Als Antwort auf den (unqualifizierten) Kommentar von Herrn Kaiser auf Spiegel online.

Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier – die Kenner unter Ihnen wissen, dass es sich im Fall des Euro eigentlich um Baumwolle handelt.“- Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank

Der Bitcoin knackt die $10.000

Die Kryptowährung Bitcoin hat in den letzten Tagen einen rasanten Kursanstieg hinter sich, schoss kurzzeitig von $9.000 per Coin erstmals über $10.000, nur um wenige Stunden später schon an der $11.000 Marke zu kratzen. Doch der Höhenflug hielt nicht lange an und ein „Crash“ von 20% des Wertes folgte nur wenige Stunden später. Dass dieser Crash eher eine Korrektur war zeigt der heutige Wert des Coins: $10.800.

Diese neue Bestmarke lockt nun natürlich auch wieder Skeptiker an, wie schon zuvor, als der Preis $10.000$5.000 , $1.000  oder $500 erreichte. Anscheinend finden sich jedes Mal aufs neue „Experten“, die sich die Blöße geben wollen, sich zu outen immer noch nicht verstanden zu haben was Bitcoin eigentlich ist. Es ist entweder das, oder vielleicht wollen sie sich auch einfach nur darüber hinweg trösten nicht investiert zu haben, indem sie sich einreden, dass Bitcoin eine Blase sei.

Ist Bitcoin eine Blase?

Doch was ist wenn Bitcoin gar keine Blase ist? Was ist, wenn das der Aufstieg einer neuen Assetklasse ist? Wenn Bitcoin immer mehr angenommen wird? Wenn exponentiell mehr Nutzer hinzukommen und die Technologie hinter dem Coin immer mehr Anwendung findet? Wenn immer mehr Anleger in Zeiten von Inflation, Bankenrettungen und Staatsbankrott erkennen, dass der Euro und der Dollar immer weniger wert werden? Ja, dann…. Ja, dann leben wir in der Realität.

In dem verlinkten Artikel stellt Herr Kaiser Unternehmen als bessere Anlage dar, allein schon aus dem Grund, dass hinter diesen tatsächlich ein Wert dahintersteht und man somit immer sagen kann: Mir gehört zu x % die Deutsche Telekom. Mir gehört zu x % Facebook. Und weil hinter dieser Aktie ein Unternehmen steht, wird die Aktie auch immer einen Wert haben, solange die Firma nicht Konkurs anmeldet. Jeder der tatsächlich schon einmal in Aktien investiert (und Geld verloren) hat weiß, dass es nicht so einfach ist. Unternehmen am Aktienmarkt können genauso an Wert verlieren und ein Risiko darstellen, wie andere Anlagen auch, völlig egal ob „etwas dahintersteckt“.

Was kauft man mit einem Bitcoin?

Wenn Bitcoin kein Unternehmensanteil darstellt? Was bekommt man dann eigentlich?

„Wenn man einen Bitcoin kauft, dann erwirbt man damit einen Eintrag in einer Datenbank.“, so die Aussage des „Experten“. Und das ist auch richtig. Nur… Dass dieser Eintrag in der Datenbank genial ist und auf Grund seiner Eigenschaften einen intrinsischen Wert besitzt ist neu. Denn im Unterschied zu normalen Datenbanken ist diese Datenbank dezentralisiert, und das macht sie fälschungssicher, unlöschbar, nicht beschlagnahmbar und technisch revolutionär. Dass diese Eigenschaft nicht „nichts“ ist, sondern $10.000 wert ist, wurde leider vom Autor noch nicht verstanden.

Warum Bitcoin kein Klopapier ist

Und das unterscheidet auch den Wert eines Bitcoins von dem Wert einer Rolle Klopapier. Ein Klopapier ist nicht fälschungssicher, ein Klopapier ist nicht unzerstörbar, ein Klopapier kann beschlagnahmt werden, ein Klopapier kann nicht innerhalb von Sekunden unabhängig von Ländergrenzen über den ganzen Globus verschickt werden. Das sind alles Eigenschaften die einer normalen Rolle Klopapier fehlen. Und darum wird der Wert eines Klopapiers auch niemals $10.000 sein.

$10.000 für einen Bitcoin? Wer kann sich das leisten?

Aber $10.000 für einen Eintrag? Ist das nicht viel zu hoch? Werden sich jetzt wahrscheinlich viele Leser fragen, weil viel zu selten erklärt wird, dass Bitcoin auch die Währungseigenschaft „Teilbarkeit“ besitzt. Es ist möglich 0.1 Bitcoin für $100 oder 0.00001 Bitcoin für $0.10 zu kaufen. Da es maximal 21 Millionen Bitcoins geben wird, wird nicht jeder Mensch des Planeten einen ganzen Bitcoin besitzen können. Aber das ist vollkommen irrelevant, weil in ein paar Jahren vielleicht 0,1 Bitcoin schon $10.000 wert sein könnten. Solange man im aktuell richtigen Wechselkurs die Währung einkauft/verkauft, kann man genau den Wert investieren, denn man zu investieren bereit ist. Was übrigens ein Vorteil gegenüber Immobilien (die normalerweise sehr teuer sind) oder Aktien (die nur in bestimmten mehreren einer Zahl kaufbar sind) darstellt.

Exponentielles Wachstum ist schwer vorstellbar

Doch dieses exponentielle Wachstum kann nicht natürlich sein, oder?  Das Tulpenfieber sollte uns doch gelehrt haben, dass Dinge die so schnell im Wert steigen wieder in sich zusammenfallen werden, oder nicht? (Im Übrigen – es gab gar kein Tulpenfieber –)

Aber wenn man sich wirklich mal durch den Kopf gehen lässt was exponentielles Wachstum bedeutet, ist es denn wirklich so unwahrscheinlich? Wie viele Leute hatten vor 30 Jahren Internet? Wie viele Leute hatten vor 20 Jahren ein Handy? Wie viele hatten vor 10 Jahren Facebook? Wie viele Leute hatten vor 5 Jahren Bitcoin? Alles Dinge die in den letzten Jahren exponentiell gewachsen sind ohne danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Es gibt auch heute noch Internet, Handys und Facebook.

Der große Vorteil von Euro/Dollar ist, dass Staaten das Geld akzeptieren und das Geld von Notenbanken ausgegeben wird, so Kaiser. Das mag seine Meinung sein, Fakt ist jedoch, dass der Euro und der Dollar jedes Jahr gegenüber Sachwerten an Wert verlieren. Bestes Beispiel ist die Kugel Eis für 1,20€, die vor 5 Jahren noch 0,60€ gekostet hat. Und welchen Wert hat Geld, wenn es aus dem nichts unbegrenzt geschaffen werden kann? Befürworter der Währung Bitcoin entscheiden sich bewusst für eine Währung die nicht beliebig nachgedruckt werden kann, sondern für immer mathematisch begrenzt ist. Vielleicht ist nicht Bitcoin in der Blase, sondern der Euro oder Dollar?

Und natürlich ist es noch nicht möglich mit Bitcoin bei Aldi zu zahlen. Genauso wenig wie es möglich war in den ersten Jahren des Internets mit Highspeed HD-Videos anzusehen. Bitcoin befindet sich wie alle neuen Technologien in Entwicklung. Trotzdem kann man mit Bitcoin bezahlen, zum Beispiel bei Microsoft, Shopify oder Expedia. Man kann sogar Häuser oder Autos für Bitcoin kaufen. Und jedes Jahr ermöglichen mehr und mehr Händler in Bitcoin zu bezahlen.

Welche Vorteile hat Bitcoin gegenüber Gold?

Wenn man Bitcoin mit Gold vergleicht, dann sollte man wissen was Bitcoin ist. Und wissen dass Bitcoin im Gegensatz zu Gold wirklich physikalisch begrenzt ist. Für Gold wird man – sobald der finanzielle Anreiz groß genug ist – immer wieder neue Quellen erschließen. Für Bitcoin nicht. Die Summe von handelbarem Gold steigt, die Summe von Bitcoin bleibt gleich.

Und auch in einer Krisensituation würde ich lieber Bitcoin statt Gold besitzen. Denn Gold kann geklaut werden und ist schlecht teilbar. Bitcoin hingegen ist teilbar und kann schlecht geklaut werden. Die Eigenschaft, dass man aus Gold aber auch Schmuck machen kann sollte in einer Situation in welcher Leute wirklich verhungern, keine Rolle spielen. In afrikanischen Ländern mit Hyperinflation wie zum Beispiel Zimbabwe hatte sich zuletzt auch die Benutzung von Bitcoin und nicht die von Gold durchgesetzt.

Dass es riskanter ist 1.000 € in Bitcoin zu investieren, anstatt in Aktien der Deutschen Telekom, sollte bei den aktuellen Kursschwankungen jedem Anleger klar sein. Dass man nicht seinen Notgroschen auf hochspekulative Produkte setzen sollte auch. Trotzdem sollte man sich fragen, ob die Eigenschaften dieser neuen Assetklasse nicht doch interessant genug sind einen kleinen Prozentsatz des Portfolios einzunehmen. Oder man kann auch einfach auf die „Experten“ ($5.000 , $1.000 , $500) hören und das komplette Entstehen einer neuen Assetklasse und Industrie verschlafen.

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Bitcoin in Kontext (Aktuell: $178B):

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