XRP-Kurs stürzt um 9 % ab: Wie tief kann XRP jetzt noch fallen?
Der XRP-Kurs bricht um fast 9 % ein, nachdem der Senat den CLARITY Act gestoppt hat. Warum es XRP härter trifft als Bitcoin und welche Kursziele zählen.

Es gibt Tage, an denen man die Trading-App besser zuklappt. Für XRP-Anleger ist heute so einer. Ripples Token ist unter 1,30 $ gerutscht und verliert innerhalb von 24 Stunden rund 8 bis 9 %. Das ist die schlechteste Performance in den gesamten Top 10.
Bitcoin gab im selben Zeitraum etwa 1,4 % ab. Ethereum rund 3 %. XRP verlor also das Sechsfache von Bitcoin.
Genau dieser Abstand ist die eigentliche Geschichte. Hier hat nicht der Gesamtmarkt korrigiert und XRP wurde mitgerissen. Hier hat ein regulatorisches Ereignis zugeschlagen, und XRP stand am nächsten dran.
Warum stürzt der XRP-Kurs heute ab?
Zwei Dinge sind innerhalb von 24 Stunden aufeinandergetroffen. Beide kommen aus den USA.

Das erste war die Abstimmung im Senat über den CLARITY Act am Dienstag. Das zweite ist die Federal Reserve, die heute Nachmittag ihren Zinsentscheid verkündet, und zwar mit einer erwarteten Erhöhung. XRP reagiert auf beides ungewöhnlich empfindlich. Bekommen hat der Kurs beides direkt hintereinander.
Den unmittelbaren Schaden richtete die Hebelwirkung an. In den 24 Stunden nach der Abstimmung liquidierten die Börsen rund 571 Millionen Dollar an Long-Positionen. Auf Bitcoin und Ether entfielen jeweils etwa 190 Millionen Dollar, auf XRP rund 30 Millionen Dollar, auf Solana etwa 22 Millionen Dollar. Die Trader waren also darauf positioniert, dass das Gesetz durchgeht. Bitcoin war Anfang der Woche genau aus diesem Grund Richtung 80.000 $ gelaufen.
Als die Annahme fiel, fielen die Positionen mit.
Was ist beim CLARITY Act im Senat passiert?
Der Senat hat am Dienstagnachmittag die Verfahrensabstimmung über H.R. 3633 nicht bestanden. Das offizielle Ergebnis lautete 49 zu 50. Das ist nicht nur weit entfernt von den nötigen 60 Stimmen, es ist nicht einmal eine einfache Mehrheit.
An dieser Stelle lohnt Präzision, weil viele Berichte das verwischen werden: Abgestimmt wurde über den Einstieg in die formale Debatte, nicht über das Gesetz selbst. Ein Erfolg hätte lediglich die Tür für Änderungsanträge geöffnet, die eigentliche Schlussabstimmung wäre danach noch gekommen. Die Niederlage bedeutet, dass diese Debatte nun gar nicht erst beginnt.
Gescheitert ist das Gesetz an dem Streit, der es seit Monaten blockiert hat. Die Demokraten forderten ein durchsetzbares Verbot, das dem Präsidenten und hohen Amtsträgern untersagt, an Krypto zu verdienen, während sie die Regeln dafür schreiben. Die Forderung wurde schärfer, nachdem Präsident Trump für 2025 Krypto-Einnahmen von mehr als 1,4 Milliarden Dollar offengelegt hatte. Die Republikaner legten am 14. September einen finalen Text über 630 Seiten vor, mit 126 von den Demokraten geforderten Änderungen und einer Ethik-Klausel, die von den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten durchgesetzt werden könnte. Es reichte nicht. Senatorin Elizabeth Warren führte die Opposition an und wischte die überarbeitete Klausel als Feigenblatt vom Tisch.
Drei Republikaner stimmten gegen die eigene Fraktion: Susan Collins aus Maine, Josh Hawley aus Missouri und Jerry Moran aus Kansas. Auch mehrere Demokraten, die monatelang mitverhandelt hatten, darunter Gillibrand, Warner, Booker, Warnock und Gallego, votierten mit Nein.
Der Markt preiste das sofort ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act 2026 noch Gesetz wird, fiel auf Polymarket auf rund 7 %. Im Februar lag sie bei 82 %. Ripple-Chef Brad Garlinghouse, der die Chancen das ganze Jahr über öffentlich bei 80 % und höher verortet hatte, brauchte für sein Fazit drei Worte: "This one stings", das sitzt.
Angesichts des knappen Zeitplans vor den Kongresswahlen im November ist die US-Regulierung der Marktstruktur damit für 2026 faktisch erledigt.
Warum verschärft die Fed-Zinserhöhung den XRP-Crash?
Von schlechtem Timing zu sprechen, wäre untertrieben.
Die Fed entscheidet heute, am 16. September, um 20 Uhr MEZ. Die Terminmärkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von rund 90 % für eine Anhebung um 25 Basispunkte ein, was das Zielband auf 3,75 bis 4,00 % heben würde. Es wäre die erste Zinserhöhung seit 2023, unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der in seiner Antrittsrede in Jackson Hole sehr deutlich gemacht hat, dass die Inflation für ihn oberste Priorität hat.
Zinserhöhungen sind für Krypto strukturell Gift. Höhere Renditen bedeuten, dass Anleger mit Staatsanleihen eine sichere Verzinsung bekommen, ohne sich die Schwankungen des Kryptomarkts anzutun. Die Renditen der US-Staatsanleihen und der Dollar sind beide gestiegen, weil sich die Märkte auf eine straffere Geldpolitik einstellen.
Und jetzt der Punkt, der für Trader wirklich zählt: Weil die Erhöhung so vollständig eingepreist ist, wird der Zinsentscheid selbst kaum die Geschichte sein. Entscheidend sind das Abstimmungsverhältnis im Ausschuss, der aktualisierte Dot-Plot mit den Zinsprognosen der Notenbanker und der Ton, den Warsh eine halbe Stunde später auf der Pressekonferenz anschlägt. Ein Dot-Plot, der weitere Erhöhungen für 2027 andeutet, wäre für XRP deutlich unangenehmer als die Anhebung an sich.
Warum trifft es XRP härter als Bitcoin, Ethereum und Solana?
Ein Blick auf die Spitze des Marktes zeigt das Ausmaß:
| Coin | Kurs | 24 Std. | Seit Jahresbeginn |
|---|---|---|---|
| Bitcoin ($BTC) | 75.847 $ | -1,35 % | -13,33 % |
| Ethereum ($ETH) | 2.404 $ | -2,97 % | -18,98 % |
| $BNB | 712,94 $ | -0,81 % | -17,41 % |
| $XRP | 1,28 $ | -8,71 % | -30,21 % |
| Solana ($SOL) | 97,55 $ | -3,43 % | -21,63 % |
XRP ist sowohl auf 24-Stunden-Sicht als auch seit Jahresbeginn der mit Abstand schwächste Wert dieser Liste. Bemerkenswert ist BNB: kaum Bewegung. Das sagt einiges aus, denn BNB hat so gut wie keine Abhängigkeit von US-Gesetzgebung.
XRP hat am stärksten reagiert, weil für XRP am meisten auf dem Spiel stand. Der CLARITY Act nannte XRP unter 16 Token, die als digitale Rohstoffe eingestuft worden wären und damit unter die Aufsicht der CFTC statt der SEC gefallen wären. Für einen Coin, dessen gesamte Kursgeschichte von einem fünfjährigen Wertpapierstreit mit der SEC gezeichnet ist, war eine gesetzlich festgeschriebene Einordnung kein netter Bonus. Es war das letzte offene Kapitel.
Bitcoins regulatorischer Status stand nie zur Debatte. Der von XRP schon, und das Gesetz, das ihn geklärt hätte, ist gerade gescheitert.
Warum hängt Ripple so stark an der US-Politik?
Ripple ist vermutlich das Krypto-Unternehmen mit der stärksten Washington-Abhängigkeit überhaupt. Und XRP handelt genau so.
Ripples Kerngeschäft ist der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr für regulierte Finanzinstitute. Keine Bank bindet eine Abwicklungsinfrastruktur an, die rechtlich in einer Grauzone liegt. Jeder Teil der Wachstumsstory, von der institutionellen Nutzung des XRP Ledger über den Stablecoin RLUSD bis zur angestrebten US-Banklizenz, läuft über amerikanische Aufsichtsbehörden.
Ripple hat diese Abhängigkeit zusätzlich kultiviert. Garlinghouse sitzt im Innovation Advisory Committee der CFTC, unterstützte öffentlich Trumps Vorstoß für das Gesetz und machte den CLARITY Act in praktisch jedem Interview dieses Jahres zum Thema. Wer seine Erzählung so eng an ein einziges Gesetzesvorhaben knüpft, erbt eben auch den Absturz, wenn es scheitert.
Dazu kommt ein zweiter Kanal. Es gibt inzwischen US-Spot-ETFs auf XRP, und die leiten amerikanische Makro-Stimmung direkt ins Orderbuch. Diese Fonds verzeichneten Anfang des Monats in einer Woche 60 Millionen Dollar an Nettozuflüssen, die stärkste Woche des Jahres 2026. Dieser Rückenwind kann genauso schnell drehen. Aus den Spot-Bitcoin-ETFs flossen nach der Senatsabstimmung 450 Millionen Dollar ab, der höchste Tagesabfluss seit Juni.
Institutionelles Geld kauft nicht bedingungslos. Es kauft und liest dabei mit, was in Washington passiert.
XRP Prognose: Welche Kursziele gelten nach unten?
Zuerst die ehrliche Einordnung: Aus dem Chart allein lässt sich nicht herauslesen, welcher Anteil dieses Minus von 8 bis 9 % auf den CLARITY Act, welcher auf die Fed-Positionierung und welcher auf allgemeine Risikoaversion entfällt. Alle drei wirken gleichzeitig. Was folgt, sind Marken, die Trader beobachten. Es sind keine Prognosen.
Die strukturelle Zone zwischen 1,26 und 1,28 $, die im März und April gehalten hat, ist bereits gebrochen. Genau dort notiert XRP jetzt.
- Unmittelbare Unterstützung: 1,10 $. Diese Marke wird am häufigsten als nächster echter Test genannt. Von rund 1,28 $ aus wären das weitere 14 % Abwärtspotenzial.
- On-Chain-Unterstützung: 1,06 $. Auf diesem Niveau haben über 830 Millionen Token den Besitzer gewechselt. Entsprechend viele Käufer haben hier ihren Einstandskurs und verteidigen ihn tendenziell.
- Erweitertes Bärenszenario: 0,87 bis 0,80 $. In der Zone um 0,80 $ wurden 923 Millionen Token gehandelt. Ein Rückgang auf 0,87 $ würde von hier aus rund 31 % bedeuten.
Zyklustief-Szenario: 0,70 bis 0,62 $. Das untere Band des Gaussian Channel auf Zwei-Wochen-Basis, das seit 2017 jeden XRP-Bärenmarkt am Tiefpunkt erwischt hat, liegt derzeit zwischen 0,70 und 0,90 $. Bei 0,62 $ wurden 1,16 Milliarden Token umgesetzt.
Ein Wochenschlusskurs unter 1,06 $ ist die Linie, ab der aus einer Korrektur die Suche nach dem Zyklustief wird.
XRP Prognose: Welche Kursziele gelten nach oben?
Der Weg nach oben ist schmaler als der nach unten, und er hat ein Deckelproblem.
- Erste Rückeroberung: 1,38 bis 1,45 $. Diese Zone muss XRP zurückerobern, um die Abwärtsbewegung zu stoppen. Bis dahin ist jede Erholung nur ein tieferes Hoch.
- Nächster Widerstand: 1,50 bis 1,60 $. Das war das Kursziel für den Fall, dass das Gesetz durchgeht. Jetzt ist es stattdessen Angebotsüberhang.
- Großer Widerstand: 1,67 bis 1,81 $. Hier läge die erste echte Trendwende-Bestätigung. Eine Rückeroberung von 1,67 $ würde das bullische Szenario für 2026 wieder ins Spiel bringen.
- Die Angebotszone bei 2,00 $. Rund 75 % der realisierten Marktkapitalisierung von XRP liegen nahe der 2-Dollar-Marke im Minus. Das ist ein gewaltiger Block von Anlegern, die bei jeder Erholung bis dorthin zu Verkäufern werden.
Zur Einordnung der Größenordnung: Basisszenarien sehen XRP zum Jahresende 2026 zwischen 1,36 und 1,93 $, mit einem Mittelwert nahe 1,60 $. Das wäre eine Erholung, kein neuer Zyklus.
Worauf sollten XRP-Anleger jetzt achten?
Drei Dinge, sortiert danach, wie schnell sie relevant werden.
- Heute Abend um 20 Uhr MEZ. Nicht die Zinserhöhung, die ist eingepreist. Sondern der Dot-Plot und die Pressekonferenz von Warsh. Ein Signal für weitere Straffung bis 2027 setzt jede Risikoanlage unter Druck, XRP eingeschlossen.
- Die ETF-Zuflüsse dieser Woche. Die institutionelle Nachfrage war der einzige wirklich konstruktive Punkt im XRP-Chart. Drehen diese Zuflüsse ins Minus und bleiben dort, kommt der Test bei 1,10 $ schnell.
- Die Aufsichtsbehörden, nicht der Kongress. Mit dem gescheiterten Gesetz verlagert sich die Aufmerksamkeit auf SEC und CFTC, die ohnehin bereits eigenständig an Krypto-Regeln arbeiten. Grayscale nannte die Abstimmung nicht das erhoffte Ergebnis und verwies genau auf diese laufende Regulierungsarbeit. Das ist langsamer und weniger belastbar als ein Gesetz, aber es ist nicht nichts. Einige Republikaner, darunter Senator Thom Tillis, halten das Gesetz weiterhin nicht für tot.
Noch eine Anmerkung zum Kalender. Im Oktober beginnt die sitzungsfreie Zeit des Senats, danach der Wahlkampf. Da der Kongress im kommenden Jahr voraussichtlich geteilt regiert wird, ist das realistisch nächste Zeitfenster für ein Marktstrukturgesetz frühestens 2027.
XRP hat 2026 ein Gesetz eingepreist, das nicht kommt. Diese Erwartung wird gerade wieder ausgepreist.
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