Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanzberatung dar. Der Kryptomarkt ist hochvolatils und geopolitische Ereignisse können unvorhersehbare Kursbewegungen verursachen. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch, bevor Sie investieren.

Ist DeFi-Staking anders zu behandeln als On-Chain-Staking?

DeFi-Staking oder On-Chain-Staking, wo liegt der Unterschied? Ob Solo Validator, Liquid Staking Token oder DeFi-Protokoll: Nicht jede Staking-Variante funktioniert gleich. Wer die Risikoschichten kennt, trifft bessere Entscheidungen - technisch, finanziell und steuerlich.

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Kategorien: Crypto NewsKryptowährungen Steuern

Staking ist nicht gleich Staking. Entscheidend ist, wo die Rendite entsteht, wer welche Risiken trägt und wie viel zusätzliche Protokoll-Logik (Smart Contracts, Tokenisierung, Pools) zwischen Ihnen und dem Basis-Staking liegt.

On-Chain-Staking ist Teil des Konsensmechanismus eines Netzwerks. Liquid Staking baut darauf auf, tokenisiert die Position und ist häufig bereits DeFi-nah (Smart Contracts, Governance, Sekundärmärkte). Die Weiterverwendung solcher tokenisierten Staking-Positionen in anderen DeFi-Protokollen (z. B. Lending/LP/Leverage) fügt weitere Schichten hinzu, mit entsprechend mehr (und anderen) Risiken.

On-Chain-Staking (solo / delegated / custodial)

On-Chain-Staking bedeutet: Sie beteiligen sich direkt am Proof-of-Stake-Mechanismus eines Netzwerks, um dessen Sicherheit und Blockproduktion zu unterstützen. Das kann auf unterschiedliche Arten passieren:

1) Solo Staking (eigene Validator-Infra)

Sie betreiben selbst einen Validator (oder einen vergleichbaren Knoten) und nehmen direkt am Konsens teil.

  • Typisch: hohe Eigenverantwortung, volle Kontrolle, aber Betriebsrisiken (Uptime, Keys, Konfiguration).

2) Delegated Staking (Delegation an Validatoren)

Sie delegieren Ihre Stake-Position an einen Validator-Operator. Die Coins bleiben je nach Netzwerk in Ihrer Wallet bzw. unter Ihrer Kontrolle, aber der Operator beeinflusst Ihre Erträge über Performance und Gebührenstruktur.

  • Typisch: weniger Aufwand, aber Operator-Risiko (Performance, Fees, Fehlkonfiguration).

3) Custodial Staking (über einen Anbieter)

Ein Dienstleister stakt für Sie; häufig halten Sie nicht selbst die Keys.

  • Typisch: bequem, aber zusätzliches Verwahr- und Plattformrisiko.

Was hier „normalerweise“ gilt (ohne zu pauschal zu werden)

  • Ertragsquelle: protokollbasierte Rewards (plus ggf. Fees/MEV, abhängig vom Netzwerk/Setup)
  • Rendite: häufig variabel (abhängig von Netzwerkauslastung, Gesamtstake, Validator-Performance, Gebühren)
  • Risiken: Slashing (falls relevant), Validator-Ausfall/Fehlkonfiguration, Governance-/Protokolländerungen, bei Custody zusätzlich Ausfall-/Insolvenz-/Compliance-Risiko
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Liquid Staking als tokenisierte Staking-Position (häufig DeFi-nah)

Liquid Staking nimmt klassisches On-Chain-Staking und „verpackt“ es in eine tokenisierte Position (oft über Smart Contracts, Governance-Strukturen und Sekundärmärkte – daher häufig bereits DeFi-nah):

  • Sie hinterlegen z. B. ETH bei einem Liquid-Staking-Protokoll
  • Das Protokoll stakt im Hintergrund on-chain über Validatoren/Node-Operatoren
  • Sie erhalten einen Liquid Staking Token (LST) (z. B. stETH, rETH), der Ihre gestakte Position repräsentiert
  • Dieser Token ist (meist) frei übertragbar und kann in DeFi weitergenutzt werden

Wichtig: Beim reinen Liquid Staking kommt die Basisrendite weiterhin aus On-Chain-Staking-Rewards. Der Unterschied ist: Sie halten zusätzlich einen Derivat-/Receipt-Token, der neue Möglichkeiten schafft sowie neue Risiken.

Zusätzliche Risiken durch Liquid Staking

  • Smart-Contract-Risiko (Bugs, Exploits, Upgrades)
  • Depeg-/Marktrisiko (LST kann zeitweise unter/über dem „fairen“ Wert handeln)
  • Operator-/Governance-Risiko (Regeln, Parameter, Node-Operator-Set, Entscheidungen einer DAO)
  • Liquiditätsrisiko (in Stressphasen schlechtere Exit-Möglichkeiten)
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Weiterverwendung von LSTs in DeFi (Lending, LP, Leverage)

Hier beginnt das, was viele umgangssprachlich „DeFi-Staking“ nennen, fachlich sauberer ist: die zusätzliche Nutzung (rehypothecation/Komposition) von (liquid) gestakten Positionen in DeFi-Protokollen.

Typische Nutzungsmuster:

1) Lending (z. B. LST als Collateral)

Sie nutzen einen LST als Sicherheit, leihen sich einen Stablecoin oder ein anderes Asset und erhöhen so Ihre Kapitaleffizienz.

  • Risiko: Liquidationen bei Kursbewegungen, Zins-/Liquiditätsrisiken, Protokollrisiken.
  • Beispiel: Lending-Protokoll Aave.

2) LP-Positionen (Liquidity Providing)

Sie stellen Liquidität (z. B. LST/ETH, LST/Stablecoin) in Pools bereit und verdienen Trading Fees und/oder Incentives.

  • Risiko: Impermanent Loss, Pool-Risiko, Incentive-Abhängigkeit, Smart-Contract-Risiko.

3) Leverage-Strategien (Looping)

Manche Strategien hebeln die Staking-Rendite: LST als Collateral → Asset leihen → wieder staken/tauschen → erneut als Collateral usw.

  • Risiko: stark erhöht (Liquidationskaskaden, Zinsanstieg, Depeg, Protokoll-Exploits).
  • Faustregel: Je mehr Schichten Sie hinzufügen, desto mehr verschiebt sich das Profil von „Netzwerkbeteiligung“ zu „Finanzstrategie“.
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Risiken & mögliche steuerliche Relevanz

Risikoprofil in einer Zeile

  • On-Chain (solo/delegated): vor allem Protokoll-/Operator-/Slashing-Themen
  • Liquid Staking: zusätzlich Tokenisierungs-, Smart-Contract- und Depeg-Risiken
  • DeFi-Nutzung/Weiterverwendung: zusätzlich Kredit-, Liquidations-, LP- und Kaskadenrisiken

Mögliche steuerliche „Trigger“ (allgemein, ohne Länderfestlegung)

Je nach Land kann steuerlich relevant werden:

  • Reward-Zuflüsse (Zeitpunkt/Zuflussprinzip/Ermittlung)
  • Umwandlungen/Einzahlungen mit Token-Erhalt (z. B. ETH einzahlen und stETH erhalten oder LST wieder in das Basis-Asset zurückführen) als potenzieller Realisationsvorgang
  • Derivat-/Receipt-Token als möglicher neuer Vermögensgegenstand
  • Lending/LP/Leverage als zusätzliche Transaktions- und Ertragsebenen (Zinsen, Fees, Incentives)

Fazit

DeFi-nahe Staking-Varianten können je nach Ausgestaltung anders einzuordnen sein als klassisches On-Chain-Staking, weil sich die Quelle der Rendite und die Risikoschichten verschieben:

  • On-Chain-Staking: Netzwerkfunktion, protokollbasierte Rewards, überschaubarere Schichten
  • Liquid Staking: On-Chain-Rewards + tokenisierte Position (mehr Flexibilität, mehr Risiko; häufig bereits DeFi-nah)
  • DeFi-Weiterverwendung: zusätzliche Finanzstrategien (mehr Renditechancen, aber deutlich mehr Komplexität und Tail-Risiken)

Wichtig (Disclaimer): Das ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Die konkrete Einordnung hängt stark vom Land, Ihrer Nutzung (solo/delegated/custodial, LST ja/nein, Weiterverwendung ja/nein) und der dokumentierten Transaktionskette ab. Wenn Sie es belastbar brauchen, sollten Sie Ihre konkrete Wallet-/Exchange-Historie von einer steuerlich qualifizierten Stelle prüfen lassen.

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