Öl steigt auf 100 Dollar – Warum Bitcoin und Altcoins fallen
Der Ölpreis steigt wegen der Spannungen mit dem Iran über 100 Dollar. Bitcoin fällt unter 65.000 Dollar und zieht Altcoins nach unten.

Bitcoin und der gesamte Kryptomarkt gerieten am Donnerstag deutlich unter Druck. Die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran trieben den Ölpreis über 100 Dollar je Barrel. Die geopolitische Unsicherheit machte einen Teil der jüngsten Erholung zunichte und rückte Inflations- und Zinsängste erneut in den Mittelpunkt.
Der Bitcoin Kurs fiel unter 65.000 Dollar, nachdem er sich zuvor der Marke von 67.000 Dollar genähert hatte. Ethereum rutschte unter 1.900 Dollar, während XRP, Solana, Dogecoin und Cardano noch größere Tagesverluste verzeichneten.
Die entscheidende Frage lautet nun: Ist das nur eine kurzfristige Reaktion auf die aktuellen Nachrichten oder der Beginn einer stärkeren Korrektur am Kryptomarkt?
Warum ist der Ölpreis über 100 Dollar gestiegen?
Brent Rohöl legte um etwa 7 Prozent zu und überschritt die Marke von 100 Dollar je Barrel. Damit erreichte der Ölpreis den höchsten Stand seit fast zwei Monaten. Auch West Texas Intermediate stieg erstmals seit Juni wieder über 90 Dollar.
Auslöser waren Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi Miliz auf zwei saudische Öltanker im Roten Meer. Die Gruppe drohte außerdem damit, saudische Öllieferungen durch die Meerenge Bab al Mandab zu behindern. Dabei handelt es sich um eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.
Die Angriffe sind besonders problematisch, weil der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bereits stark eingeschränkt ist. Sollten sowohl die Straße von Hormus als auch das Rote Meer für Tanker zunehmend gefährlich werden, könnte ein erheblicher Teil der weltweiten Energieversorgung verzögert oder vollständig unterbrochen werden.
US Präsident Donald Trump kündigte anschließend eine umfassende militärische Bestrafung des Iran und seiner regionalen Verbündeten an. Dadurch wuchs die Sorge, dass sich der Konflikt weiter ausweiten könnte.
Analysten von Goldman Sachs warnten, dass Brent Rohöl auf über 120 Dollar steigen könnte, falls die Lieferprobleme anhalten.
Warum fällt Bitcoin, wenn der Ölpreis steigt?
Bitcoin ist nicht direkt vom Ölpreis abhängig. Ein schwerer Energieschock kann jedoch fast alle risikoreichen Anlageklassen belasten.

Steigende Ölpreise verteuern Transport, Produktion und Strom. Unternehmen geben diese zusätzlichen Kosten häufig an ihre Kunden weiter. Dadurch entsteht neuer Inflationsdruck.
Sollte die Inflation wieder anziehen, könnte die Federal Reserve geplante Zinssenkungen verschieben. Bei einem besonders starken Anstieg der Verbraucherpreise wären sogar weitere Zinserhöhungen denkbar.
Diese Möglichkeit wird bereits an den Märkten eingepreist. Nach dem Anstieg des Ölpreises sahen Händler Berichten zufolge eine Wahrscheinlichkeit von fast 40 Prozent für eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung der Federal Reserve. Wenige Tage zuvor lag diese Wahrscheinlichkeit noch im einstelligen Bereich.
Höhere Zinsen belasten normalerweise Bitcoin, Technologieaktien und andere spekulative Anlagen. Anleger können mit Staatsanleihen höhere Renditen erzielen und gehen dabei deutlich weniger Risiko ein. Dadurch sinkt die Attraktivität von Anlagen ohne laufende Erträge.
Kryptomarkt rutscht ins Minus
Der Bitcoin Kurs lag nach einem Tagesverlust von etwa 2 Prozent bei rund 64.700 Dollar. Der Rückgang folgte auf die erneute Ablehnung am wichtigen Widerstand bei 67.000 Dollar.
Ethereum verlor fast 3 Prozent und fiel auf ungefähr 1.888 Dollar. Damit ging auch die psychologisch wichtige Marke von 1.900 Dollar verloren. Bei mehreren großen Altcoins waren die Verluste noch deutlicher:
- XRP fiel um etwa 3,8 Prozent.
- Solana verlor rund 3 Prozent.
- Dogecoin gab fast 5 Prozent nach.
- Cardano fiel um mehr als 5,5 Prozent.
- Stellar verlor ungefähr 4,5 Prozent.
Hyperliquid, Zcash und Monero gehörten zu den wenigen größeren Kryptowährungen, die im gleichen Zeitraum noch Kursgewinne verzeichneten.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Anleger ihr Risiko zunächst bei Altcoins reduzieren. Das ist in Zeiten geopolitischer Unsicherheit typisch. Kapital fließt dann häufig in Bargeld, Staatsanleihen und andere defensivere Anlagen.
Bitcoin als sicherer Hafen erneut auf dem Prüfstand
Bitcoin wird häufig als digitales Gold und als Absicherung gegen politische Unsicherheit bezeichnet. Die Reaktion auf die jüngste Eskalation mit dem Iran zeigt jedoch ein komplizierteres Bild.
Anstatt von den geopolitischen Risiken zu profitieren, fiel Bitcoin zusammen mit den Aktienmärkten. Händler behandeln BTC damit weiterhin überwiegend als risikoreiche Anlage – besonders dann, wenn ein internationaler Konflikt die Inflation und die Geldpolitik beeinflussen könnte.
Langfristig könnte Bitcoin von der Geldentwertung und den steigenden Staatsschulden profitieren. Unmittelbar nach einem plötzlichen Marktschock verkaufen Anleger jedoch häufig liquide Vermögenswerte, um ihr Risiko zu reduzieren oder Verluste in anderen Bereichen auszugleichen.
Das widerlegt die langfristige These von Bitcoin als sicherem Hafen nicht vollständig. Es zeigt aber, dass sich Bitcoin in der ersten Phase einer Krise deutlich anders als Gold verhalten kann.
Kann sich der Bitcoin Kurs erholen?
Der Bereich zwischen 64.000 und 65.000 Dollar ist jetzt die erste wichtige Zone. Sollte sich Bitcoin darüber stabilisieren, könnte der Rückgang lediglich eine normale Korrektur nach der 13 prozentigen Erholung von den Tiefständen im Juli darstellen.
Für eine nachhaltige Erholung müsste der Bitcoin Kurs wieder über 67.000 Dollar steigen. Ein Ausbruch über diesen Widerstand könnte den Weg in Richtung 70.000 Dollar und anschließend zum gleitenden 200 Tage Durchschnitt bei ungefähr 72.800 Dollar öffnen.
Das negative Szenario würde mit einem klaren Bruch der Marke von 64.000 Dollar beginnen. In diesem Fall könnten die Unterstützungen bei 62.000 und 60.000 Dollar erneut getestet werden. Altcoins würden bei einem solchen Rückgang wahrscheinlich noch größere Verluste verzeichnen.
Die weitere Entwicklung hängt stark von der Lage im Nahen Osten ab. Hinweise auf eine Deeskalation oder die Wiederaufnahme sicherer Schifffahrtsrouten könnten den Ölpreis senken und dem Kryptomarkt bei der Erholung helfen.
Weitere Angriffe auf Tanker, Energieanlagen oder strategisch wichtige Wasserstraßen könnten den Ölpreis dagegen noch höher treiben und die Flucht aus risikoreichen Anlagen verlängern.
Kommt jetzt ein weiterer Krypto Crash?
Der aktuelle Rückgang reicht noch nicht aus, um einen neuen Krypto Crash zu bestätigen. Bitcoin notiert weiterhin über seinen jüngsten Tiefständen. Außerdem kam es bisher nicht zu der breiten Liquidationswelle, die normalerweise mit einem größeren Zusammenbruch verbunden ist.
Die Kombination aus einem Ölpreis von 100 Dollar, steigenden Anleiherenditen, neuen Erwartungen an Zinserhöhungen und einer militärischen Eskalation schafft jedoch ein gefährliches Umfeld für spekulative Anlagen.
Krypto Anleger sollten deshalb nicht nur den Bitcoin Kurs, sondern auch den Ölpreis beobachten. Solange Brent Rohöl über 100 Dollar bleibt und sich der Konflikt weiter ausweitet, könnte BTC Schwierigkeiten haben, die Marke von 67.000 Dollar zurückzuerobern – selbst wenn die Nachfrage nach Bitcoin ETFs und die regulatorischen Entwicklungen grundsätzlich positiv bleiben.
Derzeit bestimmen die geopolitischen Risiken die Märkte. Die nächste große Bewegung des Bitcoin Kurses könnte deshalb außerhalb der Kryptobranche entschieden werden.



























