Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Führe immer deine eigene Recherche durch.

SEC sagt Krypto-Abstimmung ab: Warum die US-Regulierung jetzt doppelt feststeckt

Die SEC hat ihre Abstimmung zur Regulation Crypto einen Tag vorher gestrichen. Was dahintersteckt und was das für den Markt bedeutet.

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Kategorien: Crypto News

Es hätte der größte Schritt der US-Börsenaufsicht seit ihrer Gründung werden sollen: Digitale Vermögenswerte endlich über Regeln zu ordnen statt über Klagen. Am Abend des 13. August sagte die SEC die Sitzung dann klanglos ab.

Angesetzt war sie für Freitag, den 14. August, 10:00 Uhr Ortszeit Washington. Auf der Tagesordnung stand ein einziger Punkt: die Frage, ob die Behörde einen Vorschlag für ein maßgeschneidertes Emissionsregime für bestimmte Anlageverträge mit Krypto-Bezug veröffentlicht. Dieser Punkt, in der Branche längst als Regulation Crypto bekannt, hat jetzt keinen Termin mehr.

Was genau abgesagt wurde

Formal lief die Vorlage unter dem Titel Regulation Crypto Assets, zuständig war die Abteilung Corporation Finance. Die dreiköpfige Kommission, unter Vorsitz von Paul Atkins ausschließlich mit Republikanern besetzt, sollte darüber abstimmen, ob der Entwurf zur öffentlichen Kommentierung freigegeben wird.

Regulation Crypto ist dabei keine einzelne Vorschrift. Nach dem Rahmen, den Atkins Anfang des Jahres skizziert hat, umfasst sie drei Bausteine:

  • eine Startup-Ausnahme, mit der Krypto-Projekte in der Frühphase Kapital aufnehmen können, ohne die volle Wertpapierregistrierung auszulösen
  • eine Finanzierungsausnahme für Kapital, das in den Aufbau eines Netzwerks fließt
  • einen Safe Harbor für Teams, die ihr Netzwerk aus der zentralen Kontrolle heraus dezentralisieren

Für Entwickler in den USA hängt daran ziemlich viel. Es ist der Unterschied zwischen einer Finanzierungsrunde im Inland und einer im Ausland.

Die Begründung der SEC bestand aus einem einzigen Satz. Ein Sprecher verwies auf ein unvorhergesehenes Terminproblem, die Sitzung werde zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Die formelle Absage nach dem Sunshine Act, unterzeichnet von Kommissionssekretärin Vanessa Countryman, nennt überhaupt kein Ersatzdatum.

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Zurückgezogen ist der Entwurf damit nicht

An dieser Stelle lohnt Genauigkeit, denn die Reaktionen fallen deutlich lauter aus, als die Faktenlage hergibt.

Auf dem Papier lebt der Vorschlag weiter. Im zentralen Register für Regulierungsvorhaben ist die Vorlage der SEC unter der Kennung RIN 3235-AN38 als in Prüfung befindlich gelistet. Der Text ging am 12. August ein, zwei Tage vor der geplanten Sitzung, und unterliegt keiner gesetzlichen Frist. Verschoben wurde eine Abstimmung, nicht eine Regel gekippt.

Was fehlt, ist jeder sichtbare Zeitplan. Eine Sitzung am 10. August mit ungewöhnlich kurzer Vorlaufzeit anzukündigen und sie drei Tage später ersatzlos zu streichen, spricht nicht gerade für einen souveränen Terminkalender.

Das eigentliche Problem heißt CLARITY Act

Brisant wird die Absage vor allem durch das, worauf sie trifft.

Der Digital Asset Market Clarity Act gilt in der Branche als der eigentliche Weg zu einem dauerhaften Rahmen. Im Juli 2025 passierte er das Repräsentantenhaus mit 294 zu 134 Stimmen, im Mai 2026 den Bankenausschuss des Senats mit 15 zu 9. Danach kam er zum Stillstand.

Zu einer Abstimmung im Senatsplenum kam es vor der fünfwöchigen Sommerpause nicht mehr. Für Debatte, Änderungsanträge und die nötige Sperrminorität von 60 Stimmen fehlte schlicht die Zeit, und die offenen Streitpunkte zu Ethikregeln und zur Verzinsung von Stablecoins waren nie ausgeräumt. Die Frist für den Geschäftsordnungsantrag läuft nun am 15. September ab, nachdem die Senatoren zurück sind.

Die Prognosemärkte haben das eingepreist: Die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung liegt dort im niedrigen zwanzigprozentigen Bereich. Bernstein bezifferte die Chance für 2026 Anfang des Monats auf rund 30 Prozent, gestützt auf Daten von Galaxy Research.

Damit stecken beide Wege zu regulatorischer Klarheit im Entwurfsstadium fest. Der Kongress hat einen Gesetzentwurf, kein Gesetz. Die SEC hat einen Vorschlag, keine Vorschrift. Verbindlich ist heute keines von beidem.

Behördenregel und Gesetz sind nicht dasselbe

Es gibt einen guten Grund, warum die Branche lieber den CLARITY Act als eine Behördenregel hätte. Die Absage macht ihn greifbar.

Eine förmlich verabschiedete SEC-Regel ist bindendes Recht und übersteht einen Regierungswechsel. Eine spätere Kommission kann sie allerdings jederzeit über ein neues Verfahren ändern oder kassieren. Ein Gesetz lässt sich nur durch den Kongress selbst anfassen. Atkins hat genau darauf mehrfach hingewiesen und die Arbeit seiner Behörde als Vorsprung gegenüber der Gesetzgebung beschrieben, nicht als Ersatz.

Dazu kommt eine Lücke, die Regulation Crypto gar nicht schließen kann. Selbst wenn die SEC den Rahmen irgendwann verabschiedet, bleibt die Zuständigkeitsgrenze zwischen SEC und CFTC für den Spotmarkt offen. Diese Linie kann nur der Kongress ziehen.

Der Blick sollte jetzt auf die CFTC gehen

Interessant ist vor allem das Timing. Sechs Tage nach der geplatzten SEC-Abstimmung tagt am 20. August erstmals der Innovation Advisory Committee der CFTC, unter dem Titel "From Uncertainty to Clarity".

Unter der kommissarischen Vorsitzenden Caroline Pham hat die Behörde bereits den ersten regulierten Spot-Handel mit Kryptowerten an US-Börsen ermöglicht und arbeitet daran, Perpetual Futures ins Inland zu holen. Michael Selig, nominiert für den CFTC-Vorsitz, hat unmissverständlich gesagt: Scheitert der CLARITY Act, ziehen die Behörden ihre eigenen Regeln vor, statt auf den Kongress zu warten.

Beide Termine zusammen ergeben ein Muster. Die wertpapierrechtliche Aufsicht legt eine Pause ein, die warenterminrechtliche rückt vor. Ob das Absicht ist oder Zufall, ändert nichts daran, woher die nächsten Regeln kommen dürften.

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Marktreaktion: schwach, aber ohne Panik

Abgestürzt ist der Markt nicht. Weggesteckt hat er die Nachricht aber auch nicht. Bitcoin rutschte am Freitag den zweiten Handelstag in Folge unter 63.000 Dollar und markierte im Tagesverlauf ein Tief bei rund 62.470 Dollar, bevor er sich stabilisierte. Aus den Spot-ETFs flossen am 13. August 131 Millionen Dollar ab, über zwei Tage betrachtet rund 192 Millionen Dollar. Das ist der erste Abfluss an zwei aufeinanderfolgenden Tagen seit Ende Juli.

Die Aktien von Coinbase und Robinhood gaben nach, beide sind stark vom Thema Tokenisierung abhängig. Schwächere US-Verbraucherstimmung und enttäuschende Einzelhandelsumsätze kamen dazu. Der Fear-and-Greed-Index stand bei 29 und damit klar im Angstbereich.

So sieht es bei den großen Werten zum Zeitpunkt der Erstellung aus:

  • Bitcoin ($BTC): 63.058,36 Dollar, plus 0,20 Prozent auf Tagessicht, minus 2,94 Prozent auf Wochensicht und minus 27,94 Prozent seit Jahresbeginn, Marktkapitalisierung 1,26 Billionen Dollar
  • Ethereum ($ETH): 1.881,02 Dollar, plus 0,50 Prozent auf Tagessicht, minus 1,80 Prozent auf Wochensicht und minus 36,60 Prozent seit Jahresbeginn
  • $BNB: 611,23 Dollar, plus 0,53 Prozent am Tag und plus 2,84 Prozent in der Woche
  • $XRP: 1,00 Dollar, minus 0,17 Prozent am Tag und minus 45,38 Prozent seit Jahresbeginn, damit der schwächste große Wert des Jahres
  • Solana ($SOL): 75,38 Dollar, minus 0,19 Prozent am Tag, auf Wochensicht aber plus 0,94 Prozent
  • TRON ($TRX): 0,3323 Dollar, mit plus 16,91 Prozent seit Jahresbeginn einer von nur zwei großen Werten im Plus
  • Hyperliquid ($HYPE): 56,24 Dollar, plus 121,18 Prozent seit Jahresbeginn und damit mit Abstand der stärkste Wert in den Top Ten
  • Dogecoin ($DOGE): 0,07012 Dollar, plus 0,67 Prozent am Tag und minus 40,22 Prozent seit Jahresbeginn

Unterhalb der Top Ten sticht Chainlink mit einem Wochenplus von 14,07 Prozent auf 9,41 Dollar heraus, Monero legte in sieben Tagen 7,29 Prozent auf 407,32 Dollar zu. Klarer Verlierer ist Cardano mit minus 10,07 Prozent auf Wochensicht bei 0,1797 Dollar und minus 46,00 Prozent im laufenden Jahr.

Das Bild ist ziemlich eindeutig. Die Gesamtmarktkapitalisierung sinkt, während die Bitcoin-Dominanz über 56 Prozent bleibt. Kapital verlässt also den Markt, statt in Altcoins umzuschichten. Genau so sieht ein Markt ohne Auslöser aus, und regulatorische Klarheit sollte dieser Auslöser sein.

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