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Bitcoin über 64.000 Dollar: Ist die Iran-Waffenruhe der Grund?

Bitcoin steigt über 64.000 Dollar, während Al Arabiya eine verlängerte Waffenruhe meldet. Der Chart zeigt: Die Rally lief längst vor der Schlagzeile.

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6 Min. Lesezeit
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Kategorien: Bitcoin

Bitcoin hat am Montag erstmals seit dem 11. August wieder die Marke von 64.000 US-Dollar geknackt. Um 18:55 Uhr UTC notierte der Kurs bei 64.063 Dollar, nach einem Vortagesschluss von 62.832 Dollar. Unter dem Strich steht damit ein Plus von rund 1.230 Dollar oder knapp 2 Prozent.

Die Erklärung liegt scheinbar auf der Hand. Der saudische Sender Al Arabiya meldete am Montag unter Berufung auf Quellen, die USA und der Iran hätten ihre 60-tägige Waffenruhe verlängert, die heute ausgelaufen wäre. Die türkische Agentur Anadolu berichtete Ähnliches und beruft sich dabei auf Kreise der pakistanischen Regierung.

Eine saubere Geschichte. Nur hält sie dem Blick auf den Intraday-Chart nicht wirklich stand.

Wie stark ist Bitcoin am Montag tatsächlich gestiegen?

$Bitcoin hat die Marke von 64.000 Dollar zurückerobert, die am 11. August verloren ging, und beendet den europäischen Handel mit knapp 2 Prozent im Plus.

🔸 BTC-Kurs: 64.063 Dollar um 18:55 Uhr UTC 
🔸 Vortagesschluss: 62.832 Dollar 
🔸 Tagesplus: rund 1.230 Dollar beziehungsweise 1,96 Prozent 
🔸 Tagestief: etwa 62.830 Dollar gegen 02:00 Uhr UTC 
🔸 Tageshoch: rund 64.150 Dollar gegen 17:50 Uhr UTC 
Zum Vergleich: Vergangene Woche schloss BTC bei etwa 62.900 Dollar und damit rund 3 Prozent im Minus

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BTC-Preis heute in USD

Haben die USA und der Iran die Waffenruhe wirklich verlängert?

Die Verlängerung ist bislang eine Medienmeldung mit anonymen Quellen, keine bestätigte Vereinbarung, und iranische Offizielle widersprechen ihr öffentlich.

Al Arabiya und Anadolu berichten übereinstimmend von einer Verlängerung. Die Jerusalem Post schreibt dagegen, die Frist sei ohne Durchbruch verstrichen. Washington und Teheran liegen weiterhin bei der Straße von Hormus und beim iranischen Atomprogramm auseinander. Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte gegenüber Journalisten, es habe überhaupt keine Gespräche über eine Verlängerung der 60-Tage-Frist gegeben. Teheran argumentiert seit Wochen, die Vereinbarung habe nie ein definiertes Startdatum gehabt. Aus iranischer Sicht gibt es also nichts zu verlängern.

Grundlage ist die Absichtserklärung, die Donald Trump und Masoud Peseschkian am 17. Juni 2026 unterzeichnet haben. Sie regelt die Aufhebung der US-Seeblockade und die freie Durchfahrt für Handelsschiffe durch die Straße von Hormus, ausdrücklich befristet auf 60 Tage. Diese Frist ist heute abgelaufen, und der Schiffsverkehr durch die Meerenge liegt praktisch still.

Zeigt der Chart, dass die Iran-Meldung den Anstieg ausgelöst hat?

Nein. Der Aufwärtstrend startete gegen 02:00 Uhr UTC und damit viele Stunden bevor die Meldung über die Ticker lief. Die Schlagzeile hat eine bereits laufende Bewegung beschleunigt, ausgelöst hat sie sie nicht.

Der Tag in der richtigen Reihenfolge:

  • 02:00 bis 06:00 Uhr UTC. Bitcoin löst sich in kleinen Stufen vom Bereich um 62.830 Dollar und steht um 06:00 Uhr bei 63.400 Dollar. Das ist die sauberste Aufwärtsbewegung des gesamten Tages, und sie läuft über Nacht in Europa ab, lange vor jeder Meldung aus dem Nahen Osten.
  • 06:00 bis 12:15 Uhr UTC. Eine breite Seitwärtsspanne zwischen 63.250 und 63.650 Dollar. Käufer verteidigen das Niveau, mehr passiert nicht.
  • 12:30 Uhr UTC. Ein kurzer Sprung auf rund 63.550 Dollar, zeitgleich mit Umschichtungen an den US-Futures-Märkten vor der Eröffnung an der Wall Street.
  • 14:00 bis 15:30 Uhr UTC. Der Kurs fällt zurück auf etwa 63.380 Dollar. Genau das ist der interessante Punkt: Wäre eine marktbewegende Friedensmeldung zu diesem Zeitpunkt bereits eingepreist gewesen, hätte dieser Rücksetzer so nicht stattgefunden.
  • 16:45 bis 17:50 Uhr UTC. Der stärkste Impuls des Tages, von rund 63.550 auf 64.150 Dollar in etwa einer Stunde. Dieses Zeitfenster passt tatsächlich zur Al-Arabiya-Meldung.

Rechnet man das zusammen, war rund 60 Prozent des Tagesgewinns bereits eingefahren, bevor die Waffenruhe-Meldung überhaupt die Runde machte. Der letzte Schub lässt sich plausibel auf die Schlagzeile zurückführen. Aber er ist ein Katalysator auf einer laufenden Bewegung, nicht ihr Auslöser.

Der zweite Punkt ist die Größenordnung. Knapp 2 Prozent sind für dieses Ereignis schlicht zu wenig. Als sich die USA und der Iran am 8. April auf eine Waffenruhe einigten, brach Brent an einem einzigen Handelstag um fast 16 Prozent ein, der FTSE 100 sprang um 2,8 Prozent. Nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung im Juni lief Bitcoin bis in den Bereich um 66.000 Dollar. Eine glaubhafte Öffnung der Straße von Hormus ist ein deutlich größeres Ereignis als das, was der Markt am Montag eingepreist hat. Gehandelt wird ein Vielleicht, kein Deal.

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Was treibt den Bitcoin-Kurs sonst noch an?

Der wichtigste Treiber am Montag war die Makrolage, konkret schwächere US-Inflationsdaten, die eine Zinserhöhung der Fed im September unwahrscheinlicher machen und den Dollar auf den tiefsten Stand seit Anfang Juni gedrückt haben.

Drei weitere Faktoren spielen hinein:

  • Verteidigte Unterstützung. BTC fiel am Freitag Richtung 62.500 Dollar, die Zone zwischen 62.500 und 63.000 Dollar hat gehalten. Der Montag liest sich damit als kontrollierte Erholungsbewegung an einer Unterstützung bei bereinigter Hebelsituation, nicht als überzeugungsstarke Nachrichten-Rally.
  • Gestauchte Volatilität. Die 30-Tage-Volatilität lag zuletzt bei rund 36 Prozent und damit nahe ihrem Jahrestief 2026. Niedrige implizite Volatilität sorgt dafür, dass jeder Auslöser stärker durchschlägt, als er es verdient. In einem so ruhigen Markt erzeugt schon eine überschaubare Meldung eine Kerze, die größer aussieht, als sie ist.
  • Positionierung. Das Long/Short-Verhältnis auf Binance liegt bei etwa 2,05, rund 67 Prozent der Konten sind long. Eine derart einseitige Positionierung schneidet in beide Richtungen, kurz vor einer runden Marke wie 64.000 Dollar wirkt sie aber tendenziell verstärkend nach oben.

Ist der Sprung über 64.000 Dollar ein echter Ausbruch?

Bisher nicht. 64.000 Dollar ist ein Niveau, das Bitcoin am 11. August verloren hat. Der Widerstand, auf den es wirklich ankommt, liegt zwischen 64.500 und 65.000 Dollar, und dort ist BTC vergangene Woche gescheitert.

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Ein Niveau zurückzuerobern, das man kurz zuvor verloren hat, ist Reparaturarbeit, kein Ausbruch. Einige Marktteilnehmer nennen 66.000 Dollar als Ziel, sofern BTC die Zone zwischen 64.000 und 65.000 Dollar überwindet. Für eine Bestätigung bräuchte es allerdings zwei Dinge, die derzeit fehlen: frische Zuflüsse in die Spot-ETFs und steigendes Open Interest. Die Spot-Bitcoin-ETFs sind stark in den August gestartet, verzeichneten vergangene Woche aber mehrere Abflusstage in Folge. Die Mittelflüsse sind hier das entscheidende Signal, und sie haben noch nicht gedreht.

Worauf sollten Anleger jetzt achten?

Auf Brent und auf die Schiffsverkehrszahlen in der Straße von Hormus, denn der Ölpreis ist der Mechanismus, der aus einer Schlagzeile erst einen belastbaren Rückenwind für Kryptowerte macht.

Der Übertragungsweg vom Nahen Osten zum Bitcoin-Kurs läuft über Energie, nicht über Stimmung. Billigeres Öl bedeutet niedrigere Inflationserwartungen, das wiederum eine lockerere Geldpolitik der Fed, und davon profitieren Risikoanlagen. Nimmt der Tankerverkehr tatsächlich wieder Fahrt auf und fällt Brent spürbar, hat die Rally ein Fundament. Bleibt der Schiffsverkehr blockiert, war die Bewegung vom Montag eine Erholung an der Unterstützung, die sich eine Schlagzeile für den Schlussspurt geliehen hat. Dann dürfte die Zone zwischen 64.500 und 65.000 Dollar erneut abweisen.

Was heißt das unter dem Strich?

Der Sprung über 64.000 Dollar speist sich aus schwächeren US-Inflationsdaten, einer verteidigten Unterstützung und einer unbestätigten Friedensmeldung, die erst spät im Handelstag ankam. Das macht die Bewegung zu einer beobachtenswerten Erholung, nicht zu einem geopolitischen Ausbruch, dem man hinterherlaufen sollte.

Die Iran-Geschichte ist real und bleibt relevant. Den gesamten Montagsanstieg auf sie zu schieben, hält der Chartanalyse aber nicht stand. Warte auf den Ölpreis, auf die ETF-Zuflüsse und auf einen sauberen Tagesschluss über 65.000 Dollar, bevor du hier eine Trendwende siehst.

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