Binance MiCA-Lizenz: Stoppte Lagarde die EU-Zulassung?
Laut WSJ soll EZB-Chefin Lagarde Griechenland gebeten haben, Binance die MiCA-Lizenz zu verweigern. Was dahintersteckt und warum die EZB nicht zuständig ist.

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Was soll Lagarde bei der Binance MiCA-Lizenz getan haben?
Binance reichte den Antrag auf eine MiCA-Lizenz im Januar 2026 in Griechenland ein. Anfang Juni war die Sache praktisch durch: Die griechische Kapitalmarktkommission HCMC hatte geprüft, wollte genehmigen und meldete diese Absicht bereits der ESMA.
Dann kam offenbar ein Telefonat dazwischen. Das Wall Street Journal berichtete am 18. September 2026, ein Vizepräsident der HCMC habe Binance mitgeteilt, EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe den griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis gebeten, die Genehmigung nicht zu erteilen. Ohne dessen Rückendeckung, so die Darstellung, könne die Behörde nicht weitermachen. Eine Woche später hieß es, die Lizenz komme nicht. Am 24. Juni zog Binance den Antrag zurück, sieben Tage vor Ablauf der MiCA-Frist.
Laut WSJ ging es Lagarde vor allem um Zeit. Die Entscheidung solle warten, bis die ESMA die Zulassung von Kryptobörsen übernimmt. Diese Reform ist bislang allerdings nur ein Vorschlag und längst nicht beschlossen.
Warum interessiert sich die EZB für Binance und Stablecoins?
Zwei Gründe, und mit Griechenland hat keiner davon zu tun.
Erstens die Stablecoins. Lagarde soll befürchtet haben, dass ausgerechnet die größte Kryptobörse der Welt dollarbasierte Stablecoins in Europa weiter verbreitet und damit dem digitalen Euro und euro-basierten Alternativen das Wasser abgräbt. Öffentlich warnt sie seit Längerem vor einer digitalen Dollarisierung und vor dem Verlust monetärer Souveränität, wenn Stablecoins in fremder Währung ausgegeben werden.
Zweitens die Vergangenheit von Binance. 2023 bekannte sich das Unternehmen in den USA schuldig, gegen den Bank Secrecy Act verstoßen zu haben, und zahlte 4,3 Milliarden Dollar Strafe. Gründer Changpeng Zhao saß 2024 vier Monate im Gefängnis und wurde im Oktober 2025 von Donald Trump begnadigt. Die ESMA soll nationalen Aufsichtsbehörden schon vorher intern geraten haben, Anträge von Binance abzulehnen.
Darf die EZB überhaupt über MiCA-Lizenzen entscheiden?
Nein. Und genau das ist der eigentliche Punkt.
MiCA-Lizenzen vergeben die nationalen Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten. Wer in einem Land zugelassen ist, darf im gesamten Binnenmarkt arbeiten. Bei der Zulassung von Krypto-Dienstleistern hat die EZB formal keine Rolle, zuständig war hier allein die HCMC.
Der deutsche Krypto-Analyst Robin Klement brachte es auf X auf den Punkt: Die EZB vergebe gar keine MiCA-Lizenzen, deshalb stelle der Fall die Frage nach politischem Einfluss auf nationale Aufsichtsbehörden.
Wenn der Bericht stimmt, wurde ein fertig geprüfter Antrag also nicht durch das Verfahren gestoppt, sondern daran vorbei.
Was kostet Binance die geplatzte Zulassung in Griechenland?
Sofort und sehr konkret: Nutzer. Artikel 143 MiCA erlaubte Anbietern mit alten nationalen Genehmigungen den Weiterbetrieb nur bis zum 1. Juli 2026 oder bis zur Entscheidung über den MiCA-Antrag, je nachdem, was früher eintrat. Als die Frist ablief, stand Binance ohne Lizenz da. Die französische Einheit stellte Spot-, Margin- und Futures-Handel ein, betroffen waren rund 2 Millionen Nutzer.
Mit der griechischen Zulassung hätte Binance Zugang zu 450 Millionen Menschen im Binnenmarkt gehabt. Stattdessen bleibt die größte Börse der Welt genau aus dem Markt ausgesperrt, den sie am dringendsten wollte.
Wie reagiert Binance auf den Bericht zu Lagarde?
Auffällig zurückhaltend. Man kommentiere keine Spekulationen, sagte ein Sprecher, und ergänzte, Binance wolle in Europa langfristig und regelkonform unter MiCA arbeiten. Beim Rückzug im Juni verwies das Unternehmen auf Stand und Zeitplan des griechischen Verfahrens, Lagarde oder die EZB erwähnte es mit keinem Wort.
Bestätigt hat den Vorgang bisher niemand. Lagarde, die EZB und die griechische Aufsicht schweigen öffentlich, eine Stellungnahme lehnte die EZB ab. Eine HCMC-Sprecherin erklärte gegenüber dem WSJ, die zugeschriebenen Äußerungen seien so nicht gefallen und der Antrag sei unabhängig geprüft worden. Ein Berater des griechischen Finanzministers sagte, die Regierung habe keine Rolle gespielt.
Wie geht es für Binance in Europa weiter? ESMA im Blick
Binance will die Zulassung nun in einem anderen EU-Staat beantragen. Das Problem daran: Das beschriebene Muster funktioniert überall. Wenn informeller Druck aus Frankfurt eine nationale Behörde ausbremsen kann, wird ausgerechnet der EU-Pass, der MiCA so attraktiv macht, zur politischen Sollbruchstelle.
Behalte deshalb weniger den nächsten Antrag im Auge als die ESMA-Reform. Dort entscheidet sich, wer künftig wirklich über Kryptobörsen in Europa bestimmt.
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