. Juli, in dem BitMart noch ausgesprochen zuversichtlich klang: ein Plus von rund 256 % beim verwalteten Vermögen, ein neu gestarteter Prognosemarkt, ein erweiterter regulatorischer Fußabdruck samt australischer Lizenz aus dem Juni. Das Marktumfeld benannte derselbe Bericht allerdings schonungslos – Bitcoin im ersten Halbjahr rund 33 % im Minus, Ethereum 50 %, Rekordabflüsse bei den Spot-ETFs und rückläufige Volumina bei den zehn größten zentralen Börsen.

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Wie unterscheidet sich das vom BitMEX-Aus?

BitMEX hatte am 23. Juli mitgeteilt, dass HDR Global Trading Limited die Börse zum 23. September 2026 um 04:00 Uhr UTC schließt – ebenfalls nach einer strategischen Überprüfung. Neuanmeldungen wurden sofort gestoppt, ab dem 26. August um 04:00 Uhr UTC gilt Reduce-Only. Wer als verifizierter Nutzer Guthaben stehen lässt, zahlt monatlich entweder 50 US-Dollar oder 1 % p. a. – je nachdem, was höher ist.

Die Parallelen sind bemerkenswert. Beide Börsen haben den 26. August als faktisches Handelsende gewählt. Beide sprechen von einer strategischen Entscheidung, nicht von einer Notlage. Beide haben Neuanmeldungen am Tag der Ankündigung eingestellt. Dabei war BitMEX ein elf Jahre alter Derivate-Pionier, der den Perpetual Swap erfunden hat, und BitMart eine acht Jahre alte Spot- und Futures-Börse mit einem breiten Altcoin-Angebot. Zwei sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle – und binnen 72 Stunden dasselbe Ergebnis.

Warum trifft es gerade die mittelgroßen Börsen?

Das Problem ist strukturell, nicht dramatisch.

Die Handelsgebühren sind branchenweit gegen null gelaufen. Die Kosten für Compliance haben sich in die andere Richtung entwickelt: MiCA in Europa, Lizenzregime in Asien und im Nahen Osten, Travel-Rule-Infrastruktur, Erwartungen an einen Proof of Reserves. Gleichzeitig konzentriert sich die Liquidität auf eine Handvoll großer Namen, während On-Chain-Perpetuals einen wachsenden Teil des Derivatehandels abgreifen, der früher bei Börsen wie BitMEX lag.

Eine mittelgroße Börse zahlt damit die Compliance-Kosten eines Schwergewichts bei den Erträgen eines Nischenanbieters – in einem Halbjahr, in dem Bitcoin ein Drittel verloren hat. Das lässt sich nicht mit der nächsten Listing-Kampagne reparieren.

Es werden nicht die letzten Fälle bleiben. Am Ende dieses Zyklus stehen voraussichtlich weniger, größere und stärker regulierte Handelsplätze. Das löst einige Probleme – und bündelt das Gegenparteirisiko bei einigen wenigen Anbietern.

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Was solltest du jetzt konkret tun?

  1. Einloggen und alle Guthaben prüfen, auch Earn-, Staking- und Lending-Positionen.
  2. KYC rechtzeitig abschließen oder aktualisieren – unverifizierte Konten bleiben in der Prüfung hängen.
  3. Offene Orders stornieren und Futures-Positionen selbst schließen, statt sie zwangsweise abrechnen zu lassen.
  4. Earn- und laufzeitgebundene Produkte auflösen; dafür gelten eigene Fristen.
  5. Früh auszahlen. Netzwerk und Empfängeradresse sorgfältig prüfen und keine doppelten Anträge stellen.
  6. Kontostände sowie Ein-, Aus- und Handelshistorie herunterladen – du brauchst sie für die Steuer.

Noch ein Hinweis: BitMart warnt ausdrücklich vor Betrügern, die sich während der Abwicklung als Mitarbeiter ausgeben. Es gibt keine kostenpflichtige Express-Auszahlung, keine „Freischaltgebühr" und keine bevorzugte Bearbeitung gegen Bezahlung. Niemand von BitMart fragt nach Passwort, 2FA-Code, Private Key oder Seed Phrase. Jede Nachricht auf Telegram oder WhatsApp, die dir gegen Gebühr eine schnellere Auszahlung verspricht, ist ein Betrugsversuch.

Wohin mit den Beständen?

Langfristige Bestände, mit denen du ohnehin nicht handelst, gehören in die eigene Wallet. Dort gilt kein Zeitplan irgendeiner Börse. Für Mittel, die auf einem Handelsplatz bleiben sollen, zählen jetzt Regulierung und finanzielle Substanz – nicht Gebührentabellen und die Zahl der gelisteten Coins.

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Die eigentliche Lehre dieser Woche lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Was auf einer Börse liegt, ist eine Forderung gegen ein Unternehmen – nicht Coins, über die du verfügst. BitMart und BitMEX scheinen beide geordnet abzuwickeln, die Kundengelder sind offenbar vorhanden. Das ist die gute Variante dieses Ausgangs. Trotzdem müssen Zehntausende Nutzer ihre Bestände nach einem Zeitplan bewegen, den nicht sie gesetzt haben.

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